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Die Wahrheit über Frankie


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Rezension von

Julia Göpfert

Die Wahrheit über Frankie Wahrheiten und menschliche Abgründe „Ich schwor und so erfuhr ich die Wahrheit über Frankie.“ „Ich will, dass die Leute die Wahrheit hören, die Wahrheit über Frankie.“ „Ich sage Ihnen die Wahrheit über Frankie. Das ist es doch, was Sie hören wollen, nicht wahr?“ Die Wahrheit über Frankie, die ist nicht so leicht zu greifen. Frankie, der drei Studenten zehn Jahre lang glauben macht, dass er ein Geheimagent ist. Und nicht nur das, er bringt Christoph, Judith und Emma dazu mit ihm zusammenzuarbeiten und in den Untergrund zu gehen. Christoph und Judith sind eigentlich ein Liebespaar und Emma Judiths beste Freundin. Doch obwohl diese Beziehungen schon länger bestehen als die Bekanntschaft mit Frankie, beginnen sie zu bröckeln als er auftaucht und werden schließlich unbedeutend und verkehren sich teilweise in ihr Gegenteil. Das Glück im Dienste und in der Gunst Frankies zu stehen rückt für die drei in den Mittelpunkt ihres Lebens, wird schließlich sogar ihr Lebenssinn. Eigentlich klingt die Geschichte absurd. Unglaubwürdig. Grotesk. Welcher gebildete und damit kritisch denkende Mensch, wie es die drei als Studenten ja sind, würde denn das Märchen vom Geheimagenten glauben? Doch im Lichte der Nine/Eleven-Zelle in Hamburg und der Litwinenko-Polonium-Spur in Ottensen erscheint es den Protagonisten glaubwürdig und dem Leser zumindest nachvollziehbar. Und das nicht nur in diesem Roman. Denn diese Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit. Allerdings spielte sie nicht in Hamburg, wie im Roman, sondern in Großbritannien. Dort spielte Robert Freegard mehreren Personen über zehn Jahre hinweg vor, ein Geheimagent des MI5 zu sein. Doch wie ist so etwas möglich? Was ist der Anreiz für ein Leben im Untergrund und somit für ein Leben unter teilweise erbärmlichen Bedingungen? Zumindest Christopher und Emma scheinen sich für diesen Weg völlig freiwillig zu entscheiden. Sie geben ihr komplettes früheres Leben mit Studium, Familie und Freunden für ein fragwürdiges Abenteuer auf. „Was hätte es gegeben, das ich hätte verlieren können, Leben wie meines sind vorhersehbar und lassen sich durchdeklinieren selbst von unbeteiligten Beobachtern. Natürlich glaubte ich ihm nicht. Aber ich entschied mich ihm zu glauben. Eine bessere Option hat man mir nie geboten. Eine andere Option habe ich niemals gehabt. Wie könnte ich ablehnen.“ So begründet Christopher seine Entscheidung. Und Frankie gelingt es all die Jahre lang, ihnen das Gefühl zu geben, etwas Besonders zu sein. Durch Liebe. Zuwendung. Gewalt. Druck. Entzug. Schmeicheleien. So gut, dass bald alle drei von ihm abhängig sind, ihn verehren, um seine Gunst streiten. Bis alles auffliegt. Tina Uebel schafft es, eindrucksvoll zu zeigen, warum so etwas wie der Fall Robert Freegard überhaupt möglich ist. Durch die verschiedenen Sichtweisen auf Frankie und die daraus resultierenden Wahrheiten eröffnen sich dem Leser die Gründe, die - neben Frankies Charisma- die drei dazu brachten all die Lügen zu glauben: Die Sehnsucht etwas Höheres, Anderes, Besseres zu sein, irgendwo dazu zugehören können, einen Sinn im Leben zu haben, Arroganz, Hass und Neid auf andere, um nur einige zu nennen. Und Tina Uebel hat daraus ein brilliantes und beeindruckendes Buch gemacht. Ihr Einblick in die menschliche Psyche ist bewegend, faszinierend und schauderhaft. Denn es wird deutlich, dass in uns allen heimlich Anlagen schlummern, die uns dazu bringen können, die ergebenen Marionetten von irgendjemandem zu werden. Anlagen, die uns dazu verführen, unser so hochgeschätztes, kritisches Denken bereitwillig auszuschalten und stattdessen jemandem blind zu folgen. Und die Wahrheit? Die Wahrheit über Frankie? Die gibt es nicht. Nur die drei Studenten reden abwechselnd über ihre Erlebnisse mit Frankie. Oder besser gesagt über ihre Versionen der Erlebnisse. Frankie hingegen äußert sich niemals selbst zu den Ereignissen. Und selbst, wenn er es täte, würde er denn die Wahrheit sagen? Die absolute Wahrheit wird man vergeblich suchen, zumindest in diesem Buch. Man findet nur drei verschiedene Wahrheitsversionen, die sich nicht decken und die teilweise sogar erheblich voneinander abweichen. Die Wahrheit liegt im Auge ihres jeweiligen Betrachters und nur dort. Dadurch bleiben viele Fragen ungeklärt. Auch die, ob Frankie wirklich ein Geheimagent ist. Zumindest Emma ist von ihrem Glauben daran nicht mehr abzubringen. Die Suche nach der Wahrheit über Frankie, sie führt zu keinem Ergebnis. „[A]ber ich sage Ihnen, wir haben ihn geliebt. Und das ist die Wahrheit, die Wahrheit über Frankie. Na, enttäuscht?“ Oder vielleicht neugierig geworden?

