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Reflexionslogische Semiotik


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Rezension von

Daniel Bigalke

Reflexionslogische Semiotik Auch Semiotik und Literaturwissenschaft sind mit dem Problem beschĂ€ftigt, Theorien zur ErklĂ€rung von Prozessen und zur Entstehung von Neuem zu entwickeln. Das klassische dualistische Erkenntnismodell hat sich in dieser Hinsicht als unzulĂ€nglich erwiesen. Nina Ort entwickelt nun einen Vorschlag, dieses um ein umfassenderes dreiwertiges Modell zu ergĂ€nzen, das eine angemessenere Darstellung von ProzessualitĂ€t erlaube. Sie entfaltet dieses durch die nicht einfach zu absolvierende Kombination der „nicht-aristotelischen Logik“ von Gotthard GĂŒnther mit der Semiotik von Charles S. Peirce zu einer reflexionslogischen Semiotik. Mit diesem Entwurf einer reflexionslogischen Semiotik im Ausgang von GĂŒnther und Peirce wird eine Methode angeboten, die auf die verwickelte erkenntnis- und wissenschaftstheoretische Situation in den Geisteswissenschaften insgesamt reagiert. Zum einen wird mit ihr ein System entwickelt, das auf einem formal geschlossenen, nicht-klassischen Erkenntnismodell basiert. Zum anderen ist damit ein Modell entstanden, mit dem die ProzessualitĂ€t und OperationalitĂ€t der Peirceschen Semiotik nicht nur konstatiert, sondern zugegebenermaßen logisch begrĂŒndet wird. Diese reflexionslogische Semiotik möchte deshalb die seit langem drĂ€ngenden Fragen nach der Modellierung prozessualer, evoluierender und lebendiger Systeme beantworten. In einem literaturanalytischen Teil wird sogar an ausgewĂ€hlten Texten Kafkas nachgewiesen, daß hier ErzĂ€hlstrategien entwickelt werden, die aus einer klassischen Perspektive nur als diffus, unerklĂ€rbar oder paradox bezeichnet werden können. Erst eine reflexionslogische Interpretation könne zeigen, daß und wie es in „Josefine“, „Die SĂ€ngerin“ oder das „Volk der MĂ€use“ und im „Urteil“ um die Kreation von etwas jenseits der klassischen RealitĂ€tsthematiken von Sein und Reflexion geht. Daß es die Autorin fertigbringt, ihr Thema ohne ErwĂ€hnung der bisher zweibĂ€ndigen „Reflexionstheoretischen Semiotik. Teil 1 Handlungstheorie" (Bouvier, Bonn, 1980) sowie „Reflexionstheoretische Semiotik. Teil 2 Sprachtheorie“ (Bouvier, Bonn, 1981) von Johannes Heinrichs abzuhandeln, ist schon eine beachtliche und erstaunliche Leistung! Vor allen Dingen ist die Semiotik Teil 1 soeben sogar neu bearbeitet erschienen als „Handlungen" (Steno, MĂŒnchen, 2007) und wurde bei webcritics.de ausgiebig rezensiert. Diese Leistung praktizierter – ob bewußter oder unbewußter - Ignoranz wird ermöglicht durch die derzeitige Lage des so genannten Diskurses in Deutschland, die Heinrichs in seinem offenen Brief an JĂŒrgen Habermas in „Handlungen" detailliert anprangert. FĂŒr eine nĂ€here inhaltliche WĂŒrdigung sollte sich Heinrichs, trotz seiner Nicht-Existenz fĂŒr die Autorin, vielleicht nicht zu schade sein. Er ist Kenner von Gotthard GĂŒnther und hat ihn noch persönlich kennengelernt. Davon zeugt das bei webcritics.de besprochene und GĂŒnther gewidmete Buch „Logik des Sozialen“ (Steno, MĂŒnchen, 2005). Es ist eine Neubearbeitung von „Reflexion als soziales System" (Bouvier, Bonn, 1976). Auch mit Peirce hat Heinrichs sich recht ausfĂŒhrlich befaßt, wenngleich in kritischerer Form als mit GĂŒnther: Dazu sei dringend das Kapitel „Kritik der Triaden" in seinem bei webcritics.de bereits besprochenen Kant-Buch „Die Logik der Vernunftkritik" (UTB, TĂŒbingen, 1986) empfohlen, welches neu bearbeitet als „Das Geheimnis der Kategorienlehre" (Maas, Berlin, 2004) erschien. Man darf also gespannt sein, ob und wie der fĂŒr Nina Ort Nicht-Existente zu diesem erstaunlichen Produkt des Ignorierens sachlich nĂ€her Stellung nimmt. Aller weiteren Stellungnahme vorweg muß man wohl erst einmal feststellen, daß es sich hier um einen mehr oder minder leichten wissenschaftlichen Skandal handelt.

