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Vuvuzela oder die Stimmen der Götter


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Rezension von

Antje Jürgens

Vuvuzela oder die Stimmen der Götter Zum Autor Der 1961 in Cottbus geborene Autor und studierte Philosoph arbeitet als selbststĂ€ndiger Trainer fĂŒr Rhetorik und Konfliktmanagement sowie Handelsvertreter fĂŒr Industrieprodukte. Die Menschen und technischen Errungenschaften oder Erfahrungen, die er dabei kennenlernt bzw. macht, fließen in seine Geschichten mit ein. RocktĂ€schel ist MitbegrĂŒnder des Autorenvereins „Kristallfeder“. „Vuvuzela oder die Stimmen der Götter“ ist sein zweiter Roman. Zwei der hier auftauchenden Figuren finden sich auch in seinem Erstlingswerk „Die Stimmgabel – Berichte aus dem Wimpernschlag“. In beiden BĂŒchern geht es um Töne, harmonische Schwingungen und Resonanzen, was angesichts der persönlichen Geschichte des Autors vielleicht nicht allzu sehr verwundert. In seinem zweiten Buch merkt er eingangs an: ‚Der LĂ€rm der Vuvuzelas in den Fußballstadien wird von manchen als Summen eines Bienenschwarms beschrieben. Ich fĂŒhle mich auf mein Ohrenrauschen zurĂŒckgeworfen, das als lautes auf- und abschwellendes Kreischen an den Nerven zerrt. Ich wollte diesen Thriller eigentlich ‚Tinnitus‘ nennen, aber es gibt keinen Gegenstand, der besser jedem Ahnungslosen den GehörlĂ€rm nĂ€her bringt, wie die Vuvuzela. Heute gilt das Ohrenrauschen als zivilisatorische Krankheit. In der griechisch-römischen Antike wurde den Betroffenen des Tinnitus die FĂ€higkeit zugeschrieben, die Stimmen der Götter oder die Melodie des Kosmos zu hören. Historische Vorbilder haben aus der Not ihres Tinnitus heraus wunderbare Musik komponiert, Bilder gemalt oder BĂŒcher geschrieben. Ich mute meinen Lesern einen spannenden Akustik-Thriller zu, der voller Fantasie und abgedrehter Unmöglichkeiten steckt. (Autorenseite: www.energiemeer.de) Zum Buch Auch dieses Mal hat RocktĂ€schel ein schlichtes Cover gewĂ€hlt. Es zeigt weiß auf schwarz die Unendlichkeit eines Spiralnebels. Was darĂŒber hinaus auf den ersten flĂŒchtigen Blick wie ein weiterer farbiger Nebel wirkt, stellt jedoch eine der spĂ€testens seit der WM2010 allseits bekannte Vuvuzela dar. Was verrĂ€t die RĂŒckseite des Buches? Zitatanfang >>
 Kohlpeter, ein ehemaliger Wirtschaftsagent, besucht auf Anraten seines Freundes ein international beachtetes Klangsanatorium bei Berchtesgaden. Dort will er sein Ohrenrauschen, ein furchtbares Tröten, wie von einer Vuvuzela, behandeln lassen. Ergebnis der Klangtherapie ist eine Hyper-Sensibilisierung, die es ihm ermöglicht, mit dem Tinnitus kreativ umzugehen. Auf einer nĂ€chtlichen Wanderung durch das Sanatorium hört er Stimmen und entdeckt ein experimentelles Labor zur kosmischen Fernerkundung. Der Akustik-Thriller nimmt seinen Lauf ...<< Zitatende Meine Meinung Damit wird schon einmal recht gut wiedergegeben, was in dieser Geschichte geschieht. Auch dieses Mal bedient sich der Autor seines mir bereits aus seinem ersten Buch bekannten philosophischen Stils, was ‚Vuvuzela oder die Stimmen der Götter‘ zu einer LektĂŒre macht, der man seine volle Aufmerksamkeit in ruhiger Umgebung widmen sollte. Es geht erneut um Klang, um Resonanzen und darum, dass wir nicht alleine im Weltraum sind. Und wieder ist das Buch eine Art Bericht. Eine Fortsetzung von „Die Stimmgabel – Berichte aus dem Wimpernschlag“? Ja und nein. Beide BĂŒcher hĂ€ngen zusammen und können doch völlig separiert voneinander gelesen werden. Und so wie ‚Vuvuzela oder Die Stimmen der Götter‘ endet, dĂŒrfen wir vermutlich davon ausgehen, dass es einen Nachfolgeband gibt. Aber zunĂ€chst einmal zurĂŒck zum jetzigen Buch: Hauptschauplatz der Geschichte ist die Erde. Der technische Fortschritt hat der Menschheit bereits Tragschrauber gebracht, mit denen sie sich fortbewegen können, aber das Meiste ist noch so, wie wir es aus unserem tĂ€glichen Leben kennen. Auch Krankheiten gibt es noch. Etwa Tinnitus. Dieser wird unter anderem in einem Klangsanatorium behandelt. Es liegt abgeschieden im Berchtesgadener Land in einer lĂ€ndlichen Idylle. Eine Journalistin will ĂŒber dieses Sanatorium berichten. Dort werden ihrer Meinung nach nicht nur Patienten behandelt, sondern auch geheime Abhöroperationen durchgefĂŒhrt. Sie vermutet gar, dass Patienten oder ausgewĂ€hlte Agenten in eine Art Cyberborg umgewandelt werden. Damit liegt sie nur teilweise falsch. Die Journalistin trifft etwa zeitgleich in dem Sanatorium ein, wie der an Tinnitus leidende Protagonist Kohlpeter. Allein die Darstellung des Sanatoriums ist futurisch unterhaltsam und bietet gleichzeitig einen Exkurs in die Beschreibung und Funktionsweise des menschlichen Ohrs und die Bedeutung des Hörens an sich. Die ersten Tage, die die Hauptfigur der Geschichte dort verbringt, sind fĂŒr den Leser mit einer sehr authentisch wirkenden Schilderung eines Tinnitus-Patienten gefĂŒllt. Der Autor weiß, wovon er schreibt. Der Protagonist Kohlpeter erfĂŒllt mit seiner Krankheit und einigen in seiner Person liegenden Besonderheiten jedoch auch die Grundvoraussetzung dafĂŒr, einer der ersten Esonauten zu sein – das sind Raumfahrer, die das Weltall und fremde Galaxien ohne Raumschiffe erkunden können. Sie erkunden alles mental, indem sie auf oder mit Resonanzwellen reisen. Die von ihnen gemachten Reisen bzw. Erfahrungen werden in einem unterirdischen Labor, welches zum Sanatorium gehört, visuell umgewandelt und können mit Daten einer herkömmlichen Weltraumexpedition mittels Sonden abgeglichen werden, um die Richtigkeit zu ĂŒberprĂŒfen. Wer einmal in einem Akustik-Museum war, weiß, dass alles Töne hat, die entweder harmonisch miteinander schwingen oder sich gegenseitig abstoßen und dass diese Bewegungen visuell dargestellt werden können. Dabei entstehen faszinierende Bilder. Insoweit fand ich die Idee der mentalen Weltraumreisen schon mal spannend und die Sache mit der visuellen Umwandlung durchaus nachvollziehbar. Auf diesen Reisen geht natĂŒrlich das eine oder andere schief. Zum einen, weil die Esonautik noch in den Kinderschuhen steckt, zum anderen, weil wir tatsĂ€chlich nicht allein im Weltraum zu sein scheinen. So muss Kohlpeter beispielsweise plötzlich feststellen, dass er seinen Körper und Schmerzen fĂŒhlen kann, obwohl besagter Körper ja eigentlich auf der Erde ist. Doch das ahnt er noch nicht, als er, schlaflos in der Nacht sonderbaren Stimmen folgt, die ihn nicht nur in das unterirdische Labor, sondern auch zu jemandem aus seiner Vergangenheit fĂŒhren, den er eigentlich nicht mehr wiedersehen wollte. PolwĂ€chter – in RocktĂ€schels erstem Buch einer der staatlichen HĂŒter zum Schutz der (Energie-)Netze – hat mittlerweile ein anderes BetĂ€tigungsfeld