
| ISBN | 3426625261 | |
| Autor | Cornelia Wusowski | |
| Verlag | Droemer Knaur | |
| Sprache | deutsch | |
| Seiten | 1160 | |
| Erscheinungsjahr | 2004 | |
| Extras | - |

Das Leben von Elisabeth I. ist aufregend genug, um über tausend Seiten zu füllen und schon allein daher könnte man meinen, daß das Geld für Cornelia Wusowskis Buch gut angelegt ist. Allerdings sollte man sich nicht der Illusion hergeben, man habe es hier nur mit Fakten zu tun. Zu Recht lautet der Untertitel "Der Roman ihres Lebens" und nicht etwa "Die Biographie". So entzieht sich die Autorin jeglicher Kritik bezüglich des Wahrheitsgehalts und auch der gewöhnungsbedürftigen Änderungen zu konventionellen Ansichten. Um diese Änderungen zu rechtfertigen, sind Literaturangaben am Ende des Buches zu finden, damit ein informierter Leser ja nicht auf die Idee kommt, das Buch als völlig an den Haaren herbeigezogen abzutun.

Wie erwähnt, es ist ein Roman und somit kein geschichtliches Nachschlagewerk. Es gibt viele fiktionalisierte Passagen, so daß sich bald die Frage aufdrängt, was man denn noch glauben kann. An etlichen Stellen packt die Autorin ihr gesammeltes Wissen zu Politik, Gesellschaft, Kultur etc. in konzentrierte Abschnitte, die einem wie aus dem Lehrbuch erscheinen. Da hilft es auch nicht, daß sie in unrealistische Dialoge umgewandelt werden. Am meisten stört allerdings, daß Wusowski sich für einen wichtigen Teil des Buches für eine ungewöhnliche Theorie, dem ‚Shakespeare Komplott‘, einsetzt: William Shakespeare, der im elisabethanischen Zeitalter zu schreiben begann, ist im Roman zwar als Person präsent; allerdings wird die Theorie vertreten, daß er seine Stücke nicht selbst geschrieben hat, sondern daß er seinen Namen für Geld als Pseudonym zur Verfügung gestellt hat. Diese Ansicht schwirrt in literarischen Kreisen seit längerer Zeit herum, wurde aber nie zufriedenstellend bewiesen. Das allein wäre schon schlimm genug, wenn nicht noch faktische Fehler auftreten würden.
Abgesehen von den faktischen Freiheiten, die sich die Autorin nimmt, hat sie ungewöhnliche schriftstellerische Angewohnheiten. Stilistiche und formal-strukturelle Eigenheiten, die in studentischen Arbeiten jeder literaturwissenschaftlichen Fakultät gnadenlos als Fehler markiert werden, läßt der Verlag Frau Wusowski durchgehen. Das ist störend, wenn man sich selbst lange genug damit gequält hat, solche Fehler zu vermeiden, aber da die Autorin diese Eigenart konsequent durchhält, kann man dies möglicherweise als persönliches Merkmal abtun.
Wie angedeutet ist der Roman als literarisches Werk auch handwerklich nicht gut gelungen. Die Dialoge sind eher funktional (als Geschichtsunterricht) als ästhetisch gestaltet. Es gibt zu viele Wiederholungen in zu kurzen Abständen. Elisabeth selbst verändert sich so sehr, daß sie nach ihrer Krönung nicht nur den ausländischen Gesandten ein Rätsel ist und oftmals unsympathisch erscheint, während sie noch im ersten Drittel des Buches als lieb, freundlich und angenehm taktisch vorgehende junge Frau auftritt. Die Veränderung wird nicht zufriedenstellend begründet. Genauso unentschlossen wie Elisabeth in ihren Entscheidungen sind die Leser, die nicht wissen, was sie von diesem Buch halten sollen. Wer ohne einschlägiges Wissen das Buch liest, wird Freude an dem Buch haben. Wer allerdings mit einigen geschichtlichen und literarischen Vorkenntnissen an den Roman heran geht, wird Schwierigkeiten haben, auch wenn er/sie sich stets vor Augen hält, daß es sich um einen Roman und nicht ein geschichtliches Werk handelt.
geschrieben am 26.06.2007 | 485 Wörter | 2940 Zeichen
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