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Bücher

Lieber Mischa


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Informationen zum Buch
  ISBN
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  Seiten
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  Extras

Rezension von

Dr. Benjamin Krenberger

Lieber Mischa Das Buch ist für den Leser eine Überraschung, denn es hat viele Gesichter. Dem Titel nach soll es wohl an einen Brief einer Mutter an ihren Sohn über die Eigenarten seines Glaubens erinnern, tatsächlich ist es ein Sammelsurium von Reflexionen über jüdisches Leben, Dasein und jüdischen Glauben in Theorie und Praxis. Dazu kommen alltägliche familiäre und gesellschaftliche Irrungen und Wirrungen, die per se keinen Nexus zum Jüdischsein haben und jedem begegnen oder zustoßen könnten, die aber bisweilen aufgrund ihrer Verquickung mit von der Autorin als typisch jüdisch bezeichneten Eigenschaften der Protagonisten noch ein Quantum komplexer und lustiger sind. Die Lektüre an sich wird allerdings durch die Aufmachung des Buches rege gestört: Kommentierungen der Texte am Rande - angeblich typisch jüdisch - verleiten immer wieder zum Abschweifen vom Fließtext und nachdem einige Kommentare sehr lang sind und sich noch Kommentare der Kommentare anschließen, findet man ab und zu nur schwer in die eigentliche Erzählung zurück. Darauf hätte man also gerne verzichten können, zumal die Kommentare meist weder lustig sind, noch einen Zusatznutzen für den Leser haben. Doch nun zum Inhalt. Wunderbar gelungen sind der Autorin die Reflexion über (angebliche) eigene Unsicherheit und mangelndes Selbstbewusstsein, die mit gleichzeitig vorhandener Streitlust und Wortwitz einhergehen und eine friedliche innere Koexistenz aufbauen müssen. Die übrigen Familienmitglieder werden allesamt mehr oder weniger direkt mit ihren Schwächen konfrontiert, gleichzeitig aber mit hoher Wertschätzung bedacht und dieser Ausdruck innerfamiliärer Liebe ist ein Vorbild für jeden, egal welchen Glaubens. Darüber hinaus bietet die Autorin dem Leser beste Sozialkritik, vor allem über den Umgang mit Klischees und schlichter Dummheit im Gespräch, über die unsäglichen Philosemiten hierzulande, unsäglich weil typisch deutsch-pedantisch und besserwisserisch-betroffen, aber auch über den Umgang mit religiösen Vorgaben im Alltag. Viele aktuelle Bezüge und Seitenhiebe, etwa auf die lächerliche Gen-Debatte von Sarrazin, gelingen en passant und ermuntern zum Weiterlesen. Der recht ausführliche Bericht über die Eigenheiten Israels passt dann leider nicht so recht in das vorherige Konzept - sofern es eines geben sollte - und man könnte den Ort des Geschehens auch in ein anderes Land legen, etwa Malta oder Italien, was die Taxifahrer angeht. Auch der Schluss des Buches wirkt merkwürdig verzagt, wenn der offensichtlich verlorene Faden irgendwie wieder aufgerafft werden soll. Trotzdem: man kann die erfrischende (Selbst-)Analyse der Autorin mit einem ernsten und einem lachenden Auge bestens konsumieren und sich insgeheim wundern, wie der Faktor der Religionszugehörigkeit, der doch so vielen schlicht egal ist, doch so ein großes Problemreservoir schaffen und vor allem erhalten kann.

Das Buch ist für den Leser eine Überraschung, denn es hat viele Gesichter. Dem Titel nach soll es wohl an einen Brief einer Mutter an ihren Sohn über die Eigenarten seines Glaubens erinnern, tatsächlich ist es ein Sammelsurium von Reflexionen über jüdisches Leben, Dasein und jüdischen Glauben in Theorie und Praxis. Dazu kommen alltägliche familiäre und gesellschaftliche Irrungen und Wirrungen, die per se keinen Nexus zum Jüdischsein haben und jedem begegnen oder zustoßen könnten, die aber bisweilen aufgrund ihrer Verquickung mit von der Autorin als typisch jüdisch bezeichneten Eigenschaften der Protagonisten noch ein Quantum komplexer und lustiger sind.

weitere Rezensionen von Dr. Benjamin Krenberger


Die Lektüre an sich wird allerdings durch die Aufmachung des Buches rege gestört: Kommentierungen der Texte am Rande - angeblich typisch jüdisch - verleiten immer wieder zum Abschweifen vom Fließtext und nachdem einige Kommentare sehr lang sind und sich noch Kommentare der Kommentare anschließen, findet man ab und zu nur schwer in die eigentliche Erzählung zurück. Darauf hätte man also gerne verzichten können, zumal die Kommentare meist weder lustig sind, noch einen Zusatznutzen für den Leser haben.

Doch nun zum Inhalt. Wunderbar gelungen sind der Autorin die Reflexion über (angebliche) eigene Unsicherheit und mangelndes Selbstbewusstsein, die mit gleichzeitig vorhandener Streitlust und Wortwitz einhergehen und eine friedliche innere Koexistenz aufbauen müssen. Die übrigen Familienmitglieder werden allesamt mehr oder weniger direkt mit ihren Schwächen konfrontiert, gleichzeitig aber mit hoher Wertschätzung bedacht und dieser Ausdruck innerfamiliärer Liebe ist ein Vorbild für jeden, egal welchen Glaubens. Darüber hinaus bietet die Autorin dem Leser beste Sozialkritik, vor allem über den Umgang mit Klischees und schlichter Dummheit im Gespräch, über die unsäglichen Philosemiten hierzulande, unsäglich weil typisch deutsch-pedantisch und besserwisserisch-betroffen, aber auch über den Umgang mit religiösen Vorgaben im Alltag. Viele aktuelle Bezüge und Seitenhiebe, etwa auf die lächerliche Gen-Debatte von Sarrazin, gelingen en passant und ermuntern zum Weiterlesen.

Der recht ausführliche Bericht über die Eigenheiten Israels passt dann leider nicht so recht in das vorherige Konzept - sofern es eines geben sollte - und man könnte den Ort des Geschehens auch in ein anderes Land legen, etwa Malta oder Italien, was die Taxifahrer angeht. Auch der Schluss des Buches wirkt merkwürdig verzagt, wenn der offensichtlich verlorene Faden irgendwie wieder aufgerafft werden soll. Trotzdem: man kann die erfrischende (Selbst-)Analyse der Autorin mit einem ernsten und einem lachenden Auge bestens konsumieren und sich insgeheim wundern, wie der Faktor der Religionszugehörigkeit, der doch so vielen schlicht egal ist, doch so ein großes Problemreservoir schaffen und vor allem erhalten kann.

geschrieben am 05.07.2011 | 405 Wörter | 2502 Zeichen

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