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Die Imperiale Endzeit


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Rezension von

Daniel Bigalke

Die Imperiale Endzeit Oswald Spengler ist seinerzeit der Nachweis treffend gelungen, dass die abendlĂ€ndische Kultur des Westens von Beginn an im Zeichen einer neuen Auffassung von Raum und Zeit, wie sie Carl Schmitt (1888-1985) in seinem SpĂ€twerk „Land und Meer“ von 1954 mit dem Begriff der Raumrevolution beschreibt, stand. Ihr Ursymbol ist das Unendliche, das Faustische. Der entwurzelte Mensch ist aus seiner Achse geworfen, weil er keine Perspektive mehr hat. Er findet keine Orientierung mehr, sieht den sekundĂ€ren Zustand als den normalen an, spĂŒrt, dass ihm etwas fehlt und greift zu letzten Mitteln: Suizid, Amok oder weniger brutal: Auswanderung und RĂŒckzug aus dem öffentlichen Leben. Die Furcht vor dem „Untergang des Abendlandes“ gewinnt im Zeichen der Globalisierung neuerdings wieder an AktualitĂ€t. Der clash of civilizations gehört – wie viele Menschen glauben – zu den politischen, ökonomischen und kulturellen Konstanten des 21. Jahrhunderts. Diese Meinung vertritt der Autor des vorliegenden Buches. Oswald Spenglers Kulturphilosophie formulierte diese dĂŒsteren Zukunftsblicke schon vor ĂŒber acht Jahrzehnten. Das vorliegende Buch zeigt, dass der resignative Pessimismus unangebracht ist. Die imperiale Tendenz der Gegenwart, die Spengler hellsichtig voraussah, birgt die Chance des weltweiten Sieges der demokratischen Idee und der Selbstbehauptung der westlichen Zivilisation, so der Autor. Richtig wird hier auch dargelegt, dass sich die Sorge ums Altgewohnte oftmals nur noch in der materialistischen Furcht vor Wohlstandsminderung zeigt. Da ohne gĂŒltige MaßstĂ€be und vor allem zielbestimmende MaßstĂ€be und Werte kein Auskommen garantiert ist, konzentriert der Mensch sich auf die kĂŒnstliche und kommerzielle Umwelt, die ihm bietet, was einst in der primĂ€ren Welt zu entbehren war. Das „sekundĂ€re System“ herrscht und wird hier zur artifiziellen und allherrschenden steinernen Macht der Zivilisation, der gegenĂŒber der Mensch zur PassivitĂ€t verurteilt ist und zum Objekt der politischen oder medialen Wachsuggestion wird. FĂŒr Spengler ist das unabwendbare Schicksal, die irrationale kosmische Kraft, die zur Zivilisation der Gegenwart treibt. Zivilisation dauere 200 Jahre, um dann dem Niedergang anheim zu fallen und sich endgĂŒltig von dem wichtigsten PhĂ€nomen der Weltgeschichte, der Kultur, abzukoppeln. Das Problem bei Spengler hat hiermit an Kontur gewonnen und der Autor beweist, wie sehr diese Theorie Spenglers sich an vielen Stellen bewahrheitet hat. Insbesondere die soziale Verwahrlosung, die wir heute in allen StĂ€dten finden, war fĂŒr Spengler ein PhĂ€nomen aller Zivilisationen, die BrutstĂ€tte einer scharfen Art von AsozialitĂ€t. Da nĂŒtzt es auch nicht auf die wenigen Oasen im WĂŒstensand zu verweisen, wo ĂŒber massige Steuermittel „Integration“ gelungen sei. Der denkende Mensch fragt sich: mĂŒsste diese in funktionierenden Gemeinschaften nicht ohne staatlichen Interventionismus sich ergeben? Wichtig sind die Beschreibungen des Autors ĂŒber Spenglers Untergangstheorie. Mit der Kombination der repetitiven Zyklusidee und dem Problem der Dekadenz sowie des Zerfalls der Kultur statuiert Spengler seine wesentliche politische These. AnknĂŒpfend an die Ideenlosigkeit der Menschheit und der Bedeutungslosigkeit universalhumanistischer Werte, vor allem die der liberal-rationalen