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Die doppelte Front


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Rezension von

Gérard Bökenkamp

Die doppelte Front Daniel Gerlach beschreibt in seiner Studie die deutsche Nahostpolitik zwischen 1967 und 1973. Beide Daten markieren wichtige Wendepunkte. 1967 besiegte die israelische Armee in nur sechs Tagen die arabischen Streitkräfte. Die Problematik der besetzten Gebiete nahm hier ihren Anfang. 1973 gab der Jom-Kippur-Krieg dem Nahostkonflikt eine gewisse Wende. Nach den Rückschlägen der ägyptischen Armee nach dem Überschassungsangriff auf Israel setzten die arabischen Staaten zum ersten Mal die Ölwaffe gegen den Westen ein, um diesen zum Einlenken zu zwingen. Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland stand in dieser Zeit daher vor einer schwierigen Aufgabe. Westdeutschland besaß in der arabischen Welt wichtige Handelsinteressen, mit Israel verband die Bundesrepublik die historische Verantwortung und erschwert wurde ihre „Balance-Politik“ zwischen beiden Seiten durch die Zwänge der Deutschlandpolitik. Die deutschen Parteien zeigen im Verhältnis zum nahen Osten ein differenziertes Bild. Die ältere Generation sozialdemokratischer Politiker, vor allem Herbert Wehner, besaßen ein emotional sehr enges Verhältnis zu Israel und vor allem zur israelischen Arbeiterbewegung. Für viele ältere Sozialdemokraten verkörperte Israel ein ideales sozialistisches Gemeinwesen. Unter den Jungsozialisten breiteten sich jedoch zusehend antizionistische Sichtweisen aus. Auch die FDP stand für eine kritische Sicht auf Israel. Für die Liberalen stand vor allem das wirtschaftspolitische Interesse in der arabischen Welt im Vordergrund, weshalb ihr Außenminister Walter Scheel durchaus in Israel misstrauisch betrachtet wurde. Das engste Verhältnis zu Israel unterhielten jedoch die Unionsparteien, so dass auch von einem „Berlin-Jerusalem-Komplex“ gesprochen wurde. Eine Sonderbeziehung bestand auch auf der Ebene der Geheimdienste, zwischen dem westdeutschen BND und dem israelischen Mossad. In der Zeit des Sechs-Tage-Krieges erreichte die deutsch-israelische Freundschaft in der westdeutschen Öffentlichkeit ihre höchste Popularität. Gerlachs Studie gibt ein abgerundetes Bild von dieser sowohl im Nahenosten als auch im Ost-West-Verhältnis insgesamt durch Umbruch und Veränderung gekennzeichneten Phase der deutschen Außenpolitik wieder. Der Übergang von der Hallstein-Doktrin zur Ostpolitik der Regierung Brandt, der Umgang der westdeutschen Politik mit dem deutsch-palästinensischen Terrorismus, die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zu den arabischen Staaten werden beschrieben. Nach der Lektüre des Buches fühlt man sich in der Überzeugung bestärkt, das die „Balance-Politik“ zu den Grundfeilern der bundesrepublikanischen Außenpolitik gehört. Eine einseitige extreme Parteinahme zu einer der beiden Seiten war damals weder im Interesse der Bundesrepublik noch im Interesse der Nahostparteien und das ist es wohl auch heute nicht. Wer sich im Studium, beruflich oder politisch mit Nahostpolitik beschäftigt, dem ist diese Studie zur Lektüre empfohlen.

Daniel Gerlach beschreibt in seiner Studie die deutsche Nahostpolitik zwischen 1967 und 1973. Beide Daten markieren wichtige Wendepunkte. 1967 besiegte die israelische Armee in nur sechs Tagen die arabischen Streitkräfte. Die Problematik der besetzten Gebiete nahm hier ihren Anfang. 1973 gab der Jom-Kippur-Krieg dem Nahostkonflikt eine gewisse Wende. Nach den Rückschlägen der ägyptischen Armee nach dem Überschassungsangriff auf Israel setzten die arabischen Staaten zum ersten Mal die Ölwaffe gegen den Westen ein, um diesen zum Einlenken zu zwingen. Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland stand in dieser Zeit daher vor einer schwierigen Aufgabe. Westdeutschland besaß in der arabischen Welt wichtige Handelsinteressen, mit Israel verband die Bundesrepublik die historische Verantwortung und erschwert wurde ihre „Balance-Politik“ zwischen beiden Seiten durch die Zwänge der Deutschlandpolitik.

Die deutschen Parteien zeigen im Verhältnis zum nahen Osten ein differenziertes Bild. Die ältere Generation sozialdemokratischer Politiker, vor allem Herbert Wehner, besaßen ein emotional sehr enges Verhältnis zu Israel und vor allem zur israelischen Arbeiterbewegung. Für viele ältere Sozialdemokraten verkörperte Israel ein ideales sozialistisches Gemeinwesen. Unter den Jungsozialisten breiteten sich jedoch zusehend antizionistische Sichtweisen aus. Auch die FDP stand für eine kritische Sicht auf Israel. Für die Liberalen stand vor allem das wirtschaftspolitische Interesse in der arabischen Welt im Vordergrund, weshalb ihr Außenminister Walter Scheel durchaus in Israel misstrauisch betrachtet wurde. Das engste Verhältnis zu Israel unterhielten jedoch die Unionsparteien, so dass auch von einem „Berlin-Jerusalem-Komplex“ gesprochen wurde. Eine Sonderbeziehung bestand auch auf der Ebene der Geheimdienste, zwischen dem westdeutschen BND und dem israelischen Mossad. In der Zeit des Sechs-Tage-Krieges erreichte die deutsch-israelische Freundschaft in der westdeutschen Öffentlichkeit ihre höchste Popularität.

Gerlachs Studie gibt ein abgerundetes Bild von dieser sowohl im Nahenosten als auch im Ost-West-Verhältnis insgesamt durch Umbruch und Veränderung gekennzeichneten Phase der deutschen Außenpolitik wieder. Der Übergang von der Hallstein-Doktrin zur Ostpolitik der Regierung Brandt, der Umgang der westdeutschen Politik mit dem deutsch-palästinensischen Terrorismus, die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zu den arabischen Staaten werden beschrieben. Nach der Lektüre des Buches fühlt man sich in der Überzeugung bestärkt, das die „Balance-Politik“ zu den Grundfeilern der bundesrepublikanischen Außenpolitik gehört. Eine einseitige extreme Parteinahme zu einer der beiden Seiten war damals weder im Interesse der Bundesrepublik noch im Interesse der Nahostparteien und das ist es wohl auch heute nicht. Wer sich im Studium, beruflich oder politisch mit Nahostpolitik beschäftigt, dem ist diese Studie zur Lektüre empfohlen.

geschrieben am 01.04.2007 | 385 Wörter | 2575 Zeichen

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