fĂŒr sich entdeckt: die kosmische Fernerkundung. Und es gelingt ihm und den ĂŒbrigen Mitarbeitern des Labors recht schnell, Kohlpeter fĂŒr ihre Sache zu gewinnen. Zu groß ist seine Neugier. Als Kohlpeter auf seinen Exkursionen jedoch nicht nur den Raum, sondern auch die Zeit zu ĂŒberwinden beginnt, gerĂ€t das Experiment außer Kontrolle. Zwei weitere Esonauten verschwinden mental spurlos, wĂ€hrend ihre leblosen Körper auf der Erde zurĂŒckbleiben. Einer der beiden zieht die unendlichen, klangerfĂŒllten Welten seinem gerĂ€uschĂŒberfrachteten, irdischen Dasein vor und geht freiwillig. Hier wirft der Autor die Frage auf, was passiert, wenn diese Körper vernichtet werden. Und das, obwohl sie fĂŒr Esonauten die einzige Möglichkeit zu sein scheinen, wieder zur Erde zurĂŒckzukehren. Auch stellt sich beim ĂŒberraschenden Ende der Geschichte die Frage, ob die Dinge, die Kohlpeter auf seinen Exkursionen gesehen und erlebt hat, tatsĂ€chlich extraterrestrischen Ursprungs sind oder ob sie lediglich gewissermaßen durch einen Zeitsprung entstanden und ganz und gar irdisch waren. Womit der Autor bei mir eindeutig die Neugier auf einen hoffentlich erscheinenden Folgeband geweckt hat. Was mir in diesem Buch auch sehr gut gefallen hat, war die IntensitĂ€t, mit der RocktĂ€schel auf die Themen Hören bzw. unseren Hörsinn und Tinnitus eingeht. Auf die Probleme, die entstehen, wenn wir nicht richtig hinhören; wenn wir nicht auf unseren Körper hören; wenn wir pausenlos von uns selbst ĂŒberfordert werden. Auch wenn wir in der Lage sind, immer mehr zu hören, hören wir immer seltener zu und finden auch immer seltener Gehör. Hören fördert weit mehr HirnaktivitĂ€ten, als beispielsweise das Sehen. Anders als Objekte, die fĂŒr uns Symbolcharakter haben, mĂŒssen wir GerĂ€usche erst interpretieren, eigene Erfahrungen daraus sammeln und Vorstellungen entwickeln, die dazu passen. Hören erzeugt quasi eine Art Kopfkino, wohingegen fertige Bilder unsere Fantasie so gut wie gar nicht fordern. Unser (gesunder) Hörsinn ermöglicht uns nicht nur Kommunikation, sondern ist der Sinn, der niemals schlĂ€ft, der uns notfalls warnt. Doch unser Körper kann sich genauso wenig an LĂ€rm gewöhnen, wie unser Gehör. FĂŒr beide ist LĂ€rm Stress pur. Am stĂ€rksten muss dies Personen mit Tinnitus bewusst werden. Denn ihr Körper, ihr Hörsinn nimmt GerĂ€usche noch einmal ganz anders wahr, als ‚gesunde‘ Menschen. Sperrt sie gar in eine Welt, die mit kleinen Dissonanzen beginnt und in einer Kakofonie an GerĂ€uschen endet. Eine Welt, die ‚Gesunde‘ selten verstehen und aus der ein Entkommen unmöglich scheint. Wie gut, dass Heilung ĂŒber den Hörsinn ebenfalls möglich ist. KlĂ€nge, die uns nicht einmal wirklich gefallen mĂŒssen, wirken sich auf unseren Puls und die Atemfrequenz aus, regulieren den Blutdruck und beeinflussen sogar unser Immunsystem, ebenso wie unser Hormon- oder Nervensystem, weil sie auf Gehirnbereiche wirken, die wir nicht kontrollieren können. Leider können KlĂ€nge genau deshalb aber auch als Waffe eingesetzt werden. Obwohl RocktĂ€schel explizit auf das Thema Hören eingeht, stört dies die Geschichte ĂŒber kosmische Fernerkundung nicht. Im Gegenteil, sie wird dadurch verstĂ€ndlicher und erscheint weniger abgedreht als fantastisch. Und weckt, wie bereits erwĂ€hnt, die Lust auf einen hoffentlich kommenden Folgeband. 09/ 2010 © Antje JĂŒrgens (AJ)

