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Die Königin der weißen Rose


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Rezension von

Matthias Gebhardt

Die Königin der weißen Rose Der historische Roman "Die Königin der weissen Rose" von Philippa Gregory erschien im rororo Verlag und ist der erste Band einer Trilogie über die Plantagenets und spielt in England im Jahre 1464: Die Adelshäuser Lancaster und York kämpfen erbittert um den Thron von England. König Edward aus dem Hause York gelingt es schließlich mit seinem einflussreichen und langjährigen Freund und Ratgeber, dem "Königsmacher" Warwick seinen Widersacher Henry aus dem Hause Lancaster zu besiegen. Kurz vor der blutigen Schlacht begegnet Edward der schönen jungen Witwe Elisabeth Woodville. Sie ist aus dem Hause Lancaster und bittet den König um die Rückgabe ihrer Güter. Edward will diese Frau besitzen, doch sie weigert sich, seine Mätresse zu werden. Da heiratet sie der König und entfacht damit einen Skandal. Da er mit dieser Hochzeit die Pläne seines Freundes Warwick und der verbitterten Königinmutter durchkreuzt, schmieden sie heimlich Verschwörungspläne gegen Edward. Warwick nimmt König Edward als Geisel und Elisabeth geht ins Kirchenasyl in der Westminster Abby. Alles scheint verloren, doch Elisabeth ist nicht bereit aufzugeben; sie sinnt auf Rache... Am Anfang des Buches findet der Leser eine Karte mit den Schlachten der Rosenkriege und eine Ahnentafel für die Häuser York und Lancaster. Am Ende des Romans befinden sich informative Anmerkungen der Autorin und ein Literaturverzeichnis. Meine Meinung zu diesem Buch ist zwiegespalten: einerseits ist die faszinierende Hauptperson Elisabeth Woodville, die sich als Nachfahrin der Wassergöttin Melusine sieht, sehr lebendig und gut lesbar geschildert. Auf der anderen Seite ist der geschichtliche Abriss oft sehr langatmig und für einen Roman zu ausführlich erzählt. Wer diese Mischung bevorzugt, ausführliche geschichtliche Schilderungen und Detailreichtum mag, wird mit dem ersten Band der Trilogie seine Freude haben.

Der historische Roman "Die Königin der weissen Rose" von Philippa Gregory erschien im rororo Verlag und ist der erste Band einer Trilogie über die Plantagenets und spielt in England im Jahre 1464: Die Adelshäuser Lancaster und York kämpfen erbittert um den Thron von England. König Edward aus dem Hause York gelingt es schließlich mit seinem einflussreichen und langjährigen Freund und Ratgeber, dem "Königsmacher" Warwick seinen Widersacher Henry aus dem Hause Lancaster zu besiegen.

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Kurz vor der blutigen Schlacht begegnet Edward der schönen jungen Witwe Elisabeth Woodville. Sie ist aus dem Hause Lancaster und bittet den König um die Rückgabe ihrer Güter. Edward will diese Frau besitzen, doch sie weigert sich, seine Mätresse zu werden. Da heiratet sie der König und entfacht damit einen Skandal. Da er mit dieser Hochzeit die Pläne seines Freundes Warwick und der verbitterten Königinmutter durchkreuzt, schmieden sie heimlich Verschwörungspläne gegen Edward.

Warwick nimmt König Edward als Geisel und Elisabeth geht ins Kirchenasyl in der Westminster Abby. Alles scheint verloren, doch Elisabeth ist nicht bereit aufzugeben; sie sinnt auf Rache...

Am Anfang des Buches findet der Leser eine Karte mit den Schlachten der Rosenkriege und eine Ahnentafel für die Häuser York und Lancaster. Am Ende des Romans befinden sich informative Anmerkungen der Autorin und ein Literaturverzeichnis.

Meine Meinung zu diesem Buch ist zwiegespalten: einerseits ist die faszinierende Hauptperson Elisabeth Woodville, die sich als Nachfahrin der Wassergöttin Melusine sieht, sehr lebendig und gut lesbar geschildert. Auf der anderen Seite ist der geschichtliche Abriss oft sehr langatmig und für einen Roman zu ausführlich erzählt.

