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Kulturgeschichte des frühen Mittelalters:


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Rezension von

Hiram Kümper

Kulturgeschichte des frühen Mittelalters: Dieser gut zu lesende Band nimmt sich der Kulturgeschichte einer fremden Zeit an. Wenn der Altphilologe Uvo Hölscher die klassische Antike als das „nächste Fremde“ oder Thomas Nipperdey das Mittelalter als das ‚eigentlich’ nächste Fremde charakterisiert (und dabei im Grunde das spätere Mittelalter gemeint) hat, dann bleibt da ein Zwischenraum, eine Lücke, eine Zeit des gar nicht so nahen Fremden. Und das ist das Frühmittelalter. Hier scheint so vieles fremd, so vieles bleibt unbekannt – und zwar vielen Lesern; von der Schule bis in die Universität. Das spiegelt mit Einschränkungen auch der Buchmarkt: jedenfalls ist das Davor und Danach ungleich besser durch Überblicks- und Einführungsbände aufgearbeitet. Die nun neu erschienene Kulturgeschichte des frühen Mittelalters betritt also durchaus keinen konkurrenzlosen – man wird etwa an Michael Borgoltes ebenfalls schon im Titel tri-religiös angelegten Band der Siedler-Geschichte von 2006 („Christen, Juden, Muselmanen. Die Erben der Antike und der Aufstieg des Abendlandes 300 bis 1400 n. Chr.“) denken –, aber einen beileibe noch nicht so überversorgten Markt. Die Verfasser haben diesen Zeitraum breit angelegt, behandeln die Zeit von etwa dem frühen 7. bis zum späten 12. Jahrhundert. Eigentlich müsste man also eher – wie in manchen europäischen Forschungstraditionen ja auch üblich – vom früheren statt vom frühen Mittelalter sprechen, weil jener Zeitabschnitt, der in der deutschen Forschung traditionell als „Hochmittelalter“ angesprochen wird, durchweg mit bedacht worden ist. Im Grunde leuchtet eine solche Zweiteilung gegenüber den drei traditionellen Subepochen auch sehr ein. Einen merklichen Schwerpunkt macht – ganz gemäß der disziplinären Herkunft der Verfasser – die Religionsgeschichte aus. Und das ist zugleich ein deutlicher Mehrwert gegenüber einer Reihe schon vorliegender Darstellungen, die eher die politische Geschichte fokussieren. Gerade die liefert den Verfassern, ganz gemäß ihrer Zielsetzung, hier eher die Rahmenhandlung und ist nur in den allgemeinsten Zügen dargestellt. Ausdrücklich ausgeklammert wird – vermutlich auch aus pragmatischen Gründen – der byzantinisch-ostchristliche Bereich. Das ist natürlich vor allem dann problematisch, wenn man auf der anderen Seite die islamische Welt mit einschließt, denn gerade hier ergeben sich ja teils mittelbar, teils unmittelbar, eine Reihe wichtiger Kontaktzonen, auch nach Westen. Immerhin aber geben sich die Verfasser, vor allem Anton Grabner-Haider, der das lateinisch-christliche Europa bespricht, Mühe, zumindest die wichtigsten Berührungspunkte aufzugreifen, etwa den Ikonoklasmus des 8. und 9. Jahrhunderts oder die Einflüsse der byzantinischen Kunst auf Westeuropa. Im Kapitel zur islamischen Kultur hätte man sich dagegen hier und da einen Satz mehr zum Verhältnis zu Byzanz gewünscht. Kleinigkeiten vor allem redaktioneller Art, wie die vergessenen Numerusangleichungen auch S. 37, fallen hier und da ins Auge und jede Spezialistin und jeder Spezialist wird auf ihrem bzw. seinem jeweiligen Fachgebieten vermutlich Verallgemeinerungen finden, die ihr respektive ihm zu allgemein sein werden. Das liegt aber in der Natur der Sache. Was dem Band gerade in den späteren Kapiteln, die eine Welt besprechen, die vielen Lesern schon geographisch eher fremd sein dürfte, allerdings merklich fehlt, sind einige aussagekräftige Karten – wie überhaupt der gesamte Band gänzlich ohne Illustrationen daherkommt. Das fällt bei der leicht zugänglichen Lektüre des flüssig geschriebenen Bandes aber ansonsten nicht weiter ins Gewicht. Insgesamt sind es also Marginalien, die kritisch anzumerken wären. Dieses Buch ist nicht innovativ im Sinne einer neuen großen Deutung der europäischen Geschichte, es verfolgt kein explizites „master narrative“ und keine steile These. Das will es nicht und das darf auch der Leser darum nicht erwarten. Aber es vermittelt ein Bild einer fremden, gleichwohl faszinierenden Kultur auf verständliche und solide Art und Weise und wird damit sicher seine Leser finden.