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Der 1961 in Cottbus geborene Autor und studierte Philosoph arbeitet als selbststĂ€ndiger Trainer fĂŒr Rhetorik und Konfliktmanagement sowie Handelsvertreter fĂŒr Industrieprodukte. Die Menschen und technischen Errungenschaften oder Erfahrungen, die er dabei kennenlernt bzw. macht, fließen in seine Geschichten mit ein. RocktĂ€schel ist MitbegrĂŒnder des Autorenvereins „Kristallfeder“.

„Vuvuzela oder die Stimmen der Götter“ ist sein zweiter Roman. Zwei der hier auftauchenden Figuren finden sich auch in seinem Erstlingswerk „Die Stimmgabel – Berichte aus dem Wimpernschlag“. In beiden BĂŒchern geht es um Töne, harmonische Schwingungen und Resonanzen, was angesichts der persönlichen Geschichte des Autors vielleicht nicht allzu sehr verwundert. In seinem zweiten Buch merkt er eingangs an: ‚Der LĂ€rm der Vuvuzelas in den Fußballstadien wird von manchen als Summen eines Bienenschwarms beschrieben. Ich fĂŒhle mich auf mein Ohrenrauschen zurĂŒckgeworfen, das als lautes auf- und abschwellendes Kreischen an den Nerven zerrt. Ich wollte diesen Thriller eigentlich ‚Tinnitus‘ nennen, aber es gibt keinen Gegenstand, der besser jedem Ahnungslosen den GehörlĂ€rm nĂ€her bringt, wie die Vuvuzela. Heute gilt das Ohrenrauschen als zivilisatorische Krankheit. In der griechisch-römischen Antike wurde den Betroffenen des Tinnitus die FĂ€higkeit zugeschrieben, die Stimmen der Götter oder die Melodie des Kosmos zu hören. Historische Vorbilder haben aus der Not ihres Tinnitus heraus wunderbare Musik komponiert, Bilder gemalt oder BĂŒcher geschrieben. Ich mute meinen Lesern einen spannenden Akustik-Thriller zu, der voller Fantasie und abgedrehter Unmöglichkeiten steckt. (Autorenseite: www.energiemeer.de)

Zum Buch

Auch dieses Mal hat RocktĂ€schel ein schlichtes Cover gewĂ€hlt. Es zeigt weiß auf schwarz die Unendlichkeit eines Spiralnebels. Was darĂŒber hinaus auf den ersten flĂŒchtigen Blick wie ein weiterer farbiger Nebel wirkt, stellt jedoch eine der spĂ€testens seit der WM2010 allseits bekannte Vuvuzela dar.

Was verrĂ€t die RĂŒckseite des Buches? Zitatanfang >>
 Kohlpeter, ein ehemaliger Wirtschaftsagent, besucht auf Anraten seines Freundes ein international beachtetes Klangsanatorium bei Berchtesgaden. Dort will er sein Ohrenrauschen, ein furchtbares Tröten, wie von einer Vuvuzela, behandeln lassen. Ergebnis der Klangtherapie ist eine Hyper-Sensibilisierung, die es ihm ermöglicht, mit dem Tinnitus kreativ umzugehen. Auf einer nĂ€chtlichen Wanderung durch das Sanatorium hört er Stimmen und entdeckt ein experimentelles Labor zur kosmischen Fernerkundung. Der Akustik-Thriller nimmt seinen Lauf ...<< Zitatende

Meine Meinung

Damit wird schon einmal recht gut wiedergegeben, was in dieser Geschichte geschieht. Auch dieses Mal bedient sich der Autor seines mir bereits aus seinem ersten Buch bekannten philosophischen Stils, was ‚Vuvuzela oder die Stimmen der Götter‘ zu einer LektĂŒre macht, der man seine volle Aufmerksamkeit in ruhiger Umgebung widmen sollte.

Es geht erneut um Klang, um Resonanzen und darum, dass wir nicht alleine im Weltraum sind. Und wieder ist das Buch eine Art Bericht. Eine Fortsetzung von „Die Stimmgabel – Berichte aus dem Wimpernschlag“? Ja und nein. Beide BĂŒcher hĂ€ngen zusammen und können doch völlig separiert voneinander gelesen werden. Und so wie ‚Vuvuzela oder Die Stimmen der Götter‘ endet, dĂŒrfen wir vermutlich davon ausgehen, dass es einen Nachfolgeband gibt.

