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Zwischen Kriegsgericht und Heldentod


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Rezension von

Matthias Pierre Lubinsky

Zwischen Kriegsgericht und Heldentod Am 1. Juli 1916 wurden 60.000 britische Soldaten getötet oder verwundet. Es war der Beginn der Sommeschlacht. Dieser Tag gilt als schwärzester in der britischen Militärgeschichte. Er ist in Großbritannien ein nicht versiegen wollendes Thema; zu schmerzhaft ist das Versagen. Frieder Riedel will mit seinem Buch »Zwischen Kriegsgericht und Heldentod. Der Grabenkrieg an der Somme 1914 - 1916« nachweisen, dass die Ursachen für diesen deutschen Erfolg andere waren, als uns bislang glauben gemacht wurde. Dieser Erfolg, der einzige deutsche an der Westfront, beruhte nach seinen Forschungen »auf einer doppelten Befehlsverweigerung«: Zum einen hätte die 26 Reservedivision unter General Franz von Soden an der Somme bis zu zwölf Meter tiefe Gräben ausgehoben. Das war verboten. Zum anderen »führten sie die tief gestaffelte und flexible Verteidigung zu einem Zeitpunkt ein, als die ebenfalls noch von Falkenhayn verboten war«. Frieder Riedel legt mit diesem Bildband das zweite Buch mit Photos seines Onkels Armin Stäbler vor. Ein großer und bedeutender Teil von dessen umfangreichen Photoalbum ist bereits in dem gleichformatigen Buch »Das Gesicht des Krieges« enthalten. Die Photos sind ein privater Fund, der sich bei einem Besuch bei der Witwe des Photographen Armin Stäbler ergab. Somit waren sämtliche Bilder nicht nur unveröffentlicht. Sie haben bisherige Forschungsergebnisse ergänzt und führten zu großer Resonanz in der Öffentlichkeit. Frieder Riedel nahm diesen Familienfund zum Anlass, sich in die Geschichte des Ersten Weltkrieges einzuarbeiten. Das Ergebnis seiner umfangreichen Literatur-Studien ist nicht nur, dass der riesige Erfolg der 26. Reservedivision auf Befehlsverweigerung beruhte. Sondern dies werde in der deutschen Militärgeschichtsschreibung auch systematisch vertuscht, »denn Kritik an der Heeresleitung scheint bis heute ein Tabu zu sein.« So sind die Photos seines Onkel eingebettet in substantiierte Schilderungen von Schlachtverläufen, Stellungssystemen und einzelnen Offizieren. Das Ausmaß von Ignoranz und Fehlentscheidungen der deutschen Heeresleitung scheint tatsächlich atemberaubend. Stäbler betrieb bis zu seinem Tod im Jahr 1979 ein kleines Elektrogeschäft. Er war weder Pazifist noch in anderer Weise politisch motiviert. Seine Aufnahmen sind frei von Wertungen, wollen nicht richten. Die Photos sind eher objektive Zeitzeugen und Dokumente, die man so bislang noch nicht gesehen hat. In dem Band findet sich die süffisante Aufnahme eines Frontbesuches von König Wilhelm von Württemberg an der Somme im Frühjahr 1916. Wilhelm darf sich als einziger seines großen Trosses ein Tuch vor den Mund halten. Denn die Luft ist getränkt von Gasschwaden von Granatexplosionen. Die Propaganda hatte solche Bilder verhindert. Dem Volkswirten und Theologen Frieder Riedel ist große Anerkennung auszusprechen für seine gesamte Tätigkeit. Die Buchveröffentlichungen wurden begleitet durch Ausstellungen und die Schenkung dieses einzigartigen Photoalbums an das französische Zentralmuseum für die Somme-Schlacht in Péronne. Ein später Akt der Versöhnung durch einen nur sehr mittelbar Beteiligten. Die Bücher sind erhältlich über den Online-Shop des Numera-Verlages sowie bei booklooker.