Wer diese Mischung bevorzugt, ausführliche geschichtliche Schilderungen und Detailreichtum mag, wird mit dem ersten Band der Trilogie seine Freude haben.

geschrieben am 06.01.2011 | 275 Wörter | 1626 Zeichen

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Rezension von

Antje Jürgens

Die Königin der weißen Rose Zur Autorin: Philippa Gregory wurde 1954 in Kenia geboren und wuchs in England auf. Die Journalistin war sowohl als Reporterin wie auch Produzentin für Zeitschriftenverlage und einen Radiosender tätig. Darüber hinaus studierte sie Geschichte und promovierte im Fachbereich „Literatur des 18. Jahrhunderts“. Neben ihrem Faible für historische Romane verfasst Gregory auch Kurzgeschichten, Kinderbücher und Buchbesprechungen. Ihre Studienkenntnisse setzt sich zudem als historische Beraterin bei einem Privatsender ein. Zum Buch / Meine Meinung: Wie die Autorin in „Die Königin der Weißen Rose“ anmerkt, handelt es sich dabei um den ersten Roman einer Trilogie über die Plantagenets, der eher auf Fakten als Fiktion beruht. Gleichwohl merkt sie nur eine Seite weiter hinten an, dass dieser Roman fiktionaler ist, als andere, die ihrer Feder entstammen. Und zwar deshalb, weil er sich vor der Tudorzeit abspielt und kriegsbedingt nur spärliche historische Zeugnisse vorhanden sind. In ihrem Auftaktroman zu den Plantagenets behandelt sie die Geschichte einer Königin aus dem Hause Burgund, die abgesehen davon, dass sie eher ungeliebt und missachtet war, sich auch als Nachfahrin der Wassergöttin Melusine verstand – was ein wenig Magie ins Spiel bringt. Magie – von ihrer Mutter angeregt und der zu diesem Zeitpunkt verwitweten Elizabeth Woodwille ausgeübt – ist es, was König Edwards Interesse an ihr verstärken soll. Grundsätzlich vorhanden ist es schon ab dem Moment, in dem er sie kennenlernt. Obwohl sie gesellschaftlich weit unter ihm steht und dazu noch Lancastianerin ist, wagt sie es, ihn aufzusuchen. Mit dem Tod ihres Mannes und dem Sieg der Yorkisten über die Lancastianer wurden ihr die Güter weggenommen, die die Zukunft ihrer Kinder sichern sollten. Ihr Mut wird belohnt. Edward hört sie nicht nur an, er ist fasziniert von ihr. Und auch er spricht etwas in der jungen Frau an. Er möchte sie zu seiner Geliebten machen, was sie ihm verweigert. Um Elizabeth doch zu bekommen, heiratet er sie heimlich, bevor er in den Krieg zieht, welchen die um den Thron kämpfenden Adelshäuser York und Lancaster nach wie vor ausfechten. Als die heimliche Heirat in ihrer Familie ans Licht kommt, erlebt Elizabeth Stunden des Zweifels und der Ängste. Angeblich hat Edward sich früher bereits ähnlich verhalten und die Heirat später abgestritten. Doch bald stellt sich heraus, dass er dieses Mal zu seinem Wort steht. Er holt Elizabeth gegen alle Standesdünkel, Mutmaßungen und Widerstände an seinen Hof. Schon kurz nach ihrer Krönung zur Königin von England erwirbt Elizabeth viele Feinde, Neid und Intrigen schlagen ihr entgegen und bedrohen sie und ihre Familie. Die einen nennen sie Hure, die anderen Hexe. Nur wenige akzeptieren sie als das, was sie ist – eine Königin. Elizabeth erzählt uns ihre Geschichte selbst. Grundsätzlich liegt in ihrer Heirat tatsächlich die Chance auf eine Versöhnung der zerstrittenen Adelshäuser, auf Frieden für das gebeutelte Land. Zumal Elizabeth überhaupt kein Problem darin sieht, die Fronten zu wechseln. Ihre Treue zur Gefolgschaft der „Roten Rose“, dem Symbol der Lancastianer, verblasst sehr rasch und sie wird Yorkistin. Während sie gleich zu Beginn des Romans über ihre momentane Situation nachsinnt (Zitat: „In jedem Herrenhaus im Land sitzen jetzt Yorkisten, die an jedem profitablen Geschäft, an jedem Ort und jeder Steuer teilhaben. Ihr junger König sitzt auf dem Thron, und seine Anhänger bilden den neuen Hofstaat. Wir, die Besiegten, sind Arme in unseren eigenen Häusern und Fremde in unserem eigenen Land, unser König ist im Exil und unsere Königin eine rachsüchtige Fremde, die sich mit unserem alten Feind Frankreich verbündet hat. Wir müssen uns mit dem Tyrannen von York einigen, und gleichzeitig beten wir, dass Gott sich gegen ihn wenden und unser wahrer König mit einer Armee zu einer weiteren Schlacht gen Süden stürme möge.