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Die Entdeckung der Vergangenheit


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Rezension von

Hiram Kümper

Die Entdeckung der Vergangenheit Eine „Geschichte der Archäologie“ ohne Schliemann. Kann das sein? Es kann – und ist famos geworden. Dies ist ein spannendes, ein lehrreiches und ein lebhaftes Buch, begleitet von zahlreichen Originalstimmen und Abbildungen in durchweg hoher Bildqualität. Der Feuilleton zwischen New York Times und Neue Zürcher Zeitung ist begeistert: zu Recht! Der Verfasser, vielfach dekorierter Professur für griechische Archäologie an der Sorbonne und langjähriger Direktor des Institut National d’Histoire de l’Art in Paris, hat hier eine Kulturgeschichte vorgelegt, die interessierte Laien ebenso wird erreichen können wie den bereits einigermaßen bewanderten Leser und die eigenen Fachkolleginnen und -kollegen. Man wird „Kulturgeschichte“ sagen müssen, denn die Geschichte, die hier erzählt wird, ist weder die einer Disziplin noch die einer Wissenschaft. Bestenfalls wird man von der Vor- und Frühgeschichte der archäologischen Wissenschaften sprechen können. Vom frühen Christentum und seinem unmittelbaren Interesse an den Relikten der Vergangenheit als Reliquien der eigenen Religion, über die Faszination der Renaissance an der Wiederentdeckung antiker Monumente bis in die Wunderkammern des Barock und die frühen Museen des Aufklärungszeitalters führt uns der Verfasser an zahlreichen Beispielen entlang, nie dozierend, sondern immer erzählend – aber stets auf hohem fachlichen Niveau, ohne zu verflachen. Bemerkenswert aber auch, dass diese europäische Meistererzählung immer wieder aufgebrochen wird und der Blick in andere Kulturkreise schweift, die nicht bloßer Exkurs, sondern immer integraler und entsprechend ernst genommener Bestandteil des Ganzen bleiben. 1859, in dem Jahr als Charles Darwin seine Evolutionstheorie veröffentlichte, lässt Schnapp sein Buch enden. Nur wenige Jahre zuvor hatte man in einem Tal nahe Düsseldorf ein Skelett gefunden, das bald den Namen dieses Tals – Neandertaler – tragen sollte. Ein gutes Jahrzehnt später wird Heinrich Schliemann mit seiner Entdeckung des antiken Trojas – oder dessen, was er dafür hielt – an die Öffentlichkeit treten. Davon erfahren wir bei Schnapp nichts mehr. Die historischen Grundlagen der archäologischen Wissenschaften sind gelegt; ihr geisteshistorische Kindbett umrissen – ihre disziplinäre Entwicklung ist nun eine andere Geschichte. Eine ganz besondere Dreingabe erwartet den Leser am Ende des Buches: auf rund knapp fünfzig Seiten sind übersetzte und knapp kommentierte Quellenauszüge zusammengestellt, die die so eben erzählte Geschichte begleiten und illustrieren. Wir lesen Voltaire, der über den Ursprung der Muscheln sinniert, Raffael, der Papst Leo X. um „Denkmalschutz“ für die antiken Monumente Roms bittet, oder den Kirchenvater Cassiodor, der an die Achtung gegenüber der Vergangenheit mahnt. Manche dieser Textauszüge sind hier zum ersten Mal in deutscher (respektive überhaupt in moderner) Übersetzung greifbar. An manchen Stellen sind die Übersetzungen hier, wie ansonsten selten im Buch, gefährlich alltagstauglich und entfernen sich zu sehr von der Begrifflichkeit der Quellen – etwa, wenn der Begriff „Antike“ in Quellen aus dem 15. Jahrhundert hineinübersetzt wird. Trotzdem: ein wunderbares Geschenk für den Leser, der an Mehr interessiert ist. Hoffentlich macht dieses Beispiel Schule. Dass dieses bereits 1993 in französischer Sprache erschienene und bald ins Englische übersetzte Buch nun auch in deutscher Sprache greifbar ist, ist ein Glücksfall. Dafür gebührt auch dem Verlag Lob – und für die qualitätsvolle Umsetzung.

