Navigation

Seiten der Rubrik "Bücher"


Google Anzeigen

Anzeigen

Bücher

Europäische Menschenrechtskonvention


Statistiken
  • 2363 Aufrufe

Informationen zum Buch
  ISBN
  Autor
  Verlag
  Sprache
  Seiten
  Erscheinungsjahr
  Extras

Rezension von

Dr. Benjamin Krenberger

EuropĂ€ische Menschenrechtskonvention Das Lehrbuch von Grabenwarter erscheint in beruhigender RegelmĂ€ĂŸigkeit und unterstĂŒtzt Studenten und Referendare damit stets aktuell bei der Auseinandersetzung mit dem Einfluss der EMRK auf das deutsche Recht. Auf bald 500 Seiten werden die Grundlagen und Details der EMRK dargestellt und die immer intensiver werdende wissenschaftliche BeschĂ€ftigung mit der Materie abgebildet. Die Gestaltung des Buches ist ĂŒbersichtlich, jedoch aufgrund des Schriftbildes und der Textdichte phasenweise fĂŒr die LektĂŒre anstrengend. Allerdings wĂŒrde das Buch bei lesefreundlicherer Aufmachung auf viel mehr Seiten anschwellen, sodass dieser Nachteil hinzunehmen ist. Die Nachweise zur EGMR-Rechtsprechung sind opulent und auch die Rezeption deutscher Literatur ist ausgewogen. Ein wenig mehr graphische Gestaltung wĂŒrde dem Buch immer noch gut tun. Der Autor wĂ€hlt eine geschickte Dreiteilung des Stoffes. ZunĂ€chst bereitet er in einer Art von allgemeinem Teil die Stellung der EMRK im Völkerrechtssystem auf und erlĂ€utert das VerhĂ€ltnis zum innerstaatlichen Recht. Teilweise werden sehr spannenden Bereichen leider nur wenige AbsĂ€tze gegönnt, obwohl man hier sehr tief in die Graubereiche zwischen Recht und Politik bzw. Ermessensspielraum eindringen könnte. Dies betrifft zum Beispiel die Notstandsklausel der EMRK. Sehr schön verwertet werden nach wie vor die Entwicklungen und Neuerungen der Rechtsprechung des BVerfG und die Rezeption in der Literatur. Ebenfalls gelungen ist in dieser AusfĂŒhrlichkeit die Vereinbarkeit der EMRK mit dem europĂ€ischen Gemeinschaftsrecht. Auch die in jĂŒngerer Zeit zu bemerkende Abkehr des EGMR von der bisherigen Rechtsprechung in einigen FĂ€llen wird gezielt aufgegriffen und in den passenden Kontext gestellt. SpĂ€ter folgen ErlĂ€uterungen zum System der EMRK selbst, wobei der Autor das Verfahrensrecht und die Garantien sauber trennt. Im Verfahrensrecht ist vor allem die Individualbeschwerde Pflichtstoff fĂŒr den Schwerpunktbereich. Hier ist unter anderem der Abschnitt zur Rechtswegerschöpfung hervorragend gelungen. Leider nicht ganz kongruent mit anderen LehrbĂŒchern gerĂ€t die Darstellung der Verantwortlichkeit der Staaten: hier werden die Aspekte der Verantwortung ratione materiae und loci zum Teil vermischt. Wiederum eingĂ€ngig beschrieben sind die (potenziellen) Auswirkungen der Urteile des EGMR fĂŒr die deutsche Rechtsanwendung. Stets im Auge hat der Autor auch die Überlastung des Spruchkörpers EGMR und die nur zögerlichen Versuche der Vertragsstaaten, an diesem Zustand etwas zu Ă€ndern. Den Hauptbestandteil des Buches stellen die AusfĂŒhrungen zu den Garantien der EMRK dar. Dabei hĂ€lt der Autor keine chronologische Reihenfolge ein, sondern sortiert die Rechtsgrundlagen thematisch. Wichtig fĂŒr den Ausbildungsbezug sind zum einen die starke Stellung der justiziellen Grundrechte in Art. 6 EMRK, hier spannend zu lesen die AusfĂŒhrungen zur UnabhĂ€ngigkeit des Gerichts und natĂŒrlich zum fair trial Grundsatz, zum anderen die durch Vergleich mit der deutschen Rechtslage einfach zu rezipierenden Garantien der EMRK im Bereich der Meinungsfreiheit, sehr ausfĂŒhrlich die AbwĂ€gung von Meinungen zulasten von öffentlichen Personen und als eigenes Unterkapitel die GewĂ€hrung der Pressefreiheit, und beim Schutz vor Eingriffen in die persönliche Freiheit. Zu letzterem zĂ€hlt z.B. das Unterkapitel zum Recht auf richterliche HaftprĂŒfung. Zum VerstĂ€ndnis unabdingbar ist fĂŒr den Leser dabei zunĂ€chst die LektĂŒre der Kapitel zur PrĂŒfung von Eingriffen in bestehende Rechte. Auch die Thematisierung der rechtsbezogenen Schrankenregelungen gelingt durchweg. Generell lobenswert ist es, dass der Autor gerade nicht das öffentliche Recht ĂŒberhebt, sondern bewusst die Anwendungsbereiche der Garantien der EMRK fĂŒr das Zivilrecht und vor allem das Strafrecht betont, sodass dieses Lehrbuch tatsĂ€chlich universell einsetzbar ist. Aber auch der immer wieder aufkommende Vergleich mit der EU-Grundrechtecharta fördert das völkerrechtliche VerstĂ€ndnis der Leser. Dieses Buch reĂŒssiert beim Leser wie kaum ein anderes auf dem Markt und muss deshalb zur soliden Examensvorbereitung im Schwerpunktbereich zwangslĂ€ufig herangezogen werden. Aber auch fĂŒr den Pflichtfachbereich lohnt sich der ein oder andere Seitenblick, weil der Autor die notwendigen ZusammenhĂ€nge, gerade was die Konsequenzen der Rechtsprechung des EGMR angeht, wie beschrieben instruktiv aufbereitet.

