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Der Kinderdieb


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Rezension von

Letterschming

Der Kinderdieb „Der Kinderdieb“ ist ein Fantasyroman des amerikanischen Schriftstellers und Illustrators Brom. Er basiert auf der bekannten Geschichte des „Peter Pan“, stellt jedoch die gesamte Handlung als düsteres Schauermärchen dar. Dazu inspiriert habe ihn die Originalfassung des Peter Pan, die wohl einige Hinweise darauf liefert, dass Peter Pan nicht das harmlose, unschuldige Kind war, zu dem er in den neuaufgelegten Bilderbüchern gemacht wurde. Nick ist in großer Gefahr. Der Untermieter seiner Mutter, Marko, hat sich als Drogendealer herausgestellt. Nick ist ihm auf die Schliche gekommen und hat den Großteil seiner Drogen gestohlen. Jetzt ist Marko mit seiner gesamten Bande hinter Nick her, um seine Drogen zurückzubekommen und sich zu rächen. Da taucht plötzlich der geheimnisvolle Junge mit den goldenen Augen auf, der sich ihm als Peter vorstellt. Er behauptet, einen Ort zu kennen, wo die beiden sicher wären. Nick folgt ihm schließlich und damit nimmt der wahre Albtraum erst seinen Anfang. Plötzlich wird von Nick erwartet, dass er in den Kampf zieht. Er muss Nebel durchschreiten, in denen die Geister der Toten nach seinem Leben trachten. Er muss es mit den bestialischen Barghests mit den Giftstacheln aufnehmen, die immer in Rudeln jagen. Und er muss sich den monströsen Fleischfressern stellen, die schon vor Jahrhunderten auf der Insel Avalon gestrandet sind und sie nun vollends zu zerstören drohen. Die Idee, die hinter dem Roman steckt, hat mich sofort fasziniert. Wer kennt Peter Pan nicht seit seiner Kindheit, sei es aus Filmen, Büchern oder sogar noch dem Theater? Dabei denkt man sofort an den fröhlichen kleinen Jungen, der traurige Kinder in das Paradies von Nimmerland bringt und allen Feinden mit einem Lächeln auf dem Gesicht ein Schnippchen schlägt. Doch wie Brom in seinem Nachwort verrät, gibt die Originalfassung „Peter Pan und Wendy“ einige Hinweise darauf, dass ihr Autor J.M. Barrie ursprünglich eine andere Geschichte im Sinn hatte. Auf dieser Vorlage baut Brom mit seinem „Kinderdieb“ auf. Zuerst einmal handelt es sich bei der rätselhaften Insel hier nicht um Nimmerland, sondern um das wohlbekannte Avalon aus der Artus-Sage, das vor Jahrhunderten von der englischen Küste weggedriftet ist und nun in New York „angelegt“ hat. Auch viele der Bewohner Avalons – Menschliche wie Nichtmenschliche – haben ihren Ursprung in alten britischen Legenden. Die verlorenen Jungs heißen hier Teufel und sind, wie in der Originalgeschichte, im Laufe der Zeit von Peter hergebracht worden. Das Buch wechselt zwischen den Perspektiven von Nick und Peter hin und her. Dabei gibt es, gerade am Anfang, immer wieder Rückblenden, besonders auf Peters Vergangenheit. Hier merkt der Leser, wie vielschichtig der Autor seine Charaktere aufgebaut hat. Man erfährt, wo Peter geboren wurde, warum er sein Elternhaus verlassen musste, wie er sich danach durchgeschlagen hat, wie er nach Avalon gekommen ist und warum er heute Kinder auf diese Insel bringt. Nach und nach gelingt es einem, Peters Motive nachzuvollziehen und seinen Charakter zu verstehen. Dennoch ist er immer wieder für Überraschungen gut. Auch die anderen Figuren sind nicht stereotyp oder vorhersehbar. Während die Hauptfiguren vieler Büchern fast ausschließlich als Beobachter zu dienen scheinen und selbst einen relativ neutralen Charakter besitzen, hat hier jede Figur ihre eigene Vergangenheithat und ihren eigenen markanten Charakter, den es erst einmal zu durchschauen gilt. Der Roman ist insgesamt ziemlich brutal, das lässt sich nicht anders sagen. Ein Großteil der Personen stirbt und der Autor macht keinen Bogen um die Hauptfiguren, bei denen man sich normalerweise überhaupt keine Sorgen macht, weil sie sowieso immer überleben. Das sollte einen jedoch nicht abschrecken. Mal abgesehen davon, dass man heute in vielen Büchern um die „Eingeweidenudelei“ gar nicht mehr herumkommt, muss ich mir im Nachhinein eingestehen, dass eine mildere Erzählform wirklich unpassend gewesen wäre. Schließlich will der Autor die düstere Seite des Peter Pans zeigen, des Jungen, der kleine Kinder gegen ihren Willen auf seine Insel entfürt und sie dort vor die Wahl stellt: Kämpf mit uns gegen die bösen Jungs oder stirb. Selbst in der modernen Kinderbuchfassung des „Peter Pan“ ist dieser negative Einfluss erhalten, obwohl ihn wohl kaum jemand beachtet. Im Buch nehmen alle Kinder ihr Leben auf die leichte Schulter, gewinnen jeden Kampf im Endeffekt und lachen dann über ihren Erfolg. Wer aber mal genauer darüber nachdenkt, kommt unweigerlich auf jene Gedanken, die Brom sich gemacht hat. Braucht Peter die Kinder etwa nur als Soldaten in seinem Kampf um seine geliebte Insel? Ist es ihm egal, wenn sie dabei alle sterben? Ist es ihm egal, was sie dabei empfinden? Insofern sollte man über manche brutalen Stellen einfach hinweglesen und sich nicht darüber ärgern. Denn gerade durch die genauen Beschreibungen des Autors wird einem erst richtig klar, was es wirklich für ein Kind bedeuten würde, in eine fremde Welt entführt und zum Kämpfen gezwungen zu werden. Vorkenntnisse sind übrigens nicht notwendig. Wer „Peter Pan“ also tatsächlich nicht kennen sollte oder sich – was wohl wahrscheinlicher ist – nicht mehr in allen Einzelheiten daran erinnern sollte, wird diesen Roman trotzdem ohne Weiteres verstehen und genießen können. Fazit: Ein wirklich tolles Buch! Ich habe es in kürzester Zeit verschlungen. Die Idee an sich ist schon wirklich faszinierend und die Umsetzung ist dem Autor hervorragend gelungen. Die Sprache ist angenehm zu lesen und dennoch nicht zu einfach. Die Charaktere sind vielschichtig und die Handlung birgt mehr als nur eine überraschende Wendung. Für jüngere Leser würde ich das Buch nicht empfehlen, aber jeder ab 16 Jahren, der „Peter Pan“ geliebt hat oder sich für Fantasygeschichten allgemein begeistern kann, sollte dieses Buch lesen. Am Ende wünscht man sich nur noch eines: Mehr!

