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Kurze Geschichte des italienischen Faschismus


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Rezension von

Kilian Kneisel

Kurze Geschichte des italienischen Faschismus Der Turiner Zeithistoriker Brunello Mantelli legt mit seinem Buch „Kurze Geschichte des italienischen Faschismus“ eine knappe Einführung in ein sehr komplexes Thema vor. Auf (nur) 189 Seiten gibt Mantelli einen chronologischen Überblick über die wichtigsten Etappen des italienischen Faschismus. Beschäftigt man sich etwas intensiver mit dem Faschismus, so tritt rasch ein Problem auf: Was ist eigentlich Faschismus und gibt es den Faschismus überhaupt? Mantelli definiert sein Anliegen in diesem Buch wie folgt: er möchte nicht Forschungsmeinungen diskutieren – einige reißt er kurz an – sondern will lieber aufzeigen, was das Italienische am italienischen Faschismus war. Um dieser Frage nachzugehen, schildert Mantelli Italiens wirtschaftliche und soziale Situation nach dem Ersten Weltkrieg, und geht danach auf die Gründung der fasci di combattimento (Kampfbünde) durch den ehemaligen Top-Sozialisten Benito Mussolini in Mailand 1919 ein. Anschließend wird die für den Faschismus wichtige Rivalität zwischen Agrarfaschismus unter den Ras, den lokalen Führern der squadre, und Mussolini um Kompetenzen behandelt. Nach dem „Marsch auf Rom“ am 28.10.1922 und der „Machtergreifung“ Mussolinis stehen sowohl der Aufbau des Regimes, als auch dessen Krisen im Fokus der Betrachtung. Mantelli stellt klar, dass der Faschismus keineswegs von Beginn an gefestigt und unumstößlich war, dass sich diese Situation aber nach der Matteotti-Krise 1924/25 änderte und der Weg zum stato totalitario eingeschlagen wurde. Nachdem bisher die Innenpolitik und das Ringen um den Konsens mit den Italienern im Mittlepunkt der Betrachtung gestanden hat, wendet sich in den 30er Jahren der Blickpunkt hin zur Außenpolitik: Äthiopienkrieg, der Spanische Bürgerkrieg und das Verhältnis zu Deutschland. Auch die Rassengesetze von 1938 kommen zur Sprache. Nicht fehlen darf der Zweite Weltkrieg und der Zwiespalt in der italienischen Strategie zwischen Kriegsbeitritt und Nicht-Kriegsführung und der verspätete Kriegseintritt Italiens am 10.Juni 1940. Auf den kurzen und parallelen Krieg von Juni 1940 bis April 1941 folgte der lange und sublaterale Krieg an der Seite Deutschlands. Der von Mussolini gesuchte Rückhalt in der Bevölkerung schwand aufgrund des schlechten Kriegsverlaufs zunehmend und führte am 25.Juli 1943 zum Staatsstreich der führenden Faschisten gegen Mussolini, der daraufhin vom König abgesetzt wurde – ein ganz legaler Vorgang. Ein Blick auf die Republik von Salò schließt das Buch ab. Mantelli löst die sich gestellte Aufgabe gut. Sicherlich wäre bei einigen Punkten wie zum Beispiel die Behandlung der Resistenza und deren Rolle eine zumindest kurze Besprechung des Themas wünschenswert gewesen. Das vorliegende Buch ist dennoch als Einführung in die Materie sehr gelungen. Nicht nur wird ein knapper, aber dabei nicht zu knapper Überblick mit dem Gros der wichtigen und relevanten Daten zum Faschismus gegeben, diese werden auch gut lesbar und reichlich illustriert präsentiert, wobei neben offiziellen Bildern auch viele Gelegenheitsaufnahmen und andere Quellen, z.B. Zeitungsausschnitte, zu sehen sind. Der Text ist als Fließtext zwar nicht verfußnotet, am Ende findet sich aber eine knappe Literaturliste mit den wichtigsten Titeln zu vielen Spezialgebieten, teils englische, v.a. aber deutsche und italienische. Für alle, die einen ersten Einblick in die Geschichte des italienischen Faschismus erhalten wollen, ist Mantellis Buch sehr zu empfehlen.

