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Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung – Von der Revolution 1848 bis ins 21. Jahrhundert


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Rezension von

Max Bloch

Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung – Von der Revolution 1848 bis ins 21. Jahrhundert Die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung von 1848 bis zur Kanzlerschaft Gerhard Schröders auf 250 Seiten abzuhandeln, ist ein ambitioniertes Unterfangen, das Helga Grebing, emeritierte „Professorin für die vergleichende Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung und der sozialen Lage der Arbeiterschaft“, jedoch souverän zu meistern versteht. Als Sozialhistorikerin sieht sie sich dem Postulat einer „Arbeitergeschichte von unten“ verpflichtet, und tatsächlich werden dem Leser die Bildung und Auflösung proletarischer Milieus und Klassenzusammenhänge, die Entwicklung des Wahl- und Arbeitsverhaltens, angereichert durch statistische Daten, eindrücklich illustriert, ohne – bei politik- oder sozialwissenschaftlich orientierten Arbeiten durchaus nicht selbstverständlich – ermüdend zu wirken. Entstanden ist ein instruktives Handbuch zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, das in seiner Darstellung und Deutung trotz des begrenzten Raumes nicht im Oberflächlichen verharrt. Grebing selbst nimmt dabei eine immer abgewogene, aber durchaus nicht neutrale Stellung ein. Nachdem die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung von ihren Ursprüngen in der 1848er Revolution über Ferdinand Lassalle und Karl Marx, Wilhelm Liebknecht und August Bebel in aller Kürze skizziert worden ist, wird die Darstellung, je näher sie der Jetzt-Zeit rückt, ausführlicher, engagierter, kritischer und dadurch auch anfechtbarer. Obwohl sie die „Wagenburgmentalität“ der Weimarer SPD als ein politisches Manko begreift und sie von einer Mitverantwortung am Scheitern der Weimarer Republik durchaus nicht freispricht, gehören Helga Grebings Sympathien ganz eindeutig jenen sozialdemokratischen Integrationspolitikern, die – wie August Bebel und Willy Brandt – die Partei mit den Anforderungen ihrer Gegenwart konfrontiert haben, ohne ihre gedankliche und organisatorische Einheit dadurch zu gefährden. Die Burgfriedenspolitik im Ersten Weltkrieg, die zur Spaltung der Partei führte, wird ebenso als ein Fehler gewertet wie die Trennung vom Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) als „fatal“. Dass Helmut Schmidt, dessen Kanzlerschaft fast vollständig ausgespart bleibt, nicht öfter Erwähnung findet als der marxistische Theoretiker Peter von Oertzen (der 2005 die SPD verließ), berührt vor diesem Hintergrund zumindest merkwürdig. In dieses Bild will passen, dass Helga Grebing in das sozialdemokratische Lied vom „Bösewicht“ Lafontaine nicht einzustimmen gedenkt. Zwar missbilligt sie sein neues Wirkungsfeld entschieden, doch sieht sie ihn gleichwohl in mancherlei Hinsicht in der Nachfolge des Übervaters Brandt. Auch das Schröder-Blair-Papier, mit dem die Darstellung endet, wird keineswegs als adäquate, zumindest als keine sozialdemokratische Antwort auf die drängenden Zukunftsfragen gewertet, wenn es auch, wie Grebing zugesteht, manche Ansätze für eine Modernisierung der sozialdemokratischen Programmatik und Politik enthält. Für Helga Grebing kommt es darauf, die SPD wetterfest und zukunftsfähig zu gestalten. Den dringend gebotenen Kampf gegen die „Linkspartei“ gelte es jedoch nicht nur auf tagespolitischem, sondern mehr noch auf geschichtspolitischem Felde zu führen: Linke Traditionsbestände wie die Erinnerung an Rosa Luxemburg oder der Begriff des „demokratischen Sozialismus“ dürften nicht länger mehr den einstigen Einheitssozialisten überlassen bleiben, sondern sollten von der SPD selbstbewusst zurückgefordert werden. Was den „demokratischen Sozialismus“ anbelangt, ist Helga Grebings Forderung bereits erfüllt. Aber wie sagt Wolfgang Clement? Nicht alles, was der „Tradition der Sozialdemokratie“ entspringt, könne den politischen Anforderungen der Gegenwart entsprechen.