“), setzt sie bereits kurz nach ihrer Vermählung alles daran, ihre Familie fest in das zuvor verhasste Adelshaus zu integrieren und ihren Mann zu unterstützen. Dafür vermählt sie beispielsweise ihren Bruder mit einer etliche Jahrzehnte älteren Frau. Bald kann niemand mehr einen Schritt tun, ohne über jemanden zu stolpern, dessen Ehe sie angebahnt hat. Glücklich kann sie allerdings nie wirklich sein. Abgesehen davon, dass ihre große Liebe Edward, sie regelmäßig betrügt, ist sein Thron nie sicher. Seine eigene Mutter zählt zu seinen Gegnern und würde lieber seinen Bruder als ihn auf dem Thron sehen. Nicht nur einmal müssen Elizabeth und er, ebenso wie ihre Kinder, Verrat und Mord oder auch die Inhaftierung in den Tower (der andererseits Schutz bietet) fürchten. Eines ihrer Kinder kommt im Kirchenasyl zur Welt. Um den Thronfolger zu retten, muss sie letztlich ihren Sohn ins Exil schicken. Ihre Kinder werden per Gesetz zu Bastarden erklärt. Doch Elizabeth gibt die Hoffnung auch nach dem Tod ihres Mannes niemals wieder auf, das Symbol ihres Königs – die „Weiße Rose“ – erneut aufblühen zu sehen. Ihre eigene Tochter, ins Interesse von Henry Tudor gerückt, scheint dieselben Interessen zu verfolgen, denn sie will statt Henry lieber Richard heiraten, der sie zur Königin machen und ihren Sohn auf den ursprünglichen Thron von Edward setzen will. Auch sie strebt danach das Haus York zu einer Dynastie zu machen, damit die „Weiße Rose“ auf ewig blüht. Zeichnet Gregory mit Elizabeth das Bild eines Opfers? Nein, trotz allem was „Die Königin der Weißen Rose“ erlebt, beweist sie Stärke. Allerdings, eine machtbesessene Stärke. Der im Gegenzug zu Elizabeth eher sympathisch wirkende König Edward IV. erscheint nur als blasse Randgestalt, während Elizabeth selbst kalt und ehrgeizig herüberkommt. Die Liebe zu ihrem Mann? Sie war zweifellos vorhanden und ausgeprägt, und doch geht es um Edward selbst? Elizabeth erzählt beispielsweise vom heimtückischen Mord an ihrem Vater, Bruder oder Sohn, hat jedoch andererseits keine Hemmungen, um der Macht und Rache willen Gegner ausschalten zu lassen. Vielleicht war das in der Zeit, in der sie gelebt hat (1437-1492) notwendig. Doch mich hat die Figur, die Gregory uns hier vorstellt, eher abgeschreckt als fasziniert. Nicht nur die Zeit, auch Elizabeth und ihre Handlungen erschienen mir beim Lesen rücksichtslos, grausam, nahezu besessen. Die vorgebliche Sorge für ihre zwölf Kinder (von denen nur fünf sie überlebt haben) geht immer wieder in ihrem allzu deutlichen Machthunger unter. Gefühllos kalt scheint sie über deren Tod hinwegzugehen. Viel zu kalt, auch wenn man davon ausgeht, dass in dieser Zeit die Kindersterblichkeit weitaus höher war als heute, dass die Kinder am Hof nur bedingt von ihren Eltern erzogen wurden oder dass Kinder in verschiedenen Epochen unterschiedliche Stellenwerte eingenommen haben. Hier setzt sie gefühlsmäßig ganz klare Unterschiede zwischen einer Tochter (schwach, lediglich dazu gut, mögliche nützliche Verbindungen zu stärken) und einem möglichen Thronfolger. Bei diesem scheint der Verlust der Möglichkeit der Machterhaltung weitaus schlimmer für sie zu sein, als der Tod des Kindes an sich. In allem zeichnet sich weniger das Bild einer Mutter, als das einer Königin, die trotz aller Widrigkeiten in meinen Augen nur eines möchte: Königin bleiben und die Nachfolge maßgeblich mitbestimmen. Dies alles geschieht bisweilen seltsam nüchtern. Das magische Element in diesem Roman – als Nachfahrin von Melusine verfügt ihre Mutter über gewisse hellsichtige Fähigkeiten, die auch in Elizabeth schlummern – ist geschickt in die übrige Handlung eingeflochten, spielt aber dennoch eine eher untergeordnete Rolle. Ebenso die eigentliche Liebesgeschichte zwischen Elizabeth und Edward. Auch die fügt sich ein, kommt aber nicht so wirklich heraus. Insoweit ist die auf dem Buchrücken vermerkte „Zauberin der Liebe“ etwas irreführend. „Herrscherin von Königs Gnaden“ passt schon eher – ohne Edward wäre Elizabeth nie auf den Thron gekommen. Abgerundet wurde die Geschichte mit einer Karte bezüglich der Schlachten der Rosenkriege, einem Stammbaumausschnitt der Häuser York und Lancaster sowie einem ausführlichen Quellennachweis. Als besonderes I-Tüpfelchen befand sich ein Lesezeichen mit dem Porträt Elizabeth Woodwilles sowie eines Stammbaumes ihres persönlichen Familienzweiges dabei. Letzteres half bisweilen durch die Flut an Personen, die mir im Roman begegneten. Fazit Trotz der stellenweise trockenen Beschreibung historischer Begebenheiten sowie des einen oder anderen überaus künstlich wirkenden Dialogs ein opulenter Roman. Doch obwohl die Autorin die stetige, lebensbegleitende Angst – wem kann ich trauen, wer wird mir gefährlich – sehr gut dargestellt hat, fehlte mir etwas und das Leben der Elizabeth Woodwille konnte mich nicht wirklich begeistern. Copyright © 2011 by Antje Jürgens (AJ)