Gedankenwelt (Herrschaft des Verstandes, HumanitĂ€t, Freiheit der Völker), hat in dieser Perspektive der DiskontinuitĂ€t und des Relativismus jede Kultur ihre Möglichkeiten des Ausdruckes, die erscheinen, reifen, welken und nie wiederkehren. Der Verfall der Kultur, die PassivitĂ€t und die Ausdörrung des Menschen sei hier unvermeidlich wie der Tod, der auf das Leben folgt. Das Leben in der Zivilisationsperiode wird vom Positivismus und Rationalismus beherrscht, die fĂŒr Spengler einen Nihilismus und die Aushöhlung jahrhundertealter Werte bewirkten. Die Allmacht der Vernunft leistete der dialektischen Vernichtung der Kultur Vorschub, was Spengler in seinen lebensphilosophischen Analogien antithetisch verdeutlicht. Die Philosophie wurde zur gegenwĂ€rtigen Gesellschaftskritik transformiert. Die Unvermeidlichkeitsthese mĂŒndet in dem Aufruf, die Zivilisation, in der man lebte, als große Endphase zu akzeptieren. Die konservativen KrĂ€fte sollten nach Spengler unter psychologischen Druck gesetzt werden, um sich der Zivilisation anzupassen. Im Kampf mit den EnglĂ€ndern war der Modernisierung Schritt zu halten. So mĂŒndete diese Theorie in einen national-konservativen politischen Aktionismus, dem der Autor unbegrĂŒndeterweise wenig abzugewinnen scheint. Dies ist wenig erfreulich, erscheint doch gerade jetzt die Spengler-Studie aus den 20er Jahren „Neubau des deutschen Reiches“ neu im Arnshaugk-Verlag und bietet ebenfalls so manchen aktuellen AnknĂŒpfungspunkt fĂŒr die Gegenwart. (Bigalke, Daniel (Hrsg.): Oswald Spengler: Neubau des deutschen Reiches. Mit einem Vorwort des Herausgebers. 2009. 147 S. 160 gr. ISBN 3-926370-35-1) Welche AktualitĂ€t haben nun diese Analysen in der gegenwĂ€rtigen Zeit? Wolfgang Krebs zeigt auf, dass Spengler Recht damit hatte, wenn im Zusammenhang mit dieser Entwicklung die VerdrĂ€ngung „faustischer“ Ethnien Europas durch andere Ethnien prognostizierte. Die Erkenntnisse des negativen Dialektikers Oswald Spengler entbehren nicht einer gewissen Relevanz in der heutigen Zeit. Dieses Denken ist klarsichtig. Nach einer Darstellung von Spenglers Geschichtsphilosophie, einer Fortschreibung der Spenglerschen Konstruktion sowie der Beschreibung moderner Krisen beschreibt der Autor die Spenglersche Kritik an der zeremoniellen Inszenierung der Freiheit und an der Vernichtung der Demokratie durch die Blindheit fĂŒr aktuelle Existenzfragen und eben durch die Inszenierung einer Freiheit, die sich auf die BeschrĂ€nkung auf vier oder fĂŒnf Parteien zur Wahl bezieht, um ein „guter“ Mensch zu sein, und damit schon keine Freiheit mehr ist. Letztendlich fĂŒhrt die LektĂŒre des Werkes dazu, ziemlich genau zu erkennen, worum es Spengler ging. Mehr noch, man kommt nicht umhin, die Auswirkungen des aufklĂ€rerischen Denkens der Zivilisation (Stichwort „Allmacht der Vernunft“) in der Gegenwart klar wieder zu erkennen und als die eigentliche Unvernunft zu erkennen. Sie Ă€ußerte sich fĂŒr Spengler folgendermaßen: 1. Lebensfeindlichkeit als erstickende Wirkung gegenĂŒber Lebensimpulsen und VitalitĂ€t 2. Mangel an Erlebnisvermögen und unschöpferische Verwahrlosung 3. Hochmut und Traditionsferne, einhergehend mit Scheinbildung bei selbsternannten Eliten 4. Idee der Mitte als Kult der MittelmĂ€ĂŸigkeit in allen politischen Belangen mit einhergehender Abneigung gegenĂŒber allem Herausragenden und Ungewohnten Die Liste ließe sich lange fortsetzen. Wer hĂ€tte gedacht, daß Spengler derartig Recht hat? Dieses Buch fĂŒhrt viele Beweise auf!