Am 1. Juli 1916 wurden 60.000 britische Soldaten getötet oder verwundet. Es war der Beginn der Sommeschlacht. Dieser Tag gilt als schwärzester in der britischen Militärgeschichte. Er ist in Großbritannien ein nicht versiegen wollendes Thema; zu schmerzhaft ist das Versagen. Frieder Riedel will mit seinem Buch »Zwischen Kriegsgericht und Heldentod. Der Grabenkrieg an der Somme 1914 - 1916« nachweisen, dass die Ursachen für diesen deutschen Erfolg andere waren, als uns bislang glauben gemacht wurde. Dieser Erfolg, der einzige deutsche an der Westfront, beruhte nach seinen Forschungen »auf einer doppelten Befehlsverweigerung«: Zum einen hätte die 26 Reservedivision unter General Franz von Soden an der Somme bis zu zwölf Meter tiefe Gräben ausgehoben. Das war verboten. Zum anderen »führten sie die tief gestaffelte und flexible Verteidigung zu einem Zeitpunkt ein, als die ebenfalls noch von Falkenhayn verboten war«.

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Frieder Riedel legt mit diesem Bildband das zweite Buch mit Photos seines Onkels Armin Stäbler vor. Ein großer und bedeutender Teil von dessen umfangreichen Photoalbum ist bereits in dem gleichformatigen Buch »Das Gesicht des Krieges« enthalten. Die Photos sind ein privater Fund, der sich bei einem Besuch bei der Witwe des Photographen Armin Stäbler ergab. Somit waren sämtliche Bilder nicht nur unveröffentlicht. Sie haben bisherige Forschungsergebnisse ergänzt und führten zu großer Resonanz in der Öffentlichkeit.

Frieder Riedel nahm diesen Familienfund zum Anlass, sich in die Geschichte des Ersten Weltkrieges einzuarbeiten. Das Ergebnis seiner umfangreichen Literatur-Studien ist nicht nur, dass der riesige Erfolg der 26. Reservedivision auf Befehlsverweigerung beruhte. Sondern dies werde in der deutschen Militärgeschichtsschreibung auch systematisch vertuscht, »denn Kritik an der Heeresleitung scheint bis heute ein Tabu zu sein.« So sind die Photos seines Onkel eingebettet in substantiierte Schilderungen von Schlachtverläufen, Stellungssystemen und einzelnen Offizieren. Das Ausmaß von Ignoranz und Fehlentscheidungen der deutschen Heeresleitung scheint tatsächlich atemberaubend.

Stäbler betrieb bis zu seinem Tod im Jahr 1979 ein kleines Elektrogeschäft. Er war weder Pazifist noch in anderer Weise politisch motiviert. Seine Aufnahmen sind frei von Wertungen, wollen nicht richten. Die Photos sind eher objektive Zeitzeugen und Dokumente, die man so bislang noch nicht gesehen hat. In dem Band findet sich die süffisante Aufnahme eines Frontbesuches von König Wilhelm von Württemberg an der Somme im Frühjahr 1916. Wilhelm darf sich als einziger seines großen Trosses ein Tuch vor den Mund halten. Denn die Luft ist getränkt von Gasschwaden von Granatexplosionen. Die Propaganda hatte solche Bilder verhindert.

Dem Volkswirten und Theologen Frieder Riedel ist große Anerkennung auszusprechen für seine gesamte Tätigkeit. Die Buchveröffentlichungen wurden begleitet durch Ausstellungen und die Schenkung dieses einzigartigen Photoalbums an das französische Zentralmuseum für die Somme-Schlacht in Péronne. Ein später Akt der Versöhnung durch einen nur sehr mittelbar Beteiligten. Die Bücher sind erhältlich über den Online-Shop des Numera-Verlages sowie bei booklooker.

geschrieben am 21.07.2009 | 448 Wörter | 2816 Zeichen

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