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Alfred Toepfer


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Rezension von

Matthias Pierre Lubinsky

Alfred Toepfer Ernst Jünger hielt am 23. März 1993 eine Rede, in deren Begrüßung er eine einzige Person namentlich ansprach: Alfred Toepfer. Es war Jüngers Dankesrede für die Verleihung des Robert-Schumann-Preises der Stiftung F.V.S. von Toepfer. Zu diesem Zeitpunkt lag bereits eine lange Freundschaft zwischen den Beiden. Aus Anlass der Preisverleihung erinnerte sich der Geehrte in seiner Ansprache an ein Gespräch, das er fast genau ein halbes Jahrhundert zuvor, am 13. Juli 1943, mit dem Hamburger gehabt hatte. Nach Jüngers Erinnerung saßen sie damals zusammen in Paris, in einem Garten der Rue du Faubourg Saint-Honoré. »Es war schon dunkel; wir besprachen die Zeitläufe. Die Niederlage begann sich abzuzeichnen – wenngleich nicht so katastrophal, wie sie sich dann einstellte. Die größten Schrecken waren noch kaum bekannt. Es konnte sich also nur um eine Lagebeurteilung handeln, die sich nicht an den Willen richtete, sondern an die Anschauung. Wir kamen überein: ‚Europa oder das Chaos’ müsse das Motto der Zukunft sein.« Dann erwähnte Jünger seine kleine Schrift »Der Friede«, zu der ihn Toepfer ermuntert hatte und die nach Ende des Zweiten Weltkrieges einen geistigen Neuanfang in Europa unterstützen sollte. Wer war dieser Alfred Toepfer? Er ist eigentlich nur zwei Gruppen nicht unbekannt: Den Anhängern Ernst Jüngers und den Kennern der jüngeren Geschichte Hamburgs. Alfred Toepfer, der Hamburger Unternehmer und Mäzen, der soviel für seine Stadt getan hat, ist genaugenommen gar kein Hamburger. Jan Zimmermann weist in seiner Biographie darauf hin, dass 1894, als Toepfer geboren wurde, der Geburtsort Altona noch zu Preußen gehörte. Von seinem Vater hatte er Fleiß, Zuverlässigkeit und das Niemals-Aufgeben geerbt. Carl Toepfer war Matrose und legte dann das Examen zum Steuermann mit Auszeichnung ab. Eine Farbenblindheit beendete seine Laufbahn als Seemann abrupt. Er begann komplett von vorn: Ging als Bote zu Steinway & Sons. Binnen sieben Jahren stieg der Vater von ganz unten zum Betriebsleiter auf. Diesen Ehrgeiz hatte auch Alfred Toepfer. In seiner Freizeit holte er die Mittlere Reife nach, las deutsche Klassiker und lernte Fremdsprachen. Er war Mitglied des Wandervogels und als Freiwilliger von 1914 bis 1918 im Ersten Weltkrieg. Kurze Zeit darauf gründete er in Hamburg seine erste Firma. Die Handelsfirma für Getreide und Futtermittel wurde schnell eine der größten in der Branche. 1931 gründete er die Stiftung F.V.S. und begann damit, sich als großzügiger Förderer von Kunst und gesellschaftspolitischen Anliegen zu engagieren. War es anfänglich das damals sogenannte Volkstum, so schrieb er später den europäischen Einigungsgedanken auf seine Fahnen. Nach 1945 wurde er von der britischen Besatzungsmacht insgesamt vier Jahre in verschiedenen Internierungslagern gefangen gehalten. Die Engländer interessierten sich für seine Tätigkeit bei der geheimdienstlichen Abwehr für das Dritte Reich. Aber auch nach dieser für ihn harten Zeit ging er wieder voller Optimismus und Arbeitsdrang ans Werk. Und das hieß: Aufbau des Unternehmens und Ausbau einer umfassenden Stiftungstätigkeit. Seine Rolle während der Nazizeit ist nicht ganz geklärt. Jedenfalls war er kein Nazi, immerhin hatte er regen Kontakt zu Ernst Jünger, Hans Speidel und anderen mittelbar am Widerstand Beteiligten oder Informierten. Und er sprach Jünger wohl immer wieder zur Fertigstellung der Friedensschrift zu. Als eigenständiger Broschüren-Druck ist dieser erstmalig von der Stiftung F.V.S. veröffentlicht worden. Jan Zimmermanns Biographie zeichnet den Lebensweg dieser beeindruckenden Hamburger Unternehmerpersönlichkeit anschaulich nach. Hervorzuheben ist das Verdienst der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, diese und eine ganze Reihe weiterer Biographien über Vorbilder in bürgerlichem Engagement für die Hafenstadt initiiert und herausgegeben zu haben. Auch ist die Wahl des Ellert & Richter Verlags als Publikator geglückt, hat der sich doch mit seinen Hamburgensien als erste Adresse für liebevoll gestaltete Bücher über die Hafenstadt ausgewiesen. In seinem fulminanten Nachwort fordert Altkanzler Helmut Schmidt, Mitglied des Kuratoriums der ZEIT-Stiftung, die Stadt Hamburg dazu auf, sich heute nicht einfach ihrem Wohlstand hinzugeben: »Denn in selbstgenügsamer Behaglichkeit könnte sie zum Spießertum herabsinken.«

Ernst Jünger hielt am 23. März 1993 eine Rede, in deren Begrüßung er eine einzige Person namentlich ansprach: Alfred Toepfer. Es war Jüngers Dankesrede für die Verleihung des Robert-Schumann-Preises der Stiftung F.V.S. von Toepfer.

