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Return Man


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Informationen zum Buch
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Rezension von

Thomas Stumpf

Return Man Zombies sind derzeit schwer angesagt. Nachdem sie ĂŒber Jahre und gar Jahrzehnte nur einer eingefleischten, kleinen Gemeinde etwas hergaben und ein garstiges Schattendasein in Film und Literatur fĂŒhrten, hat man mittlerweile entdeckt, welch intensive und erwachsene Bandbreite das Zombie-Thema aufweist. Zombies haben so viel mehr an Gehalt und Inhalt zu bieten als Vampire und sonstige Untote, wurden aber aufgrund ihres Schmuddel-Images (in Bezug auf Optik und Verhalten) lange gemieden. Die Veröffentlichungen rund um die Zombies haben in den letzten Jahren jedoch einen richtigen Boom erlebt und haben den Mainstream lĂ€ngst erreicht. Den Liebhaber wird es freuen, wenn auch nicht jeder Output von entsprechender GĂŒte ist. „Return Man“ ist der Romanerstling von V.M. Zito, seines Zeichens Creative Director einer Werbeagentur. Heraufbeschworen wird darin die Apokalypse, welche in Form einer Zombie-Epidemie ĂŒber die Welt – genauer: die Vereinigten Staaten von Amerika - hereinbricht. Der Zombie-Roman als solcher spricht in der Regel grundsĂ€tzlich nur einen begrenzten Leserkreis an, nĂ€mlich ausgesprochene Genre-Fans. Es gibt eine ganze Reihe wirklich hervorragender Kurzgeschichten und Novellen namhafter Autoren zu diesem Themenkreis. Gute Romane finden sich dagegen eher selten. Auch Return Man gehört leider nicht zu den Gelungeneren seiner Gattung. Dabei ist das Zombie-Motiv so vielseitig und bietet reihenweise Interpretationsmöglichkeiten und DenkansĂ€tze, nur auf Romanebene scheint dies aus welchen GrĂŒnden auch nicht in jedem Fall zu zĂŒnden. NatĂŒrlich sind die GeschmĂ€cker verschieden. Man könnte ganze Essays hierzu abfassen, was den Rahmen einer einfachen Rezension sicher sprengen wĂŒrde (und was auch dem Sinn einer Buchbesprechung nicht gerecht wĂŒrde). Warum „Return Man“ sogar noch MĂŒhe hat, als durchschnittlicher Zombie-Roman durchzugehen, hat mehrere GrĂŒnde: schwache Story, erzĂ€hlerische SchwĂ€chen, wenig Innovatives. Dabei lĂ€sst es sich erzĂ€hlerisch zunĂ€chst ganz gut an: Die Apokalypse ist bereits eingetreten und dauert seit vier Jahren schon an als die Handlung einsetzt. Der Plot beginnt also mittendrin, nicht wie bei vielen anderen Vorlagen zu Beginn der Ausbreitung. Aber einzigartig oder aufregend ist das nicht. Protagonist ist Dr. Henry Marco, in seinem frĂŒheren Leben, Neurologe. Die USA als solche existieren nicht mehr. Die Überlebenden haben im Osten die Sicheren Staaten von Amerika gegrĂŒndet, angefĂŒhrt von den (wenig sympathisch dargestellten) Neo-Republikanern. Im Westen, den Evakuierten Staaten, wĂŒten die Untoten. Henry Marco ist vor den Evakuierungseinheiten geflohen und freiwillig in der zombifizierten Einöde des Westens zurĂŒck geblieben, um seine verschollene Ehefrau zu suchen, ĂŒber deren Schicksal er keine Kenntnis hat, aber davon ausgeht, dass sie ebenfalls als Untote umherstreift. Was mit ihr geschehen ist, soll hier nicht verraten werden (der Leser wird es aber bei der LektĂŒre ohnehin rechtzeitig genug erahnen). Zugleich hat Henry Marco einen Freund in den Sicheren Staaten, in die er selbst nicht mehr zurĂŒckkehren kann, welcher