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Die Ära der Fehlentscheidungen


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Rezension von

Gérard Bökenkamp

Die Ära der Fehlentscheidungen Das interessanteste am Buch sind die autobiographischen Skizzen und die Darlegung von Soros philosophischem Weltbild. Zentral für Soros Verständnis von der Welt sind die Ideen von Karl Popper, der an der London School of Economics sein Tutor war. Popper glaubte, dass wissenschaftliche Hypothesen nicht bestätigt sondern nur falsifiziert werden können. Diese Sichtweise übertrug Soros auf die internationalen Finanzmärkte und entwickelte die Überzeugung, dass sich der Markt in einem Zustand permanenten Ungleichgewichts befinde. Mit diesem Ansatz erwarb Soros, der fast mittellos nach dem Zweiten Weltkrieg nach Großbritannien gekommen war, als Spekulant ein Milliardenvermögen. Soros hatte die Besetzung Ungarns durch die Nationalsozialisten nur überlebt, weil sein Vater der Familie frühzeitig eine andere Identität verschafft hatte, nach dem Krieg erlebt Soros die Errichtung der kommunistischen Herrschaft. Aus diesem biographischen Hintergrund wird verständlich, warum Soros sich besonders von Poppers Konzept der Offenen Gesellschaft angezogen fühlte und zu ihrer Unterstützung ein weltweites Netzwerk von Stiftungen finanziert. Soros schreibt, dass er nicht die Absicht habe, seine Memoiren zu schreiben. Aber genau das hätte er tun sollen. Die Erinnerungen dieses außergewöhnlichen Mannes hätten ausreichend Material geboten um ein spannendes Zeitdokument zu verfassen. So ist eine Mischung aus philosophischer Abhandlung, politischer Polemik, versehen mit biographischen Einschüben entstanden, die nicht wirklich überzeugen kann. Die Übertragung seiner Erkenntnisse von internationalen Finanzmärkten auf die Politik ist zwar originell, findet aber sehr schnell ihre Grenzen. Wie auf den Finanzmärkten sucht Soros nach großen Ungleichgewichten, was ihn zu fragwürden historischen Analogiebildungen verleitet. Er vergleicht die USA mit der Weimarer Republik, den 11. September mit dem Reichstagsbrand und die christlichen Fundamentalisten mit den Nationalsozialisten. Er begeht damit genau jene Dramatisierung, die er der Bush-Regierung in Bezug auf den "Krieg gegen den Terror" verwirft. Zwar relativiert er den Vergleich an späterer Stelle, aber der Eindruck bleibt, dass die Frustration über seine eigene Niederlage im letzten Präsidentschaftswahlkampf, in dem er den demokratischen Präsidentschaftskandidaten unterstützte, seinen Blick für unterschiedliche historische Realitäten trübt. Realistisch beurteilt er hingegen die gescheiterte Demokratisierungspolitik der Bush-Regierung im Nahen Osten. Gerade, dass der überzeugte Unterstützer von Demokratiebewegungen in aller Welt seine Skepsis zum Ausdruck bringt, zeigt, dass die simple Unterscheidung von Offenen und Geschlossenen Gesellschaften nicht ausreicht, um komplexen historischen Realitäten gerecht zu werden. Kritik an dem dilettantischen Vorgehen der Regierung Bush ist berechtigt, wurde allerdings in unzähligen anderen Publikationen schon sehr viel fundierter beschrieben. Soros Darlegungen zur Energiekrise und zum "Krieg gegen den Terror" bieten nicht viel Neues. Soros selbst gibt zu, auf das Ausmaß des Klimawandels selbst erst vor kurzem durch den Film von Al Gore aufmerksam geworden zu sein. Von einem Autor, der über ein internationales Netzwerk von Stiftungen und damit von Informationszuträgern verfügt, hätte man sich mehr erhofft. Auf der Buchpräsentation im Berliner Tempodrom äußerte sich Soros sehr viel differenzierter, klüger und informierter als in seinem Buch.