Zur Autorin:

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Buchtitel
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08.07.2013
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12.05.2013

Philippa Gregory wurde 1954 in Kenia geboren und wuchs in England auf. Die Journalistin war sowohl als Reporterin wie auch Produzentin für Zeitschriftenverlage und einen Radiosender tätig. Darüber hinaus studierte sie Geschichte und promovierte im Fachbereich „Literatur des 18. Jahrhunderts“. Neben ihrem Faible für historische Romane verfasst Gregory auch Kurzgeschichten, Kinderbücher und Buchbesprechungen. Ihre Studienkenntnisse setzt sich zudem als historische Beraterin bei einem Privatsender ein.

Zum Buch / Meine Meinung:

Wie die Autorin in „Die Königin der Weißen Rose“ anmerkt, handelt es sich dabei um den ersten Roman einer Trilogie über die Plantagenets, der eher auf Fakten als Fiktion beruht. Gleichwohl merkt sie nur eine Seite weiter hinten an, dass dieser Roman fiktionaler ist, als andere, die ihrer Feder entstammen. Und zwar deshalb, weil er sich vor der Tudorzeit abspielt und kriegsbedingt nur spärliche historische Zeugnisse vorhanden sind. In ihrem Auftaktroman zu den Plantagenets behandelt sie die Geschichte einer Königin aus dem Hause Burgund, die abgesehen davon, dass sie eher ungeliebt und missachtet war, sich auch als Nachfahrin der Wassergöttin Melusine verstand – was ein wenig Magie ins Spiel bringt.

