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Kneedeep in the Dead


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Informationen zum Buch
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  Extras

Rezension von

Frank Drehmel

Kneedeep in the Dead “Knee-Deep in the Dead” basiert auf id-Softwares klassischem PC-Ego-Shooter “Doom”, welcher Mitte der 90er Jahre nicht nur bei der “Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften” für Aufsehen sorgte. Nach gut 10 Jahre liegt der 1995 erschienene Roman nun endlich auch in deutscher Übersetzung vor. Marine Corporal Flynn “Fly” Taggert hat die Arschkarte gezogen. Auf Grund eines insubordinativen Verhaltens -tätlicher Angriff auf einen Vorgesetzten- spendiert man ihm eine hübsche Zelle auf einem der kleinen Marsmonde, auf Phobos, während der Rest seines alten Teams den Auftrag hat, den merkwürdigen Funksprüchen und dem anschließenden Schweigen des Phobos-Stationspersonals nachzugehen. Das dumpfe Brüten in der Zelle und die Spielchen mit seinen leicht beschränkten Wächtern haben ein Ende als beängstigende Geräusche aus den Funkgeräten der beiden Wachen tönen und klar wird, dass sich etwas Böses in der Station breit gemacht hat. Kaum hat sich Fly aus seiner Zelle befreit und eine kleine Pistole beschafft, taumeln ihm die ersten Zombies -formerly known as “Stationspersonal und alte Kameraden”- entgegen. Dann tauchen die größeren “Dämonen” auf. Kurz bevor er vollends seinen Verstand verliert entdeckt er an Wänden und Türen das Zeichen “A.S.” mit darunter gekritzelten Richtungspfeilen. Sollte Arlene Sanders, sein ehemaliger One-Night-Stand, die toughe Kampfgefährtin vergangener Tage tatsächlich noch leben? Er beschließt, den Hinweisen zu folgen, und gerät metzelnd und meuchelnd immer tiefer in ein bizarres Labyrinth aus Gängen, Geheimtüren und Räumen. Je weiter er eindringt, desto mächtiger und zahlreicher werden die Monster, was jedoch glücklicherweise auch für Taggerts Waffen gilt -eine Pumpgun hier, ein Raketenwerfer da und der Tag ist gerettet. Plötzlich -einem Transporter sei Dank- befindet er sich nicht mehr auf Phobos, sondern auf dem Schwestermond Daimos, welcher sich allerdings nicht mehr im Marsorbit befindet. Und langsam dämmert ihm, dass hinter dem Überfall auf die Station ein perfider Verstand stecken muss und dass er selbst wahrscheinlich nicht mehr als die sprichwörtliche Ratte im Labyrinth darstellt ... und dann trifft er A.S.. “Knee-Deep in the Dead”! Kann ein Buch mit solchem Titel gut sein? Ja, es kann! Auf der stilistischen Ebene und vom Erzähltempo her erinnert es mich stark an Marcel Prousts “A la recherche du temps perdu”, während die Geschichte um Liebe und Tod eine Magie ausstrahlt, wie ich sie bisher nur in Thomas Manns “Der Zauberberg” gefunden habe ... und nun genug der Scherze. Das Buch ist kompromisslos schnell, trieft von Zynismus, ironischen Seitenhieben und sarkastischen Einwürfen. Nicht wohlkonstruierte Satzzusammenhänge oder eine originelle Handlung, sondern ein lebendiger, schnodderiger Tonfall, der sich unter anderem in der ausgiebigen Verwendung von Klammereinschüben äußert, sind das herausragende Merkmal einer Geschichte, die nicht immer logisch ist, bei der man aber merkt, dass sich die Autoren bemüht haben (mit Erfolg), einem platten, sinnfreien Ballerspiel etwas Tiefe zu verleihen, ohne dabei sich oder das Genre sonderlich ernst zu nehmen. Überraschend vielschichtig erweist sich die Figur des Flynn “Fly” Taggert, die Identifikationsfigur und das Alter Ego des Lesers. In kurzen Momenten der Kontemplation lässt er Episoden seinen Lebens Revue passieren und erhält dadurch eine Vergangenheit und -vor allem- plausible Motive für das Zerstückeln fieser Monster. Die zweite Figur -Arlene “Arne Saknussem” Sanders- bleibt demgegenüber blass. Zum einen dient sie lediglich als Katalysator für Flys Heldentaten, gibt seinem Handeln eine Richtung, zum anderen fungiert sie in der zweiten Hälfte des Buches als Kommunikationspartner, um so eine Monotonie des autistischen Vor-sich-hin-Metzelns durch unterhaltsame Dialoge zu vermeiden. Eine weitere Stärke des Romans liegt in der Darstellung der ursprünglichen Spielsituationen. Hier beweisen Dafydd ab Hugh und Brad Linweaver in der Beschreibung der Umgebung und der Monstrositäten soviel Spielnähe, dass jedem Doom-Fan ein warmer Schauer des Wiedererkennens über den Rücken laufen dürfte, selbst wenn er das Spiel schon vor zehn Jahren in das Dunkel seines Disketten-Archivs verbannte. Fazit: Ein Roman für alle Fans des kultigen Ego-Shooters von id-Software -sofern sie denn in der Lage sind, längere und zusammenhängende Texte zu lesen- und jeden Bücherwurm, der auf zynisch-coole Sprüche steht und nicht allzu viel Wert auf eine originelle Handlung legt. Prädikat: Besonders Alienverachtend.

