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Der Blues-Gustl


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Rezension von

Thierry Elsen

Der Blues-Gustl Weltbekannt in Wien. So lassen sich die Lokalmatadore, die großen Musikerinnen einer Stadt, deren Renommee meist schon außerhalb des eingefleischten Fankreises endet, am besten charakterisieren. Richard Weihs beschreibt uns mit seinem Blues-Gustl das Leben eines Musikers und Freundes, der nie den Sprung zu einer eigenstĂ€ndigen Karriere schaffte. Die Freundschaft zwischen dem Ich-ErzĂ€hler Richy und der Hauptfigur Gustl beginnt im legendĂ€ren Jazzland. Das Jazzland ist eine Wiener Institution und arbeitet auch noch heute mehr oder minder erfolgreich an der Verbreitung von Jazz und Blues. So wie damals in den frĂŒhen Siebzigern als ein junger Mann, namens August Zeliborsky alias Blues-Gustl, als PausenfĂŒller von Cripple Clarence Clayton fungierte. Der Ich-ErzĂ€hler war sofort hin- und weggerissen. „Seine helle, schneidende Singstimme drang wie ein scharfes Messer durch den dichten Zigarettenqualm des Lokals – und mich traf sie mitten ins Herz!“ Aus dieser abendlichen Begegnung entwickelte sich eine lebenslange MĂ€nnerfreundschaft mit allem was dazu gehört: KrĂ€nkungen, Versöhnungen, die Liebe zur selben Frau, nĂ€chtliche Biergelage und der Blues. Wie wahr das obige Zitat fĂŒr den Rest der Freundschaft zwischen den beiden jungen MĂ€nnern, die kaum der PubertĂ€t entflohen waren, werden sollte, war dem Ich-ErzĂ€hler, trotz seines sehr treffenden Herz-Schmerzvergleiches sicher nicht bewusst. Und so unterschiedlich die beiden Hauptfiguren sich auch persönlich, beruflich und gefĂŒhlsmĂ€ĂŸig entwickelten, ihre Lebensbahnen berĂŒhrten sich immer wieder. Eine Hassliebe nahm ihren Lauf. Der Blues-Gustl Ist die Geschichte eines Gestrandeten und eines nicht unsympathischen Losers, der es jedoch seinen Mitmenschen sehr schwer macht, ihn zu mögen. August Zeliborsky steht sich permanent selbst im Wege, trotz oder gerade wegen seines hervorstechenden Talents als Musiker und Songschreiber. Der Rausschmiss aus der elterlichen Wohnung steht am Anfang einer Spirale, die immer enger und enger wird und aus der es scheinbar kein Entrinnen gibt. Der Blues-Gustl hat ZĂŒge eines tragischen Helden im Sinne einer antiken Tragödie. Unaufhaltsam strebt er seinem Niedergange entgegen. Die kurze Episode als erfolgreicher Werbeguru ist nur ein retardierendes Moment und verstĂ€rkt den Absturz des Protagonisten. Der Blues-Gustl wandelt auf den Wegen eines bewunderten Bohemiens um zu einem ausgestoßenen Sandler zu werden. Der Frauenverschleiß des Blues-Gustl ist in den bewegten Jahren des aufkommenden Feminismus mindestens so sagenhaft, wie seine Alkohol- und Drogenexzesse. August Zeliborsky ist weder ideologisch, weltanschaulich noch menschlich eine gefestigte GrĂ¶ĂŸe. Einzig und allein in seiner Musik, die vom erdigen Delta-Blues, ĂŒber den Chicago-Blues, zum Rock und zum Wiener Lied reicht, wird er zu einem Großen; selbst als er völlig auf den Hund gekommen ist und seinem besten Freund ein letztes StĂ€ndchen darbietet. Der Blues-Gustl ist seiner Zeit voraus ohne Avantgarde zu sein. Er singt Wienerisch, meist zynisch und treffend. Er trĂ€gt sein Herz auf der Zunge und seine GefĂŒhle stecken in den Saiten seiner alten Blechgitarre. Richard Weihs prĂ€sentiert den Blues-Gustl als einen von jenen Menschen, der Nonkonformismus mit permanentem Querulieren, verwechselt. Viele andere seiner „Kampfgenoss/innen“ in der politisch bewegten Zeit der 70er und 80er Jahre haben es schlussendlich geschafft sich zu situieren und sich zurecht zu finden; mit der Gesellschaft, die sie mitgestaltet haben, aber vor allem mit sich selbst. Die dritte Hauptperson Der Roman spielt hauptsĂ€chlich im Wien der UmbrĂŒche, der sozialpolitischen Experimente und des Aufbruches. Wien ist mehr als der Rahmen, Wien ist die eigentliche Hauptrolle im Roman. Richard Weihs skizziert fast alle sozialpolitischen und alternativen Bewegungen der 70er und 80er Jahre. Die Arena, die Hausbesetzerwelle, Burggartenbewegung, der aufkommende Feminismus, die Alternativ- und GrĂŒnbewegung, die aufkeimende Subkultur und Beislszene und die hereinbrechende Esoterikwelle. Der Autor nimmt viele dieser Strömungen auf und beschreibt sie aus der eigenen Sicht und Erinnerung. Richard Weihs versteht es in sehr kurzen und kurzweiligen Kapitel drei Leben miteinander zu verbinden: Jenes von August Zeliborsky, sein eigenes respektive jenes des Ich-ErzĂ€hlers und das Leben der aufblĂŒhenden Hauptstadt. Es entsteht vor dem Auge des/der Leser/in eine Art Stationentheater mit den immer gleichen Hauptfiguren und wechselndem Nebenpersonal. Sprache und Ausdruck erzeugen einen schlichten, griffigen und schnellen Stil. Besonderes Augenmerk verdienen die eingestreuten Songtexte vom Blues-Gustl, sowie die Dialogszenen. Beide im breiten Dialekt geschrieben. Durch den langen beschriebenen Zeitraum und das flotte Tempo, das Weihs quer durch die Kapitel geht, ist vieles leider nur skizzenhaft und bestenfalls angedeutet. Hin und wieder wĂŒnschte ich mir es ein wenig genauer zu haben und nicht gleich zur nĂ€chsten Hausbesetzung oder zum nĂ€chsten Blues-Gustl-Konzert ĂŒberzugehen.