Wahrheiten und menschliche Abgründe

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„Ich schwor und so erfuhr ich die Wahrheit über Frankie.“ „Ich will, dass die Leute die Wahrheit hören, die Wahrheit über Frankie.“ „Ich sage Ihnen die Wahrheit über Frankie. Das ist es doch, was Sie hören wollen, nicht wahr?“

Die Wahrheit über Frankie, die ist nicht so leicht zu greifen. Frankie, der drei Studenten zehn Jahre lang glauben macht, dass er ein Geheimagent ist. Und nicht nur das, er bringt Christoph, Judith und Emma dazu mit ihm zusammenzuarbeiten und in den Untergrund zu gehen. Christoph und Judith sind eigentlich ein Liebespaar und Emma Judiths beste Freundin. Doch obwohl diese Beziehungen schon länger bestehen als die Bekanntschaft mit Frankie, beginnen sie zu bröckeln als er auftaucht und werden schließlich unbedeutend und verkehren sich teilweise in ihr Gegenteil. Das Glück im Dienste und in der Gunst Frankies zu stehen rückt für die drei in den Mittelpunkt ihres Lebens, wird schließlich sogar ihr Lebenssinn.

Eigentlich klingt die Geschichte absurd. Unglaubwürdig. Grotesk. Welcher gebildete und damit kritisch denkende Mensch, wie es die drei als Studenten ja sind, würde denn das Märchen vom Geheimagenten glauben? Doch im Lichte der Nine/Eleven-Zelle in Hamburg und der Litwinenko-Polonium-Spur in Ottensen erscheint es den Protagonisten glaubwürdig und dem Leser zumindest nachvollziehbar. Und das nicht nur in diesem Roman. Denn diese Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit. Allerdings spielte sie nicht in Hamburg, wie im Roman, sondern in Großbritannien. Dort spielte Robert Freegard mehreren Personen über zehn Jahre hinweg vor, ein Geheimagent des MI5 zu sein.

Doch wie ist so etwas möglich? Was ist der Anreiz für ein Leben im Untergrund und somit für ein Leben unter teilweise erbärmlichen Bedingungen? Zumindest Christopher und Emma scheinen sich für diesen Weg völlig freiwillig zu entscheiden. Sie geben ihr komplettes früheres Leben mit Studium, Familie und Freunden für ein fragwürdiges Abenteuer auf. „Was hätte es gegeben, das ich hätte verlieren können, Leben wie meines sind vorhersehbar und lassen sich durchdeklinieren selbst von unbeteiligten Beobachtern. Natürlich glaubte ich ihm nicht. Aber ich entschied mich ihm zu glauben. Eine bessere Option hat man mir nie geboten. Eine andere Option habe ich niemals gehabt. Wie könnte ich ablehnen.“ So begründet Christopher seine Entscheidung.

Und Frankie gelingt es all die Jahre lang, ihnen das Gefühl zu geben, etwas Besonders zu sein. Durch Liebe. Zuwendung. Gewalt. Druck. Entzug. Schmeicheleien. So gut, dass bald alle drei von ihm abhängig sind, ihn verehren, um seine Gunst streiten. Bis alles auffliegt.

Tina Uebel schafft es, eindrucksvoll zu zeigen, warum so etwas wie der Fall Robert Freegard überhaupt möglich ist. Durch die verschiedenen Sichtweisen auf Frankie und die daraus resultierenden Wahrheiten eröffnen sich dem Leser die Gründe, die - neben Frankies Charisma- die drei dazu brachten all die Lügen zu glauben: Die Sehnsucht etwas Höheres, Anderes, Besseres zu sein, irgendwo dazu zugehören können, einen Sinn im Leben zu haben, Arroganz, Hass und Neid auf andere, um nur einige zu nennen.

Und Tina Uebel hat daraus ein brilliantes und beeindruckendes Buch gemacht. Ihr Einblick in die menschliche Psyche ist bewegend, faszinierend und schauderhaft. Denn es wird deutlich, dass in uns allen heimlich Anlagen schlummern, die uns dazu bringen können, die ergebenen Marionetten von irgendjemandem zu werden. Anlagen, die uns dazu verführen, unser so hochgeschätztes, kritisches Denken bereitwillig auszuschalten und stattdessen jemandem blind zu folgen.

Und die Wahrheit? Die Wahrheit über Frankie? Die gibt es nicht. Nur die drei Studenten reden abwechselnd über ihre Erlebnisse mit Frankie. Oder besser gesagt über ihre Versionen der Erlebnisse. Frankie hingegen äußert sich niemals selbst zu den Ereignissen. Und selbst, wenn er es täte, würde er denn die Wahrheit sagen?

Die absolute Wahrheit wird man vergeblich suchen, zumindest in diesem Buch. Man findet nur drei verschiedene Wahrheitsversionen, die sich nicht decken und die teilweise sogar erheblich voneinander abweichen. Die Wahrheit liegt im Auge ihres jeweiligen Betrachters und nur dort. Dadurch bleiben viele Fragen ungeklärt. Auch die, ob Frankie wirklich ein Geheimagent ist. Zumindest Emma ist von ihrem Glauben daran nicht mehr abzubringen. Die Suche nach der Wahrheit über Frankie, sie führt zu keinem Ergebnis.

„[A]ber ich sage Ihnen, wir haben ihn geliebt. Und das ist die Wahrheit, die Wahrheit über Frankie. Na, enttäuscht?“

Oder vielleicht neugierig geworden?

geschrieben am 12.09.2009 | 692 Wörter | 3988 Zeichen

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