Das Lehrbuch von Grabenwarter erscheint in beruhigender RegelmĂ€ĂŸigkeit und unterstĂŒtzt Studenten und Referendare damit stets aktuell bei der Auseinandersetzung mit dem Einfluss der EMRK auf das deutsche Recht. Auf bald 500 Seiten werden die Grundlagen und Details der EMRK dargestellt und die immer intensiver werdende wissenschaftliche BeschĂ€ftigung mit der Materie abgebildet.

weitere Rezensionen von Dr. Benjamin Krenberger


Die Gestaltung des Buches ist ĂŒbersichtlich, jedoch aufgrund des Schriftbildes und der Textdichte phasenweise fĂŒr die LektĂŒre anstrengend. Allerdings wĂŒrde das Buch bei lesefreundlicherer Aufmachung auf viel mehr Seiten anschwellen, sodass dieser Nachteil hinzunehmen ist. Die Nachweise zur EGMR-Rechtsprechung sind opulent und auch die Rezeption deutscher Literatur ist ausgewogen. Ein wenig mehr graphische Gestaltung wĂŒrde dem Buch immer noch gut tun.

Der Autor wĂ€hlt eine geschickte Dreiteilung des Stoffes. ZunĂ€chst bereitet er in einer Art von allgemeinem Teil die Stellung der EMRK im Völkerrechtssystem auf und erlĂ€utert das VerhĂ€ltnis zum innerstaatlichen Recht. Teilweise werden sehr spannenden Bereichen leider nur wenige AbsĂ€tze gegönnt, obwohl man hier sehr tief in die Graubereiche zwischen Recht und Politik bzw. Ermessensspielraum eindringen könnte. Dies betrifft zum Beispiel die Notstandsklausel der EMRK. Sehr schön verwertet werden nach wie vor die Entwicklungen und Neuerungen der Rechtsprechung des BVerfG und die Rezeption in der Literatur. Ebenfalls gelungen ist in dieser AusfĂŒhrlichkeit die Vereinbarkeit der EMRK mit dem europĂ€ischen Gemeinschaftsrecht. Auch die in jĂŒngerer Zeit zu bemerkende Abkehr des EGMR von der bisherigen Rechtsprechung in einigen FĂ€llen wird gezielt aufgegriffen und in den passenden Kontext gestellt.