Oswald Spengler ist seinerzeit der Nachweis treffend gelungen, dass die abendlĂ€ndische Kultur des Westens von Beginn an im Zeichen einer neuen Auffassung von Raum und Zeit, wie sie Carl Schmitt (1888-1985) in seinem SpĂ€twerk „Land und Meer“ von 1954 mit dem Begriff der Raumrevolution beschreibt, stand. Ihr Ursymbol ist das Unendliche, das Faustische. Der entwurzelte Mensch ist aus seiner Achse geworfen, weil er keine Perspektive mehr hat. Er findet keine Orientierung mehr, sieht den sekundĂ€ren Zustand als den normalen an, spĂŒrt, dass ihm etwas fehlt und greift zu letzten Mitteln: Suizid, Amok oder weniger brutal: Auswanderung und RĂŒckzug aus dem öffentlichen Leben.

Die Furcht vor dem „Untergang des Abendlandes“ gewinnt im Zeichen der Globalisierung neuerdings wieder an AktualitĂ€t. Der clash of civilizations gehört – wie viele Menschen glauben – zu den politischen, ökonomischen und kulturellen Konstanten des 21. Jahrhunderts. Diese Meinung vertritt der Autor des vorliegenden Buches. Oswald Spenglers Kulturphilosophie formulierte diese dĂŒsteren Zukunftsblicke schon vor ĂŒber acht Jahrzehnten. Das vorliegende Buch zeigt, dass der resignative Pessimismus unangebracht ist. Die imperiale Tendenz der Gegenwart, die Spengler hellsichtig voraussah, birgt die Chance des weltweiten Sieges der demokratischen Idee und der Selbstbehauptung der westlichen Zivilisation, so der Autor. Richtig wird hier auch dargelegt, dass sich die Sorge ums Altgewohnte oftmals nur noch in der materialistischen Furcht vor Wohlstandsminderung zeigt. Da ohne gĂŒltige MaßstĂ€be und vor allem zielbestimmende MaßstĂ€be und Werte kein Auskommen garantiert ist, konzentriert der Mensch sich auf die kĂŒnstliche und kommerzielle Umwelt, die ihm bietet, was einst in der primĂ€ren Welt zu entbehren war. Das „sekundĂ€re System“ herrscht und wird hier zur artifiziellen und allherrschenden steinernen Macht der Zivilisation, der gegenĂŒber der Mensch zur PassivitĂ€t verurteilt ist und zum Objekt der politischen oder medialen Wachsuggestion wird.

FĂŒr Spengler ist das unabwendbare Schicksal, die irrationale kosmische Kraft, die zur Zivilisation der Gegenwart treibt. Zivilisation dauere 200 Jahre, um dann dem Niedergang anheim zu fallen und sich endgĂŒltig von dem wichtigsten PhĂ€nomen der Weltgeschichte, der Kultur, abzukoppeln. Das Problem bei Spengler hat hiermit an Kontur gewonnen und der Autor beweist, wie sehr diese Theorie Spenglers sich an vielen Stellen bewahrheitet hat. Insbesondere die soziale Verwahrlosung, die wir heute in allen StĂ€dten finden, war fĂŒr Spengler ein PhĂ€nomen aller Zivilisationen, die BrutstĂ€tte einer scharfen Art von AsozialitĂ€t. Da nĂŒtzt es auch nicht auf die wenigen Oasen im WĂŒstensand zu verweisen, wo ĂŒber massige Steuermittel „Integration“ gelungen sei. Der denkende Mensch fragt sich: mĂŒsste diese in funktionierenden Gemeinschaften nicht ohne staatlichen Interventionismus sich ergeben? Wichtig sind die Beschreibungen des Autors ĂŒber Spenglers Untergangstheorie. Mit der Kombination der repetitiven Zyklusidee und dem Problem der Dekadenz sowie des Zerfalls der Kultur statuiert Spengler seine wesentliche politische These. AnknĂŒpfend an die Ideenlosigkeit der Menschheit und der Bedeutungslosigkeit universalhumanistischer Werte, vor allem die der liberal-rationalen Gedankenwelt (Herrschaft des Verstandes, HumanitĂ€t, Freiheit der Völker), hat in dieser Perspektive der DiskontinuitĂ€t und des Relativismus jede Kultur ihre Möglichkeiten des Ausdruckes, die erscheinen, reifen, welken und nie wiederkehren. Der Verfall der Kultur, die PassivitĂ€t und die Ausdörrung des Menschen sei hier unvermeidlich wie der Tod, der auf das Leben folgt.

