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Spirallo Reiseführer, Venedig


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Rezension von

Dr. Hermann Joosten

Spirallo Reiseführer, Venedig Es handelt sich um eine Übersetzung, vermutlich aus dem englischen Sprachraum (genaue Angaben fehlen). Die Besprechung dieses Buches folgt aus einer eigenen intensiven Nutzung anläßlich einer Reise nach Venedig. Der Verfasser dieser Besprechung ist kein Venedig-Kenner und kann daher viele Beschreibungen und Erklärungen nicht aus eignem Wissen beurteilen. In der praktischen Nutzung erwies es sich aber insgesamt als sehr zuverlässig. Sehr gefällt das handliche Format, das eine Mitnahme auch in einer Handtasche ermöglicht und die Spiralbindung, welche ein Knicken des Buchrückens überflüssig macht und einem viel Blättern und Suchen erspart. Das Layout ist hilfreich für die schnelle Orientierung. Der beigefügte Stadtplan und die vielen kleineren Übersichtskarten machen eine schnelle Orientierung möglich. Allerdings bleiben der Autorin kritische Anmerkungen zu Stil und Inhalt nicht erspart. So wird in nur einem Satz der venezianische Karneval beschrieben. Dem deutschen Leser wird aber nicht deutlich, daß es sich um eine völlig andere Art Karneval handelt, als in Deutschland üblich. Oder die Autorin versucht, die akustische Stimmung der Stadt zu vermitteln (S. 153): "Überall klatscht das Wasser leise gegen die Bootsrümpfe und Mauern, die Vaporetti tuckern auf den Kanälen entlang, und ihre Sperrgitter schnappen auf und zu." Einverstanden mit dem Klatschen des Wassers, aber die Vaporetti - die Schiffe des öffentlichen Nahverkehrs - lärmen ganz ordentlich. Und sie befahren auch nicht alle Kanäle, wie man nach diesem Satz der Autorin denken könnte, sondern nur den Canale Grande und das offene Wasser um Venedig. Und die Sperrgitter (für den Auf- und Abgang) schnappen auch nicht einfach auf und zu, sondern werden vom Personal manuell geräuschvoll geöffnet und geschlossen. Ein weiterer Satz: "Ständig läutet irgendwo eine Glocke, rollen Einkaufskörbe über Brücken, hämmert und klopft es in den Ateliers der Handwerker und scheppert es aus den Küchen der Restaurants." Nun - Glockengeläut ist gewiß nicht ständig zu hören, allerdings sind Glockenschläge zur Angabe der Uhrzeit häufiger. Das Rollen der Einkaufskörbe hätte ich gerne gesehen - haben doch alle von mir gesehenen Brücken Treppenstufen - wie es sich da wohl rollt? Einkaufskörbe haben ansonsten keine Rollen - gemeint sind wohl eher Einkaufswagen. Hämmern und Klopfen aus den Ateliers war auch nicht zu hören - die Maler und Maskenhersteller sind doch eher ruhige Meister. Und die Handwerker haben keine Ateliers, sondern gewöhliche Werkstätten. Und die sind nicht häufig und in den Gegenden, wo der Tourist eher nicht hinwill. Das Scheppern aus den Restaurants kann man bestätigen und damit zugleich auf eine generelle Schwäche des Buches hinweisen: die Idealisierung. Es scheppert nämlich deswegen so laut, weil die Restaurants mit der schnellen Abfütterung der Touristenmassen beschäftigt sind. Meist wird man auch als Teil der Touristenmasse behandelt, und darauf weist das Buch nicht klar hin. Viele Restaurants haben (im Sommer) Tische außen (oft idyllisch an einem Kanal) und