Auch Semiotik und Literaturwissenschaft sind mit dem Problem beschĂ€ftigt, Theorien zur ErklĂ€rung von Prozessen und zur Entstehung von Neuem zu entwickeln. Das klassische dualistische Erkenntnismodell hat sich in dieser Hinsicht als unzulĂ€nglich erwiesen. Nina Ort entwickelt nun einen Vorschlag, dieses um ein umfassenderes dreiwertiges Modell zu ergĂ€nzen, das eine angemessenere Darstellung von ProzessualitĂ€t erlaube. Sie entfaltet dieses durch die nicht einfach zu absolvierende Kombination der „nicht-aristotelischen Logik“ von Gotthard GĂŒnther mit der Semiotik von Charles S. Peirce zu einer reflexionslogischen Semiotik.

Mit diesem Entwurf einer reflexionslogischen Semiotik im Ausgang von GĂŒnther und Peirce wird eine Methode angeboten, die auf die verwickelte erkenntnis- und wissenschaftstheoretische Situation in den Geisteswissenschaften insgesamt reagiert. Zum einen wird mit ihr ein System entwickelt, das auf einem formal geschlossenen, nicht-klassischen Erkenntnismodell basiert. Zum anderen ist damit ein Modell entstanden, mit dem die ProzessualitĂ€t und OperationalitĂ€t der Peirceschen Semiotik nicht nur konstatiert, sondern zugegebenermaßen logisch begrĂŒndet wird. Diese reflexionslogische Semiotik möchte deshalb die seit langem drĂ€ngenden Fragen nach der Modellierung prozessualer, evoluierender und lebendiger Systeme beantworten.

In einem literaturanalytischen Teil wird sogar an ausgewĂ€hlten Texten Kafkas nachgewiesen, daß hier ErzĂ€hlstrategien entwickelt werden, die aus einer klassischen Perspektive nur als diffus, unerklĂ€rbar oder paradox bezeichnet werden können. Erst eine reflexionslogische Interpretation könne zeigen, daß und wie es in „Josefine“, „Die SĂ€ngerin“ oder das „Volk der MĂ€use“ und im „Urteil“ um die Kreation von etwas jenseits der klassischen RealitĂ€tsthematiken von Sein und Reflexion geht.

Daß es die Autorin fertigbringt, ihr Thema ohne ErwĂ€hnung der bisher zweibĂ€ndigen „Reflexionstheoretischen Semiotik. Teil 1 Handlungstheorie" (Bouvier, Bonn, 1980) sowie „Reflexionstheoretische Semiotik. Teil 2 Sprachtheorie“ (Bouvier, Bonn, 1981) von Johannes Heinrichs abzuhandeln, ist schon eine beachtliche und erstaunliche Leistung! Vor allen Dingen ist die Semiotik Teil 1 soeben sogar neu bearbeitet erschienen als „Handlungen" (Steno, MĂŒnchen, 2007) und wurde bei webcritics.de ausgiebig rezensiert. Diese Leistung praktizierter – ob bewußter oder unbewußter - Ignoranz wird ermöglicht durch die derzeitige Lage des so genannten Diskurses in Deutschland, die Heinrichs in seinem offenen Brief an JĂŒrgen Habermas in „Handlungen" detailliert anprangert.

FĂŒr eine nĂ€here inhaltliche WĂŒrdigung sollte sich Heinrichs, trotz seiner Nicht-Existenz fĂŒr die Autorin, vielleicht nicht zu schade sein. Er ist Kenner von Gotthard GĂŒnther und hat ihn noch persönlich kennengelernt. Davon zeugt das bei webcritics.de besprochene und GĂŒnther gewidmete Buch „Logik des Sozialen“ (Steno, MĂŒnchen, 2005). Es ist eine Neubearbeitung von „Reflexion als soziales System" (Bouvier, Bonn, 1976). Auch mit Peirce hat Heinrichs sich recht ausfĂŒhrlich befaßt, wenngleich in kritischerer Form als mit GĂŒnther: Dazu sei dringend das Kapitel „Kritik der Triaden" in seinem bei webcritics.de bereits besprochenen Kant-Buch „Die Logik der Vernunftkritik" (UTB, TĂŒbingen, 1986) empfohlen, welches neu bearbeitet als „Das Geheimnis der Kategorienlehre" (Maas, Berlin, 2004) erschien.

Man darf also gespannt sein, ob und wie der fĂŒr Nina Ort Nicht-Existente zu diesem erstaunlichen Produkt des Ignorierens sachlich nĂ€her Stellung nimmt. Aller weiteren Stellungnahme vorweg muß man wohl erst einmal feststellen, daß es sich hier um einen mehr oder minder leichten wissenschaftlichen Skandal handelt.

geschrieben am 11.12.2007 | 489 Wörter | 3313 Zeichen

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