SpĂ€ter folgen ErlĂ€uterungen zum System der EMRK selbst, wobei der Autor das Verfahrensrecht und die Garantien sauber trennt. Im Verfahrensrecht ist vor allem die Individualbeschwerde Pflichtstoff fĂŒr den Schwerpunktbereich. Hier ist unter anderem der Abschnitt zur Rechtswegerschöpfung hervorragend gelungen. Leider nicht ganz kongruent mit anderen LehrbĂŒchern gerĂ€t die Darstellung der Verantwortlichkeit der Staaten: hier werden die Aspekte der Verantwortung ratione materiae und loci zum Teil vermischt. Wiederum eingĂ€ngig beschrieben sind die (potenziellen) Auswirkungen der Urteile des EGMR fĂŒr die deutsche Rechtsanwendung. Stets im Auge hat der Autor auch die Überlastung des Spruchkörpers EGMR und die nur zögerlichen Versuche der Vertragsstaaten, an diesem Zustand etwas zu Ă€ndern.

Den Hauptbestandteil des Buches stellen die AusfĂŒhrungen zu den Garantien der EMRK dar. Dabei hĂ€lt der Autor keine chronologische Reihenfolge ein, sondern sortiert die Rechtsgrundlagen thematisch. Wichtig fĂŒr den Ausbildungsbezug sind zum einen die starke Stellung der justiziellen Grundrechte in Art. 6 EMRK, hier spannend zu lesen die AusfĂŒhrungen zur UnabhĂ€ngigkeit des Gerichts und natĂŒrlich zum fair trial Grundsatz, zum anderen die durch Vergleich mit der deutschen Rechtslage einfach zu rezipierenden Garantien der EMRK im Bereich der Meinungsfreiheit, sehr ausfĂŒhrlich die AbwĂ€gung von Meinungen zulasten von öffentlichen Personen und als eigenes Unterkapitel die GewĂ€hrung der Pressefreiheit, und beim Schutz vor Eingriffen in die persönliche Freiheit. Zu letzterem zĂ€hlt z.B. das Unterkapitel zum Recht auf richterliche HaftprĂŒfung. Zum VerstĂ€ndnis unabdingbar ist fĂŒr den Leser dabei zunĂ€chst die LektĂŒre der Kapitel zur PrĂŒfung von Eingriffen in bestehende Rechte. Auch die Thematisierung der rechtsbezogenen Schrankenregelungen gelingt durchweg. Generell lobenswert ist es, dass der Autor gerade nicht das öffentliche Recht ĂŒberhebt, sondern bewusst die Anwendungsbereiche der Garantien der EMRK fĂŒr das Zivilrecht und vor allem das Strafrecht betont, sodass dieses Lehrbuch tatsĂ€chlich universell einsetzbar ist. Aber auch der immer wieder aufkommende Vergleich mit der EU-Grundrechtecharta fördert das völkerrechtliche VerstĂ€ndnis der Leser.

Dieses Buch reĂŒssiert beim Leser wie kaum ein anderes auf dem Markt und muss deshalb zur soliden Examensvorbereitung im Schwerpunktbereich zwangslĂ€ufig herangezogen werden. Aber auch fĂŒr den Pflichtfachbereich lohnt sich der ein oder andere Seitenblick, weil der Autor die notwendigen ZusammenhĂ€nge, gerade was die Konsequenzen der Rechtsprechung des EGMR angeht, wie beschrieben instruktiv aufbereitet.

geschrieben am 11.01.2010 | 595 Wörter | 3853 Zeichen

Kommentare lesen Kommentar schreiben

Kommentare zur Rezension (0)

Platz für Anregungen und Ergänzungen