
| ISBN | 3442469961 | |
| Buchreihe | Johannes Cabal | |
| Autor | Jonathan L. Howard | |
| Verlag | Goldmann | |
| Sprache | deutsch | |
| Seiten | 384 | |
| Erscheinungsjahr | 2009 | |
| Extras | - |

Der britische Autor Jonathan L. Howard entwickelt Computerspiele und schreibt Drehbücher. Seine Kurzgeschichte „Johannes Cabal and the Blustery Day“ erschien zunächst in H.P. Lovecraft's Magazine of Horror und entwickelte sich schließlich zu „Johannes Cabal – Seelenfänger“, dem Ersten von drei Bänden um den Nekromanten Cabal.

Johannes Cabal ist Nekromant und Forscher. Sein Ziel ist es, das Geheimnis des Todes zu lüften und ihn somit besiegen zu können. Im Tausch gegen das Wissen, das er braucht, um seine Forschungen voranzutreiben, verkauft er dem Teufel seine Seele. Doch bald muss Cabal feststellen, dass es sich ohne Seele nur halb so gut leben und forschen lässt und er macht sich erneut auf den Weg in die Hölle, um sie sich zurückzuholen.
Doch wenn der Teufel erst einmal eine Seele besitzt, rückt er sie nur ungern wieder heraus. Schließlich handeln die beiden eine Wette aus: Wenn es Cabal gelingt, innerhalb eines Jahres einhundert Seelen zu fangen, erhält er seine eigene zurück. Zu diesem Zweck überlässt der Teufel Cabal den „Jahrmarkt der Zwietrachten“, der im gegenwärtigen Zustand aus einem Zug mit diversen Einzelteilen besteht. Cabal, der sich zwar auf Geister versteht, aber nicht auf die Vorlieben der Menschen, bittet seinen Bruder um Hilfe. Er soll den Jahrmarkt für die Leute attraktiv machen, damit möglichst viele arglose Seelen ihren Weg zu Cabal finden.
Zunächst einmal passt das Cover hervorragend zu dem Roman, denn genauso düster und skurril wie das Bild ist auch der Inhalt des Buches.
Johannes Cabal ist eine eher zurückhaltende Figur, aber dadurch, dass die Geschichte aus seiner Perspektive heraus geschildert wird, erhält der Leser oft Einblick in seine persönlichen Gedanken. Dennoch gelingt es bis zum Schluss nicht, sein Wesen vollkommen zu verstehen. Sein Charakter ist verblüffend vielschichtig. Er ist nicht wie viele andere Helden durchweg gut oder böse, dumm oder klug, sondern so wechselhaft wie ein richtiger Mensch. Hegt man manchmal eine regelrechte Sympathie für den einsamen Sonderling, kann man ihn im nächsten Augenblick schon nicht mehr ausstehen, weil er eine unschuldige Seele für immer verdammen will. Doch gerade diese Mischung aus Gut und Böse, die selten so ausgeprägt geschildert wird, ist faszinierend – und zugleich auch ein wenig beunruhigend.
Neben Cabal spielt auch sein Bruder eine große Rolle. Er ist zwar ein Vampir, entspricht aber nicht den üblichen Klischees. Schon der Name Horst spricht für sich und auch der „Vampir-Erotik-Teil“, der sich normalerweise über Seiten hinwegzieht, fällt hier ganz weg. Stattdessen fliegen zwischen Horst und seinem Bruder eher mal ordentlich die Fetzen, wenn der wieder ein bisschen über die Strenge geschlagen hat, denn tatsächlich ist Horst der moralischere von beiden.
Auch das restliche Personal des Jahrmarkts ist originell und witzig, so zum Beispiel der klapperdürre Bones, die Latexlady Layla und die dämlichen Geisterdiebe Denzil und Dennis. Nicht zuletzt trägt auch der Teufel selbst mit seinen leider eher seltenen Auftritten zu der humorvollen Erzählung bei.
Die Sprache ist flüssig und modern, aber nicht zu umgangssprachlich. Cabals trockener Sarkasmus entlockt dem Leser immer wieder ein Schmunzeln, ebenso wie die netten und detailreichen Einfälle, mit denen die Haupthandlung ausgeschmückt ist.
Gerade am Anfang wird die Geschichte allerdings oft von kleineren Handlungssträngen unterbrochen, welche der eigentlichen Handlung nicht wirklich zuträglich sind, sondern lediglich für sich stehen. Zwar sind auch diese Stellen interessant, aber wirklich spannend wird es erst zum Schluss hin. Cabal hat sich mittlerweile so tief in den Konflikt des Seelenfangens verstrickt, dass es kaum noch einen Ausweg zu geben scheint. Hat sich erst einmal ein Mensch bereit erklärt, eines von den einhundert Formularen zu unterschreiben, die der Teufel Cabal gegeben hat, ist seine Seele dazu verdammt, nach dem Tod in die Hölle einzukehren und bis zum Jüngsten Tag dortzubleiben. Zuerst sucht sich Cabal nur Menschen aus, deren Seele ohnehin in die Hölle gewandert wäre, sodass sein Eingreifen eigentlich keinen Unterschied macht. Doch als er die erste unschuldige Seele zum Unterschreiben bewegt, verliert er nicht nur die Hilfe seines Bruders, sondern tut auch noch genau das, was der Teufel bezweckt. An dieser Stelle gewinnt der Leser zum ersten Mal tiefe Einblicke in Cabals wahren Charakter und in seine Ansichten von Recht und Moral und bis zum Schluss bleibt es unerkennbar, wie sich Cabal entscheiden wird, um den Konflikt zu beenden und seine Seele wiederzuerlangen.
Fazit: Ein spannender Roman mit einer herrlich düsteren Atmosphäre. Die Charaktere sind vielschichtig und geben einigen Anlass zum Lachen und zum Philosophieren. Leider viel zu kurz. Hoffentlich erscheint bald der nächste Band.
geschrieben am 15.09.2009 | 731 Wörter | 4160 Zeichen
Johannes Cabal ist Wissenschaftler und Nekromant. Doch es gibt einen Faktor, der ihm bei seinen Forschungen immer wieder im Wege steht: seine fehlende Seele. Um diese jedoch wieder zu erhalten, muss er selbst in die Hölle steigen. Vorbei an der Pforte der Hölleund ohne die „verdammten Formulare“ auszufüllen gelangt er schließlich an sein Ziel und fordert von Satan höchstpersönlich seine Seele zurück. Doch der Höllenfürst gibt sie natürlich nur ungern wieder her und so muss sich Johannes auf eine gefährliche Wette einlassen: Innerhalb eines Jahres muss er 100 Seele rekrutieren und die einzigen Hilfsmittel, die ihm zur Verfügung gestellt werden, sind ein Jahrmarkt, der bereits seit Jahren stillgelegt ist, 100 Verträge über das Abtreten der Seele und ein Haufen Knochen, Haare, Lumpen und etwas Schmalz.

