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Von Angst bis Zwang


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Rezension von

Kristina Scherer

Von Angst bis Zwang Was mich am meisten am Hans Huber Verlag fasziniert ist der Facettenreichtum an Themen im medizinischen und vor allem psychologischen Bereich. Die Lehrbücher stellen bisher gesichertes Wissen nicht einfach staubtrocken dar, sondern verknüpfen elegant Forschungsergebnisse mit Praxis. Die Fachbücher beleuchten einzelne Themengebiete oftmals von Seiten, die bis dato noch in der Dunkelheit verschwanden. Grund dafür ist auf der einen Seite das große Einfühlungsvermögen der Autoren, die bereit sind, einen Blick hinter die Fassaden zu riskieren und auf der anderen Seite das Bestreben des Verlags, auch über seltene Phänomene berichten zu wollen, wobei andere lediglich Publikationen über gängige Themen zu bieten haben. Der Hans Huber Verlag hat seinen Konkurrenten auf jeden Fall eines voraus: Das gewisse Etwas. Das vorliegende Werk bildet einen guten Einstieg in die klinische Psychologie. Es soll dazu beitragen, Vorurteile und Pseudowissen über psychische Störungen abzubauen. Als Ratgeber für Betroffene und Nachschlagewerk für Experten ist dieses Fachbuch ein Muss für alle, die an psychischen Störungen leiden oder mit ihnen konfrontiert werden. Insgesamt werden zehn klinische Störungen von den Autoren genau unter die Lupe genommen: Die posttraumatische Belastungsstörung, Psychosen, Zwangsstörungen, Angststörungen, Alkoholabhängigkeit, Eßstörungen, Depressionen, Suizidalität, somatoforme Störungen sowie psychisch bedingte Sexualstörungen. Alle Kapitel sind einheitlich in die Abschnitte Alltägliche Erfahrung/Einführung, Fallbeispiele, Diagnostik, Formen und Klassifikation sowie Ursachen und Behandlung gegliedert. Einfühlsam werden hier die Schwächen, aber auch die Stärken der Betroffenen herauskristallisiert. Wir erfahren außerdem, in welchen Fällen eine Komorbidität der ausgeführten Dysfunktion zu anderen psychischen Störungen bestehen kann. Angstpatienten beispielsweise sind häufig komorbid, d.h. sie weisen meist mehr als nur eine Störung auf. Bei traumatisierten Patienten repräsentiert der Befund auf Angststörungen meist nur eine Sekundärdiagnose. Primärdiagnose ist hier in der Regel die posttraumatische Belastungsstörung. Das Kapitel „Anders denken, fühlen und handeln“ beschäftigt sich mit der Diagnostik, dem Verständnis und der Therapie von Persönlichkeitsstörungen. Hierbei werden die paranoide, schizoide, dissosoziale, emotional instabile, histironische, zwanghafte, ängstlich vermeidende sowie abhängige Persönlichkeitsstörung unterschieden. Unter Verwendung der beiden Klassifikationssysteme ICD-10 und DSM-IV versucht Klinikleiter Michael Linden, die aufgeführten Störungen voneinander abzugrenzen. Ein abgedrucktes Affektmodell der Persönlichkeitsstörungen ermöglicht ein unmittelbares Verständnis der Art einer Störung sowie deren Konsequenzen. Als besonders vorbildlich erweist sich das Kapitel über Psychopharmaka, in dem uns die Angst vor einschlägigen Medikamenten genommen wird. Hier werden unter anderem Wirkungsweise und Indikation der verschiedenen Stoffgruppen (Antidepressiva, Benzodiazepine, Nootropika, Neuroleptika) differenziert. In den 1950er Jahren entdeckte man zwei Arten von Antidepressiva, die depressive Symptome zu dämpfen vermochten: die MAO- Hemmer und die trizyklischen Antidepressiva. Zu diesen Antidepressiva der ersten Generation traten vor einigen Jahren die Selektiven Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI) als