„Der Kinderdieb“ ist ein Fantasyroman des amerikanischen Schriftstellers und Illustrators Brom. Er basiert auf der bekannten Geschichte des „Peter Pan“, stellt jedoch die gesamte Handlung als düsteres Schauermärchen dar. Dazu inspiriert habe ihn die Originalfassung des Peter Pan, die wohl einige Hinweise darauf liefert, dass Peter Pan nicht das harmlose, unschuldige Kind war, zu dem er in den neuaufgelegten Bilderbüchern gemacht wurde.

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Nick ist in großer Gefahr. Der Untermieter seiner Mutter, Marko, hat sich als Drogendealer herausgestellt. Nick ist ihm auf die Schliche gekommen und hat den Großteil seiner Drogen gestohlen. Jetzt ist Marko mit seiner gesamten Bande hinter Nick her, um seine Drogen zurückzubekommen und sich zu rächen. Da taucht plötzlich der geheimnisvolle Junge mit den goldenen Augen auf, der sich ihm als Peter vorstellt. Er behauptet, einen Ort zu kennen, wo die beiden sicher wären. Nick folgt ihm schließlich und damit nimmt der wahre Albtraum erst seinen Anfang.

Plötzlich wird von Nick erwartet, dass er in den Kampf zieht. Er muss Nebel durchschreiten, in denen die Geister der Toten nach seinem Leben trachten. Er muss es mit den bestialischen Barghests mit den Giftstacheln aufnehmen, die immer in Rudeln jagen. Und er muss sich den monströsen Fleischfressern stellen, die schon vor Jahrhunderten auf der Insel Avalon gestrandet sind und sie nun vollends zu zerstören drohen.