Die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung von 1848 bis zur Kanzlerschaft Gerhard Schröders auf 250 Seiten abzuhandeln, ist ein ambitioniertes Unterfangen, das Helga Grebing, emeritierte „Professorin für die vergleichende Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung und der sozialen Lage der Arbeiterschaft“, jedoch souverän zu meistern versteht. Als Sozialhistorikerin sieht sie sich dem Postulat einer „Arbeitergeschichte von unten“ verpflichtet, und tatsächlich werden dem Leser die Bildung und Auflösung proletarischer Milieus und Klassenzusammenhänge, die Entwicklung des Wahl- und Arbeitsverhaltens, angereichert durch statistische Daten, eindrücklich illustriert, ohne – bei politik- oder sozialwissenschaftlich orientierten Arbeiten durchaus nicht selbstverständlich – ermüdend zu wirken. Entstanden ist ein instruktives Handbuch zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, das in seiner Darstellung und Deutung trotz des begrenzten Raumes nicht im Oberflächlichen verharrt. Grebing selbst nimmt dabei eine immer abgewogene, aber durchaus nicht neutrale Stellung ein.

Nachdem die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung von ihren Ursprüngen in der 1848er Revolution über Ferdinand Lassalle und Karl Marx, Wilhelm Liebknecht und August Bebel in aller Kürze skizziert worden ist, wird die Darstellung, je näher sie der Jetzt-Zeit rückt, ausführlicher, engagierter, kritischer und dadurch auch anfechtbarer. Obwohl sie die „Wagenburgmentalität“ der Weimarer SPD als ein politisches Manko begreift und sie von einer Mitverantwortung am Scheitern der Weimarer Republik durchaus nicht freispricht, gehören Helga Grebings Sympathien ganz eindeutig jenen sozialdemokratischen Integrationspolitikern, die – wie August Bebel und Willy Brandt – die Partei mit den Anforderungen ihrer Gegenwart konfrontiert haben, ohne ihre gedankliche und organisatorische Einheit dadurch zu gefährden. Die Burgfriedenspolitik im Ersten Weltkrieg, die zur Spaltung der Partei führte, wird ebenso als ein Fehler gewertet wie die Trennung vom Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) als „fatal“. Dass Helmut Schmidt, dessen Kanzlerschaft fast vollständig ausgespart bleibt, nicht öfter Erwähnung findet als der marxistische Theoretiker Peter von Oertzen (der 2005 die SPD verließ), berührt vor diesem Hintergrund zumindest merkwürdig.

In dieses Bild will passen, dass Helga Grebing in das sozialdemokratische Lied vom „Bösewicht“ Lafontaine nicht einzustimmen gedenkt. Zwar missbilligt sie sein neues Wirkungsfeld entschieden, doch sieht sie ihn gleichwohl in mancherlei Hinsicht in der Nachfolge des Übervaters Brandt. Auch das Schröder-Blair-Papier, mit dem die Darstellung endet, wird keineswegs als adäquate, zumindest als keine sozialdemokratische Antwort auf die drängenden Zukunftsfragen gewertet, wenn es auch, wie Grebing zugesteht, manche Ansätze für eine Modernisierung der sozialdemokratischen Programmatik und Politik enthält. Für Helga Grebing kommt es darauf, die SPD wetterfest und zukunftsfähig zu gestalten. Den dringend gebotenen Kampf gegen die „Linkspartei“ gelte es jedoch nicht nur auf tagespolitischem, sondern mehr noch auf geschichtspolitischem Felde zu führen: Linke Traditionsbestände wie die Erinnerung an Rosa Luxemburg oder der Begriff des „demokratischen Sozialismus“ dürften nicht länger mehr den einstigen Einheitssozialisten überlassen bleiben, sondern sollten von der SPD selbstbewusst zurückgefordert werden. Was den „demokratischen Sozialismus“ anbelangt, ist Helga Grebings Forderung bereits erfüllt. Aber wie sagt Wolfgang Clement? Nicht alles, was der „Tradition der Sozialdemokratie“ entspringt, könne den politischen Anforderungen der Gegenwart entsprechen.

geschrieben am 25.12.2007 | 472 Wörter | 3314 Zeichen

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