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Rom, das bin ich: Marcus Tullius Cicero


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Rezension von

Mario Pf.

Rom, das bin ich: Marcus Tullius Cicero Betrachtet man die Quellenlage, verwundert es nicht, dass Marcus Tullius Cicero zu den bekanntesten Persönlichkeiten der Antike gehört. Von allen antiken Politikern ist er wohl der dem ĂŒber die Jahrtausende am meisten Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Selbst am Beginn des 21. Jahrhunderts fasziniert die historische Person Ciceros derart, dass sich seiner selbst Bestsellerautor Robert Harris (Enigma, Der Ghostwriter, Pompeji) mit einer eigenen Cicero-Trilogie angenommen haben, um in der mit Ciceros Leben untrennbar verbundenen Geschichte vom Untergang der Römischen Republik auch ein wenig Kritik an Entwicklungen der Gegenwart zu verarbeiten. Ein Vorteil fĂŒr Cicero-Biografien ist, wie Francisco Pina Polo betont, dass durch dessen regen Briefwechsel mit Freunden, Familienmitgliedern und berĂŒhmten Persönlichkeiten seiner Zeit eindrucksvolle Zeugnisse von dessen ganz privatem Charakter erhalten geblieben sind. Der Privatmann Cicero ist jedoch genau der, der in so mancher Cicero-"Hagiographie" bewusst vergessen wird. Doch da sich der Privatmann und Politiker Cicero gerade aufgrund dessen Verpflichtung kaum voneinander trennen lassen muss auch dessen Biographie im Kontext der Geschichte Roms gesehen werden. Was "Rom, das bin ich" also bietet, ist eine Biographie des Menschen Marcus Tullius Cicero in seiner Zeit. Gerade weil Cicero sich als Historiograph seiner Ära verdient gemacht hat, ginge es auch kaum anders; all jene Werke, die uns von Cicero erhalten geblieben sind, dienen ebenso als Quelle zur Geschichte des antiken Roms, wie auch der Ciceros. Maßgeblich geprĂ€gt wird Francisco Pina Polos Cicero-Biographie jedoch von jenen hunderten Briefen die er etwa an seinen hellenophilen Freund und Berater in finanziellen wie philosophischen Dingen, Titus Pompnius Atticus, schrieb. Um ein möglichst authentisches Bild von Ciceros Leben und Gedankenwelt zu ermöglichen hat Pina Polo daher auf Zitate Ciceros zurĂŒckgegriffen, um ihn an entscheidenden Stellen selbst zu Wort kommen zu lassen. Gerade in der Offenheit gegenĂŒber seinem wahrscheinlich besten Freund und Vertrauten Atticus offenbart Cicero hier sehr viel ĂŒber sich selbst und seine Motivation. Durch diese Herangehensweise ist es Pina Polo gelungen ein sehr facettenreiches Bild Ciceros zu zeichnen, wodurch er es dem Leser erlaubt, sich selbst ein Urteil ĂŒber die Person Marcus Tullius Ciceros zu machen. Dessen Karriere dient zugleich als roter Faden durch die Geschichte der Römischen Republik. Nach einem durchaus interessanten Exkurs ĂŒber Ciceros exzellente Ausbildung im Kreise der römischen Aristokratie und seine Rolle als GĂŒnstling des spĂ€teren Konsuls und "Triumvirn" Marcus Licinius Crassus geht Pina Polo auch daran Ciceros vergleichsweise spĂ€rlichen MilitĂ€rerfahrungen aufzuarbeiten. SpĂ€testens ab diesem Punkt merkt man dass "Rom, das bin ich" keine aus der VerknĂŒpfung biographischer Daten und einer Historie der Römischen Republik hervorgegangene Biographie ist, sondern ihren Protagonisten in den Mittelpunkt gestellt hat. So folgt die ErzĂ€hlung Cicero auch ins Exil und konzentriert sich auf ihn, anstatt in AusfĂŒhrungen zu Gaius Octavius Aufstieg oder Marcus Antonius Ă€gyptisches Abenteuer abzuschweifen. Schon alleine dadurch ist die Biographie sehr gut gelungen. Sie vereint Ciceros Selbstzeugnisse mit einer gezielt auf ihn zugeschneiderten Perspektive. Zugleich ist es Francisco Pina Polos mit seiner Cicero-Biographie gelungen das Leben des neben Gaius Julius CĂ€sar wohl bekanntesten Römers so darzustellen dass man auch von dessen weniger "heldenhaften" bzw. glanzvollen CharakterzĂŒge und Entscheidungen erfĂ€hrt. Etwa seine stete Ablehnung lĂ€ngst ĂŒberfĂ€lliger Landreformen oder den ausgeprĂ€gten Opportunismus, der ihn zunĂ€chst (in beinahe peinlicher ÜberschwĂ€nglichkeit) die NĂ€he des Gnaeus Pompeis Magnus suchen ließ. Durch seine Briefe sind auch so manche politischen FehleinschĂ€tzungen des spĂ€teren FĂŒhrers der republikanischen Opposition erhalten geblieben. Heute kann man so manche der opportunistischen und selbstbeweihrĂ€uchernd anmutenden Entscheidungen und Kommentare Ciceros (etwa seine Sorge um das Wohlgefallen Pompeius, seinen Platz in der Geschichte und von der NobilitĂ€t akzeptiert zu werden) auch schlicht als Imagepflege bezeichnen. Eine Empfehlung seines Bruders Quintus, dass er in seinem Konsulatswahlkampf betont auf Mehrdeutigkeit in seinen Aussagen und zu Versicherungen achten sollte, ist ebenso erhalten geblieben, wie der damit verbundene Marcus solle möglichst kein Programm vertreten, um es sich nicht mit irgendjemandem zu verscherzen. Es passt sehr gut zu Titel und Werk, dass sich am Ende des Buchs neben einer Zeittafel zur allgemeinen Geschichte der Republik von Marius bis Ocatavian auch eine zu Ciceros Leben befindet. "Rom, das bin ich" ist irgendwie ja beides, die Lebensgeschichte des Marcus Tullius Cicero wie auch die Geschichte Roms zu Zeiten Ciceros. Dennoch dient die römische Geschichte in dieser sehr gelungenen Biographie vor allem als Kulisse fĂŒr Aufstieg und Fall des wohl grĂ¶ĂŸten Redners seiner Zeit. Francisco Pina Polo verbindet Selbstzeugnisse Ciceros mit einer sehr gut auf Cicero zugeschneiderten ErzĂ€hlperspektive und versteigt sich weder zu einer Verurteilung noch Glorifizierung Ciceros, viel mehr lĂ€sst er Cicero selbst zu Wort kommen und erlaubt es dem Leser so sich ein eigenes Bild zu machen. Das Buch ist also keine als Biographie verkleidete EinfĂŒhrung in die Geschichte der Römischen Republik und erfĂŒllt seine Aufgabe das Leben Ciceros nachzuzeichnen bravourös. Fazit: Eine höchst gelungene Biographie, die vor allem durch Selbstzeugnisse und eine sehr auf ihren Protagonisten konzentrierte ErzĂ€hlperspektive ein facettenreiches Bild des Menschen Ciceros in seiner Zeit schafft.