Dieser gut zu lesende Band nimmt sich der Kulturgeschichte einer fremden Zeit an. Wenn der Altphilologe Uvo Hölscher die klassische Antike als das „nächste Fremde“ oder Thomas Nipperdey das Mittelalter als das ‚eigentlich’ nächste Fremde charakterisiert (und dabei im Grunde das spätere Mittelalter gemeint) hat, dann bleibt da ein Zwischenraum, eine Lücke, eine Zeit des gar nicht so nahen Fremden. Und das ist das Frühmittelalter. Hier scheint so vieles fremd, so vieles bleibt unbekannt – und zwar vielen Lesern; von der Schule bis in die Universität. Das spiegelt mit Einschränkungen auch der Buchmarkt: jedenfalls ist das Davor und Danach ungleich besser durch Überblicks- und Einführungsbände aufgearbeitet. Die nun neu erschienene Kulturgeschichte des frühen Mittelalters betritt also durchaus keinen konkurrenzlosen – man wird etwa an Michael Borgoltes ebenfalls schon im Titel tri-religiös angelegten Band der Siedler-Geschichte von 2006 („Christen, Juden, Muselmanen. Die Erben der Antike und der Aufstieg des Abendlandes 300 bis 1400 n. Chr.“) denken –, aber einen beileibe noch nicht so überversorgten Markt.

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Die Verfasser haben diesen Zeitraum breit angelegt, behandeln die Zeit von etwa dem frühen 7. bis zum späten 12. Jahrhundert. Eigentlich müsste man also eher – wie in manchen europäischen Forschungstraditionen ja auch üblich – vom früheren statt vom frühen Mittelalter sprechen, weil jener Zeitabschnitt, der in der deutschen Forschung traditionell als „Hochmittelalter“ angesprochen wird, durchweg mit bedacht worden ist. Im Grunde leuchtet eine solche Zweiteilung gegenüber den drei traditionellen Subepochen auch sehr ein.

Einen merklichen Schwerpunkt macht – ganz gemäß der disziplinären Herkunft der Verfasser – die Religionsgeschichte aus. Und das ist zugleich ein deutlicher Mehrwert gegenüber einer Reihe schon vorliegender Darstellungen, die eher die politische Geschichte fokussieren. Gerade die liefert den Verfassern, ganz gemäß ihrer Zielsetzung, hier eher die Rahmenhandlung und ist nur in den allgemeinsten Zügen dargestellt. Ausdrücklich ausgeklammert wird – vermutlich auch aus pragmatischen Gründen – der byzantinisch-ostchristliche Bereich. Das ist natürlich vor allem dann problematisch, wenn man auf der anderen Seite die islamische Welt mit einschließt, denn gerade hier ergeben sich ja teils mittelbar, teils unmittelbar, eine Reihe wichtiger Kontaktzonen, auch nach Westen. Immerhin aber geben sich die Verfasser, vor allem Anton Grabner-Haider, der das lateinisch-christliche Europa bespricht, Mühe, zumindest die wichtigsten Berührungspunkte aufzugreifen, etwa den Ikonoklasmus des 8. und 9. Jahrhunderts oder die Einflüsse der byzantinischen Kunst auf Westeuropa. Im Kapitel zur islamischen Kultur hätte man sich dagegen hier und da einen Satz mehr zum Verhältnis zu Byzanz gewünscht.

Kleinigkeiten vor allem redaktioneller Art, wie die vergessenen Numerusangleichungen auch S. 37, fallen hier und da ins Auge und jede Spezialistin und jeder Spezialist wird auf ihrem bzw. seinem jeweiligen Fachgebieten vermutlich Verallgemeinerungen finden, die ihr respektive ihm zu allgemein sein werden. Das liegt aber in der Natur der Sache. Was dem Band gerade in den späteren Kapiteln, die eine Welt besprechen, die vielen Lesern schon geographisch eher fremd sein dürfte, allerdings merklich fehlt, sind einige aussagekräftige Karten – wie überhaupt der gesamte Band gänzlich ohne Illustrationen daherkommt. Das fällt bei der leicht zugänglichen Lektüre des flüssig geschriebenen Bandes aber ansonsten nicht weiter ins Gewicht. Insgesamt sind es also Marginalien, die kritisch anzumerken wären.

Dieses Buch ist nicht innovativ im Sinne einer neuen großen Deutung der europäischen Geschichte, es verfolgt kein explizites „master narrative“ und keine steile These. Das will es nicht und das darf auch der Leser darum nicht erwarten. Aber es vermittelt ein Bild einer fremden, gleichwohl faszinierenden Kultur auf verständliche und solide Art und Weise und wird damit sicher seine Leser finden.

geschrieben am 14.05.2011 | 574 Wörter | 3550 Zeichen

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