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Benn in Berlin


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Rezension von

Matthias Pierre Lubinsky

Benn in Berlin Am Abend des 29. Januar 1932 bekommt Gottfried Benn einen Anruf. Oskar Loerke teilt ihm mit, dass er in die Preußische Akademie der KĂŒnste aufgenommen wurde. Das war zugleich Fluch und Segen fĂŒr den Dichter, der heute als der bedeutendste deutsche Lyriker des 20. Jahrhunderts angesehen wird. Der Literaturwissenschaftler Joachim Dyck berichtet in seinem Buch »Benn in Berlin«, der Geehrte habe verdutzt geantwortet: »Aber machen Sie doch keine Witze mit mir altem Mann.« Benn war da 45 Jahre alt und wohl auf dem Höhepunkt seines Ruhmes. Gibt es nicht schon genĂŒgend Benn-Biographien? TatsĂ€chlich existiert eine kleine Bibliothek an Biographien ĂŒber diesen so schwer zu fassenden Mann, der gleichzeitig Frauenschwarm und doch unnahbar war. Zu Benns 50. Todesjahr 2006 erschien ein halbes Dutzend umfangreicher Darstellungen. Unter ihnen auch »Der Zeitzeuge. Gottfried Benn 1929-1949« vom Autoren des hier annoncierten BĂŒchleins. Die Konzentration auf Benn in Berlin gibt einen anderen Blickwinkel und erlaubt eine ErzĂ€hlweise, die nicht auf VollstĂ€ndigkeit achten muss. Angenehm ist, dies vorweg, dass Dyck keinerlei Schaum vor dem Mund hat. Und: Im Gegensatz zu anderen Biographen steht das Politische hier nicht im Mittelpunkt. Das lĂ€sst das Buch zum Einen angenehm lesen. Der Leser ist nicht permanent Wertungen des Autoren ausgesetzt, wie es in den letzten Jahrzehnten der alten Bundesrepublik ĂŒblich war. Zum Anderen ist das auch die einzig sinnvolle Perspektive, war Benn eben nicht primĂ€r politisch. Er war ein Schriftsteller, der vom weltlichen Versagen des kĂŒnstlerischen Genies wusste. Vielleicht tragisch vergleichbar mit dem Philosophen Martin Heidegger, schmĂ€lert es eben nicht den Wert der Gedichte Benns, dass dieser Anfang der 1930er Jahre den »nationalen Sozialismus« begrĂŒĂŸt hatte. Benn mag hereingefallen sein auf die anfĂ€ngliche ‚Ästhetisierung‘ der Politik, an der der Nationalsozialismus sich versuchte. Sein Ansatz dagegen war die Formung einer Ă€sthetischen Sprache aus dem Leben. Joachim Dyck vermittelt ein greifbares Bild von dieser Ausnahmepersönlichkeit, die sich Zeit ihres Lebens von Berlin angezogen fĂŒhlte. In den letzten Lebensjahren wurde daraus allerdings eine Hassliebe. Dyck gibt Bilder. Bilder von Benn als Arzt. Benn als Frauenmann. Benn als Kneipenstammgast. Der Leser spĂŒrt die AtmosphĂ€re im Wartezimmer beim Ärtzteehepaar Benn. Er praktizierte als Hautarzt, seine Frau war ZahnĂ€rztin. Beide teilten sich eine kleine Praxis am heutigen Berliner Mehringdamm. Dyck, Vorsitzender der Gottfried-Benn-Gesellschaft, schildert den herausragenden Dichter als einsamen, suchenden Mann. Anschaulich ist zu erfahren, wie Benn lange Jahre in Ă€rmlichen VerhĂ€ltnissen lebte. Er beklagte sich nicht, sondern schien seine Situation eher zu ertragen. Angereichert ist das Buch mit Schwarz-Weiß-Photographien von Orten in Berlin, an denen Gottfried Benn viel Zeit verbrachte. So entstand ein geschmackvolles Berliniana. Ein StĂŒck Stadtgeschichte, das auch zeugt von dem ungeklĂ€rten VerhĂ€ltnis Berlins zu seinem Dichter. Zu ‚seinem‘ Dichter?

