Navigation

Seiten der Rubrik "Bücher"


Google Anzeigen

Anzeigen

Bücher

Die Sprache der Vögel


Statistiken
  • 1148 Aufrufe

Informationen zum Buch
  ISBN
  Autor
  Verlag
  Sprache
  Seiten
  Erscheinungsjahr
  Extras

Rezension von

Ragan Tanger

Die Sprache der Vögel Tierverbrüderung statt Brudermord Der in der Eifel lebende Schriftsteller Norbert Scheuer geht in seinem neuen Roman neue Wege. Zunächst einmal methodischer Natur, denn der biographische Bericht über den Bundeswehrsoldaten Paul Ariond ist im Tagebuchstil verfasst. Das hat ein wenig was von Stakkato, was ganz gut zum Thema passt, das sich vor dem Hintergrund des Afghanistankonfliktes zur ornithologischen Lebenssuche ausweitet. Als Nachfolger seines Urahns Ambrosius dringt der Protagonist weitab seiner Heimat tief in die Geschehnisse der Vögel ein. Was angenehm ist: der Autor respektive der Tagesbuchschreiber ist kein Akademiker. Er liebt die einfache, schlichte Sprache, das Herantasten an Wirklichkeiten, die sinnlich erfahrbar sind und nicht mechanisch gemessen werden müssen. Das klingt nicht nur nach Thoreau, das ist auch ein Stück Thoreau, der als Referenz ebenso wie Emerson im Buch behandelt wird. Zwei klassische Naturphilosophen der Aussteigerart, denen Ariond nicht nachsteht, sondern sogar den Vorteil besitzt, dass er noch authentischer herüber kommt. Gefangen in der Diaspora der Moderne. Benebelt vom Gestank der Bomben und Gewehre. Und trotzdem mit beiden Ohren im Hier und Jetzt der Tiere. So ist dieses Buch auch eine Metapher für das Leben in Zeiten des Krieges. Wer in solch düsteren Momenten den Blick von der Munition zur Natur wenden kann, der lebt im Hier und Jetzt. Verantwortungsvoll, denn er kann sich entscheiden. Dass das Ganze nüchtern, objektiv und bisweilen redundant vermittelt wird, stärkt diesen Eindruck optimal. Wo kämen wir denn da hin, wenn alle das gleiche unsägliche Mitleid fühlen würden. Wenn alle mit einstimmen würden in den Chor der Zerstörung und Wehklage. Kein Schamane, kein Krieger, sondern ein Mensch, der in diesem Buch den Blick auf die andere Realität, die berauschende - trotz aller Wunden - in seiner Nähe wirft. Ehrlich, kraftvoll und Kriegsliteratur, wie man sie so vielleicht noch nie gelesen hat.

Tierverbrüderung statt Brudermord

weitere Rezensionen von Ragan Tanger


Der in der Eifel lebende Schriftsteller Norbert Scheuer geht in seinem neuen Roman neue Wege. Zunächst einmal methodischer Natur, denn der biographische Bericht über den Bundeswehrsoldaten Paul Ariond ist im Tagebuchstil verfasst. Das hat ein wenig was von Stakkato, was ganz gut zum Thema passt, das sich vor dem Hintergrund des Afghanistankonfliktes zur ornithologischen Lebenssuche ausweitet. Als Nachfolger seines Urahns Ambrosius dringt der Protagonist weitab seiner Heimat tief in die Geschehnisse der Vögel ein. Was angenehm ist: der Autor respektive der Tagesbuchschreiber ist kein Akademiker. Er liebt die einfache, schlichte Sprache, das Herantasten an Wirklichkeiten, die sinnlich erfahrbar sind und nicht mechanisch gemessen werden müssen.

Das klingt nicht nur nach Thoreau, das ist auch ein Stück Thoreau, der als Referenz ebenso wie Emerson im Buch behandelt wird. Zwei klassische Naturphilosophen der Aussteigerart, denen Ariond nicht nachsteht, sondern sogar den Vorteil besitzt, dass er noch authentischer herüber kommt. Gefangen in der Diaspora der Moderne. Benebelt vom Gestank der Bomben und Gewehre. Und trotzdem mit beiden Ohren im Hier und Jetzt der Tiere.

So ist dieses Buch auch eine Metapher für das Leben in Zeiten des Krieges. Wer in solch düsteren Momenten den Blick von der Munition zur Natur wenden kann, der lebt im Hier und Jetzt. Verantwortungsvoll, denn er kann sich entscheiden.

Dass das Ganze nüchtern, objektiv und bisweilen redundant vermittelt wird, stärkt diesen Eindruck optimal. Wo kämen wir denn da hin, wenn alle das gleiche unsägliche Mitleid fühlen würden. Wenn alle mit einstimmen würden in den Chor der Zerstörung und Wehklage. Kein Schamane, kein Krieger, sondern ein Mensch, der in diesem Buch den Blick auf die andere Realität, die berauschende - trotz aller Wunden - in seiner Nähe wirft. Ehrlich, kraftvoll und Kriegsliteratur, wie man sie so vielleicht noch nie gelesen hat.

geschrieben am 22.07.2015 | 293 Wörter | 1688 Zeichen

Kommentare lesen Kommentar schreiben

Kommentare zur Rezension (0)

Platz für Anregungen und Ergänzungen