Betrachtet man die Quellenlage, verwundert es nicht, dass Marcus Tullius Cicero zu den bekanntesten Persönlichkeiten der Antike gehört. Von allen antiken Politikern ist er wohl der dem ĂŒber die Jahrtausende am meisten Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Selbst am Beginn des 21. Jahrhunderts fasziniert die historische Person Ciceros derart, dass sich seiner selbst Bestsellerautor Robert Harris (Enigma, Der Ghostwriter, Pompeji) mit einer eigenen Cicero-Trilogie angenommen haben, um in der mit Ciceros Leben untrennbar verbundenen Geschichte vom Untergang der Römischen Republik auch ein wenig Kritik an Entwicklungen der Gegenwart zu verarbeiten. Ein Vorteil fĂŒr Cicero-Biografien ist, wie Francisco Pina Polo betont, dass durch dessen regen Briefwechsel mit Freunden, Familienmitgliedern und berĂŒhmten Persönlichkeiten seiner Zeit eindrucksvolle Zeugnisse von dessen ganz privatem Charakter erhalten geblieben sind. Der Privatmann Cicero ist jedoch genau der, der in so mancher Cicero-"Hagiographie" bewusst vergessen wird.

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rezensiert seit
Buchtitel
3
25.11.2010
4
25.11.2010

Doch da sich der Privatmann und Politiker Cicero gerade aufgrund dessen Verpflichtung kaum voneinander trennen lassen muss auch dessen Biographie im Kontext der Geschichte Roms gesehen werden. Was "Rom, das bin ich" also bietet, ist eine Biographie des Menschen Marcus Tullius Cicero in seiner Zeit. Gerade weil Cicero sich als Historiograph seiner Ära verdient gemacht hat, ginge es auch kaum anders; all jene Werke, die uns von Cicero erhalten geblieben sind, dienen ebenso als Quelle zur Geschichte des antiken Roms, wie auch der Ciceros. Maßgeblich geprĂ€gt wird Francisco Pina Polos Cicero-Biographie jedoch von jenen hunderten Briefen die er etwa an seinen hellenophilen Freund und Berater in finanziellen wie philosophischen Dingen, Titus Pompnius Atticus, schrieb. Um ein möglichst authentisches Bild von Ciceros Leben und Gedankenwelt zu ermöglichen hat Pina Polo daher auf Zitate Ciceros zurĂŒckgegriffen, um ihn an entscheidenden Stellen selbst zu Wort kommen zu lassen. Gerade in der Offenheit gegenĂŒber seinem wahrscheinlich besten Freund und Vertrauten Atticus offenbart Cicero hier sehr viel ĂŒber sich selbst und seine Motivation.