Weltbekannt in Wien. So lassen sich die Lokalmatadore, die großen Musikerinnen einer Stadt, deren Renommee meist schon außerhalb des eingefleischten Fankreises endet, am besten charakterisieren. Richard Weihs beschreibt uns mit seinem Blues-Gustl das Leben eines Musikers und Freundes, der nie den Sprung zu einer eigenstĂ€ndigen Karriere schaffte.

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Die Freundschaft zwischen dem Ich-ErzĂ€hler Richy und der Hauptfigur Gustl beginnt im legendĂ€ren Jazzland. Das Jazzland ist eine Wiener Institution und arbeitet auch noch heute mehr oder minder erfolgreich an der Verbreitung von Jazz und Blues. So wie damals in den frĂŒhen Siebzigern als ein junger Mann, namens August Zeliborsky alias Blues-Gustl, als PausenfĂŒller von Cripple Clarence Clayton fungierte. Der Ich-ErzĂ€hler war sofort hin- und weggerissen. „Seine helle, schneidende Singstimme drang wie ein scharfes Messer durch den dichten Zigarettenqualm des Lokals – und mich traf sie mitten ins Herz!“

Aus dieser abendlichen Begegnung entwickelte sich eine lebenslange MĂ€nnerfreundschaft mit allem was dazu gehört: KrĂ€nkungen, Versöhnungen, die Liebe zur selben Frau, nĂ€chtliche Biergelage und der Blues. Wie wahr das obige Zitat fĂŒr den Rest der Freundschaft zwischen den beiden jungen MĂ€nnern, die kaum der PubertĂ€t entflohen waren, werden sollte, war dem Ich-ErzĂ€hler, trotz seines sehr treffenden Herz-Schmerzvergleiches sicher nicht bewusst. Und so unterschiedlich die beiden Hauptfiguren sich auch persönlich, beruflich und gefĂŒhlsmĂ€ĂŸig entwickelten, ihre Lebensbahnen berĂŒhrten sich immer wieder. Eine Hassliebe nahm ihren Lauf.