dritte Gruppe. Genau wie die MAO- Hemmer oder die trizyklischen Antidepressiva werden auch die Serotoninwiederaufnahmehemmer nicht nur erfolgreich bei der Behandlung von depressiven Störungen eingesetzt, sondern ebenfalls bei Panikattacken, Angstzuständen oder Zwangsgedanken bzw. -handlungen. Bei einer Psychopharmakotherapie mit Antidepressiva der zweiten Generation treten allerdings weniger unerwünschte Wirkungen auf und wenn, führen diese nicht zu solch starken Beeinträchtigungen wie beispielsweise die der trizyklischen Antidepressiva. SSRI verändern die Serotoninaktivität, ohne dabei andere Neurotransmitter oder sonstige biochemische Prozesse zu beeinflussen. Wenn ein Neuron Serotonin ausschüttet, setzt unmittelbar danach ein pumpenartiger Wiederaufnahmemechanismus ein, der einige Neurotransmittermoleküle einfängt, noch bevor sie von einem postsynaptischen Rezeptor- Neuron aufgenommen wurden. Einige Antidepressiva der zweiten Generation sind in der Lage, diesen Wiederaufnahmeprozess zu blockieren, so dass nun mehr Serotonin an die postsynaptischen Rezeptoren gebunden werden kann. In Folge dessen wird der Serotonin- Spiegel erhöht bzw. normalisiert. Je nach Art der Erkrankung sollte der Schwerpunkt einer Therapie entweder auf der medikamentösen oder der psychotherapeutischen Behandlung liegen. Die Tatsache, nach der ein psychisch Erkrankter durchschnittlich erst nach sieben Jahren (!) in den Genuss einer auf seine Persönlichkeitsstruktur abgestimmte psychotherapeutische oder/und psychopharmakologische Behandlung bei dem für ihn geeigneten Experten kommt, ist erschreckend. Die Unkenntnis einiger Ärzte kann sowohl die psychische als auch die physische Gesundheit des Patienten zunehmend gefährden. In einigen Fällen müssen Patienten, die von somatoformen Störungen betroffen sind, eine Vielzahl von schmerzhaften Untersuchungen oder sogar Operationen über sich ergehen lassen, obwohl deutliche Hinweise auf eine psychische Störung existieren. Da vor allem Persönlichkeitsstörungen von den meisten Medizinern falsch behandelt werden, versuchen die Autoren mit ihrem ABC der psychischen Störungen, dem professionellen Teil der Leserschaft etwas mehr Handlungskompetenz zu verleihen und die teilweise erheblichen Wissenslücken zu schließen. Veranschaulicht wird dieses Werk durch hilfreiche Verhaltensmodelle, Kriterienkataloge, Fallbeispiele, Statistiken sowie Angstkurven, mit deren Hilfe sich die Betroffenen selbst einschätzen können und mehr über die Zusammenhänge ihrer Gefühle erfahren. Nach jedem Kapitel folgt eine Übersicht zu vertiefender Literatur für diejenigen, die mehr über eine bestimmte Störung erfahren möchten. „Von Angst bis Zwang“ lässt sich wunderbar im Rahmen eines Medizin- oder Psychologie- Studiums verwenden und ist für den modernen Arzt, Psychologen sowie Psychotherapeuten unverzichtbar. Aber auch den Betroffenen und ihren Angehörigen werden klare Informationen auf dem Niveau des gesicherten Wissens adressatengerecht vermittelt. Interessierten vermittelt dieses Werk einen gezielten Überblick und macht sie dafür empfindlich, wie wichtig es sein kann, Signale der Psyche rechtzeitig wahrzunehmen. Fazit: Selten findet man ein solch ergiebiges, zusammenhängendes Werk, welches so viele Arten von Störungen angemessen zu „behandeln“ versteht. Den Autoren ist es gelungen, auf eine aufschlussreiche, provokative und gewinnende Art für alle Interessentengruppen das Tor zu dem Gebiet der Psychologie aufzustoßen und zugleich ihr Engagement für das Fach sowie Patienten mit psychischen Störungen weiterzutragen.

