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Tanz mit dem Jahrhundert: Erinnerungen


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Rezension von

Dr. Benjamin Krenberger

Tanz mit dem Jahrhundert: Erinnerungen Ein beeindruckendes Leben in einem bewegten Jahrhundert. Hessel war im sprichwörtlichen und buchstäblichen Sinne immer an vorderster Front bei den weltumspannenden Ereignissen des 20. Jahrhunderts dabei und kann nun davon berichten. Dies nimmt er in einer wohlformulierten Sprache vor, deren Übersetzung man die französische Melodie zu entnehmen meint. Hessel, der 1927 in Deutschland geboren wurde, nahm die französische Sprache seiner Wahlheimat seit Kindertagen an. Den Leser beeindrucken vor allem Hessels Schilderungen der Kämpfe des zweiten Weltkriegs, das unglaubliche Glück bei der Flucht aus dem Kriegsgefangenenlager. Man kann es nachvollziehen, dass der junge Hessel nach den Erlebnissen des Krieges den Anschluss an die französischen Widerstandskämpfer sucht. Der bewundernswerte Mut, der für die Arbeit in der Résistance notwendig ist, ist offensichtlich - wohingegen Hessels Text unbeeindruckt und wenig von seiner Person eingenommen die damalige Zeit referiert. Der Leser schaudert ob der alltäglichen Grausamkeiten und des brutalen Überlebenskampfes im Konzentrations- und Arbeitslager und der Leser kann es kaum glauben, dass ein Mensch diesen Mangel am existentiell Notwendigen unter dem Eindruck ständiger Bedrohung seines Lebens überleben kann und daraus nicht gebrochen, sondern höchstens vorübergehend geschwächt hervorgeht. An dieser Stelle erstaunt auch der Lebenslauf von Hessels Frau Vitia, der nebenbei mit berichtet wird und nicht minder aufregend ist. Man ist ergriffen von den vielzähligen Schnippchen, die Vitia und Hessel dem Tod schlagen können. Nicht minder spannend ist es zu verfolgen, wie Hessel in der Nachkriegszeit sofort eine Laufbahn einschlägt, die ihn mit der Machtzentrale Frankreichs in Verbindung setzt und ihm die Möglichkeit gibt, den Aufbau der neuen Weltordnung nach dem Krieg mitzugestalten. In den Passagen zum Lebensabschnitt Hessels im französischen diplomatischen Dienst, für den er bei den Vereinten Nationen, in französischen Ministerien und an Botschaften vor allem asiatischer Länder gearbeitet hat, ist es ohne tiefere Kenntnisse der französischen und internationalen Politik der 50er bis 80er Jahre des letzten Jahrhunderts teilweise schwierig den Ausführungen Hessels zu folgen. Sein umfangreiches Wissen um die damaligen politischen Machenschaften und Personalien führt dazu, dass er einen groben Abriss liefert, unter Nennung der vielen beteiligten Personen - deren Namen dem unkundigen Leser wenig sagen und bei diesem dann auch keine Assoziationen auslöst. Die Autobiografie hält demnach bei gründlicher Recherche noch tiefergehende Informationen parat, die dem sich ausschließlich an der Sprache und Spannung des Textes erfreuenden Lesers eventuell verborgen bleiben - der Freude am Lesen aber keinen gesteigerten Abbruch tut. Das Buch konfrontiert den Leser mit der Frage, ob er selbst ähnlich mutig und risikoreich hätte handeln können und ob er die Leiden des jungen Hessel hätte überleben können. Die heutigen Generationen können sich natürlich schwer hineinversetzen in jene Zeiten, doch durch die Lebensgeschichte der Person Hessel, die in der Vergangenheit und in der Gegenwart eine bedeutende Rolle spielte, werden jene Zeiten erfahrbar. Die Autobiografie ist ein wichtiges Zeitdokument der jüngeren französischen Geschichte und macht dem Leser Mut: Die schwärzeste Gegenwart kann sich in eine helle Zukunft verwandeln. Und sie transportiert ein wichtiges und die Zeiten überdauerndes Manifest: Das Eintreten für die Menschenwürde und Menschenrechte ist einen lebenslangen Kampf wert.