ihn mit besonderen AuftrĂ€gen versorgt. Überlebende in den Sicheren Staaten kontaktieren Henry Marco, damit er die in Zombies verwandelte Angehörige und Freunde ausfindig macht und sie endgĂŒltig (per Kopfschuss, wie es im Genre ĂŒblich ist, um die Steuerungseinheit Gehirn auszuschalten) von ihrem schrecklichen Dasein erlöst und sie „zurĂŒckgibt“. Dies erklĂ€rt den Titel des Buchs. Das Problem, das hier schon angesiedelt ist: Dr. Henry Marco ist erklĂ€rter Atheist und hat nicht die geringste Ahnung, wem er die Untoten zurĂŒck gibt. Nicht den Angehörigen, nicht Gott, nicht dem Leben. Dem planmĂ€ĂŸigen Verlauf der Natur, also dem endgĂŒltigen Tod bestenfalls. Die Frage wird nur kurz angerissen, bleibt im Roman aber ungelöst. Unlogisch ist in diesem Zusammenhang auch, dass im weiteren Verlauf Zombies niedergemetzelt werden, deren IdentitĂ€t dem Protagonisten reichlich egal ist. So wird dieser gute Ansatz sogleich wieder zunichte gemacht. Die Geschichte beginnt damit, dass Henry Marco nach Wochen der Suche gerade seinen nĂ€chsten Ziel-Zombie im Wald an einem See ausfindig gemacht hat und seinen Auftrag ausfĂŒhrt. Henry Marco spĂŒrt die Zombies, die er „zurĂŒckgeben“ soll, dadurch auf, dass er seine Auftraggeber befragt, was fĂŒr ein Mensch dieser Zombie einst war, was er mochte, was ihm wichtig war, welche Orte ihm wichtig waren. Er hat nĂ€mlich herausgefunden, dass die Zombies ĂŒber eine Art emotionales geografisches GedĂ€chtnis verfĂŒgen, ein letztes Überbleibsel ihres Lebens als Mensch, ein letztes Echo ihrer vormaligen Persönlichkeit, und daher fĂŒr sie zu Lebzeiten wichtige PlĂ€tze als Zombie wieder aufsuchen. Und um es ehrlich zu sagen: dies wĂ€re insgesamt die bessere Geschichte gewesen. Eine Idee mit viel Potential, das aber völlig verschenkt wird zugunsten einer wenig durchdachten Story mit einigen losen Enden. Welch intensive ErzĂ€hlung hĂ€tte man aus dieser Idee heraus holen können: wie hat Henry Marco die letzten vier Jahre unter Millionen Zombies verbracht? Wie ist er mit der Einsamkeit und der Isolation zurecht gekommen, wie hat er gelebt? Wie hat sich der Mensch, der er war, zu dem entwickelt, der er ist? Nichts davon. Ganz anders etwa als in der großartigen Novelle „I am Legend“ von Richard Matheson. Welche Schicksale macht er ausfindig? Auf welche Zombies trifft er? Wie verĂ€ndert ihn das? Geschenkt. All das findet nicht statt. Dabei hatte sich der Autor zum Ziel gesetzt, mal einen neuen Ansatz zu wĂ€hlen und den Zombie-Roman zu schreiben, den er selbst schon immer mal lesen wollte. Dazu bietet er aber nichts aufregend Neues. Eigentlich so gut wie gar nichts Neues. Anders ist die Handlung insoweit, dass der klassische Plot nicht eingehalten wird: keine kleine Gruppe Überlebender, die sich unter Mord und Totschlag und widrigsten UmstĂ€nden zusammenrauft und ums Überleben kĂ€mpft, keine gruppendynamischen Prozesse (von denen Zombie-ErzĂ€hlungen eigentlich leben), kein Infizierter, der sein schreckliches Geheimnis zu verbergen versucht, keine allgegenwĂ€rtige MilitĂ€rprĂ€senz. Kein Kampf ums tĂ€gliche Überleben (sichere Bleibe, Nahrung, Munition). Letzteres wird zwar angesprochen, wird aber nie zum Problem. Dagegen wird Henry Marco vom AnfĂŒhrer der Sicheren Staaten unter Zwang dazu beauftragt, im Westen einen als Zombie gewĂ€hnten Wissenschaftler ausfindig zu machen und „zurĂŒckzugeben“. Als