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Geben und nehmen – Die Autobiografie.


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Rezension von

Gérard Bökenkamp

Geben und nehmen – Die Autobiografie. Die Erinnerungen Klaus Zwickels vermittelt einen interessanten Einblick in die Aufstiegsmöglichkeiten, die die Gewerkschaft einem jungen, nicht studierten, aber ambitionierten und intelligenten Funktionär bot. Er räumt ein "ganz freiwillig war es nicht", dass er als Lehrling der Firma Schneider der Gewerkschaft beitrat. Der Leser gewinnt den Eindruck einer in sich doch sehr abgeschlossenen und eigentlich sehr konservativen Welt, in der Loyalität und ein gewisses Maß von persönlicher Opferbereitschaft absolute Voraussetzungen sind, um in ihr akzeptiert zu werden. Der Kontrast zwischen dem kleinbürgerlichen schwäbischen Arbeits- und Familienethos, das in der gesamten Biographie zu greifen ist, und den ideologischen Forderungen nach möglichst kurzen Arbeitszeiten und Emanzipation birgt eine gewisse unfreiwillige Ironie. Zwickel wurde als Nachfolge des durch Insidergeschäfte diskreditierten Franz Steinkühler schließlich Vorsitzender der IG-Metall. Insgesamt vermittelt Zwickel das Bild eines Mannes, der auf höhere Positionen eher berufen wurde, als sie aktiv anstrebte. Die zwei für den Zeithistoriker wichtigsten Abschnitte sind seine Rolle im Aufbau Ost und das "Bündnis für Arbeit." Leider sind beide Kapitel relativ knapp und weisen in der Darstellung "weiße Flecken" auf. Als zweiter Vorsitzender der IG-Metall war Zwickel vorrangig mit dem Aufbau Ost beschäftigt. Auf die gesamte Problematik der rasanten Anpassung der Ost-Löhne an Westniveau, die ganz wesentlich dazu beitrug, Ostdeutschland dauerhaft zu einem Subventionsgebiet zu machen, geht Zwickel nicht ein. Dass Zwickel die Vorwürfe von Sachverständigenrat, Bundesbank und Wirtschaftswissenschaftlern sicher zurückweisen würde, ist sein gutes Recht, aber er hätte wenigstens dazu Stellung beziehen müssen. Auf dem Gewerkschaftstag in Berlin rief Zwickel 1995 das "Bündnis für Arbeit" aus, das mit seinem Namen verbunden bleiben wird und Lohnverzicht gegen die Schaffung zusätzlicher Arbeitskräfte anbot. Damit war Zwickel ein Clou gelungen, mit dem er die Gewerkschaften wieder ins Gespräch brachte. Dass dieses Kapitel kürzer ausgefallen ist als andere, zeithistorisch weniger wichtige Abschnitte zeigt, dass hier eine Chance vertan worden ist, eine zeithistorisch bedeutsame Quelle zur Bewertung des arbeitsmarktpolitisch dramatischen Zeitabschnitts nach der Wiedervereinigung aus der Perspektive eines der Hauptakteure zu schaffen. Eine möglichst dichte Beschreibung der Ereignisse, Begegnungen und Erlebnisse wäre wünschenswert gewesen, aber dafür fehlte dem Autor vielleicht noch der Mut.

Die Erinnerungen Klaus Zwickels vermittelt einen interessanten Einblick in die Aufstiegsmöglichkeiten, die die Gewerkschaft einem jungen, nicht studierten, aber ambitionierten und intelligenten Funktionär bot. Er räumt ein "ganz freiwillig war es nicht", dass er als Lehrling der Firma Schneider der Gewerkschaft beitrat. Der Leser gewinnt den Eindruck einer in sich doch sehr abgeschlossenen und eigentlich sehr konservativen Welt, in der Loyalität und ein gewisses Maß von persönlicher Opferbereitschaft absolute Voraussetzungen sind, um in ihr akzeptiert zu werden.

Der Kontrast zwischen dem kleinbürgerlichen schwäbischen Arbeits- und Familienethos, das in der gesamten Biographie zu greifen ist, und den ideologischen Forderungen nach möglichst kurzen Arbeitszeiten und Emanzipation birgt eine gewisse unfreiwillige Ironie. Zwickel wurde als Nachfolge des durch Insidergeschäfte diskreditierten Franz Steinkühler schließlich Vorsitzender der IG-Metall. Insgesamt vermittelt Zwickel das Bild eines Mannes, der auf höhere Positionen eher berufen wurde, als sie aktiv anstrebte.

Die zwei für den Zeithistoriker wichtigsten Abschnitte sind seine Rolle im Aufbau Ost und das "Bündnis für Arbeit." Leider sind beide Kapitel relativ knapp und weisen in der Darstellung "weiße Flecken" auf. Als zweiter Vorsitzender der IG-Metall war Zwickel vorrangig mit dem Aufbau Ost beschäftigt. Auf die gesamte Problematik der rasanten Anpassung der Ost-Löhne an Westniveau, die ganz wesentlich dazu beitrug, Ostdeutschland dauerhaft zu einem Subventionsgebiet zu machen, geht Zwickel nicht ein. Dass Zwickel die Vorwürfe von Sachverständigenrat, Bundesbank und Wirtschaftswissenschaftlern sicher zurückweisen würde, ist sein gutes Recht, aber er hätte wenigstens dazu Stellung beziehen müssen. Auf dem Gewerkschaftstag in Berlin rief Zwickel 1995 das "Bündnis für Arbeit" aus, das mit seinem Namen verbunden bleiben wird und Lohnverzicht gegen die Schaffung zusätzlicher Arbeitskräfte anbot. Damit war Zwickel ein Clou gelungen, mit dem er die Gewerkschaften wieder ins Gespräch brachte. Dass dieses Kapitel kürzer ausgefallen ist als andere, zeithistorisch weniger wichtige Abschnitte zeigt, dass hier eine Chance vertan worden ist, eine zeithistorisch bedeutsame Quelle zur Bewertung des arbeitsmarktpolitisch dramatischen Zeitabschnitts nach der Wiedervereinigung aus der Perspektive eines der Hauptakteure zu schaffen. Eine möglichst dichte Beschreibung der Ereignisse, Begegnungen und Erlebnisse wäre wünschenswert gewesen, aber dafür fehlte dem Autor vielleicht noch der Mut.

geschrieben am 30.07.2006 | 342 Wörter | 2262 Zeichen

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