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Anton Erkelenz – Ein Sozialliberaler im Kaiserreich und in der Weimarer Republik


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Rezension von

Max Bloch

Anton Erkelenz – Ein Sozialliberaler im Kaiserreich und in der Weimarer Republik Mit seiner Studie über Anton Erkelenz (1878-1945) hat Axel Kellmann einen weithin vergessenen Politiker, einen „streitbaren liberalen und sozialen Demokraten“, einer wissenschaftlichen Betrachtung unterzogen. Als liberaler Gewerkschaftsfunktionär und Journalist war Erkelenz – ähnlich wie Theodor Heuss, der der gleichen Alterskohorte angehörte – bestrebt, die lähmende Trennung zwischen sozialistischer und liberaler Gedankenwelt durch Schaffung einer „Freiheitlich-nationalen Arbeiterbewegung“ zu überbrücken. Damit steht er stellvertretend für das Phänomen des Sozialliberalismus, dem auf sozialdemokratischer Seite der sogenannte Reformismus entsprach – eine erstrebte Allianz, die auf dem Wege der Reform jene Katastrophe zu verhindern suchte, die 1918 über das Reich hereinbrach. Als Gründungs- und Führungsmitglied der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) bemühte sich Erkelenz – bei strikter Ablehnung des revolutionären Dirigismus – um ein wahrhaftes Bekenntnis zur Republik, wie es selbst bei eingeschworenen Liberalen durchaus nicht selbstverständlich war. 1930 wurden seine Hoffnungen auf eine vor allem an den Arbeitnehmerinteressen ausgerichtete liberale Politik endgültig obsolet. Die DDP vereinigte sich mit dem Jungdeutschen Orden zur Deutschen Staatspartei. Erkelenz gestand sich sein Scheitern ein und wechselte zur SPD. Dieser bewegte und auf seine Weise konsequente politische Lebensweg wird von Kellmann souverän skizziert. Die oftmals sehr kleinkalibrigen Auseinandersetzungen der liberalen Sekten und Vereine, Gewerkschaften und Parteien werden in ihren Grundzügen ausgebreitet und die Geschichte des Liberalismus zwischen Kaiserreich und Diktatur sicheren Schritts durchmessen. Was allerdings bei weitem zu kurz kommt, das sind die menschlichen Aspekte. Über den Menschen Erkelenz wird dem Leser nahezu nichts mitgeteilt. Das mag zum einen einer spärlichen Quellenlage geschuldet sein. Aber ebenso ist eine Kontaktaufnahme mit den Nachfahren vom Autor offenbar versäumt worden. Dabei wäre es durchaus nicht unerheblich zu erfahren, aus welchen persönlichen Quellen sich Erkelenz’ politisches Handeln speiste, was Parteipropaganda und was innerste Empfindung war. Auch über seine letzten Jahre im „Dritten Reich“ hätte mehr mitgeteilt werden können als die lapidare Einschätzung, etwaige Sympathien mit dem Nationalsozialismus seien „nicht erkennbar“. Anton Erkelenz stand in engem persönlichen Kontakt mit Oppositionellen und Widerständlern. Der Nationalsozialismus, dessen Gefährlichkeit er wie viele aktive Politiker lange Zeit unterschätzt hatte, nahm ihn, wie er 1934 formulierte, unbarmherzig „in die Zange“. Am 25. April 1945 wurde der eingeschworene Nazigegner von einrückenden russischen Soldaten in Berlin-Zehlendorf ermordet. Die letzten Lebensjahre Erkelenz’, eines streitbaren Liberalen, müssen einer künftigen, stärker biographischen Betrachtung vorbehalten bleiben.

Mit seiner Studie über Anton Erkelenz (1878-1945) hat Axel Kellmann einen weithin vergessenen Politiker, einen „streitbaren liberalen und sozialen Demokraten“, einer wissenschaftlichen Betrachtung unterzogen. Als liberaler Gewerkschaftsfunktionär und Journalist war Erkelenz – ähnlich wie Theodor Heuss, der der gleichen Alterskohorte angehörte – bestrebt, die lähmende Trennung zwischen sozialistischer und liberaler Gedankenwelt durch Schaffung einer „Freiheitlich-nationalen Arbeiterbewegung“ zu überbrücken. Damit steht er stellvertretend für das Phänomen des Sozialliberalismus, dem auf sozialdemokratischer Seite der sogenannte Reformismus entsprach – eine erstrebte Allianz, die auf dem Wege der Reform jene Katastrophe zu verhindern suchte, die 1918 über das Reich hereinbrach. Als Gründungs- und Führungsmitglied der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) bemühte sich Erkelenz – bei strikter Ablehnung des revolutionären Dirigismus – um ein wahrhaftes Bekenntnis zur Republik, wie es selbst bei eingeschworenen Liberalen durchaus nicht selbstverständlich war. 1930 wurden seine Hoffnungen auf eine vor allem an den Arbeitnehmerinteressen ausgerichtete liberale Politik endgültig obsolet. Die DDP vereinigte sich mit dem Jungdeutschen Orden zur Deutschen Staatspartei. Erkelenz gestand sich sein Scheitern ein und wechselte zur SPD.

Dieser bewegte und auf seine Weise konsequente politische Lebensweg wird von Kellmann souverän skizziert. Die oftmals sehr kleinkalibrigen Auseinandersetzungen der liberalen Sekten und Vereine, Gewerkschaften und Parteien werden in ihren Grundzügen ausgebreitet und die Geschichte des Liberalismus zwischen Kaiserreich und Diktatur sicheren Schritts durchmessen. Was allerdings bei weitem zu kurz kommt, das sind die menschlichen Aspekte. Über den Menschen Erkelenz wird dem Leser nahezu nichts mitgeteilt. Das mag zum einen einer spärlichen Quellenlage geschuldet sein. Aber ebenso ist eine Kontaktaufnahme mit den Nachfahren vom Autor offenbar versäumt worden. Dabei wäre es durchaus nicht unerheblich zu erfahren, aus welchen persönlichen Quellen sich Erkelenz’ politisches Handeln speiste, was Parteipropaganda und was innerste Empfindung war. Auch über seine letzten Jahre im „Dritten Reich“ hätte mehr mitgeteilt werden können als die lapidare Einschätzung, etwaige Sympathien mit dem Nationalsozialismus seien „nicht erkennbar“. Anton Erkelenz stand in engem persönlichen Kontakt mit Oppositionellen und Widerständlern. Der Nationalsozialismus, dessen Gefährlichkeit er wie viele aktive Politiker lange Zeit unterschätzt hatte, nahm ihn, wie er 1934 formulierte, unbarmherzig „in die Zange“. Am 25. April 1945 wurde der eingeschworene Nazigegner von einrückenden russischen Soldaten in Berlin-Zehlendorf ermordet. Die letzten Lebensjahre Erkelenz’, eines streitbaren Liberalen, müssen einer künftigen, stärker biographischen Betrachtung vorbehalten bleiben.

geschrieben am 17.11.2007 | 370 Wörter | 2605 Zeichen

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