Belohnung wird ihm die Heimkehr in die Sicheren Staaten in Aussicht gestellt. Eine miese Intrige, die man von Anfang an durchschaut. NatĂŒrlich sind genau dieser Wissenschaftler und unser Protagonist persönlich durch ein gemeinsames dunkles Schicksal miteinander verbunden. Unterwegs trifft Henry Marco auf einen WeggefĂ€hrten: den chinesischen Agenten und Auftragskiller Wu. Dieser hat die Weisung seiner Regierung erhalten, Henry Marco nach Auffinden des Wissenschaftlers zu töten und das aus dem Blut des gesuchten Wissenschaftlers zu gewinnende Heilmittel an sich zu nehmen. China, der Bösewicht, der das Heilmittel fĂŒr sich alleine will, und damit den Rest der Welt, vor allem Amerika, erpressen will. So entwickelt der Roman eine schwache, ganz vordergrĂŒndige Geschichte, in der die Rollen klar verteilt sind. Keine Überraschungen, keine Wendungen. Wenn dann am Ende auch noch der Bogen zur Aum-Sekte geschlagen wird, ist die Grenze zum HanebĂŒchenen und LĂ€cherlichen leider ĂŒberschritten. Die ErzĂ€hlung ist nicht im geringsten spannend und fesselt auch sonst nicht. Die beiden „Helden“ schlitzen sich durch das zombifizierte Gebiet auf dem Weg zu ihrem Ziel, dem aktuellen Aufenthaltsort des gesuchten Wissenschaftlers in einem alten HochsicherheitsgefĂ€ngnis. Interessant ist hierbei nur der Gegensatz der beiden: Henry Marco hat noch nie einen Menschen getötet (aus GewissensgrĂŒnden), Wu noch nie einen Zombie (um die Geister seiner Vorfahren nicht zu entehren). So massakriert eben jeder das, was ihm liegt und ĂŒberlĂ€sst das jeweils andere dem Partner. Verfolgt werden sie dabei von einer dritten Gruppe, die an dem Wissenschaftler interessiert ist, den so genannten „Reitern“ (Ex-MilitĂ€rs im Auftrag von irgendwem). Diese werden nach einer leidlich spannenden „Verfolgungsjagd“ irgendwann von Zombiehorden aufgefressen und verpuffen ohne Effekt oder Einfluss auf die ohnehin dĂŒnne Story. Marco und Wu werden dann nach anfĂ€nglichem Misstrauen und gegenseitiger Ablehnung irgendwie doch noch zu GefĂ€hrten (Überraschung, Überraschung). Der bis zum Ende vorhersehbare Roman bietet ĂŒberaus wenig Handlung, dafĂŒr einen hohen Blut-und-GedĂ€rm-Faktor, wie es sich fĂŒr einen Zombie-Roman eben gehört, teilweise recht widerlich, aber das muss so. Dennoch: Blut, GedĂ€rm, platzende SchĂ€del und Auffressen von Menschen bei lebendigem Leib gehören zwar ohne wenn und aber zu einem Zombie-Roman, ersetzen aber keine Handlung. Die Zombies heißen einfach „Leichen“ oder „Zombies“, keine Spielereien des Autors auch insoweit. Zum GlĂŒck auch keine ĂŒbernatĂŒrlichen ErklĂ€rungsversuche. Alles bleibt wissenschaftlich, aber auch das ist ein alter Hut. Das, woran die Zombies leiden, nennt der Autor die „Auferstehung“, hervorgerufen nicht durch Viren, sondern Prionen, einer Art mutierender Proteine. Keine wegweisende Variation des Themas. Auch der interessante und assoziationstrĂ€chtige Name der Krankheit („Auferstehung“) bleibt völlig unreflektiert, thematische Anbindungen hierzu werden erneut vergeben. Über die Zombies und ihr Verhalten erfĂ€hrt man sonst nicht sehr viel mehr. Sie stehen auch nicht wirklich im Mittelpunkt, sondern bilden mehr eine Art Kulisse. Klassisch bleibt das Buch dabei insoweit als die Zombies langsam sind und durch ihre schiere Anzahl erst richtig gefĂ€hrlich werden. Manchmal „rennen“ sie auch, wobei dies