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Friedrich Ebert 1871-1925. Reichspräsident der Weimarer Republik


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Rezension von

Max Bloch

Friedrich Ebert 1871-1925. Reichspräsident der Weimarer Republik Friedrich Ebert, der vom Heidelberger Sattlergesellen zum Vorsitzenden der SPD und schließlich zum Reichspräsidenten avancierte Parteisoldat, ist stets eine umstrittene Persönlichkeit der jüngeren deutschen Geschichte gewesen. Von rechts wurde er als ganz und gar unzulänglicher Kaiserersatz, von links als „Arbeiterverräter“ geschmäht. Dabei hat seine pragmatische, ganz auf den Erhalt deutscher Staatlichkeit abzielende, vielfach als spießbürgerlich apostrophierte Politik viel, sehr viel zur Stabilität der Weimarer Republik und damit der ersten Demokratie auf deutschem Boden beigetragen. An – meistenteils vernichtenden – Urteilen über Friedrich Ebert besteht kein Mangel. Eine wissenschaftlichen Kriterien genügende Biographie hat bislang jedoch leider nicht vorgelegen. Walter Mühlhausen, als Geschäftsführer der Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte in Heidelberg ein ausgewiesener Kenner der Materie, hat mit seiner voluminösen Ebert-Biographie (gut 1000 Seiten stark) diese Lücke nun gefüllt und die Person des ersten Reichspräsidenten, eines rasch Aufgestiegenen und tragisch Gescheiterten, zu spätem Leben erweckt. Nachdem die Jahre des Aufstiegs vom Bremer Arbeitersekretär zum SPD-Vorsitzenden kurz skizziert werden, nimmt Eberts Wirken während und nach der Revolution den Großteil des Buches ein. Galt in den Jahren 1918-20 sein politischer Wille in erster Linie der Beendigung der Putschgefahr von links und rechts, der „evolutionären“ Fortentwicklung der gesellschaftlichen und Stabilisierung der politischen Verhältnisse – eine unter den Bedingungen des Versailler Friedens kaum lösbare Aufgabe –, so setzte er nach dem Scheitern der Weimarer Koalition alles daran, eine Große Koalition, wie sie seit 1920 in Preußen bestand, auch im Reiche durchzusetzen. SPD, DDP, Zentrum und DVP sollten sich am runden Tisch begegnen und den Gedanken einer demokratischen „Volksgemeinschaft“, wie er im Weltkrieg entstanden war, den gesellschaftlichen Auflösungserscheinungen entgegenstellen. Teile der beiden Flügelparteien DVP und SPD begegneten diesem Projekt jedoch mit Vorbehalten und setzten sich gegen ihre moderaten Parteiführungen durch. War es Stresemann später gelungen, seine Partei, die DVP, zur verantwortungsvollen Mitarbeit am Weimarer Staate zu bewegen, so markierte die Absage an eine Große Koalition durch die SPD den Anfang vom Ende ihrer politischen Gestaltungsmöglichkeiten – eine für die weitere Entwicklung der Weimarer Republik entscheidende Weichenstellung. Walter Mühlhausen spricht in diesem Zusammenhang von einem „Sieg kurzsichtiger Parteitaktik“ über die von Ebert favorisierte staatspolitische Linie. Die letzten Lebensjahre des Reichspräsidenten waren von kräftezehrenden Beleidigungsprozessen gegen rechts und sicherlich nicht minder belastenden Reibungen mit seiner eigenen Partei gekennzeichnet. Die Ikonisierung Eberts nach seinem viel zu frühen Tod sollte jedenfalls den von Mühlhausen überzeugend nachgezeichneten Entfremdungsprozess, die zahlreichen Parteiausschlussanträge und öffentlichen Verleumdungen durch Vertreter der SPD nicht vergessen machen. Dass er sein Vermächtnis, die dauernde Heranführung der SPD an die politische Verantwortung im Reich, nicht erfüllt sah, überschattet das Ende des Reichspräsidenten mit einer nicht zu leugnenden Tragik. Diese Tragik, getragen von einer starken Empathie, herausgearbeitet zu haben, ist das Verdienst dieses teilweise sehr detaillierten, aber gut lesbaren Buches.

