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Clansroman, Nosferatu


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  • 7564 Aufrufe

Informationen zum Buch
  ISBN
  Autor
  Verlag
  Sprache
  Seiten
  Erscheinungsjahr
  Extras

Rezension von

Frank Drehmel

Clansroman, Nosferatu Nach drei Jahren erschien mit dem Clansroman: Nosferatu -endlich- der dreizehnte und -so möge man meinen- letzte Band des großen und manchmal auch großartigen Zyklus aus der Welt der Kinder Kains. Dieses Buch ist so konzipiert, dass herausragende Ereignisse der vorhergehenden 12 Bände aufgegriffen werden, um sie durch die Augen des Clans Nosferatu in Person der Kainiten Calebros, Emmet, Rolph, Colchester und einigen anderen schrulligen Zeitgenossen einer neuen Bewertung zu unterziehen, damit die Leserperspektive ein klein wenig zurecht zu rücken, sowie sie in einen globalen Kontext - der Rache der Nosferatu an den Mördern eines ihrer Brüder - einzuordnen. Dementsprechend sinnlos ist eine Zusammenfassung des Romans: also am besten die zwölf anderen Bände (nochmals) durchackern ... Hat er die letzten Seiten verschlungen und das Buch zugeklappt, beginnt im Hirn des Leser eine gewisse Ratlosigkeit Raum zu greifen: “... und das soll´s gewesen sein?! Darauf habe ich drei Jahre lang gewartet??” “Nein! Natürlich nicht! Wozu gibt es Marketingmenschen, ausgeklügelte Vertriebsstrategien und unterbeschäftigte Autoren?!” Selbstverständlich wird noch ein vierzehnter Band -eine Anthologie- erscheinen, die diese dreizehnbändige Reihe “furios” beenden soll. Zurück in die Gegenwart! Fangen wir mit den “Formalien” an: Flemming ist ein routinierter “World of Darkness”-Autor, der neben “Feder & Schwerts” Blutfluch-Triologie vier weitere Clansromane verfasste. Insofern ist er ein stil- und materiesicherer Garant solider Unterhaltung, der auf “zu” innovatorische Ansätze wie ausufernden Surrealismus, blumige Metaphorik, komplizierten chronologischen Aufbau etc. weitgehend verzichtet und daher gut, d.h. ohne große intellektuelle Verrenkungen, gelesen werden kann. Herausragende Spannungsbögen sind aufgrund der speziellen Konzeption dieses Romanes höchsten rudimentär vorhanden, denn der gut informierte Leser sollte immer recht genau wissen, was an den einzelnen Stationen seiner Reise durch die Welt der Dunkelheit passieren wird. Dennoch erwartet den Leser eine von Neugier und De-ja-vu-Erlebnissen geprägte dicht Atmosphäre. Die Zeichnung der “Nossis” selbst, die Evaluierung ihrer charakteristischen (Clans)Wesenszüge ist unterhaltsam, amüsant und durch und durch glaubwürdig: allesamt sind ihrem Verhalten nach eher Einzelgänger, zeitweilig verleiden ihnen diverse körperlichen Gebrechen das Untotsein und schließlich legen sie -um es milde auszudrücken- äußerst exzentrische Wesenszüge an den Tag: vom perfektionistischen Calebros, der jede Entscheidung zigfach überdenkt, jede Information archiviert und auf dem Grunde seines Teichs nach transzendentalen Erfahrungen sucht, über den autoritätsverachtenden Emmet bis hin zum “leicht” perversen Colchester, der seine Umwelt mit Zoten und derb-sexistischen Sprüchen zu provozieren sucht. Kleine Episoden mit der fetten Hilda und dem fäkalientriefenden Maus runden das erfreuliche Gesamtbild ab. Da Calebros sich der Soziopathen, Kindermörder und abartigsten Verbrecher unter seinen “Brüdern” auf die eine oder andere Weise entledigt hat, erscheint der Rest der kleinen New Yorker Nossi-Enklave zwar sehr schrullig, dennoch äußerst sympathisch. Viele Kainiten der vorangegangenen Bände haben in diesem Buch Cameo-Auftritte, mit Ausnahme der Toreador Victoria, des Tremere Nikolai, dem letzten des Hauses Goratrix, und Leopold. Diese drei spielen eine größere Rolle, wobei insbesondere der körperliche und geistige Verfall des “Toreador” eindringlich und düster von Gherbod beschrieben wird. Trotz all dieser erfreulichen und positiven Aspekte, weist der Roman einen schwerwiegenden Mangel auf: er hält nicht, was der Verlag verspricht. Die letzten Nächte sind genauso weit entfernt wie zu Beginn dieses Zyklus, der Krieg zwischen Camarilla und Sabbath ist sanft entschlummert, Ur-Shulgi prüft immer noch die Assamiten und ein unsagbares Etwas dräut weiterhin in den tiefsten Abgründen der Erde. Zugegeben, das “Augenproblem” ist zwar gelöst, wenn auch nicht abschließend erklärt, und das Ableben mehrere Kainiten erscheint in einem neuen Licht, doch dieses ist eindeutig zu wenig, um wirklich zufriedenstellen zu können. Eine positive oder negativ Bewertung hängt damit entscheidend von den Ansprüchen und “a priori”-Erwartungen ab: Clansroman versus Zyklusende. Ich bin zwar kein Anatole, wage aber trotzdem zu prophezeien, dass sich auch im vierzehnten Band nichts weltbewegendes ereignen wird. Wie könnte es auch?! Feder & Schwerts Marktschwerpunkt liegt eindeutig im Rollenspielsektor (Quellenbände, Szenarien, Module, usw.), mit den belletristischen “spinn-offs” soll allenfalls ein kleines (zusätzliches) Segment bedient werden, wobei von vornherein klar ist, dass der überwiegende Teil der Leserschaft auch WoD-Spieler ist. Die Romane können und dürfen niemals mehr Lösungen liefern und Geheimnisse entschlüsseln, als die aktuellen Kampagnen- und Quellenbücher es zulassen. Ansonsten heulten die lesenden Spieler, die bekanntermaßen etwas sensibel sind -richtige Schauspieler eben-, herzerweichend auf, weil sie sich um großartige Abenteuer betrogen sehen. Fazit: Für jeden Nossi-Fan ist das Buch ein Muss, denn als reiner Clansroman, der Einsichten in die Strukturen und die Absonderlichkeiten der Nosferatu-Gesellschaft liefert, kann er sich mit dem bisherigen Highlight der Serie -dem Clansroman: Giovanni- messen. Jeder gutgläubige Leser, der lediglich einen krönender Abschluss des dreizehnbändigen Zyklusses erwartet, sollte lieber die €10,20,- der Stadt für die Instandhaltung der Kanalisation spenden.