Das interessanteste am Buch sind die autobiographischen Skizzen und die Darlegung von Soros philosophischem Weltbild. Zentral für Soros Verständnis von der Welt sind die Ideen von Karl Popper, der an der London School of Economics sein Tutor war. Popper glaubte, dass wissenschaftliche Hypothesen nicht bestätigt sondern nur falsifiziert werden können. Diese Sichtweise übertrug Soros auf die internationalen Finanzmärkte und entwickelte die Überzeugung, dass sich der Markt in einem Zustand permanenten Ungleichgewichts befinde. Mit diesem Ansatz erwarb Soros, der fast mittellos nach dem Zweiten Weltkrieg nach Großbritannien gekommen war, als Spekulant ein Milliardenvermögen.

Soros hatte die Besetzung Ungarns durch die Nationalsozialisten nur überlebt, weil sein Vater der Familie frühzeitig eine andere Identität verschafft hatte, nach dem Krieg erlebt Soros die Errichtung der kommunistischen Herrschaft. Aus diesem biographischen Hintergrund wird verständlich, warum Soros sich besonders von Poppers Konzept der Offenen Gesellschaft angezogen fühlte und zu ihrer Unterstützung ein weltweites Netzwerk von Stiftungen finanziert. Soros schreibt, dass er nicht die Absicht habe, seine Memoiren zu schreiben. Aber genau das hätte er tun sollen. Die Erinnerungen dieses außergewöhnlichen Mannes hätten ausreichend Material geboten um ein spannendes Zeitdokument zu verfassen. So ist eine Mischung aus philosophischer Abhandlung, politischer Polemik, versehen mit biographischen Einschüben entstanden, die nicht wirklich überzeugen kann.

Die Übertragung seiner Erkenntnisse von internationalen Finanzmärkten auf die Politik ist zwar originell, findet aber sehr schnell ihre Grenzen. Wie auf den Finanzmärkten sucht Soros nach großen Ungleichgewichten, was ihn zu fragwürden historischen Analogiebildungen verleitet. Er vergleicht die USA mit der Weimarer Republik, den 11. September mit dem Reichstagsbrand und die christlichen Fundamentalisten mit den Nationalsozialisten. Er begeht damit genau jene Dramatisierung, die er der Bush-Regierung in Bezug auf den "Krieg gegen den Terror" verwirft. Zwar relativiert er den Vergleich an späterer Stelle, aber der Eindruck bleibt, dass die Frustration über seine eigene Niederlage im letzten Präsidentschaftswahlkampf, in dem er den demokratischen Präsidentschaftskandidaten unterstützte, seinen Blick für unterschiedliche historische Realitäten trübt. Realistisch beurteilt er hingegen die gescheiterte Demokratisierungspolitik der Bush-Regierung im Nahen Osten. Gerade, dass der überzeugte Unterstützer von Demokratiebewegungen in aller Welt seine Skepsis zum Ausdruck bringt, zeigt, dass die simple Unterscheidung von Offenen und Geschlossenen Gesellschaften nicht ausreicht, um komplexen historischen Realitäten gerecht zu werden.

Kritik an dem dilettantischen Vorgehen der Regierung Bush ist berechtigt, wurde allerdings in unzähligen anderen Publikationen schon sehr viel fundierter beschrieben. Soros Darlegungen zur Energiekrise und zum "Krieg gegen den Terror" bieten nicht viel Neues. Soros selbst gibt zu, auf das Ausmaß des Klimawandels selbst erst vor kurzem durch den Film von Al Gore aufmerksam geworden zu sein. Von einem Autor, der über ein internationales Netzwerk von Stiftungen und damit von Informationszuträgern verfügt, hätte man sich mehr erhofft. Auf der Buchpräsentation im Berliner Tempodrom äußerte sich Soros sehr viel differenzierter, klüger und informierter als in seinem Buch.

geschrieben am 03.12.2006 | 458 Wörter | 3044 Zeichen

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