Durch diese Herangehensweise ist es Pina Polo gelungen ein sehr facettenreiches Bild Ciceros zu zeichnen, wodurch er es dem Leser erlaubt, sich selbst ein Urteil ĂŒber die Person Marcus Tullius Ciceros zu machen. Dessen Karriere dient zugleich als roter Faden durch die Geschichte der Römischen Republik. Nach einem durchaus interessanten Exkurs ĂŒber Ciceros exzellente Ausbildung im Kreise der römischen Aristokratie und seine Rolle als GĂŒnstling des spĂ€teren Konsuls und "Triumvirn" Marcus Licinius Crassus geht Pina Polo auch daran Ciceros vergleichsweise spĂ€rlichen MilitĂ€rerfahrungen aufzuarbeiten. SpĂ€testens ab diesem Punkt merkt man dass "Rom, das bin ich" keine aus der VerknĂŒpfung biographischer Daten und einer Historie der Römischen Republik hervorgegangene Biographie ist, sondern ihren Protagonisten in den Mittelpunkt gestellt hat. So folgt die ErzĂ€hlung Cicero auch ins Exil und konzentriert sich auf ihn, anstatt in AusfĂŒhrungen zu Gaius Octavius Aufstieg oder Marcus Antonius Ă€gyptisches Abenteuer abzuschweifen. Schon alleine dadurch ist die Biographie sehr gut gelungen. Sie vereint Ciceros Selbstzeugnisse mit einer gezielt auf ihn zugeschneiderten Perspektive.

Zugleich ist es Francisco Pina Polos mit seiner Cicero-Biographie gelungen das Leben des neben Gaius Julius CĂ€sar wohl bekanntesten Römers so darzustellen dass man auch von dessen weniger "heldenhaften" bzw. glanzvollen CharakterzĂŒge und Entscheidungen erfĂ€hrt. Etwa seine stete Ablehnung lĂ€ngst ĂŒberfĂ€lliger Landreformen oder den ausgeprĂ€gten Opportunismus, der ihn zunĂ€chst (in beinahe peinlicher ÜberschwĂ€nglichkeit) die NĂ€he des Gnaeus Pompeis Magnus suchen ließ. Durch seine Briefe sind auch so manche politischen FehleinschĂ€tzungen des spĂ€teren FĂŒhrers der republikanischen Opposition erhalten geblieben. Heute kann man so manche der opportunistischen und selbstbeweihrĂ€uchernd anmutenden Entscheidungen und Kommentare Ciceros (etwa seine Sorge um das Wohlgefallen Pompeius, seinen Platz in der Geschichte und von der NobilitĂ€t akzeptiert zu werden) auch schlicht als Imagepflege bezeichnen. Eine Empfehlung seines Bruders Quintus, dass er in seinem Konsulatswahlkampf betont auf Mehrdeutigkeit in seinen Aussagen und zu Versicherungen achten sollte, ist ebenso erhalten geblieben, wie der damit verbundene Marcus solle möglichst kein Programm vertreten, um es sich nicht mit irgendjemandem zu verscherzen.

Es passt sehr gut zu Titel und Werk, dass sich am Ende des Buchs neben einer Zeittafel zur allgemeinen Geschichte der Republik von Marius bis Ocatavian auch eine zu Ciceros Leben befindet. "Rom, das bin ich" ist irgendwie ja beides, die Lebensgeschichte des Marcus Tullius Cicero wie auch die Geschichte Roms zu Zeiten Ciceros. Dennoch dient die römische Geschichte in dieser sehr gelungenen Biographie vor allem als Kulisse fĂŒr Aufstieg und Fall des wohl grĂ¶ĂŸten Redners seiner Zeit. Francisco Pina Polo verbindet Selbstzeugnisse Ciceros mit einer sehr gut auf Cicero zugeschneiderten ErzĂ€hlperspektive und versteigt sich weder zu einer Verurteilung noch Glorifizierung Ciceros, viel mehr lĂ€sst er Cicero selbst zu Wort kommen und erlaubt es dem Leser so sich ein eigenes Bild zu machen. Das Buch ist also keine als Biographie verkleidete EinfĂŒhrung in die Geschichte der Römischen Republik und erfĂŒllt seine Aufgabe das Leben Ciceros nachzuzeichnen bravourös.

Fazit:

Eine höchst gelungene Biographie, die vor allem durch Selbstzeugnisse und eine sehr auf ihren Protagonisten konzentrierte ErzÀhlperspektive ein facettenreiches Bild des Menschen Ciceros in seiner Zeit schafft.

geschrieben am 01.12.2010 | 801 Wörter | 5001 Zeichen

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