Aber zunĂ€chst einmal zurĂŒck zum jetzigen Buch:

Hauptschauplatz der Geschichte ist die Erde. Der technische Fortschritt hat der Menschheit bereits Tragschrauber gebracht, mit denen sie sich fortbewegen können, aber das Meiste ist noch so, wie wir es aus unserem tÀglichen Leben kennen. Auch Krankheiten gibt es noch. Etwa Tinnitus.

Dieser wird unter anderem in einem Klangsanatorium behandelt. Es liegt abgeschieden im Berchtesgadener Land in einer lĂ€ndlichen Idylle. Eine Journalistin will ĂŒber dieses Sanatorium berichten. Dort werden ihrer Meinung nach nicht nur Patienten behandelt, sondern auch geheime Abhöroperationen durchgefĂŒhrt. Sie vermutet gar, dass Patienten oder ausgewĂ€hlte Agenten in eine Art Cyberborg umgewandelt werden. Damit liegt sie nur teilweise falsch. Die Journalistin trifft etwa zeitgleich in dem Sanatorium ein, wie der an Tinnitus leidende Protagonist Kohlpeter.

Allein die Darstellung des Sanatoriums ist futurisch unterhaltsam und bietet gleichzeitig einen Exkurs in die Beschreibung und Funktionsweise des menschlichen Ohrs und die Bedeutung des Hörens an sich. Die ersten Tage, die die Hauptfigur der Geschichte dort verbringt, sind fĂŒr den Leser mit einer sehr authentisch wirkenden Schilderung eines Tinnitus-Patienten gefĂŒllt. Der Autor weiß, wovon er schreibt.

Der Protagonist Kohlpeter erfĂŒllt mit seiner Krankheit und einigen in seiner Person liegenden Besonderheiten jedoch auch die Grundvoraussetzung dafĂŒr, einer der ersten Esonauten zu sein – das sind Raumfahrer, die das Weltall und fremde Galaxien ohne Raumschiffe erkunden können. Sie erkunden alles mental, indem sie auf oder mit Resonanzwellen reisen. Die von ihnen gemachten Reisen bzw. Erfahrungen werden in einem unterirdischen Labor, welches zum Sanatorium gehört, visuell umgewandelt und können mit Daten einer herkömmlichen Weltraumexpedition mittels Sonden abgeglichen werden, um die Richtigkeit zu ĂŒberprĂŒfen.

Wer einmal in einem Akustik-Museum war, weiß, dass alles Töne hat, die entweder harmonisch miteinander schwingen oder sich gegenseitig abstoßen und dass diese Bewegungen visuell dargestellt werden können. Dabei entstehen faszinierende Bilder. Insoweit fand ich die Idee der mentalen Weltraumreisen schon mal spannend und die Sache mit der visuellen Umwandlung durchaus nachvollziehbar.

Auf diesen Reisen geht natĂŒrlich das eine oder andere schief. Zum einen, weil die Esonautik noch in den Kinderschuhen steckt, zum anderen, weil wir tatsĂ€chlich nicht allein im Weltraum zu sein scheinen. So muss Kohlpeter beispielsweise plötzlich feststellen, dass er seinen Körper und Schmerzen fĂŒhlen kann, obwohl besagter Körper ja eigentlich auf der Erde ist.

Doch das ahnt er noch nicht, als er, schlaflos in der Nacht sonderbaren Stimmen folgt, die ihn nicht nur in das unterirdische Labor, sondern auch zu jemandem aus seiner Vergangenheit fĂŒhren, den er eigentlich nicht mehr wiedersehen wollte. PolwĂ€chter – in RocktĂ€schels erstem Buch einer der staatlichen HĂŒter zum Schutz der (Energie-)Netze – hat mittlerweile ein anderes BetĂ€tigungsfeld fĂŒr sich entdeckt: die kosmische Fernerkundung. Und es gelingt ihm und den ĂŒbrigen Mitarbeitern des Labors recht schnell, Kohlpeter fĂŒr ihre Sache zu gewinnen. Zu groß ist seine Neugier.

