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Der lange Marsch zum Neoliberalismus. Vom Roten Wien zum freien Markt - Popper und Hayek im Diskurs


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Rezension von

Gérard Bökenkamp

Der lange Marsch zum Neoliberalismus. Vom Roten Wien zum freien Markt - Popper und Hayek im Diskurs Im Zentrum der Untersuchung steht das VerhĂ€ltnis des Vaters des modernen Wirtschaftsliberalismus Friedrich von Hayek zu dem BegrĂŒnder des Kritischen Rationalismus Karl Popper. Das politische Österreich der Zwischenkriegszeit wurde dominiert vom Gegensatz zwischen den Christlichsozialen und den Austromarxisten. WĂ€hrend sich Hayek von Beginn an auf der Seite der Konservativen verortete, kann Nordmann zeigen, dass Poppers Wurzeln und die des Kritischen Rationalismus ihre UrsprĂŒnge im sozialdemokratischen Reformismus hatten. Erst in Abgrenzung zur Wiener Schule und unter Einfluss des radikal-liberalen Hayes fand Popper zu einer rechtsliberalen Position. Der Autor zeigt somit den Einfluss persönlicher Beziehungen und Abneigungen, sowie taktischer und strategischer EinschĂ€tzungen auf den Gang der Wissenschaft. So nutze Popper Hayeks Einfluss, um im Exil Fuß zu fassen. Dieser wiederum das Renommee des Kritischen Rationalismus als Wissenschaftstheorie um die Akzeptanz fĂŒr seine marktliberalen AnsĂ€tze zu vergrĂ¶ĂŸern. Interessant ist auch der historische Einblick ĂŒber die Rolle nicht universitĂ€rer Wissenschaftsorganisation, die fĂŒr die Entstehung des Neoliberalismus prĂ€gend waren. Nordmann beschreibt die Entwicklung von den Privatseminaren der Wiener Zeit bis hin zu den amerikanischen und britischen Think Tanks, die der Wirtschaftspolitik von Ronald Reagan und Margaret Thatcher Pate standen. Der Neoliberalismus ist der Lieblingsfeind der Linken. Nordmann verortet sich selbst als linken Gegner dieser politischen Position und sein Buch wurde von der Rosa-Luxemburg-Stiftung gefördert. Um so mehr muss herausgestellt werden, dass dem Buch ideologische Voreingenommenheit bis zum Nachwort nicht anzumerken ist. Es handelt sich um einen ausgewogenen und materialreichen wissenschaftshistorischen Beitrag zur Geschichte des Liberalismus. Die gegen Friedrich von Hayeks marktliberale Position vorgebrachte Kritik im Text ist moderat, sachlich und nachvollziehbar. Im Grunde nimmt der Autor im Text selbst den Standpunkt der liberalen Wirtschafts- und Sozialpolitiker der 50er und 60er Jahre ein. Eine Position, die er allerdings im Nachwort zu Gunsten eines kĂ€mpferischen linken Aktivismus negiert, was sich nach 312 Seiten gewinnbringender LektĂŒre durchaus verschmerzen lĂ€sst.

Im Zentrum der Untersuchung steht das VerhĂ€ltnis des Vaters des modernen Wirtschaftsliberalismus Friedrich von Hayek zu dem BegrĂŒnder des Kritischen Rationalismus Karl Popper. Das politische Österreich der Zwischenkriegszeit wurde dominiert vom Gegensatz zwischen den Christlichsozialen und den Austromarxisten. WĂ€hrend sich Hayek von Beginn an auf der Seite der Konservativen verortete, kann Nordmann zeigen, dass Poppers Wurzeln und die des Kritischen Rationalismus ihre UrsprĂŒnge im sozialdemokratischen Reformismus hatten. Erst in Abgrenzung zur Wiener Schule und unter Einfluss des radikal-liberalen Hayes fand Popper zu einer rechtsliberalen Position. Der Autor zeigt somit den Einfluss persönlicher Beziehungen und Abneigungen, sowie taktischer und strategischer EinschĂ€tzungen auf den Gang der Wissenschaft. So nutze Popper Hayeks Einfluss, um im Exil Fuß zu fassen. Dieser wiederum das Renommee des Kritischen Rationalismus als Wissenschaftstheorie um die Akzeptanz fĂŒr seine marktliberalen AnsĂ€tze zu vergrĂ¶ĂŸern. Interessant ist auch der historische Einblick ĂŒber die Rolle nicht universitĂ€rer Wissenschaftsorganisation, die fĂŒr die Entstehung des Neoliberalismus prĂ€gend waren. Nordmann beschreibt die Entwicklung von den Privatseminaren der Wiener Zeit bis hin zu den amerikanischen und britischen Think Tanks, die der Wirtschaftspolitik von Ronald Reagan und Margaret Thatcher Pate standen.

Der Neoliberalismus ist der Lieblingsfeind der Linken. Nordmann verortet sich selbst als linken Gegner dieser politischen Position und sein Buch wurde von der Rosa-Luxemburg-Stiftung gefördert. Um so mehr muss herausgestellt werden, dass dem Buch ideologische Voreingenommenheit bis zum Nachwort nicht anzumerken ist. Es handelt sich um einen ausgewogenen und materialreichen wissenschaftshistorischen Beitrag zur Geschichte des Liberalismus. Die gegen Friedrich von Hayeks marktliberale Position vorgebrachte Kritik im Text ist moderat, sachlich und nachvollziehbar. Im Grunde nimmt der Autor im Text selbst den Standpunkt der liberalen Wirtschafts- und Sozialpolitiker der 50er und 60er Jahre ein. Eine Position, die er allerdings im Nachwort zu Gunsten eines kĂ€mpferischen linken Aktivismus negiert, was sich nach 312 Seiten gewinnbringender LektĂŒre durchaus verschmerzen lĂ€sst.

geschrieben am 22.08.2006 | 301 Wörter | 2005 Zeichen

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