
| ISBN | 3833212039 | |
| Buchreihe | Tomb Raider | |
| Autor | James Alan Gardner | |
| Verlag | Dino Entertainment | |
| Sprache | deutsch | |
| Seiten | 377 | |
| Erscheinungsjahr | 2005 | |
| Extras | - |

Als Laras langjÀhriger Freund Reuben Baptiste sie bittet, ihm bei der Abwicklung eines Auftrags behilflich zu sein, ahnt sie noch nicht, mit welch gefÀhrlichen KrÀften er sich angelegt hat.

In Warschau entkommen die beiden mit knapper Not einem Bombenanschlag und einer Bande von Söldnern, wobei Reuben schwer verletzt wird. Mit letzter Kraft erreichen sie das Domizil des Auftraggebers, das tief in der polnischen Provinz gelegene Kloster St. Bernward. Seit Jahrhunderten steuert von hier aus der geheimnisvolle Bronze-Orden die Geschicke der Menschen, indem er im Namen von Recht und Ordnung verbrecherische Menschen straft und im Zweifel auch liquidiert. Der FĂŒhrer des Ordens ist eine ganz aus Bronze bestehendes Wesen mit gewaltigen geistigen KrĂ€ften. Vor Ăonen wurde es von einem Widersacher in viele Teile zerschlagen, doch im Laufe der Zeit gelang es seinen AnhĂ€ngern, die Fragmente aufzuspĂŒren und zusammen zu fĂŒgen; nun fehlen nur noch die drei Teile eines Beins; diese zu beschaffen, diente Reubens Recherche.
Kaum hat Lara erfahren, dass hinter dem Massaker in Warschau ihr alter Feind, Lancaster Urdmann, steckt, greifen dessen MĂ€nner das Kloster an und töten Reuben. Die SchatzjĂ€gerin schwört, Urdmann zu vernichten, und macht sich, obwohl sie starke Zweifel an Bronzes Motiven hegt, auf die Suche, nach dem Bein. Ihr Weg fĂŒhrt sie zunĂ€chst nach Sibirien, in die Tunguska, von dort in die Sargassosee und schlieĂlich nach Australien, in die Dschungel der Kap-York-Halbinsel. Doch immer ist Urdmann ihr einen Schritt voraus, sodass schnell klar wird, dass ein anderer die FĂ€den ziehen muss. Und dieser Jemand ist Bronzes uralte Nemesis, Silver.
Nachdem man die beiden ersten BĂ€nde der Tomb-Raider-Serie, âDas Amulett der Machtâ und âDer vergessene Kultâ, guten Gewissens als âbelletristischen Durchfallâ bezeichnen kann und das Cover dieses dritten Romans ebenfalls Besorgnis erregend deutlich in Richtung Trash weist, stellte ich mich gedanklich auf einen weiteren Verriss ein. Doch manchmal tĂ€uscht -gemÀà einer alten Single-Weisheit- der krude Ă€uĂere Schein ĂŒber die inneren Werte hinweg und so bleibt eine harsche Kritik bis auf weiteres ungeschrieben.
NatĂŒrlich ist nicht alles eitel Sonnenschein: Logiklöcher so groĂ, wie der Pazifik tief ist, langatmige, -in ihrer Massierung- etwas ermĂŒdende Action und eine fragwĂŒrdig lĂ€ssige Rechtfertigung von Mord durch Crofts âAuge um Augeâ-Handlungsmaxime zeugen davon, dass als Zielgruppe nicht unbedingt die Bildungselite angepeilt wird. Dennoch bietet der Roman auch gemĂ€Ăigt anspruchsvollen Lesern ausreichend LesevergnĂŒgen.
Zwei Sachen sind besonders auffĂ€llig. Zum einen bekennt sich der Autor von Anfang an unmissverstĂ€ndlich dazu, dass er die âTomb Raiderâ-Romane dem Fantasy-Genre zurechnet. Laras Welt wird bevölkert von Monstern und Vampiren. Magier, Schamanen und Götter lenken als mehr oder weniger reale EntitĂ€ten die Geschicke der Menschen. Das Metaphysische drĂ€ngt nicht mit brachialer Gewalt in die mundane Welt, sondern ist immer allgegenwĂ€rtig. Dadurch erscheint die Story im Vergleich zu den VorgĂ€nger-BĂ€nden in sich stimmiger und weniger abstrus.
Das eigentliche Mystery-Element innerhalb dieses Kontextes besteht lediglich darin, dass Gardner den Leser ĂŒber die wahre Natur Bronzes und Silvers im Unklaren lĂ€sst. Die Frage, ob es sich um magische Wesen, Ă€hnlich dem Golem der jĂŒdischen Mythologie, um AuĂerirdische oder um Androiden aus einer weit entfernten Zukunft der Erde handelt, bleibt unbeantwortet?
Die zweite AuffĂ€lligkeit betrifft die ErzĂ€hlperspektive. Anders als Resnick und Knight lĂ€sst Gardner Lara Croft als Ich-ErzĂ€hlerin agieren, wobei er sich hin und wieder auktorialer Elemente bedient. Durch diesen geschickten Kniff gelingt es ihm, eine humorvolle, ironische und sarkastische Geschichte zu erzĂ€hlen, ohne sich von seiner Hauptfigur zu distanzieren oder sie nicht ernst zu nehmen. Der Autor macht sich nicht lustig ĂŒber Lara und ihre zum Teil bizarren Abenteuer, sondern lĂ€sst Lara selbst ihre bissigen Worte finden. Ihre GlaubwĂŒrdigkeit, ihre AuthentizitĂ€t unterstreicht Gardner indem er sie -quasi als vertrauensbildende MaĂnahme- mehrmals den Leser direkt ansprechen lĂ€sst und sich darĂŒber hinaus eines lakonischen, coolen, ehrlich anmutenden Tons bedient.
Eine weitere StĂ€rke des Romans ist die gelungene Verbindung von RealitĂ€t und Fiktion. Gelungen insofern, als das ZurĂŒckfĂŒhren bestimmter natĂŒrlicher PhĂ€nomene (Tunguska-Explosion, Bermuda-Dreieck), Personen (Giacomo Casanova, Marquis de Sade) und Mythen (Osiris, Seth) auf die Existenz Bronzes und Silvers so haarstrĂ€ubend ist, dass man es einfach mögen muss.
Fazit: Ein solider Abenteuerroman, der seine stĂ€rksten Momente zum einen in den (selbst)ironischen und zuweilen zynischen Kommentierungen Laras und zum anderen in der originellen VerknĂŒpfung von Fiktion und RealitĂ€t hat.
geschrieben am 11.09.2005 | 693 Wörter | 4241 Zeichen
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