Was mich am meisten am Hans Huber Verlag fasziniert ist der Facettenreichtum an Themen im medizinischen und vor allem psychologischen Bereich. Die Lehrbücher stellen bisher gesichertes Wissen nicht einfach staubtrocken dar, sondern verknüpfen elegant Forschungsergebnisse mit Praxis. Die Fachbücher beleuchten einzelne Themengebiete oftmals von Seiten, die bis dato noch in der Dunkelheit verschwanden. Grund dafür ist auf der einen Seite das große Einfühlungsvermögen der Autoren, die bereit sind, einen Blick hinter die Fassaden zu riskieren und auf der anderen Seite das Bestreben des Verlags, auch über seltene Phänomene berichten zu wollen, wobei andere lediglich Publikationen über gängige Themen zu bieten haben. Der Hans Huber Verlag hat seinen Konkurrenten auf jeden Fall eines voraus: Das gewisse Etwas.

weitere Rezensionen von Kristina Scherer


Das vorliegende Werk bildet einen guten Einstieg in die klinische Psychologie. Es soll dazu beitragen, Vorurteile und Pseudowissen über psychische Störungen abzubauen. Als Ratgeber für Betroffene und Nachschlagewerk für Experten ist dieses Fachbuch ein Muss für alle, die an psychischen Störungen leiden oder mit ihnen konfrontiert werden.

Insgesamt werden zehn klinische Störungen von den Autoren genau unter die Lupe genommen: Die posttraumatische Belastungsstörung, Psychosen, Zwangsstörungen, Angststörungen, Alkoholabhängigkeit, Eßstörungen, Depressionen, Suizidalität, somatoforme Störungen sowie psychisch bedingte Sexualstörungen. Alle Kapitel sind einheitlich in die Abschnitte Alltägliche Erfahrung/Einführung, Fallbeispiele, Diagnostik, Formen und Klassifikation sowie Ursachen und Behandlung gegliedert. Einfühlsam werden hier die Schwächen, aber auch die Stärken der Betroffenen herauskristallisiert. Wir erfahren außerdem, in welchen Fällen eine Komorbidität der ausgeführten Dysfunktion zu anderen psychischen Störungen bestehen kann. Angstpatienten beispielsweise sind häufig komorbid, d.h. sie weisen meist mehr als nur eine Störung auf. Bei traumatisierten Patienten repräsentiert der Befund auf Angststörungen meist nur eine Sekundärdiagnose. Primärdiagnose ist hier in der Regel die posttraumatische Belastungsstörung.

Das Kapitel „Anders denken, fühlen und handeln“ beschäftigt sich mit der Diagnostik, dem Verständnis und der Therapie von Persönlichkeitsstörungen. Hierbei werden die paranoide, schizoide, dissosoziale, emotional instabile, histironische, zwanghafte, ängstlich vermeidende sowie abhängige Persönlichkeitsstörung unterschieden. Unter Verwendung der beiden Klassifikationssysteme ICD-10 und DSM-IV versucht Klinikleiter Michael Linden, die aufgeführten Störungen voneinander abzugrenzen. Ein abgedrucktes Affektmodell der Persönlichkeitsstörungen ermöglicht ein unmittelbares Verständnis der Art einer Störung sowie deren Konsequenzen.