Magie – von ihrer Mutter angeregt und der zu diesem Zeitpunkt verwitweten Elizabeth Woodwille ausgeübt – ist es, was König Edwards Interesse an ihr verstärken soll. Grundsätzlich vorhanden ist es schon ab dem Moment, in dem er sie kennenlernt. Obwohl sie gesellschaftlich weit unter ihm steht und dazu noch Lancastianerin ist, wagt sie es, ihn aufzusuchen. Mit dem Tod ihres Mannes und dem Sieg der Yorkisten über die Lancastianer wurden ihr die Güter weggenommen, die die Zukunft ihrer Kinder sichern sollten. Ihr Mut wird belohnt. Edward hört sie nicht nur an, er ist fasziniert von ihr. Und auch er spricht etwas in der jungen Frau an. Er möchte sie zu seiner Geliebten machen, was sie ihm verweigert. Um Elizabeth doch zu bekommen, heiratet er sie heimlich, bevor er in den Krieg zieht, welchen die um den Thron kämpfenden Adelshäuser York und Lancaster nach wie vor ausfechten. Als die heimliche Heirat in ihrer Familie ans Licht kommt, erlebt Elizabeth Stunden des Zweifels und der Ängste. Angeblich hat Edward sich früher bereits ähnlich verhalten und die Heirat später abgestritten. Doch bald stellt sich heraus, dass er dieses Mal zu seinem Wort steht. Er holt Elizabeth gegen alle Standesdünkel, Mutmaßungen und Widerstände an seinen Hof. Schon kurz nach ihrer Krönung zur Königin von England erwirbt Elizabeth viele Feinde, Neid und Intrigen schlagen ihr entgegen und bedrohen sie und ihre Familie. Die einen nennen sie Hure, die anderen Hexe. Nur wenige akzeptieren sie als das, was sie ist – eine Königin.

Elizabeth erzählt uns ihre Geschichte selbst. Grundsätzlich liegt in ihrer Heirat tatsächlich die Chance auf eine Versöhnung der zerstrittenen Adelshäuser, auf Frieden für das gebeutelte Land. Zumal Elizabeth überhaupt kein Problem darin sieht, die Fronten zu wechseln. Ihre Treue zur Gefolgschaft der „Roten Rose“, dem Symbol der Lancastianer, verblasst sehr rasch und sie wird Yorkistin. Während sie gleich zu Beginn des Romans über ihre momentane Situation nachsinnt (Zitat: „In jedem Herrenhaus im Land sitzen jetzt Yorkisten, die an jedem profitablen Geschäft, an jedem Ort und jeder Steuer teilhaben. Ihr junger König sitzt auf dem Thron, und seine Anhänger bilden den neuen Hofstaat. Wir, die Besiegten, sind Arme in unseren eigenen Häusern und Fremde in unserem eigenen Land, unser König ist im Exil und unsere Königin eine rachsüchtige Fremde, die sich mit unserem alten Feind Frankreich verbündet hat. Wir müssen uns mit dem Tyrannen von York einigen, und gleichzeitig beten wir, dass Gott sich gegen ihn wenden und unser wahrer König mit einer Armee zu einer weiteren Schlacht gen Süden stürme möge.“), setzt sie bereits kurz nach ihrer Vermählung alles daran, ihre Familie fest in das zuvor verhasste Adelshaus zu integrieren und ihren Mann zu unterstützen. Dafür vermählt sie beispielsweise ihren Bruder mit einer etliche Jahrzehnte älteren Frau. Bald kann niemand mehr einen Schritt tun, ohne über jemanden zu stolpern, dessen Ehe sie angebahnt hat.

Glücklich kann sie allerdings nie wirklich sein. Abgesehen davon, dass ihre große Liebe Edward, sie regelmäßig betrügt, ist sein Thron nie sicher. Seine eigene Mutter zählt zu seinen Gegnern und würde lieber seinen Bruder als ihn auf dem Thron sehen. Nicht nur einmal müssen Elizabeth und er, ebenso wie ihre Kinder, Verrat und Mord oder auch die Inhaftierung in den Tower (der andererseits Schutz bietet) fürchten. Eines ihrer Kinder kommt im Kirchenasyl zur Welt. Um den Thronfolger zu retten, muss sie letztlich ihren Sohn ins Exil schicken. Ihre Kinder werden per Gesetz zu Bastarden erklärt. Doch Elizabeth gibt die Hoffnung auch nach dem Tod ihres Mannes niemals wieder auf, das Symbol ihres Königs – die „Weiße Rose“ – erneut aufblühen zu sehen. Ihre eigene Tochter, ins Interesse von Henry Tudor gerückt, scheint dieselben Interessen zu verfolgen, denn sie will statt Henry lieber Richard heiraten, der sie zur Königin machen und ihren Sohn auf den ursprünglichen Thron von Edward setzen will. Auch sie strebt danach das Haus York zu einer Dynastie zu machen, damit die „Weiße Rose“ auf ewig blüht.