Friedrich Ebert, der vom Heidelberger Sattlergesellen zum Vorsitzenden der SPD und schließlich zum Reichspräsidenten avancierte Parteisoldat, ist stets eine umstrittene Persönlichkeit der jüngeren deutschen Geschichte gewesen. Von rechts wurde er als ganz und gar unzulänglicher Kaiserersatz, von links als „Arbeiterverräter“ geschmäht. Dabei hat seine pragmatische, ganz auf den Erhalt deutscher Staatlichkeit abzielende, vielfach als spießbürgerlich apostrophierte Politik viel, sehr viel zur Stabilität der Weimarer Republik und damit der ersten Demokratie auf deutschem Boden beigetragen. An – meistenteils vernichtenden – Urteilen über Friedrich Ebert besteht kein Mangel. Eine wissenschaftlichen Kriterien genügende Biographie hat bislang jedoch leider nicht vorgelegen. Walter Mühlhausen, als Geschäftsführer der Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte in Heidelberg ein ausgewiesener Kenner der Materie, hat mit seiner voluminösen Ebert-Biographie (gut 1000 Seiten stark) diese Lücke nun gefüllt und die Person des ersten Reichspräsidenten, eines rasch Aufgestiegenen und tragisch Gescheiterten, zu spätem Leben erweckt.

Nachdem die Jahre des Aufstiegs vom Bremer Arbeitersekretär zum SPD-Vorsitzenden kurz skizziert werden, nimmt Eberts Wirken während und nach der Revolution den Großteil des Buches ein. Galt in den Jahren 1918-20 sein politischer Wille in erster Linie der Beendigung der Putschgefahr von links und rechts, der „evolutionären“ Fortentwicklung der gesellschaftlichen und Stabilisierung der politischen Verhältnisse – eine unter den Bedingungen des Versailler Friedens kaum lösbare Aufgabe –, so setzte er nach dem Scheitern der Weimarer Koalition alles daran, eine Große Koalition, wie sie seit 1920 in Preußen bestand, auch im Reiche durchzusetzen. SPD, DDP, Zentrum und DVP sollten sich am runden Tisch begegnen und den Gedanken einer demokratischen „Volksgemeinschaft“, wie er im Weltkrieg entstanden war, den gesellschaftlichen Auflösungserscheinungen entgegenstellen. Teile der beiden Flügelparteien DVP und SPD begegneten diesem Projekt jedoch mit Vorbehalten und setzten sich gegen ihre moderaten Parteiführungen durch. War es Stresemann später gelungen, seine Partei, die DVP, zur verantwortungsvollen Mitarbeit am Weimarer Staate zu bewegen, so markierte die Absage an eine Große Koalition durch die SPD den Anfang vom Ende ihrer politischen Gestaltungsmöglichkeiten – eine für die weitere Entwicklung der Weimarer Republik entscheidende Weichenstellung. Walter Mühlhausen spricht in diesem Zusammenhang von einem „Sieg kurzsichtiger Parteitaktik“ über die von Ebert favorisierte staatspolitische Linie.

Die letzten Lebensjahre des Reichspräsidenten waren von kräftezehrenden Beleidigungsprozessen gegen rechts und sicherlich nicht minder belastenden Reibungen mit seiner eigenen Partei gekennzeichnet. Die Ikonisierung Eberts nach seinem viel zu frühen Tod sollte jedenfalls den von Mühlhausen überzeugend nachgezeichneten Entfremdungsprozess, die zahlreichen Parteiausschlussanträge und öffentlichen Verleumdungen durch Vertreter der SPD nicht vergessen machen. Dass er sein Vermächtnis, die dauernde Heranführung der SPD an die politische Verantwortung im Reich, nicht erfüllt sah, überschattet das Ende des Reichspräsidenten mit einer nicht zu leugnenden Tragik. Diese Tragik, getragen von einer starken Empathie, herausgearbeitet zu haben, ist das Verdienst dieses teilweise sehr detaillierten, aber gut lesbaren Buches.

geschrieben am 15.08.2007 | 445 Wörter | 3098 Zeichen

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