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Dieses Mal ist alles anders


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Rezension von

Gérard Bökenkamp

Dieses Mal ist alles anders Der Vorteil des historischen Blickes besteht darin, dass man Gelassenheit gewinnt. Denn alles ist so oder so ähnlich schon einmal da gewesen. Was in kurzer Perspektive außergewöhnlich erscheint, das erscheint aus der großen geschichtlichen Perspektive „normal“ und fügt sich bruchlos in den Prozess ein. Das gilt auch für die aktuelle Schuldenkrise und die Debatte über den Staatsbankrott. Die Ökonomen Carmen Reinhardt und Kenneth Rogoff haben sich nicht damit begnügt die aktuelle Weltwirtschaftskrise mit der von 1929 zu vergleichen, was oft geschieht. Sie haben statistisches Material aus acht Jahrhunderten gesammelt, um die Finanz- und Schuldenkrise einordnen zu können. Frankreich blieb zwischen 1500 und 1800 insgesamt acht Mal seine Rückzahlverpflichtungen schuldig. Da sich in Frankreich das Vorgehen etabliert hatte, Gläubiger des Staates einfach verhaften und hinrichten zu lassen, um sich vor dem Schulendienst zu drücken, wurden diese Kreditausfälle im Volksmund auch als „Aderlass“ bezeichnet. Der französische Finanzminister Abbé Terray, der das Amt zwischen 1768 und 1774 bekleidete, vertrat die Ansicht, es sei für die Regierung sogar geboten, wenigstens einmal in hundert Jahren die Schulden nicht zu bezahlen, um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Den Spitzenrekord in der Zahl der Staatsbankrotte hält jedoch Spanien. Spanien war bis Ende des 19 Jahrhunderts insgesamt 13 Mal in Zahlungsverzug geraten - davon sieben Mal bis zum Jahr 1800. Zu fast jedem beliebigen Zeitpunkt schuldete die spanische Krone ihren Gläubigern rund die Hälfte ihrer jährlichen Einnahmen, wobei die Schuldensumme gelegentlich die Einnahmen von zwei Jahren überstieg. Neben der direkten Zahlungsaussetzung gehört die Geldverschlechterung seit frühen Zeiten zu den unlauteren Methoden, mit denen sich Herrscher ihrer Verbindlichkeiten entledigten. Eine der ersten überlieferten Geldabwertungen ging auf den altgriechischen Tyrannen Dionysios zurück, der im vierten Jahrhundert vor Christus um seine Schulden zu bezahlen die im Umlauf befindlichen Drachmenmünzen einfach auf 2 Drachmen umgeprägt haben soll, wodurch sich der Nennwert seiner Münzen verdoppelte. Im 16. Jahrhundert hatte der englische König Heinrich VIII. nicht nur einen großen Verschleiß von Ehefrauen. Auch um seine Finanzen stand es nicht zum Besten. Obwohl er von seinem Vater ein großes Vermögen geerbt hatte und sich durch den Bruch mit Rom das Kirchenvermögen aneignen konnte, drohte dem König der Bankrott, den er mit einer enormen Geldentwertung begegnete. Das englische Pfund verlor nach dem Beginn der Abwertungspolitik 1542 83 Prozent seines Silbergehaltes. Allein in einem Jahr, 1551, unter Heinrichs Nachfolger Eduard VI., wurde der Silbergehalt um 50 Prozent verringert. Drastische einmalige Verringerungen des Geldwertes gab es auch in anderen Ländern. Schweden verringerte den Wert seiner Münzen im Jahr 1572 um 41 Prozent, die Türkei im Jahr 1586 um 44 Prozent und Russland 1798 um 14 Prozent. Österreich wertete durch Münzverschlechterung im Jahr 1812 seine Währung um 55 Prozent ab. Daneben gab es einen fast alle Länder des Mittelalters und der frühen Neuzeit umfassenden Prozess der schleichenden Verringerung des Geldwertes, die sich gemessen an den späteren Papiergeldinflationen bescheiden ausnahm, aber sich doch spürbar bemerkbar machte. So verloren Frankreichs Münzen im späten Mittelalter bis zum Jahre 1500 etwa 74 Prozent ihre Silbergehaltes und von da an bis zur Französischen Revolution 1789 noch einmal um 78 Prozent an Edelmetallgehalt. Es gab Phasen, in denen Frankreichs Einnahmen aus der Währungsmanipulation sämtliche Einnahmen aus anderen Quellen überschritten. Deshalb liegen die Ökonomen Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff mit ihrer Aussage für damals und heute richtig, wenn sie schreiben: „Die Tatsache, dass Kreditgeber von der Rückzahlungsbereitschaft einer souveränen Nation abhängen – und nicht von ihrer Rückzahlungsfähigkeit – impliziert, das ein Staatsbankrott etwas ganz anderes ist als eine Unternehmenspleite. Bei Unternehmenspleiten oder Privatinsolvenzen haben Gläubiger klar definierte Rechte, die ihnen typischerweise ermöglichen, auf einen Großteil der Vermögenswerte des Schuldners zuzugreifen und sich ein Pfandrecht auf seine zukünftigen Einnahmen zu sichern. Bei Staatsbankrotten stehen den Gläubigern theoretisch zwar die gleichen Rechte zu, aber in der Praxis ist die Durchsetzung ihrer Ansprüche kaum möglich.“ Das Buch ist gut lesbar, allerdings besteht ein Großteil des Buches nicht aus Text, sondern aus Tabellen und Statistiken. Das macht das Buch für das Fachpublikum besonders wertvoll, für den allgemein interessierten Leser sind diese Teile des Buches hingegen eher weniger interessant.