Als Kohlpeter auf seinen Exkursionen jedoch nicht nur den Raum, sondern auch die Zeit zu ĂŒberwinden beginnt, gerĂ€t das Experiment außer Kontrolle. Zwei weitere Esonauten verschwinden mental spurlos, wĂ€hrend ihre leblosen Körper auf der Erde zurĂŒckbleiben. Einer der beiden zieht die unendlichen, klangerfĂŒllten Welten seinem gerĂ€uschĂŒberfrachteten, irdischen Dasein vor und geht freiwillig.

Hier wirft der Autor die Frage auf, was passiert, wenn diese Körper vernichtet werden. Und das, obwohl sie fĂŒr Esonauten die einzige Möglichkeit zu sein scheinen, wieder zur Erde zurĂŒckzukehren. Auch stellt sich beim ĂŒberraschenden Ende der Geschichte die Frage, ob die Dinge, die Kohlpeter auf seinen Exkursionen gesehen und erlebt hat, tatsĂ€chlich extraterrestrischen Ursprungs sind oder ob sie lediglich gewissermaßen durch einen Zeitsprung entstanden und ganz und gar irdisch waren. Womit der Autor bei mir eindeutig die Neugier auf einen hoffentlich erscheinenden Folgeband geweckt hat.

Was mir in diesem Buch auch sehr gut gefallen hat, war die IntensitĂ€t, mit der RocktĂ€schel auf die Themen Hören bzw. unseren Hörsinn und Tinnitus eingeht. Auf die Probleme, die entstehen, wenn wir nicht richtig hinhören; wenn wir nicht auf unseren Körper hören; wenn wir pausenlos von uns selbst ĂŒberfordert werden. Auch wenn wir in der Lage sind, immer mehr zu hören, hören wir immer seltener zu und finden auch immer seltener Gehör. Hören fördert weit mehr HirnaktivitĂ€ten, als beispielsweise das Sehen. Anders als Objekte, die fĂŒr uns Symbolcharakter haben, mĂŒssen wir GerĂ€usche erst interpretieren, eigene Erfahrungen daraus sammeln und Vorstellungen entwickeln, die dazu passen. Hören erzeugt quasi eine Art Kopfkino, wohingegen fertige Bilder unsere Fantasie so gut wie gar nicht fordern. Unser (gesunder) Hörsinn ermöglicht uns nicht nur Kommunikation, sondern ist der Sinn, der niemals schlĂ€ft, der uns notfalls warnt. Doch unser Körper kann sich genauso wenig an LĂ€rm gewöhnen, wie unser Gehör. FĂŒr beide ist LĂ€rm Stress pur. Am stĂ€rksten muss dies Personen mit Tinnitus bewusst werden. Denn ihr Körper, ihr Hörsinn nimmt GerĂ€usche noch einmal ganz anders wahr, als ‚gesunde‘ Menschen. Sperrt sie gar in eine Welt, die mit kleinen Dissonanzen beginnt und in einer Kakofonie an GerĂ€uschen endet. Eine Welt, die ‚Gesunde‘ selten verstehen und aus der ein Entkommen unmöglich scheint.

Wie gut, dass Heilung ĂŒber den Hörsinn ebenfalls möglich ist. KlĂ€nge, die uns nicht einmal wirklich gefallen mĂŒssen, wirken sich auf unseren Puls und die Atemfrequenz aus, regulieren den Blutdruck und beeinflussen sogar unser Immunsystem, ebenso wie unser Hormon- oder Nervensystem, weil sie auf Gehirnbereiche wirken, die wir nicht kontrollieren können. Leider können KlĂ€nge genau deshalb aber auch als Waffe eingesetzt werden.

Obwohl RocktĂ€schel explizit auf das Thema Hören eingeht, stört dies die Geschichte ĂŒber kosmische Fernerkundung nicht. Im Gegenteil, sie wird dadurch verstĂ€ndlicher und erscheint weniger abgedreht als fantastisch. Und weckt, wie bereits erwĂ€hnt, die Lust auf einen hoffentlich kommenden Folgeband.

09/ 2010

© Antje JĂŒrgens (AJ)

geschrieben am 20.09.2010 | 1390 Wörter | 8580 Zeichen

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