Am Abend des 29. Januar 1932 bekommt Gottfried Benn einen Anruf. Oskar Loerke teilt ihm mit, dass er in die Preußische Akademie der KĂŒnste aufgenommen wurde. Das war zugleich Fluch und Segen fĂŒr den Dichter, der heute als der bedeutendste deutsche Lyriker des 20. Jahrhunderts angesehen wird. Der Literaturwissenschaftler Joachim Dyck berichtet in seinem Buch »Benn in Berlin«, der Geehrte habe verdutzt geantwortet: »Aber machen Sie doch keine Witze mit mir altem Mann.« Benn war da 45 Jahre alt und wohl auf dem Höhepunkt seines Ruhmes.

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Gibt es nicht schon genĂŒgend Benn-Biographien? TatsĂ€chlich existiert eine kleine Bibliothek an Biographien ĂŒber diesen so schwer zu fassenden Mann, der gleichzeitig Frauenschwarm und doch unnahbar war. Zu Benns 50. Todesjahr 2006 erschien ein halbes Dutzend umfangreicher Darstellungen. Unter ihnen auch »Der Zeitzeuge. Gottfried Benn 1929-1949« vom Autoren des hier annoncierten BĂŒchleins. Die Konzentration auf Benn in Berlin gibt einen anderen Blickwinkel und erlaubt eine ErzĂ€hlweise, die nicht auf VollstĂ€ndigkeit achten muss. Angenehm ist, dies vorweg, dass Dyck keinerlei Schaum vor dem Mund hat. Und: Im Gegensatz zu anderen Biographen steht das Politische hier nicht im Mittelpunkt. Das lĂ€sst das Buch zum Einen angenehm lesen. Der Leser ist nicht permanent Wertungen des Autoren ausgesetzt, wie es in den letzten Jahrzehnten der alten Bundesrepublik ĂŒblich war. Zum Anderen ist das auch die einzig sinnvolle Perspektive, war Benn eben nicht primĂ€r politisch. Er war ein Schriftsteller, der vom weltlichen Versagen des kĂŒnstlerischen Genies wusste. Vielleicht tragisch vergleichbar mit dem Philosophen Martin Heidegger, schmĂ€lert es eben nicht den Wert der Gedichte Benns, dass dieser Anfang der 1930er Jahre den »nationalen Sozialismus« begrĂŒĂŸt hatte. Benn mag hereingefallen sein auf die anfĂ€ngliche ‚Ästhetisierung‘ der Politik, an der der Nationalsozialismus sich versuchte. Sein Ansatz dagegen war die Formung einer Ă€sthetischen Sprache aus dem Leben.

Joachim Dyck vermittelt ein greifbares Bild von dieser Ausnahmepersönlichkeit, die sich Zeit ihres Lebens von Berlin angezogen fĂŒhlte. In den letzten Lebensjahren wurde daraus allerdings eine Hassliebe. Dyck gibt Bilder. Bilder von Benn als Arzt. Benn als Frauenmann. Benn als Kneipenstammgast. Der Leser spĂŒrt die AtmosphĂ€re im Wartezimmer beim Ärtzteehepaar Benn. Er praktizierte als Hautarzt, seine Frau war ZahnĂ€rztin. Beide teilten sich eine kleine Praxis am heutigen Berliner Mehringdamm. Dyck, Vorsitzender der Gottfried-Benn-Gesellschaft, schildert den herausragenden Dichter als einsamen, suchenden Mann. Anschaulich ist zu erfahren, wie Benn lange Jahre in Ă€rmlichen VerhĂ€ltnissen lebte. Er beklagte sich nicht, sondern schien seine Situation eher zu ertragen.

Angereichert ist das Buch mit Schwarz-Weiß-Photographien von Orten in Berlin, an denen Gottfried Benn viel Zeit verbrachte. So entstand ein geschmackvolles Berliniana. Ein StĂŒck Stadtgeschichte, das auch zeugt von dem ungeklĂ€rten VerhĂ€ltnis Berlins zu seinem Dichter. Zu ‚seinem‘ Dichter?

geschrieben am 19.01.2011 | 437 Wörter | 2676 Zeichen

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