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Zu diesem Zeitpunkt lag bereits eine lange Freundschaft zwischen den Beiden. Aus Anlass der Preisverleihung erinnerte sich der Geehrte in seiner Ansprache an ein Gespräch, das er fast genau ein halbes Jahrhundert zuvor, am 13. Juli 1943, mit dem Hamburger gehabt hatte. Nach Jüngers Erinnerung saßen sie damals zusammen in Paris, in einem Garten der Rue du Faubourg Saint-Honoré. »Es war schon dunkel; wir besprachen die Zeitläufe. Die Niederlage begann sich abzuzeichnen – wenngleich nicht so katastrophal, wie sie sich dann einstellte. Die größten Schrecken waren noch kaum bekannt. Es konnte sich also nur um eine Lagebeurteilung handeln, die sich nicht an den Willen richtete, sondern an die Anschauung. Wir kamen überein: ‚Europa oder das Chaos’ müsse das Motto der Zukunft sein.« Dann erwähnte Jünger seine kleine Schrift »Der Friede«, zu der ihn Toepfer ermuntert hatte und die nach Ende des Zweiten Weltkrieges einen geistigen Neuanfang in Europa unterstützen sollte.

Wer war dieser Alfred Toepfer? Er ist eigentlich nur zwei Gruppen nicht unbekannt: Den Anhängern Ernst Jüngers und den Kennern der jüngeren Geschichte Hamburgs.

Alfred Toepfer, der Hamburger Unternehmer und Mäzen, der soviel für seine Stadt getan hat, ist genaugenommen gar kein Hamburger. Jan Zimmermann weist in seiner Biographie darauf hin, dass 1894, als Toepfer geboren wurde, der Geburtsort Altona noch zu Preußen gehörte. Von seinem Vater hatte er Fleiß, Zuverlässigkeit und das Niemals-Aufgeben geerbt. Carl Toepfer war Matrose und legte dann das Examen zum Steuermann mit Auszeichnung ab. Eine Farbenblindheit beendete seine Laufbahn als Seemann abrupt. Er begann komplett von vorn: Ging als Bote zu Steinway & Sons. Binnen sieben Jahren stieg der Vater von ganz unten zum Betriebsleiter auf.

Diesen Ehrgeiz hatte auch Alfred Toepfer. In seiner Freizeit holte er die Mittlere Reife nach, las deutsche Klassiker und lernte Fremdsprachen. Er war Mitglied des Wandervogels und als Freiwilliger von 1914 bis 1918 im Ersten Weltkrieg. Kurze Zeit darauf gründete er in Hamburg seine erste Firma. Die Handelsfirma für Getreide und Futtermittel wurde schnell eine der größten in der Branche. 1931 gründete er die Stiftung F.V.S. und begann damit, sich als großzügiger Förderer von Kunst und gesellschaftspolitischen Anliegen zu engagieren. War es anfänglich das damals sogenannte Volkstum, so schrieb er später den europäischen Einigungsgedanken auf seine Fahnen. Nach 1945 wurde er von der britischen Besatzungsmacht insgesamt vier Jahre in verschiedenen Internierungslagern gefangen gehalten. Die Engländer interessierten sich für seine Tätigkeit bei der geheimdienstlichen Abwehr für das Dritte Reich. Aber auch nach dieser für ihn harten Zeit ging er wieder voller Optimismus und Arbeitsdrang ans Werk. Und das hieß: Aufbau des Unternehmens und Ausbau einer umfassenden Stiftungstätigkeit. Seine Rolle während der Nazizeit ist nicht ganz geklärt. Jedenfalls war er kein Nazi, immerhin hatte er regen Kontakt zu Ernst Jünger, Hans Speidel und anderen mittelbar am Widerstand Beteiligten oder Informierten. Und er sprach Jünger wohl immer wieder zur Fertigstellung der Friedensschrift zu. Als eigenständiger Broschüren-Druck ist dieser erstmalig von der Stiftung F.V.S. veröffentlicht worden.

Jan Zimmermanns Biographie zeichnet den Lebensweg dieser beeindruckenden Hamburger Unternehmerpersönlichkeit anschaulich nach. Hervorzuheben ist das Verdienst der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, diese und eine ganze Reihe weiterer Biographien über Vorbilder in bürgerlichem Engagement für die Hafenstadt initiiert und herausgegeben zu haben. Auch ist die Wahl des Ellert & Richter Verlags als Publikator geglückt, hat der sich doch mit seinen Hamburgensien als erste Adresse für liebevoll gestaltete Bücher über die Hafenstadt ausgewiesen.

In seinem fulminanten Nachwort fordert Altkanzler Helmut Schmidt, Mitglied des Kuratoriums der ZEIT-Stiftung, die Stadt Hamburg dazu auf, sich heute nicht einfach ihrem Wohlstand hinzugeben: »Denn in selbstgenügsamer Behaglichkeit könnte sie zum Spießertum herabsinken.«

geschrieben am 06.08.2008 | 621 Wörter | 3775 Zeichen

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