derart unreflektiert erzĂ€hlt wird, dass es sich auch um einen Übersetzungsfehler handeln könnte. Als weiteres klassisches Zombie-Motiv taucht (rudimentĂ€r und wenig spektakulĂ€r) ab und zu das Fliehen und Verbarrikadieren auf. Aber auch das hat man schon besser und vor allem spannender gelesen. Negativ fĂ€llt weiter die inflationĂ€re Verwendung der Begriffe „Arschloch“, „Scheiße“ und „Gottverdammt“ durch unseren Protagonisten auf. Diese Wörter werden so massiv eingesetzt, beinahe auf jeder Seite, dass sie sich ganz schnell abnutzen, sich selbst entschĂ€rfen und dann nur noch mĂŒde nerven. Und nicht vergessen, unser Hauptakteur ist promovierter Neurologe. Soll die Verwendung dieser Begriffe die Verwahrlosung des Menschen darstellen, so handelt es sich um einen schwachen, ja geradezu fadenscheinigen Kniff des Autors. Genau diesen Aspekt hĂ€tte man erzĂ€hlerisch hervorragend aufziehen können. Wurde aber nicht gemacht. Wie so vieles nicht. Klar, das Thema ist weitgehend beackert und niemand erwartet die Neuerfindung des Rades. Aber an gute Zombie-BĂŒcher wie „Eden“ von Tony Monchinski oder „28 Days Later“ von Alex Garland reicht „Return Man“ bei weitem nicht heran. Vergleiche zu Meilensteinen wie „The Walking Dead“ von Robert Kirkman oder „World War Z“ von Max Brooks kann man sich gleich ganz sparen. Man liest das Buch dennoch weiter in der Hoffnung, dass da noch irgendeine große Offenbarung auf der nĂ€chsten Seite lauert. Leider nicht. Insgesamt ein Zombie-Roman eher der schwĂ€cheren Sorte.

Zombies sind derzeit schwer angesagt. Nachdem sie ĂŒber Jahre und gar Jahrzehnte nur einer eingefleischten, kleinen Gemeinde etwas hergaben und ein garstiges Schattendasein in Film und Literatur fĂŒhrten, hat man mittlerweile entdeckt, welch intensive und erwachsene Bandbreite das Zombie-Thema aufweist. Zombies haben so viel mehr an Gehalt und Inhalt zu bieten als Vampire und sonstige Untote, wurden aber aufgrund ihres Schmuddel-Images (in Bezug auf Optik und Verhalten) lange gemieden. Die Veröffentlichungen rund um die Zombies haben in den letzten Jahren jedoch einen richtigen Boom erlebt und haben den Mainstream lĂ€ngst erreicht. Den Liebhaber wird es freuen, wenn auch nicht jeder Output von entsprechender GĂŒte ist.

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„Return Man“ ist der Romanerstling von V.M. Zito, seines Zeichens Creative Director einer Werbeagentur. Heraufbeschworen wird darin die Apokalypse, welche in Form einer Zombie-Epidemie ĂŒber die Welt – genauer: die Vereinigten Staaten von Amerika - hereinbricht. Der Zombie-Roman als solcher spricht in der Regel grundsĂ€tzlich nur einen begrenzten Leserkreis an, nĂ€mlich ausgesprochene Genre-Fans. Es gibt eine ganze Reihe wirklich hervorragender Kurzgeschichten und Novellen namhafter Autoren zu diesem Themenkreis. Gute Romane finden sich dagegen eher selten. Auch Return Man gehört leider nicht zu den Gelungeneren seiner Gattung. Dabei ist das Zombie-Motiv so vielseitig und bietet reihenweise Interpretationsmöglichkeiten und DenkansĂ€tze, nur auf Romanebene scheint dies aus welchen GrĂŒnden auch nicht in jedem Fall zu zĂŒnden. NatĂŒrlich sind die GeschmĂ€cker verschieden. Man könnte ganze Essays hierzu abfassen, was den Rahmen einer einfachen Rezension sicher sprengen wĂŒrde (und was auch dem Sinn einer Buchbesprechung nicht gerecht wĂŒrde).