man wird von den herumstehenden Kellnern genötigt, Platz zu nehmen. Wenn man es bei einer Vorspeise belassen will, fliegt man wieder hinaus.Die Speisen der meisten Restaurants sind teuer und geschmacklos. Ausnahme natürlich Edelrestaurants - noch teurer, aber besseres Essen. Empfehlung: Selbstverpflegung oder sehr gutes Restaurant auswählen. Überhaupt macht man in Venedig oft die Erfahrung, daß man solange höflich behandelt wird, wie man Umsatz verspricht. Und noch ein Hinweis für Menschen mit wenig Geld, die wohl nicht zur Zielgruppe des Reiseführers gehören: Venedig ist ein teures Pflaster. Über diese dunkle Seite von Venedig gibt der Reiseführer nicht genug klare Informationen. Zwar gibt es einige solcher Hinweise wie z.B: " Schlagen Sie Angebote für Gratis-Überfahrten nach Murano aus. Sie werden von den Glasfabriken veranstaltet und schließen eine Verkaufsvorführung ein, bei der sie nachhaltig zum Kauf ermuntert werden". Also - wer Geld sparen will, kann ruhig diese Gratisüberfahrt nutzen und die Verkaufsvorführung ist eine Demonstration in Glasbläserei. Man wird nicht zum Kauf ermuntert, sondern die Verkäufer versuchen einen energisch zu überreden. Aber das passiert jedem, der den Verkaufsraum einer Glasfabrik betritt und länger als 30 Sekunden vor etwas Teurem verweilt. Der Hinweis des Reiseführers, daß man zu einem renommierten Glasfabrikanten gehen soll, ist ebenfalls nicht hilfreich ohne die Angabe, welcher denn renommiert ist. Und vielleicht hätte dieser Führer dann noch erwähnen sollen, daß die Renommierten meist auch die Teuersten sind. Hier findet man keinen Kitsch und keine Massenware - sondern das Beste, was die Glasbläserinsel Murano zu bieten hat - z.B. edle Sektgläser, das Stück für 600 Euro. Im übrigen sollte man bei jedem Kauf in Venedig daran denken, daß Qualität und Preis meist in einem unguten Verhältnis zueinander stehen. Weiter zum Stil: Unangenehm reißerisch ist das "Insider-Info" mit den "Top-Tipps" und "Geheim-Tipps". Meist sind es gewöhnliche Tips, die man einfach in den laufenden Absatz-Text einfügen könnte. Diese Tips sind des Öfteren unpräzise. So wird auf S. 52 appelliert: "Sie besichtigen eine Kirche: Tragen Sie keine kurzen Hosen und Röcke oder ärmellose Tops." Was hier wie ein Appell an die Beachtung der Würde einer Kirche erscheint, ist aber ein handfestes Problem, welches der Reiseführer verschweigt: Man wird einfach nicht eingelassen. Die "richtige" Länge von Hose und Rock unterliegt der Beurteilung des Wachpersonals. Im Falle der Tops gibt es Hilfe: Oft werden in größeren Kirchen Halsschals kostenlos ausgeliehen oder man kann sie vor der Kirche kaufen. Wenn also gutgemeinte Tips, dann sollten sie vollständig sein. Bei den Geheimtips findet man keinerlei Geheimnisse, sondern bloß wenig Bekanntes. Hier wird ein Trend aufgegriffen, der bei Computerzeitschriften verbreitet ist: Grundlegende Informationen werden als geheim, Insider-Wissen u.ä. angepriesen, damit die Leute diese Zeitschriften kaufen. So etwas hat dieser Reiseführer nicht nötig. Insgesamt ein empfehlenswertes Buch für touristische Alltagszwecke. Wer historisch oder kunsthistorisch mehr oder Genaueres wissen will, muß auf umfangreichere Werke aus bewährten Verlagen (z.B. DuMont-Reiseführer) zurückgreifen.