Der Vorteil des historischen Blickes besteht darin, dass man Gelassenheit gewinnt. Denn alles ist so oder so ähnlich schon einmal da gewesen. Was in kurzer Perspektive außergewöhnlich erscheint, das erscheint aus der großen geschichtlichen Perspektive „normal“ und fügt sich bruchlos in den Prozess ein. Das gilt auch für die aktuelle Schuldenkrise und die Debatte über den Staatsbankrott. Die Ökonomen Carmen Reinhardt und Kenneth Rogoff haben sich nicht damit begnügt die aktuelle Weltwirtschaftskrise mit der von 1929 zu vergleichen, was oft geschieht. Sie haben statistisches Material aus acht Jahrhunderten gesammelt, um die Finanz- und Schuldenkrise einordnen zu können.

Frankreich blieb zwischen 1500 und 1800 insgesamt acht Mal seine Rückzahlverpflichtungen schuldig. Da sich in Frankreich das Vorgehen etabliert hatte, Gläubiger des Staates einfach verhaften und hinrichten zu lassen, um sich vor dem Schulendienst zu drücken, wurden diese Kreditausfälle im Volksmund auch als „Aderlass“ bezeichnet. Der französische Finanzminister Abbé Terray, der das Amt zwischen 1768 und 1774 bekleidete, vertrat die Ansicht, es sei für die Regierung sogar geboten, wenigstens einmal in hundert Jahren die Schulden nicht zu bezahlen, um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Den Spitzenrekord in der Zahl der Staatsbankrotte hält jedoch Spanien. Spanien war bis Ende des 19 Jahrhunderts insgesamt 13 Mal in Zahlungsverzug geraten - davon sieben Mal bis zum Jahr 1800. Zu fast jedem beliebigen Zeitpunkt schuldete die spanische Krone ihren Gläubigern rund die Hälfte ihrer jährlichen Einnahmen, wobei die Schuldensumme gelegentlich die Einnahmen von zwei Jahren überstieg.

Neben der direkten Zahlungsaussetzung gehört die Geldverschlechterung seit frühen Zeiten zu den unlauteren Methoden, mit denen sich Herrscher ihrer Verbindlichkeiten entledigten. Eine der ersten überlieferten Geldabwertungen ging auf den altgriechischen Tyrannen Dionysios zurück, der im vierten Jahrhundert vor Christus um seine Schulden zu bezahlen die im Umlauf befindlichen Drachmenmünzen einfach auf 2 Drachmen umgeprägt haben soll, wodurch sich der Nennwert seiner Münzen verdoppelte. Im 16. Jahrhundert hatte der englische König Heinrich VIII. nicht nur einen großen Verschleiß von Ehefrauen. Auch um seine Finanzen stand es nicht zum Besten. Obwohl er von seinem Vater ein großes Vermögen geerbt hatte und sich durch den Bruch mit Rom das Kirchenvermögen aneignen konnte, drohte dem König der Bankrott, den er mit einer enormen Geldentwertung begegnete. Das englische Pfund verlor nach dem Beginn der Abwertungspolitik 1542 83 Prozent seines Silbergehaltes. Allein in einem Jahr, 1551, unter Heinrichs Nachfolger Eduard VI., wurde der Silbergehalt um 50 Prozent verringert.

Drastische einmalige Verringerungen des Geldwertes gab es auch in anderen Ländern. Schweden verringerte den Wert seiner Münzen im Jahr 1572 um 41 Prozent, die Türkei im Jahr 1586 um 44 Prozent und Russland 1798 um 14 Prozent. Österreich wertete durch Münzverschlechterung im Jahr 1812 seine Währung um 55 Prozent ab. Daneben gab es einen fast alle Länder des Mittelalters und der frühen Neuzeit umfassenden Prozess der schleichenden Verringerung des Geldwertes, die sich gemessen an den späteren Papiergeldinflationen bescheiden ausnahm, aber sich doch spürbar bemerkbar machte. So verloren Frankreichs Münzen im späten Mittelalter bis zum Jahre 1500 etwa 74 Prozent ihre Silbergehaltes und von da an bis zur Französischen Revolution 1789 noch einmal um 78 Prozent an Edelmetallgehalt. Es gab Phasen, in denen Frankreichs Einnahmen aus der Währungsmanipulation sämtliche Einnahmen aus anderen Quellen überschritten.

Deshalb liegen die Ökonomen Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff mit ihrer Aussage für damals und heute richtig, wenn sie schreiben: „Die Tatsache, dass Kreditgeber von der Rückzahlungsbereitschaft einer souveränen Nation abhängen – und nicht von ihrer Rückzahlungsfähigkeit – impliziert, das ein Staatsbankrott etwas ganz anderes ist als eine Unternehmenspleite. Bei Unternehmenspleiten oder Privatinsolvenzen haben Gläubiger klar definierte Rechte, die ihnen typischerweise ermöglichen, auf einen Großteil der Vermögenswerte des Schuldners zuzugreifen und sich ein Pfandrecht auf seine zukünftigen Einnahmen zu sichern. Bei Staatsbankrotten stehen den Gläubigern theoretisch zwar die gleichen Rechte zu, aber in der Praxis ist die Durchsetzung ihrer Ansprüche kaum möglich.“

Das Buch ist gut lesbar, allerdings besteht ein Großteil des Buches nicht aus Text, sondern aus Tabellen und Statistiken. Das macht das Buch für das Fachpublikum besonders wertvoll, für den allgemein interessierten Leser sind diese Teile des Buches hingegen eher weniger interessant.

geschrieben am 12.07.2010 | 666 Wörter | 4059 Zeichen

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