“Knee-Deep in the Dead” basiert auf id-Softwares klassischem PC-Ego-Shooter “Doom”, welcher Mitte der 90er Jahre nicht nur bei der “Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften” für Aufsehen sorgte. Nach gut 10 Jahre liegt der 1995 erschienene Roman nun endlich auch in deutscher Übersetzung vor.

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Marine Corporal Flynn “Fly” Taggert hat die Arschkarte gezogen. Auf Grund eines insubordinativen Verhaltens -tätlicher Angriff auf einen Vorgesetzten- spendiert man ihm eine hübsche Zelle auf einem der kleinen Marsmonde, auf Phobos, während der Rest seines alten Teams den Auftrag hat, den merkwürdigen Funksprüchen und dem anschließenden Schweigen des Phobos-Stationspersonals nachzugehen.

Das dumpfe Brüten in der Zelle und die Spielchen mit seinen leicht beschränkten Wächtern haben ein Ende als beängstigende Geräusche aus den Funkgeräten der beiden Wachen tönen und klar wird, dass sich etwas Böses in der Station breit gemacht hat.

Kaum hat sich Fly aus seiner Zelle befreit und eine kleine Pistole beschafft, taumeln ihm die ersten Zombies -formerly known as “Stationspersonal und alte Kameraden”- entgegen. Dann tauchen die größeren “Dämonen” auf. Kurz bevor er vollends seinen Verstand verliert entdeckt er an Wänden und Türen das Zeichen “A.S.” mit darunter gekritzelten Richtungspfeilen. Sollte Arlene Sanders, sein ehemaliger One-Night-Stand, die toughe Kampfgefährtin vergangener Tage tatsächlich noch leben?

Er beschließt, den Hinweisen zu folgen, und gerät metzelnd und meuchelnd immer tiefer in ein bizarres Labyrinth aus Gängen, Geheimtüren und Räumen. Je weiter er eindringt, desto mächtiger und zahlreicher werden die Monster, was jedoch glücklicherweise auch für Taggerts Waffen gilt -eine Pumpgun hier, ein Raketenwerfer da und der Tag ist gerettet. Plötzlich -einem Transporter sei Dank- befindet er sich nicht mehr auf Phobos, sondern auf dem Schwestermond Daimos, welcher sich allerdings nicht mehr im Marsorbit befindet. Und langsam dämmert ihm, dass hinter dem Überfall auf die Station ein perfider Verstand stecken muss und dass er selbst wahrscheinlich nicht mehr als die sprichwörtliche Ratte im Labyrinth darstellt ... und dann trifft er A.S..

“Knee-Deep in the Dead”! Kann ein Buch mit solchem Titel gut sein? Ja, es kann!

Auf der stilistischen Ebene und vom Erzähltempo her erinnert es mich stark an Marcel Prousts “A la recherche du temps perdu”, während die Geschichte um Liebe und Tod eine Magie ausstrahlt, wie ich sie bisher nur in Thomas Manns “Der Zauberberg” gefunden habe ... und nun genug der Scherze.

Das Buch ist kompromisslos schnell, trieft von Zynismus, ironischen Seitenhieben und sarkastischen Einwürfen. Nicht wohlkonstruierte Satzzusammenhänge oder eine originelle Handlung, sondern ein lebendiger, schnodderiger Tonfall, der sich unter anderem in der ausgiebigen Verwendung von Klammereinschüben äußert, sind das herausragende Merkmal einer Geschichte, die nicht immer logisch ist, bei der man aber merkt, dass sich die Autoren bemüht haben (mit Erfolg), einem platten, sinnfreien Ballerspiel etwas Tiefe zu verleihen, ohne dabei sich oder das Genre sonderlich ernst zu nehmen.

Überraschend vielschichtig erweist sich die Figur des Flynn “Fly” Taggert, die Identifikationsfigur und das Alter Ego des Lesers. In kurzen Momenten der Kontemplation lässt er Episoden seinen Lebens Revue passieren und erhält dadurch eine Vergangenheit und -vor allem- plausible Motive für das Zerstückeln fieser Monster.

Die zweite Figur -Arlene “Arne Saknussem” Sanders- bleibt demgegenüber blass. Zum einen dient sie lediglich als Katalysator für Flys Heldentaten, gibt seinem Handeln eine Richtung, zum anderen fungiert sie in der zweiten Hälfte des Buches als Kommunikationspartner, um so eine Monotonie des autistischen Vor-sich-hin-Metzelns durch unterhaltsame Dialoge zu vermeiden.

Eine weitere Stärke des Romans liegt in der Darstellung der ursprünglichen Spielsituationen. Hier beweisen Dafydd ab Hugh und Brad Linweaver in der Beschreibung der Umgebung und der Monstrositäten soviel Spielnähe, dass jedem Doom-Fan ein warmer Schauer des Wiedererkennens über den Rücken laufen dürfte, selbst wenn er das Spiel schon vor zehn Jahren in das Dunkel seines Disketten-Archivs verbannte.

Fazit: Ein Roman für alle Fans des kultigen Ego-Shooters von id-Software -sofern sie denn in der Lage sind, längere und zusammenhängende Texte zu lesen- und jeden Bücherwurm, der auf zynisch-coole Sprüche steht und nicht allzu viel Wert auf eine originelle Handlung legt. Prädikat: Besonders Alienverachtend.

geschrieben am 24.04.2005 | 649 Wörter | 3881 Zeichen

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