Nach drei Jahren erschien mit dem Clansroman: Nosferatu -endlich- der dreizehnte und -so möge man meinen- letzte Band des großen und manchmal auch großartigen Zyklus aus der Welt der Kinder Kains.

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18.02.2018
4
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5
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Dieses Buch ist so konzipiert, dass herausragende Ereignisse der vorhergehenden 12 Bände aufgegriffen werden, um sie durch die Augen des Clans Nosferatu in Person der Kainiten Calebros, Emmet, Rolph, Colchester und einigen anderen schrulligen Zeitgenossen einer neuen Bewertung zu unterziehen, damit die Leserperspektive ein klein wenig zurecht zu rücken, sowie sie in einen globalen Kontext - der Rache der Nosferatu an den Mördern eines ihrer Brüder - einzuordnen. Dementsprechend sinnlos ist eine Zusammenfassung des Romans: also am besten die zwölf anderen Bände (nochmals) durchackern ...

Hat er die letzten Seiten verschlungen und das Buch zugeklappt, beginnt im Hirn des Leser eine gewisse Ratlosigkeit Raum zu greifen: “... und das soll´s gewesen sein?! Darauf habe ich drei Jahre lang gewartet??” “Nein! Natürlich nicht! Wozu gibt es Marketingmenschen, ausgeklügelte Vertriebsstrategien und unterbeschäftigte Autoren?!” Selbstverständlich wird noch ein vierzehnter Band -eine Anthologie- erscheinen, die diese dreizehnbändige Reihe “furios” beenden soll.

Zurück in die Gegenwart! Fangen wir mit den “Formalien” an: Flemming ist ein routinierter “World of Darkness”-Autor, der neben “Feder & Schwerts” Blutfluch-Triologie vier weitere Clansromane verfasste. Insofern ist er ein stil- und materiesicherer Garant solider Unterhaltung, der auf “zu” innovatorische Ansätze wie ausufernden Surrealismus, blumige Metaphorik, komplizierten chronologischen Aufbau etc. weitgehend verzichtet und daher gut, d.h. ohne große intellektuelle Verrenkungen, gelesen werden kann.