Warum „Return Man“ sogar noch MĂŒhe hat, als durchschnittlicher Zombie-Roman durchzugehen, hat mehrere GrĂŒnde: schwache Story, erzĂ€hlerische SchwĂ€chen, wenig Innovatives. Dabei lĂ€sst es sich erzĂ€hlerisch zunĂ€chst ganz gut an: Die Apokalypse ist bereits eingetreten und dauert seit vier Jahren schon an als die Handlung einsetzt. Der Plot beginnt also mittendrin, nicht wie bei vielen anderen Vorlagen zu Beginn der Ausbreitung. Aber einzigartig oder aufregend ist das nicht. Protagonist ist Dr. Henry Marco, in seinem frĂŒheren Leben, Neurologe. Die USA als solche existieren nicht mehr. Die Überlebenden haben im Osten die Sicheren Staaten von Amerika gegrĂŒndet, angefĂŒhrt von den (wenig sympathisch dargestellten) Neo-Republikanern. Im Westen, den Evakuierten Staaten, wĂŒten die Untoten. Henry Marco ist vor den Evakuierungseinheiten geflohen und freiwillig in der zombifizierten Einöde des Westens zurĂŒck geblieben, um seine verschollene Ehefrau zu suchen, ĂŒber deren Schicksal er keine Kenntnis hat, aber davon ausgeht, dass sie ebenfalls als Untote umherstreift. Was mit ihr geschehen ist, soll hier nicht verraten werden (der Leser wird es aber bei der LektĂŒre ohnehin rechtzeitig genug erahnen). Zugleich hat Henry Marco einen Freund in den Sicheren Staaten, in die er selbst nicht mehr zurĂŒckkehren kann, welcher ihn mit besonderen AuftrĂ€gen versorgt. Überlebende in den Sicheren Staaten kontaktieren Henry Marco, damit er die in Zombies verwandelte Angehörige und Freunde ausfindig macht und sie endgĂŒltig (per Kopfschuss, wie es im Genre ĂŒblich ist, um die Steuerungseinheit Gehirn auszuschalten) von ihrem schrecklichen Dasein erlöst und sie „zurĂŒckgibt“. Dies erklĂ€rt den Titel des Buchs. Das Problem, das hier schon angesiedelt ist: Dr. Henry Marco ist erklĂ€rter Atheist und hat nicht die geringste Ahnung, wem er die Untoten zurĂŒck gibt. Nicht den Angehörigen, nicht Gott, nicht dem Leben. Dem planmĂ€ĂŸigen Verlauf der Natur, also dem endgĂŒltigen Tod bestenfalls. Die Frage wird nur kurz angerissen, bleibt im Roman aber ungelöst. Unlogisch ist in diesem Zusammenhang auch, dass im weiteren Verlauf Zombies niedergemetzelt werden, deren IdentitĂ€t dem Protagonisten reichlich egal ist. So wird dieser gute Ansatz sogleich wieder zunichte gemacht. Die Geschichte beginnt damit, dass Henry Marco nach Wochen der Suche gerade seinen nĂ€chsten Ziel-Zombie im Wald an einem See ausfindig gemacht hat und seinen Auftrag ausfĂŒhrt. Henry Marco spĂŒrt die Zombies, die er „zurĂŒckgeben“ soll, dadurch auf, dass er seine Auftraggeber befragt, was fĂŒr ein Mensch dieser Zombie einst war, was er mochte, was ihm wichtig war, welche Orte ihm wichtig waren. Er hat nĂ€mlich herausgefunden, dass die Zombies ĂŒber eine Art emotionales geografisches GedĂ€chtnis verfĂŒgen, ein letztes Überbleibsel ihres Lebens als Mensch, ein letztes Echo ihrer vormaligen Persönlichkeit, und daher fĂŒr sie zu Lebzeiten wichtige PlĂ€tze als Zombie wieder aufsuchen. Und um es ehrlich zu sagen: dies wĂ€re insgesamt die bessere Geschichte gewesen. Eine Idee mit viel Potential, das aber völlig verschenkt wird zugunsten einer wenig durchdachten Story mit einigen losen Enden. Welch intensive ErzĂ€hlung hĂ€tte man aus dieser Idee heraus holen können: wie hat Henry Marco die letzten vier Jahre unter Millionen Zombies verbracht? Wie ist er mit der Einsamkeit und der Isolation zurecht gekommen, wie hat er gelebt? Wie hat sich der Mensch, der er war, zu dem entwickelt, der er ist? Nichts davon. Ganz anders etwa als in der großartigen Novelle „I am Legend“ von Richard Matheson. Welche Schicksale macht er ausfindig? Auf welche Zombies trifft er? Wie verĂ€ndert ihn das? Geschenkt. All das findet nicht statt. Dabei hatte sich der Autor zum Ziel gesetzt, mal einen neuen Ansatz zu wĂ€hlen und den Zombie-Roman zu schreiben, den er selbst schon immer mal lesen wollte. Dazu bietet er aber nichts aufregend Neues. Eigentlich so gut wie gar nichts Neues.