Ein beeindruckendes Leben in einem bewegten Jahrhundert. Hessel war im sprichwörtlichen und buchstäblichen Sinne immer an vorderster Front bei den weltumspannenden Ereignissen des 20. Jahrhunderts dabei und kann nun davon berichten. Dies nimmt er in einer wohlformulierten Sprache vor, deren Übersetzung man die französische Melodie zu entnehmen meint. Hessel, der 1927 in Deutschland geboren wurde, nahm die französische Sprache seiner Wahlheimat seit Kindertagen an. Den Leser beeindrucken vor allem Hessels Schilderungen der Kämpfe des zweiten Weltkriegs, das unglaubliche Glück bei der Flucht aus dem Kriegsgefangenenlager. Man kann es nachvollziehen, dass der junge Hessel nach den Erlebnissen des Krieges den Anschluss an die französischen Widerstandskämpfer sucht. Der bewundernswerte Mut, der für die Arbeit in der Résistance notwendig ist, ist offensichtlich - wohingegen Hessels Text unbeeindruckt und wenig von seiner Person eingenommen die damalige Zeit referiert. Der Leser schaudert ob der alltäglichen Grausamkeiten und des brutalen Überlebenskampfes im Konzentrations- und Arbeitslager und der Leser kann es kaum glauben, dass ein Mensch diesen Mangel am existentiell Notwendigen unter dem Eindruck ständiger Bedrohung seines Lebens überleben kann und daraus nicht gebrochen, sondern höchstens vorübergehend geschwächt hervorgeht. An dieser Stelle erstaunt auch der Lebenslauf von Hessels Frau Vitia, der nebenbei mit berichtet wird und nicht minder aufregend ist. Man ist ergriffen von den vielzähligen Schnippchen, die Vitia und Hessel dem Tod schlagen können. Nicht minder spannend ist es zu verfolgen, wie Hessel in der Nachkriegszeit sofort eine Laufbahn einschlägt, die ihn mit der Machtzentrale Frankreichs in Verbindung setzt und ihm die Möglichkeit gibt, den Aufbau der neuen Weltordnung nach dem Krieg mitzugestalten.

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In den Passagen zum Lebensabschnitt Hessels im französischen diplomatischen Dienst, für den er bei den Vereinten Nationen, in französischen Ministerien und an Botschaften vor allem asiatischer Länder gearbeitet hat, ist es ohne tiefere Kenntnisse der französischen und internationalen Politik der 50er bis 80er Jahre des letzten Jahrhunderts teilweise schwierig den Ausführungen Hessels zu folgen. Sein umfangreiches Wissen um die damaligen politischen Machenschaften und Personalien führt dazu, dass er einen groben Abriss liefert, unter Nennung der vielen beteiligten Personen - deren Namen dem unkundigen Leser wenig sagen und bei diesem dann auch keine Assoziationen auslöst. Die Autobiografie hält demnach bei gründlicher Recherche noch tiefergehende Informationen parat, die dem sich ausschließlich an der Sprache und Spannung des Textes erfreuenden Lesers eventuell verborgen bleiben - der Freude am Lesen aber keinen gesteigerten Abbruch tut.

Das Buch konfrontiert den Leser mit der Frage, ob er selbst ähnlich mutig und risikoreich hätte handeln können und ob er die Leiden des jungen Hessel hätte überleben können. Die heutigen Generationen können sich natürlich schwer hineinversetzen in jene Zeiten, doch durch die Lebensgeschichte der Person Hessel, die in der Vergangenheit und in der Gegenwart eine bedeutende Rolle spielte, werden jene Zeiten erfahrbar. Die Autobiografie ist ein wichtiges Zeitdokument der jüngeren französischen Geschichte und macht dem Leser Mut: Die schwärzeste Gegenwart kann sich in eine helle Zukunft verwandeln. Und sie transportiert ein wichtiges und die Zeiten überdauerndes Manifest: Das Eintreten für die Menschenwürde und Menschenrechte ist einen lebenslangen Kampf wert.

geschrieben am 07.04.2013 | 495 Wörter | 3110 Zeichen

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