Der Turiner Zeithistoriker Brunello Mantelli legt mit seinem Buch „Kurze Geschichte des italienischen Faschismus“ eine knappe Einführung in ein sehr komplexes Thema vor. Auf (nur) 189 Seiten gibt Mantelli einen chronologischen Überblick über die wichtigsten Etappen des italienischen Faschismus.

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Beschäftigt man sich etwas intensiver mit dem Faschismus, so tritt rasch ein Problem auf: Was ist eigentlich Faschismus und gibt es den Faschismus überhaupt? Mantelli definiert sein Anliegen in diesem Buch wie folgt: er möchte nicht Forschungsmeinungen diskutieren – einige reißt er kurz an – sondern will lieber aufzeigen, was das Italienische am italienischen Faschismus war. Um dieser Frage nachzugehen, schildert Mantelli Italiens wirtschaftliche und soziale Situation nach dem Ersten Weltkrieg, und geht danach auf die Gründung der fasci di combattimento (Kampfbünde) durch den ehemaligen Top-Sozialisten Benito Mussolini in Mailand 1919 ein. Anschließend wird die für den Faschismus wichtige Rivalität zwischen Agrarfaschismus unter den Ras, den lokalen Führern der squadre, und Mussolini um Kompetenzen behandelt. Nach dem „Marsch auf Rom“ am 28.10.1922 und der „Machtergreifung“ Mussolinis stehen sowohl der Aufbau des Regimes, als auch dessen Krisen im Fokus der Betrachtung. Mantelli stellt klar, dass der Faschismus keineswegs von Beginn an gefestigt und unumstößlich war, dass sich diese Situation aber nach der Matteotti-Krise 1924/25 änderte und der Weg zum stato totalitario eingeschlagen wurde. Nachdem bisher die Innenpolitik und das Ringen um den Konsens mit den Italienern im Mittlepunkt der Betrachtung gestanden hat, wendet sich in den 30er Jahren der Blickpunkt hin zur Außenpolitik: Äthiopienkrieg, der Spanische Bürgerkrieg und das Verhältnis zu Deutschland. Auch die Rassengesetze von 1938 kommen zur Sprache. Nicht fehlen darf der Zweite Weltkrieg und der Zwiespalt in der italienischen Strategie zwischen Kriegsbeitritt und Nicht-Kriegsführung und der verspätete Kriegseintritt Italiens am 10.Juni 1940. Auf den kurzen und parallelen Krieg von Juni 1940 bis April 1941 folgte der lange und sublaterale Krieg an der Seite Deutschlands. Der von Mussolini gesuchte Rückhalt in der Bevölkerung schwand aufgrund des schlechten Kriegsverlaufs zunehmend und führte am 25.Juli 1943 zum Staatsstreich der führenden Faschisten gegen Mussolini, der daraufhin vom König abgesetzt wurde – ein ganz legaler Vorgang. Ein Blick auf die Republik von Salò schließt das Buch ab.

Mantelli löst die sich gestellte Aufgabe gut. Sicherlich wäre bei einigen Punkten wie zum Beispiel die Behandlung der Resistenza und deren Rolle eine zumindest kurze Besprechung des Themas wünschenswert gewesen. Das vorliegende Buch ist dennoch als Einführung in die Materie sehr gelungen. Nicht nur wird ein knapper, aber dabei nicht zu knapper Überblick mit dem Gros der wichtigen und relevanten Daten zum Faschismus gegeben, diese werden auch gut lesbar und reichlich illustriert präsentiert, wobei neben offiziellen Bildern auch viele Gelegenheitsaufnahmen und andere Quellen, z.B. Zeitungsausschnitte, zu sehen sind. Der Text ist als Fließtext zwar nicht verfußnotet, am Ende findet sich aber eine knappe Literaturliste mit den wichtigsten Titeln zu vielen Spezialgebieten, teils englische, v.a. aber deutsche und italienische.

Für alle, die einen ersten Einblick in die Geschichte des italienischen Faschismus erhalten wollen, ist Mantellis Buch sehr zu empfehlen.

geschrieben am 25.11.2008 | 491 Wörter | 3019 Zeichen

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