Anders ist die Handlung insoweit, dass der klassische Plot nicht eingehalten wird: keine kleine Gruppe Überlebender, die sich unter Mord und Totschlag und widrigsten UmstĂ€nden zusammenrauft und ums Überleben kĂ€mpft, keine gruppendynamischen Prozesse (von denen Zombie-ErzĂ€hlungen eigentlich leben), kein Infizierter, der sein schreckliches Geheimnis zu verbergen versucht, keine allgegenwĂ€rtige MilitĂ€rprĂ€senz. Kein Kampf ums tĂ€gliche Überleben (sichere Bleibe, Nahrung, Munition). Letzteres wird zwar angesprochen, wird aber nie zum Problem. Dagegen wird Henry Marco vom AnfĂŒhrer der Sicheren Staaten unter Zwang dazu beauftragt, im Westen einen als Zombie gewĂ€hnten Wissenschaftler ausfindig zu machen und „zurĂŒckzugeben“. Als Belohnung wird ihm die Heimkehr in die Sicheren Staaten in Aussicht gestellt. Eine miese Intrige, die man von Anfang an durchschaut. NatĂŒrlich sind genau dieser Wissenschaftler und unser Protagonist persönlich durch ein gemeinsames dunkles Schicksal miteinander verbunden.

Unterwegs trifft Henry Marco auf einen WeggefĂ€hrten: den chinesischen Agenten und Auftragskiller Wu. Dieser hat die Weisung seiner Regierung erhalten, Henry Marco nach Auffinden des Wissenschaftlers zu töten und das aus dem Blut des gesuchten Wissenschaftlers zu gewinnende Heilmittel an sich zu nehmen. China, der Bösewicht, der das Heilmittel fĂŒr sich alleine will, und damit den Rest der Welt, vor allem Amerika, erpressen will. So entwickelt der Roman eine schwache, ganz vordergrĂŒndige Geschichte, in der die Rollen klar verteilt sind. Keine Überraschungen, keine Wendungen. Wenn dann am Ende auch noch der Bogen zur Aum-Sekte geschlagen wird, ist die Grenze zum HanebĂŒchenen und LĂ€cherlichen leider ĂŒberschritten. Die ErzĂ€hlung ist nicht im geringsten spannend und fesselt auch sonst nicht. Die beiden „Helden“ schlitzen sich durch das zombifizierte Gebiet auf dem Weg zu ihrem Ziel, dem aktuellen Aufenthaltsort des gesuchten Wissenschaftlers in einem alten HochsicherheitsgefĂ€ngnis. Interessant ist hierbei nur der Gegensatz der beiden: Henry Marco hat noch nie einen Menschen getötet (aus GewissensgrĂŒnden), Wu noch nie einen Zombie (um die Geister seiner Vorfahren nicht zu entehren). So massakriert eben jeder das, was ihm liegt und ĂŒberlĂ€sst das jeweils andere dem Partner. Verfolgt werden sie dabei von einer dritten Gruppe, die an dem Wissenschaftler interessiert ist, den so genannten „Reitern“ (Ex-MilitĂ€rs im Auftrag von irgendwem). Diese werden nach einer leidlich spannenden „Verfolgungsjagd“ irgendwann von Zombiehorden aufgefressen und verpuffen ohne Effekt oder Einfluss auf die ohnehin dĂŒnne Story. Marco und Wu werden dann nach anfĂ€nglichem Misstrauen und gegenseitiger Ablehnung irgendwie doch noch zu GefĂ€hrten (Überraschung, Überraschung). Der bis zum Ende vorhersehbare Roman bietet ĂŒberaus wenig