Die Idee, die hinter dem Roman steckt, hat mich sofort fasziniert. Wer kennt Peter Pan nicht seit seiner Kindheit, sei es aus Filmen, Büchern oder sogar noch dem Theater? Dabei denkt man sofort an den fröhlichen kleinen Jungen, der traurige Kinder in das Paradies von Nimmerland bringt und allen Feinden mit einem Lächeln auf dem Gesicht ein Schnippchen schlägt. Doch wie Brom in seinem Nachwort verrät, gibt die Originalfassung „Peter Pan und Wendy“ einige Hinweise darauf, dass ihr Autor J.M. Barrie ursprünglich eine andere Geschichte im Sinn hatte. Auf dieser Vorlage baut Brom mit seinem „Kinderdieb“ auf.

Zuerst einmal handelt es sich bei der rätselhaften Insel hier nicht um Nimmerland, sondern um das wohlbekannte Avalon aus der Artus-Sage, das vor Jahrhunderten von der englischen Küste weggedriftet ist und nun in New York „angelegt“ hat. Auch viele der Bewohner Avalons – Menschliche wie Nichtmenschliche – haben ihren Ursprung in alten britischen Legenden.

Die verlorenen Jungs heißen hier Teufel und sind, wie in der Originalgeschichte, im Laufe der Zeit von Peter hergebracht worden.

Das Buch wechselt zwischen den Perspektiven von Nick und Peter hin und her. Dabei gibt es, gerade am Anfang, immer wieder Rückblenden, besonders auf Peters Vergangenheit. Hier merkt der Leser, wie vielschichtig der Autor seine Charaktere aufgebaut hat. Man erfährt, wo Peter geboren wurde, warum er sein Elternhaus verlassen musste, wie er sich danach durchgeschlagen hat, wie er nach Avalon gekommen ist und warum er heute Kinder auf diese Insel bringt. Nach und nach gelingt es einem, Peters Motive nachzuvollziehen und seinen Charakter zu verstehen. Dennoch ist er immer wieder für Überraschungen gut.

Auch die anderen Figuren sind nicht stereotyp oder vorhersehbar. Während die Hauptfiguren vieler Büchern fast ausschließlich als Beobachter zu dienen scheinen und selbst einen relativ neutralen Charakter besitzen, hat hier jede Figur ihre eigene Vergangenheithat und ihren eigenen markanten Charakter, den es erst einmal zu durchschauen gilt.

Der Roman ist insgesamt ziemlich brutal, das lässt sich nicht anders sagen. Ein Großteil der Personen stirbt und der Autor macht keinen Bogen um die Hauptfiguren, bei denen man sich normalerweise überhaupt keine Sorgen macht, weil sie sowieso immer überleben. Das sollte einen jedoch nicht abschrecken. Mal abgesehen davon, dass man heute in vielen Büchern um die „Eingeweidenudelei“ gar nicht mehr herumkommt, muss ich mir im Nachhinein eingestehen, dass eine mildere Erzählform wirklich unpassend gewesen wäre. Schließlich will der Autor die düstere Seite des Peter Pans zeigen, des Jungen, der kleine Kinder gegen ihren Willen auf seine Insel entfürt und sie dort vor die Wahl stellt: Kämpf mit uns gegen die bösen Jungs oder stirb.

Selbst in der modernen Kinderbuchfassung des „Peter Pan“ ist dieser negative Einfluss erhalten, obwohl ihn wohl kaum jemand beachtet. Im Buch nehmen alle Kinder ihr Leben auf die leichte Schulter, gewinnen jeden Kampf im Endeffekt und lachen dann über ihren Erfolg. Wer aber mal genauer darüber nachdenkt, kommt unweigerlich auf jene Gedanken, die Brom sich gemacht hat. Braucht Peter die Kinder etwa nur als Soldaten in seinem Kampf um seine geliebte Insel? Ist es ihm egal, wenn sie dabei alle sterben? Ist es ihm egal, was sie dabei empfinden?