Herausragende Spannungsbögen sind aufgrund der speziellen Konzeption dieses Romanes höchsten rudimentär vorhanden, denn der gut informierte Leser sollte immer recht genau wissen, was an den einzelnen Stationen seiner Reise durch die Welt der Dunkelheit passieren wird. Dennoch erwartet den Leser eine von Neugier und De-ja-vu-Erlebnissen geprägte dicht Atmosphäre.

Die Zeichnung der “Nossis” selbst, die Evaluierung ihrer charakteristischen (Clans)Wesenszüge ist unterhaltsam, amüsant und durch und durch glaubwürdig: allesamt sind ihrem Verhalten nach eher Einzelgänger, zeitweilig verleiden ihnen diverse körperlichen Gebrechen das Untotsein und schließlich legen sie -um es milde auszudrücken- äußerst exzentrische Wesenszüge an den Tag: vom perfektionistischen Calebros, der jede Entscheidung zigfach überdenkt, jede Information archiviert und auf dem Grunde seines Teichs nach transzendentalen Erfahrungen sucht, über den autoritätsverachtenden Emmet bis hin zum “leicht” perversen Colchester, der seine Umwelt mit Zoten und derb-sexistischen Sprüchen zu provozieren sucht. Kleine Episoden mit der fetten Hilda und dem fäkalientriefenden Maus runden das erfreuliche Gesamtbild ab. Da Calebros sich der Soziopathen, Kindermörder und abartigsten Verbrecher unter seinen “Brüdern” auf die eine oder andere Weise entledigt hat, erscheint der Rest der kleinen New Yorker Nossi-Enklave zwar sehr schrullig, dennoch äußerst sympathisch.

Viele Kainiten der vorangegangenen Bände haben in diesem Buch Cameo-Auftritte, mit Ausnahme der Toreador Victoria, des Tremere Nikolai, dem letzten des Hauses Goratrix, und Leopold. Diese drei spielen eine größere Rolle, wobei insbesondere der körperliche und geistige Verfall des “Toreador” eindringlich und düster von Gherbod beschrieben wird.

Trotz all dieser erfreulichen und positiven Aspekte, weist der Roman einen schwerwiegenden Mangel auf: er hält nicht, was der Verlag verspricht. Die letzten Nächte sind genauso weit entfernt wie zu Beginn dieses Zyklus, der Krieg zwischen Camarilla und Sabbath ist sanft entschlummert, Ur-Shulgi prüft immer noch die Assamiten und ein unsagbares Etwas dräut weiterhin in den tiefsten Abgründen der Erde. Zugegeben, das “Augenproblem” ist zwar gelöst, wenn auch nicht abschließend erklärt, und das Ableben mehrere Kainiten erscheint in einem neuen Licht, doch dieses ist eindeutig zu wenig, um wirklich zufriedenstellen zu können. Eine positive oder negativ Bewertung hängt damit entscheidend von den Ansprüchen und “a priori”-Erwartungen ab: Clansroman versus Zyklusende.

Ich bin zwar kein Anatole, wage aber trotzdem zu prophezeien, dass sich auch im vierzehnten Band nichts weltbewegendes ereignen wird. Wie könnte es auch?! Feder & Schwerts Marktschwerpunkt liegt eindeutig im Rollenspielsektor (Quellenbände, Szenarien, Module, usw.), mit den belletristischen “spinn-offs” soll allenfalls ein kleines (zusätzliches) Segment bedient werden, wobei von vornherein klar ist, dass der überwiegende Teil der Leserschaft auch WoD-Spieler ist. Die Romane können und dürfen niemals mehr Lösungen liefern und Geheimnisse entschlüsseln, als die aktuellen Kampagnen- und Quellenbücher es zulassen. Ansonsten heulten die lesenden Spieler, die bekanntermaßen etwas sensibel sind -richtige Schauspieler eben-, herzerweichend auf, weil sie sich um großartige Abenteuer betrogen sehen.

Fazit: Für jeden Nossi-Fan ist das Buch ein Muss, denn als reiner Clansroman, der Einsichten in die Strukturen und die Absonderlichkeiten der Nosferatu-Gesellschaft liefert, kann er sich mit dem bisherigen Highlight der Serie -dem Clansroman: Giovanni- messen. Jeder gutgläubige Leser, der lediglich einen krönender Abschluss des dreizehnbändigen Zyklusses erwartet, sollte lieber die €10,20,- der Stadt für die Instandhaltung der Kanalisation spenden.

geschrieben am 12.11.2004 | 746 Wörter | 4825 Zeichen

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