Es handelt sich um eine Übersetzung, vermutlich aus dem englischen Sprachraum (genaue Angaben fehlen). Die Besprechung dieses Buches folgt aus einer eigenen intensiven Nutzung anläßlich einer Reise nach Venedig. Der Verfasser dieser Besprechung ist kein Venedig-Kenner und kann daher viele Beschreibungen und Erklärungen nicht aus eignem Wissen beurteilen. In der praktischen Nutzung erwies es sich aber insgesamt als sehr zuverlässig. Sehr gefällt das handliche Format, das eine Mitnahme auch in einer Handtasche ermöglicht und die Spiralbindung, welche ein Knicken des Buchrückens überflüssig macht und einem viel Blättern und Suchen erspart. Das Layout ist hilfreich für die schnelle Orientierung. Der beigefügte Stadtplan und die vielen kleineren Übersichtskarten machen eine schnelle Orientierung möglich.

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Allerdings bleiben der Autorin kritische Anmerkungen zu Stil und Inhalt nicht erspart. So wird in nur einem Satz der venezianische Karneval beschrieben. Dem deutschen Leser wird aber nicht deutlich, daß es sich um eine völlig andere Art Karneval handelt, als in Deutschland üblich. Oder die Autorin versucht, die akustische Stimmung der Stadt zu vermitteln (S. 153): "Überall klatscht das Wasser leise gegen die Bootsrümpfe und Mauern, die Vaporetti tuckern auf den Kanälen entlang, und ihre Sperrgitter schnappen auf und zu." Einverstanden mit dem Klatschen des Wassers, aber die Vaporetti - die Schiffe des öffentlichen Nahverkehrs - lärmen ganz ordentlich. Und sie befahren auch nicht alle Kanäle, wie man nach diesem Satz der Autorin denken könnte, sondern nur den Canale Grande und das offene Wasser um Venedig. Und die Sperrgitter (für den Auf- und Abgang) schnappen auch nicht einfach auf und zu, sondern werden vom Personal manuell geräuschvoll geöffnet und geschlossen. Ein weiterer Satz: "Ständig läutet irgendwo eine Glocke, rollen Einkaufskörbe über Brücken, hämmert und klopft es in den Ateliers der Handwerker und scheppert es aus den Küchen der Restaurants." Nun - Glockengeläut ist gewiß nicht ständig zu hören, allerdings sind Glockenschläge zur Angabe der Uhrzeit häufiger. Das Rollen der Einkaufskörbe hätte ich gerne gesehen - haben doch alle von mir gesehenen Brücken Treppenstufen - wie es sich da wohl rollt? Einkaufskörbe haben ansonsten keine Rollen - gemeint sind wohl eher Einkaufswagen. Hämmern und Klopfen aus den Ateliers war auch nicht zu hören - die Maler und Maskenhersteller sind doch eher ruhige Meister. Und die Handwerker haben keine Ateliers, sondern gewöhliche Werkstätten. Und die sind nicht häufig und in den Gegenden, wo der Tourist eher nicht hinwill. Das Scheppern aus den Restaurants kann man bestätigen und damit zugleich auf eine generelle Schwäche des Buches hinweisen: die Idealisierung. Es scheppert nämlich deswegen so laut, weil die Restaurants mit der schnellen Abfütterung der Touristenmassen beschäftigt sind. Meist wird man auch als Teil der Touristenmasse behandelt, und darauf weist das Buch nicht klar hin. Viele Restaurants haben (im Sommer) Tische außen (oft idyllisch an einem Kanal) und man wird von den herumstehenden Kellnern genötigt, Platz zu nehmen. Wenn man es bei einer Vorspeise belassen will, fliegt man wieder hinaus.Die Speisen der meisten Restaurants sind teuer und geschmacklos. Ausnahme natürlich Edelrestaurants - noch teurer, aber besseres Essen. Empfehlung: Selbstverpflegung oder sehr gutes Restaurant auswählen. Überhaupt macht man in Venedig oft die Erfahrung, daß man solange höflich behandelt wird, wie man Umsatz verspricht. Und noch ein Hinweis für Menschen mit wenig Geld, die wohl nicht zur Zielgruppe des Reiseführers gehören: Venedig ist ein teures Pflaster.

Über diese dunkle Seite von Venedig gibt der Reiseführer nicht genug klare Informationen. Zwar gibt es einige solcher Hinweise wie z.B: " Schlagen Sie Angebote für Gratis-Überfahrten nach Murano aus. Sie werden von den Glasfabriken veranstaltet und schließen eine Verkaufsvorführung ein, bei der sie nachhaltig zum Kauf ermuntert werden". Also - wer Geld sparen will, kann ruhig diese Gratisüberfahrt nutzen und die Verkaufsvorführung ist eine Demonstration in Glasbläserei. Man wird nicht zum Kauf ermuntert, sondern die Verkäufer versuchen einen energisch zu überreden. Aber das passiert jedem, der den Verkaufsraum einer Glasfabrik betritt und länger als 30 Sekunden vor etwas Teurem verweilt. Der Hinweis des Reiseführers, daß man zu einem renommierten Glasfabrikanten gehen soll, ist ebenfalls nicht hilfreich ohne die Angabe, welcher denn renommiert ist. Und vielleicht hätte dieser Führer dann noch erwähnen sollen, daß die Renommierten meist auch die Teuersten sind. Hier findet man keinen Kitsch und keine Massenware - sondern das Beste, was die Glasbläserinsel Murano zu bieten hat - z.B. edle Sektgläser, das Stück für 600 Euro. Im übrigen sollte man bei jedem Kauf in Venedig daran denken, daß Qualität und Preis meist in einem unguten Verhältnis zueinander stehen.

Weiter zum Stil: Unangenehm reißerisch ist das "Insider-Info" mit den "Top-Tipps" und "Geheim-Tipps". Meist sind es gewöhnliche Tips, die man einfach in den laufenden Absatz-Text einfügen könnte. Diese Tips sind des Öfteren unpräzise. So wird auf S. 52 appelliert: "Sie besichtigen eine Kirche: Tragen Sie keine kurzen Hosen und Röcke oder ärmellose Tops." Was hier wie ein Appell an die Beachtung der Würde einer Kirche erscheint, ist aber ein handfestes Problem, welches der Reiseführer verschweigt: Man wird einfach nicht eingelassen. Die "richtige" Länge von Hose und Rock unterliegt der Beurteilung des Wachpersonals. Im Falle der Tops gibt es Hilfe: Oft werden in größeren Kirchen Halsschals kostenlos ausgeliehen oder man kann sie vor der Kirche kaufen. Wenn also gutgemeinte Tips, dann sollten sie vollständig sein. Bei den Geheimtips findet man keinerlei Geheimnisse, sondern bloß wenig Bekanntes. Hier wird ein Trend aufgegriffen, der bei Computerzeitschriften verbreitet ist: Grundlegende Informationen werden als geheim, Insider-Wissen u.ä. angepriesen, damit die Leute diese Zeitschriften kaufen. So etwas hat dieser Reiseführer nicht nötig.

Insgesamt ein empfehlenswertes Buch für touristische Alltagszwecke. Wer historisch oder kunsthistorisch mehr oder Genaueres wissen will, muß auf umfangreichere Werke aus bewährten Verlagen (z.B. DuMont-Reiseführer) zurückgreifen.

geschrieben am 09.09.2003 | 911 Wörter | 5515 Zeichen

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