Als besonders vorbildlich erweist sich das Kapitel über Psychopharmaka, in dem uns die Angst vor einschlägigen Medikamenten genommen wird. Hier werden unter anderem Wirkungsweise und Indikation der verschiedenen Stoffgruppen (Antidepressiva, Benzodiazepine, Nootropika, Neuroleptika) differenziert. In den 1950er Jahren entdeckte man zwei Arten von Antidepressiva, die depressive Symptome zu dämpfen vermochten: die MAO- Hemmer und die trizyklischen Antidepressiva. Zu diesen Antidepressiva der ersten Generation traten vor einigen Jahren die Selektiven Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI) als dritte Gruppe. Genau wie die MAO- Hemmer oder die trizyklischen Antidepressiva werden auch die Serotoninwiederaufnahmehemmer nicht nur erfolgreich bei der Behandlung von depressiven Störungen eingesetzt, sondern ebenfalls bei Panikattacken, Angstzuständen oder Zwangsgedanken bzw. -handlungen. Bei einer Psychopharmakotherapie mit Antidepressiva der zweiten Generation treten allerdings weniger unerwünschte Wirkungen auf und wenn, führen diese nicht zu solch starken Beeinträchtigungen wie beispielsweise die der trizyklischen Antidepressiva. SSRI verändern die Serotoninaktivität, ohne dabei andere Neurotransmitter oder sonstige biochemische Prozesse zu beeinflussen. Wenn ein Neuron Serotonin ausschüttet, setzt unmittelbar danach ein pumpenartiger Wiederaufnahmemechanismus ein, der einige Neurotransmittermoleküle einfängt, noch bevor sie von einem postsynaptischen Rezeptor- Neuron aufgenommen wurden. Einige Antidepressiva der zweiten Generation sind in der Lage, diesen Wiederaufnahmeprozess zu blockieren, so dass nun mehr Serotonin an die postsynaptischen Rezeptoren gebunden werden kann. In Folge dessen wird der Serotonin- Spiegel erhöht bzw. normalisiert.

Je nach Art der Erkrankung sollte der Schwerpunkt einer Therapie entweder auf der medikamentösen oder der psychotherapeutischen Behandlung liegen.

Die Tatsache, nach der ein psychisch Erkrankter durchschnittlich erst nach sieben Jahren (!) in den Genuss einer auf seine Persönlichkeitsstruktur abgestimmte psychotherapeutische oder/und psychopharmakologische Behandlung bei dem für ihn geeigneten Experten kommt, ist erschreckend. Die Unkenntnis einiger Ärzte kann sowohl die psychische als auch die physische Gesundheit des Patienten zunehmend gefährden. In einigen Fällen müssen Patienten, die von somatoformen Störungen betroffen sind, eine Vielzahl von schmerzhaften Untersuchungen oder sogar Operationen über sich ergehen lassen, obwohl deutliche Hinweise auf eine psychische Störung existieren.

Da vor allem Persönlichkeitsstörungen von den meisten Medizinern falsch behandelt werden, versuchen die Autoren mit ihrem ABC der psychischen Störungen, dem professionellen Teil der Leserschaft etwas mehr Handlungskompetenz zu verleihen und die teilweise erheblichen Wissenslücken zu schließen.

Veranschaulicht wird dieses Werk durch hilfreiche Verhaltensmodelle, Kriterienkataloge, Fallbeispiele, Statistiken sowie Angstkurven, mit deren Hilfe sich die Betroffenen selbst einschätzen können und mehr über die Zusammenhänge ihrer Gefühle erfahren.

Nach jedem Kapitel folgt eine Übersicht zu vertiefender Literatur für diejenigen, die mehr über eine bestimmte Störung erfahren möchten.

„Von Angst bis Zwang“ lässt sich wunderbar im Rahmen eines Medizin- oder Psychologie- Studiums verwenden und ist für den modernen Arzt, Psychologen sowie Psychotherapeuten unverzichtbar. Aber auch den Betroffenen und ihren Angehörigen werden klare Informationen auf dem Niveau des gesicherten Wissens adressatengerecht vermittelt. Interessierten vermittelt dieses Werk einen gezielten Überblick und macht sie dafür empfindlich, wie wichtig es sein kann, Signale der Psyche rechtzeitig wahrzunehmen.

Fazit: Selten findet man ein solch ergiebiges, zusammenhängendes Werk, welches so viele Arten von Störungen angemessen zu „behandeln“ versteht. Den Autoren ist es gelungen, auf eine aufschlussreiche, provokative und gewinnende Art für alle Interessentengruppen das Tor zu dem Gebiet der Psychologie aufzustoßen und zugleich ihr Engagement für das Fach sowie Patienten mit psychischen Störungen weiterzutragen.

geschrieben am 03.11.2004 | 859 Wörter | 6087 Zeichen

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