
| ISBN | 3406639216 | |
| Autoren | Helmut Duve , Carola Maffini | |
| Verlag | - | |
| Sprache | deutsch | |
| Seiten | 332 | |
| Erscheinungsjahr | 2012 | |
| Extras | - |

Im ersten Augenschein ein kleines Büchlein, aber dennoch über 330 Seiten erwarten den Leser zum interdisziplinären Thema „Bautechnik“. Wer einmal einen Bauprozess führen musste, schlimmer noch entscheiden musste, weiß nur zu gut, dass man sich hier teilweise hinsichtlich der tatsächlichen Ebene auf echtes Neuland begibt. Um den Vortrag der Parteien, vor allem aber die Ausführungen des Sachverständigen richtig einordnen zu können, ist es die Aufgabe der Organe der Rechtspflege, sich die entsprechenden Kenntnisse jedenfalls dem Grunde nach anzueignen. Dazu dienen nicht nur Titel über Baumängel, also das Ergebnis falscher Bauvorgänge, sondern eben auch Werke wie das vorliegende, das unter verschiedenen Aspekten den Vorgang und die Techniken des Bauens samt den dafür zu beachtenden Regeln und Normen vorstellt.

Die Gestaltung des Werks bietet für Juristen ein erstaunliches Element: Farbfotos zur Verdeutlichung der Beschreibungen. Hinzu kommen ein dichter Fließtext mit wenigen Hervorhebungen, Schaubilder, Graphiken bzw. Skizzen.
Nach einer knappen Einleitung werden zunächst allgemeine Kenntnisse vermittelt. In den einzelnen Unterkapiteln geht es um bautechnische Regelungen, Statik, Baustoffe, Bauphysik bei verschiedenen Schutzmaßnahmen (Wärme, Feuchte, Brand, Schall) sowie den Baugrund. Stets werden einführende Erläuterungen vermittelt, danach fachspezifische Informationen erteilt, auftretende Probleme benannt und auf Fachliteratur verwiesen. In ebendieser Art werden in den Folgeabschnitten Bauverfahren, Bauteile, der Innenausbau, der Baubetrieb und diverse Bauarten präsentiert (Tiefbau, Tunnelbau, Wasserbau, Schlüsselfertigbau etc.), sodass man sich gut an den Darstellungsduktus gewöhnen und die Inhalte rasch praktisch begreifen kann.
Bisweilen etwas unübersichtlich werden größere Unterkapitel, etwa die fachlichen Erläuterungen zu den Baustoffen (S. 22 ff.) hinsichtlich der einzelnen Baustoffe, nicht sinnvoll untergliedert, also weder durch Zwischenüberschriften noch alphabetisch sortiert, so dass man hier nicht gezielt nachsuchen kann. Bedauerlich ist gerade diesbezüglich, dass z.B. das Einzelstichwort „Beton“ nicht einmal im Sachverzeichnis enthalten ist. Hier sollte eine bessere formale Systematisierung erfolgen.
En detail sind viele Erläuterungen eingängig und pragmatisch, sodass man eben auch als „bloßer“ Jurist die Materie besser zu begreifen beginnt. Exemplarisch genannt seien die Abschnitte zum Bewehrungsstahl (S. 27), zum Entstehen von Wärmebrücken als Dämmungsproblem (S. 55), zum Mauerwerksverband (S. 116) oder zu Verglasungstypen beim Fassadenbau (S. 186). Stets erfolgt eine lösungsorientierte Darstellung, die den Lesefluss nicht mit Theorie erlahmt. Für den Bauprozess lesenswert sind zudem die Ausführungen zum Ineinandergreifen der einzelnen Bauvorgänge an einem Projekt (S. 240 ff.) sowie zu den Handelnden bei einem größeren Bauvorhaben (ARGE etc., S. 274).
Insgesamt ist dieses Werk eine sehr sinnvolle Ergänzung für jeden Baurechtler, egal auf welcher Seite des Verfahrens er sich befindet. Natürlich ist die Lektüre anders als im herkömmlichen juristischen Lehrbuch, aber man ist mitunter durchaus dankbar für die verknappten und klaren Beschreibungen von Vorgängen bzw. Problemfeldern.
geschrieben am 24.11.2012 | 426 Wörter | 2883 Zeichen
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