Eine „Geschichte der Archäologie“ ohne Schliemann. Kann das sein? Es kann – und ist famos geworden. Dies ist ein spannendes, ein lehrreiches und ein lebhaftes Buch, begleitet von zahlreichen Originalstimmen und Abbildungen in durchweg hoher Bildqualität. Der Feuilleton zwischen New York Times und Neue Zürcher Zeitung ist begeistert: zu Recht! Der Verfasser, vielfach dekorierter Professur für griechische Archäologie an der Sorbonne und langjähriger Direktor des Institut National d’Histoire de l’Art in Paris, hat hier eine Kulturgeschichte vorgelegt, die interessierte Laien ebenso wird erreichen können wie den bereits einigermaßen bewanderten Leser und die eigenen Fachkolleginnen und -kollegen.

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Man wird „Kulturgeschichte“ sagen müssen, denn die Geschichte, die hier erzählt wird, ist weder die einer Disziplin noch die einer Wissenschaft. Bestenfalls wird man von der Vor- und Frühgeschichte der archäologischen Wissenschaften sprechen können.

Vom frühen Christentum und seinem unmittelbaren Interesse an den Relikten der Vergangenheit als Reliquien der eigenen Religion, über die Faszination der Renaissance an der Wiederentdeckung antiker Monumente bis in die Wunderkammern des Barock und die frühen Museen des Aufklärungszeitalters führt uns der Verfasser an zahlreichen Beispielen entlang, nie dozierend, sondern immer erzählend – aber stets auf hohem fachlichen Niveau, ohne zu verflachen. Bemerkenswert aber auch, dass diese europäische Meistererzählung immer wieder aufgebrochen wird und der Blick in andere Kulturkreise schweift, die nicht bloßer Exkurs, sondern immer integraler und entsprechend ernst genommener Bestandteil des Ganzen bleiben.

1859, in dem Jahr als Charles Darwin seine Evolutionstheorie veröffentlichte, lässt Schnapp sein Buch enden. Nur wenige Jahre zuvor hatte man in einem Tal nahe Düsseldorf ein Skelett gefunden, das bald den Namen dieses Tals – Neandertaler – tragen sollte. Ein gutes Jahrzehnt später wird Heinrich Schliemann mit seiner Entdeckung des antiken Trojas – oder dessen, was er dafür hielt – an die Öffentlichkeit treten. Davon erfahren wir bei Schnapp nichts mehr. Die historischen Grundlagen der archäologischen Wissenschaften sind gelegt; ihr geisteshistorische Kindbett umrissen – ihre disziplinäre Entwicklung ist nun eine andere Geschichte.

Eine ganz besondere Dreingabe erwartet den Leser am Ende des Buches: auf rund knapp fünfzig Seiten sind übersetzte und knapp kommentierte Quellenauszüge zusammengestellt, die die so eben erzählte Geschichte begleiten und illustrieren. Wir lesen Voltaire, der über den Ursprung der Muscheln sinniert, Raffael, der Papst Leo X. um „Denkmalschutz“ für die antiken Monumente Roms bittet, oder den Kirchenvater Cassiodor, der an die Achtung gegenüber der Vergangenheit mahnt. Manche dieser Textauszüge sind hier zum ersten Mal in deutscher (respektive überhaupt in moderner) Übersetzung greifbar. An manchen Stellen sind die Übersetzungen hier, wie ansonsten selten im Buch, gefährlich alltagstauglich und entfernen sich zu sehr von der Begrifflichkeit der Quellen – etwa, wenn der Begriff „Antike“ in Quellen aus dem 15. Jahrhundert hineinübersetzt wird. Trotzdem: ein wunderbares Geschenk für den Leser, der an Mehr interessiert ist. Hoffentlich macht dieses Beispiel Schule.

Dass dieses bereits 1993 in französischer Sprache erschienene und bald ins Englische übersetzte Buch nun auch in deutscher Sprache greifbar ist, ist ein Glücksfall. Dafür gebührt auch dem Verlag Lob – und für die qualitätsvolle Umsetzung.

geschrieben am 05.06.2010 | 492 Wörter | 3111 Zeichen

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