Der Blues-Gustl

Ist die Geschichte eines Gestrandeten und eines nicht unsympathischen Losers, der es jedoch seinen Mitmenschen sehr schwer macht, ihn zu mögen. August Zeliborsky steht sich permanent selbst im Wege, trotz oder gerade wegen seines hervorstechenden Talents als Musiker und Songschreiber. Der Rausschmiss aus der elterlichen Wohnung steht am Anfang einer Spirale, die immer enger und enger wird und aus der es scheinbar kein Entrinnen gibt. Der Blues-Gustl hat ZĂŒge eines tragischen Helden im Sinne einer antiken Tragödie. Unaufhaltsam strebt er seinem Niedergange entgegen. Die kurze Episode als erfolgreicher Werbeguru ist nur ein retardierendes Moment und verstĂ€rkt den Absturz des Protagonisten. Der Blues-Gustl wandelt auf den Wegen eines bewunderten Bohemiens um zu einem ausgestoßenen Sandler zu werden.

Der Frauenverschleiß des Blues-Gustl ist in den bewegten Jahren des aufkommenden Feminismus mindestens so sagenhaft, wie seine Alkohol- und Drogenexzesse. August Zeliborsky ist weder ideologisch, weltanschaulich noch menschlich eine gefestigte GrĂ¶ĂŸe. Einzig und allein in seiner Musik, die vom erdigen Delta-Blues, ĂŒber den Chicago-Blues, zum Rock und zum Wiener Lied reicht, wird er zu einem Großen; selbst als er völlig auf den Hund gekommen ist und seinem besten Freund ein letztes StĂ€ndchen darbietet. Der Blues-Gustl ist seiner Zeit voraus ohne Avantgarde zu sein. Er singt Wienerisch, meist zynisch und treffend. Er trĂ€gt sein Herz auf der Zunge und seine GefĂŒhle stecken in den Saiten seiner alten Blechgitarre.

Richard Weihs prĂ€sentiert den Blues-Gustl als einen von jenen Menschen, der Nonkonformismus mit permanentem Querulieren, verwechselt. Viele andere seiner „Kampfgenoss/innen“ in der politisch bewegten Zeit der 70er und 80er Jahre haben es schlussendlich geschafft sich zu situieren und sich zurecht zu finden; mit der Gesellschaft, die sie mitgestaltet haben, aber vor allem mit sich selbst.

Die dritte Hauptperson

Der Roman spielt hauptsĂ€chlich im Wien der UmbrĂŒche, der sozialpolitischen Experimente und des Aufbruches. Wien ist mehr als der Rahmen, Wien ist die eigentliche Hauptrolle im Roman. Richard Weihs skizziert fast alle sozialpolitischen und alternativen Bewegungen der 70er und 80er Jahre. Die Arena, die Hausbesetzerwelle, Burggartenbewegung, der aufkommende Feminismus, die Alternativ- und GrĂŒnbewegung, die aufkeimende Subkultur und Beislszene und die hereinbrechende Esoterikwelle. Der Autor nimmt viele dieser Strömungen auf und beschreibt sie aus der eigenen Sicht und Erinnerung.

Richard Weihs versteht es in sehr kurzen und kurzweiligen Kapitel drei Leben miteinander zu verbinden: Jenes von August Zeliborsky, sein eigenes respektive jenes des Ich-ErzĂ€hlers und das Leben der aufblĂŒhenden Hauptstadt. Es entsteht vor dem Auge des/der Leser/in eine Art Stationentheater mit den immer gleichen Hauptfiguren und wechselndem Nebenpersonal. Sprache und Ausdruck erzeugen einen schlichten, griffigen und schnellen Stil. Besonderes Augenmerk verdienen die eingestreuten Songtexte vom Blues-Gustl, sowie die Dialogszenen. Beide im breiten Dialekt geschrieben. Durch den langen beschriebenen Zeitraum und das flotte Tempo, das Weihs quer durch die Kapitel geht, ist vieles leider nur skizzenhaft und bestenfalls angedeutet. Hin und wieder wĂŒnschte ich mir es ein wenig genauer zu haben und nicht gleich zur nĂ€chsten Hausbesetzung oder zum nĂ€chsten Blues-Gustl-Konzert ĂŒberzugehen.

geschrieben am 02.11.2008 | 703 Wörter | 4377 Zeichen

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