Handlung, dafĂŒr einen hohen Blut-und-GedĂ€rm-Faktor, wie es sich fĂŒr einen Zombie-Roman eben gehört, teilweise recht widerlich, aber das muss so. Dennoch: Blut, GedĂ€rm, platzende SchĂ€del und Auffressen von Menschen bei lebendigem Leib gehören zwar ohne wenn und aber zu einem Zombie-Roman, ersetzen aber keine Handlung. Die Zombies heißen einfach „Leichen“ oder „Zombies“, keine Spielereien des Autors auch insoweit. Zum GlĂŒck auch keine ĂŒbernatĂŒrlichen ErklĂ€rungsversuche. Alles bleibt wissenschaftlich, aber auch das ist ein alter Hut. Das, woran die Zombies leiden, nennt der Autor die „Auferstehung“, hervorgerufen nicht durch Viren, sondern Prionen, einer Art mutierender Proteine. Keine wegweisende Variation des Themas. Auch der interessante und assoziationstrĂ€chtige Name der Krankheit („Auferstehung“) bleibt völlig unreflektiert, thematische Anbindungen hierzu werden erneut vergeben. Über die Zombies und ihr Verhalten erfĂ€hrt man sonst nicht sehr viel mehr. Sie stehen auch nicht wirklich im Mittelpunkt, sondern bilden mehr eine Art Kulisse. Klassisch bleibt das Buch dabei insoweit als die Zombies langsam sind und durch ihre schiere Anzahl erst richtig gefĂ€hrlich werden. Manchmal „rennen“ sie auch, wobei dies derart unreflektiert erzĂ€hlt wird, dass es sich auch um einen Übersetzungsfehler handeln könnte. Als weiteres klassisches Zombie-Motiv taucht (rudimentĂ€r und wenig spektakulĂ€r) ab und zu das Fliehen und Verbarrikadieren auf. Aber auch das hat man schon besser und vor allem spannender gelesen. Negativ fĂ€llt weiter die inflationĂ€re Verwendung der Begriffe „Arschloch“, „Scheiße“ und „Gottverdammt“ durch unseren Protagonisten auf. Diese Wörter werden so massiv eingesetzt, beinahe auf jeder Seite, dass sie sich ganz schnell abnutzen, sich selbst entschĂ€rfen und dann nur noch mĂŒde nerven. Und nicht vergessen, unser Hauptakteur ist promovierter Neurologe. Soll die Verwendung dieser Begriffe die Verwahrlosung des Menschen darstellen, so handelt es sich um einen schwachen, ja geradezu fadenscheinigen Kniff des Autors. Genau diesen Aspekt hĂ€tte man erzĂ€hlerisch hervorragend aufziehen können. Wurde aber nicht gemacht. Wie so vieles nicht. Klar, das Thema ist weitgehend beackert und niemand erwartet die Neuerfindung des Rades. Aber an gute Zombie-BĂŒcher wie „Eden“ von Tony Monchinski oder „28 Days Later“ von Alex Garland reicht „Return Man“ bei weitem nicht heran. Vergleiche zu Meilensteinen wie „The Walking Dead“ von Robert Kirkman oder „World War Z“ von Max Brooks kann man sich gleich ganz sparen. Man liest das Buch dennoch weiter in der Hoffnung, dass da noch irgendeine große Offenbarung auf der nĂ€chsten Seite lauert. Leider nicht. Insgesamt ein Zombie-Roman eher der schwĂ€cheren Sorte.

geschrieben am 18.06.2013 | 1616 Wörter | 9859 Zeichen

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