Das Leben in der Zivilisationsperiode wird vom Positivismus und Rationalismus beherrscht, die fĂŒr Spengler einen Nihilismus und die Aushöhlung jahrhundertealter Werte bewirkten. Die Allmacht der Vernunft leistete der dialektischen Vernichtung der Kultur Vorschub, was Spengler in seinen lebensphilosophischen Analogien antithetisch verdeutlicht. Die Philosophie wurde zur gegenwĂ€rtigen Gesellschaftskritik transformiert. Die Unvermeidlichkeitsthese mĂŒndet in dem Aufruf, die Zivilisation, in der man lebte, als große Endphase zu akzeptieren. Die konservativen KrĂ€fte sollten nach Spengler unter psychologischen Druck gesetzt werden, um sich der Zivilisation anzupassen. Im Kampf mit den EnglĂ€ndern war der Modernisierung Schritt zu halten. So mĂŒndete diese Theorie in einen national-konservativen politischen Aktionismus, dem der Autor unbegrĂŒndeterweise wenig abzugewinnen scheint. Dies ist wenig erfreulich, erscheint doch gerade jetzt die Spengler-Studie aus den 20er Jahren „Neubau des deutschen Reiches“ neu im Arnshaugk-Verlag und bietet ebenfalls so manchen aktuellen AnknĂŒpfungspunkt fĂŒr die Gegenwart. (Bigalke, Daniel (Hrsg.): Oswald Spengler: Neubau des deutschen Reiches. Mit einem Vorwort des Herausgebers. 2009. 147 S. 160 gr. ISBN 3-926370-35-1)

Welche AktualitĂ€t haben nun diese Analysen in der gegenwĂ€rtigen Zeit? Wolfgang Krebs zeigt auf, dass Spengler Recht damit hatte, wenn im Zusammenhang mit dieser Entwicklung die VerdrĂ€ngung „faustischer“ Ethnien Europas durch andere Ethnien prognostizierte. Die Erkenntnisse des negativen Dialektikers Oswald Spengler entbehren nicht einer gewissen Relevanz in der heutigen Zeit. Dieses Denken ist klarsichtig. Nach einer Darstellung von Spenglers Geschichtsphilosophie, einer Fortschreibung der Spenglerschen Konstruktion sowie der Beschreibung moderner Krisen beschreibt der Autor die Spenglersche Kritik an der zeremoniellen Inszenierung der Freiheit und an der Vernichtung der Demokratie durch die Blindheit fĂŒr aktuelle Existenzfragen und eben durch die Inszenierung einer Freiheit, die sich auf die BeschrĂ€nkung auf vier oder fĂŒnf Parteien zur Wahl bezieht, um ein „guter“ Mensch zu sein, und damit schon keine Freiheit mehr ist.

Letztendlich fĂŒhrt die LektĂŒre des Werkes dazu, ziemlich genau zu erkennen, worum es Spengler ging. Mehr noch, man kommt nicht umhin, die Auswirkungen des aufklĂ€rerischen Denkens der Zivilisation (Stichwort „Allmacht der Vernunft“) in der Gegenwart klar wieder zu erkennen und als die eigentliche Unvernunft zu erkennen. Sie Ă€ußerte sich fĂŒr Spengler folgendermaßen:

1. Lebensfeindlichkeit als erstickende Wirkung gegenĂŒber Lebensimpulsen und VitalitĂ€t

2. Mangel an Erlebnisvermögen und unschöpferische Verwahrlosung

3. Hochmut und Traditionsferne, einhergehend mit Scheinbildung bei selbsternannten Eliten

4. Idee der Mitte als Kult der MittelmĂ€ĂŸigkeit in allen politischen Belangen mit einhergehender Abneigung gegenĂŒber allem Herausragenden und Ungewohnten

Die Liste ließe sich lange fortsetzen. Wer hĂ€tte gedacht, daß Spengler derartig Recht hat? Dieses Buch fĂŒhrt viele Beweise auf!

geschrieben am 07.09.2009 | 914 Wörter | 5944 Zeichen

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