Zeichnet Gregory mit Elizabeth das Bild eines Opfers? Nein, trotz allem was „Die Königin der Weißen Rose“ erlebt, beweist sie Stärke. Allerdings, eine machtbesessene Stärke. Der im Gegenzug zu Elizabeth eher sympathisch wirkende König Edward IV. erscheint nur als blasse Randgestalt, während Elizabeth selbst kalt und ehrgeizig herüberkommt. Die Liebe zu ihrem Mann? Sie war zweifellos vorhanden und ausgeprägt, und doch geht es um Edward selbst?

Elizabeth erzählt beispielsweise vom heimtückischen Mord an ihrem Vater, Bruder oder Sohn, hat jedoch andererseits keine Hemmungen, um der Macht und Rache willen Gegner ausschalten zu lassen. Vielleicht war das in der Zeit, in der sie gelebt hat (1437-1492) notwendig. Doch mich hat die Figur, die Gregory uns hier vorstellt, eher abgeschreckt als fasziniert. Nicht nur die Zeit, auch Elizabeth und ihre Handlungen erschienen mir beim Lesen rücksichtslos, grausam, nahezu besessen. Die vorgebliche Sorge für ihre zwölf Kinder (von denen nur fünf sie überlebt haben) geht immer wieder in ihrem allzu deutlichen Machthunger unter. Gefühllos kalt scheint sie über deren Tod hinwegzugehen. Viel zu kalt, auch wenn man davon ausgeht, dass in dieser Zeit die Kindersterblichkeit weitaus höher war als heute, dass die Kinder am Hof nur bedingt von ihren Eltern erzogen wurden oder dass Kinder in verschiedenen Epochen unterschiedliche Stellenwerte eingenommen haben. Hier setzt sie gefühlsmäßig ganz klare Unterschiede zwischen einer Tochter (schwach, lediglich dazu gut, mögliche nützliche Verbindungen zu stärken) und einem möglichen Thronfolger. Bei diesem scheint der Verlust der Möglichkeit der Machterhaltung weitaus schlimmer für sie zu sein, als der Tod des Kindes an sich. In allem zeichnet sich weniger das Bild einer Mutter, als das einer Königin, die trotz aller Widrigkeiten in meinen Augen nur eines möchte: Königin bleiben und die Nachfolge maßgeblich mitbestimmen. Dies alles geschieht bisweilen seltsam nüchtern.

Das magische Element in diesem Roman – als Nachfahrin von Melusine verfügt ihre Mutter über gewisse hellsichtige Fähigkeiten, die auch in Elizabeth schlummern – ist geschickt in die übrige Handlung eingeflochten, spielt aber dennoch eine eher untergeordnete Rolle. Ebenso die eigentliche Liebesgeschichte zwischen Elizabeth und Edward. Auch die fügt sich ein, kommt aber nicht so wirklich heraus. Insoweit ist die auf dem Buchrücken vermerkte „Zauberin der Liebe“ etwas irreführend. „Herrscherin von Königs Gnaden“ passt schon eher – ohne Edward wäre Elizabeth nie auf den Thron gekommen.

Abgerundet wurde die Geschichte mit einer Karte bezüglich der Schlachten der Rosenkriege, einem Stammbaumausschnitt der Häuser York und Lancaster sowie einem ausführlichen Quellennachweis. Als besonderes I-Tüpfelchen befand sich ein Lesezeichen mit dem Porträt Elizabeth Woodwilles sowie eines Stammbaumes ihres persönlichen Familienzweiges dabei. Letzteres half bisweilen durch die Flut an Personen, die mir im Roman begegneten.

Fazit

Trotz der stellenweise trockenen Beschreibung historischer Begebenheiten sowie des einen oder anderen überaus künstlich wirkenden Dialogs ein opulenter Roman. Doch obwohl die Autorin die stetige, lebensbegleitende Angst – wem kann ich trauen, wer wird mir gefährlich – sehr gut dargestellt hat, fehlte mir etwas und das Leben der Elizabeth Woodwille konnte mich nicht wirklich begeistern.

Copyright © 2011 by Antje Jürgens (AJ)

geschrieben am 26.02.2011 | 1325 Wörter | 7626 Zeichen

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