Im ersten Roman der Reihe von Jonathan L.Howard wird Johannes Cabal im wörtlichen Sinne zum Seelenfänger. Seinen ersten Auftritt hatte bereits in einer Kurzgeschichte „Johannes Cabal and the Blustery Day“, doch erst mit dem Buch „Seelenfänger“ wurde er richtig zum Leben erweckt. Cover und Klappentext des Buches sind ausgesprochen gut gestaltet. So wird schon auf den ersten Blick klar, dass es sich keinesfalls um ein fröhliches kleines Taschenbuch handelt. Ebenso wenig entspricht die Geschichte einem klassischen Fantasybuch, in dem ein großer Held geboren wird um die Welt zu retten. Johannes Cabal ist sicherlich kein Held, eher schon sein Bruder Horst, wäre der nicht wie alle Jahrmarktbewohner ein Monster. Die Figur des Johannes wird sehr lebendig dargestellt, gleichzeitig bleibt er jedoch auch sehr geheimnissvoll und seine wahren Beweggründe scheinen immer im Verborgenen zu liegen.
Auch der Aufbau des Buches und die Unterteilung der Kapitel ist sehr phantasievoll gestaltet. Angefangen bei „KAPITEL 1 – In dem ein Wissenschaftler die Hölle besucht und ein Pakt geschlossen wird“ über „KAPITEL 8 – In dem ich zum Jahrmarkt gehe und mir was angucke“ bis zum letzten Kapitel „KAPITEL 16 – In dem ein Wissenschaftler in die Hölle zurückkehrt und ein Pakt gebrochen wird“, sind alle Abschnitte mit sehr individuellen Namen betitelt.
Zwar könnte man dem Autor vorwerfen, dass die Geschichte von einem Pakt mit dem Teufel nicht gerade neu ist und auch deren Ende irgendwie vorhersehbar ist, dennoch gelngt es Jonathan L. Howard durch seinen Schreibstil den Leser zu fesseln und das Buch spannend zu Gestalten. Er beschreibt ohne viel Geschnörkel die Geschichte des Nekromanten. Seine Bilder sind klar und mindestens ebenso düster wie direkt. Durchzogen wird das ganze von einem schwarzen Humor, der seines gleichen sucht. Manchmal auf sehr subtile aber immer wieder auf sehr direkte Weise, verwendet er Sarkasmus und Ironie und greift auch übliche Klischees gekonnt auf, wenn er zum Beispiel über die Beschaffenheit von Bürokratie oder Nebel auf Friedhöfen berichtet.
Seelenfänger ist ein etwas makabres Buch voll von schwarzem Humor und damit sicherlich nicht jedermanns Sache, aber für Freunde dieses Genres, die nichts dagegen haben wenn es von Nicht-Ganz-Toten nur so wimmelt und die eine gute, klar und einfach geschrieben Geschichte – die dennoch keineswegs flach oder simpel erscheint – zu schätzen wissen, ist diese Buch über einen Seelenfnger Namens Johannes Cabal sehr zu empfehlen.
geschrieben am 14.11.2010 | 509 Wörter | 2872 Zeichen
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