Insofern sollte man über manche brutalen Stellen einfach hinweglesen und sich nicht darüber ärgern. Denn gerade durch die genauen Beschreibungen des Autors wird einem erst richtig klar, was es wirklich für ein Kind bedeuten würde, in eine fremde Welt entführt und zum Kämpfen gezwungen zu werden.

Vorkenntnisse sind übrigens nicht notwendig. Wer „Peter Pan“ also tatsächlich nicht kennen sollte oder sich – was wohl wahrscheinlicher ist – nicht mehr in allen Einzelheiten daran erinnern sollte, wird diesen Roman trotzdem ohne Weiteres verstehen und genießen können.

Fazit: Ein wirklich tolles Buch! Ich habe es in kürzester Zeit verschlungen. Die Idee an sich ist schon wirklich faszinierend und die Umsetzung ist dem Autor hervorragend gelungen. Die Sprache ist angenehm zu lesen und dennoch nicht zu einfach. Die Charaktere sind vielschichtig und die Handlung birgt mehr als nur eine überraschende Wendung. Für jüngere Leser würde ich das Buch nicht empfehlen, aber jeder ab 16 Jahren, der „Peter Pan“ geliebt hat oder sich für Fantasygeschichten allgemein begeistern kann, sollte dieses Buch lesen. Am Ende wünscht man sich nur noch eines: Mehr!

geschrieben am 16.02.2010 | 908 Wörter | 5089 Zeichen

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Rezension von

Magdalena Kneisel

Der Kinderdieb Düster wirkt schon das Cover und düster ist auch die Geschichte die Brom in seinem Werk „Der Kinderdieb“ beschreibt. In seiner dunklen und gleichzeitig phantastischen Welt verliert sich der Leser und bekommt noch einmal eine ganz andere Interpretation von John Barries „Peter Pan“ geliefert: Ein Version die gleichzeitig schockiert und faszinert. „Frag sie, was sie erlebt haben? Peter findet die Verlorenen, die Zurückgelassen, Missbrauchten. Bist du nicht auch deshalb hier? Hat Peter dich nicht gerettet?“ „Er hat mich reingelegt?“ Mit diesem Zitat lässt sich die Geschichte, die Brom erzählt, wiedergeben. Der jugendliche Peter zieht durch die Straßen von New York um Teenager von der grausamen Wirklichkeit hin in eine Welt voller Arbenteuer zu locken. Teenager, die von ihren Eltern missbraucht werden; Ausreißer, die kein zu Hause mehr haben und auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit sind. Dabei will er ihnen eine neue Welt, eine neue Familie bieten. Peter selbst ist ein Wechselbalg, schon kurze Zeit nach seiner Geburt wird er von seiner Familie verstoßen und von seiner eigenen Mutter ausgesetzt. Er wächst unter zahlreichen Entbehrungen bei dem Moosmann Goll auf. Er wird von ihm gewarnt, dass er sich seinem Menschendorf nicht nähern darf, um mit den Kindern zu spielen. Doch Peter hält sich nicht daran und erfährt, was es heißt anders zu sein und was es bedeutet, wenn Erwachsene allem und jedem mit Hass begegnen, während sich Kinder noch von einfachen Freuden zum Spielen anleiten lassen. Goll wird vor seinen Augen von der Menschenmeute ermordet und muss fliehen. Am Ende seiner Flucht steht die geheimnisvolle Insel Avalon, jenem Reich, wo Magie noch lebendig ist und das Leben voller Freuden. Dort lernt der Modron die Dame kennen und verfällt ihr und ihrem Zauber. Die Zeit vergeht und Peter holt immer wieder die verlorenen Kinder auf die Insel. So auch Nick, der von seinem zu Hause geflohen ist. Er führt ihn und die anderen Kinder durch den Nebel und in eine Welt die erschreckender und grausamer nicht sein könnte: Die Geißel, eine verhängnisvolle Krankheit hat die Wälder von Avalon gepackt und verschlingt den Wald, grausame Gestalten tauchen im Wald auf und machen dem „Clan der Teufel“, der Familie von Kindern die Peter gegründet hat, das Leben schwer. Aber ihr schlimmster Gegner sind die Menschenfresser, jene Wesen die für den fortschreitenden Untergang von Avalon verantwortlich gemacht werden. Die düstere Geschichte, bestehend aus Mord und Totschlag, wird durch die dunklen Bilder an jedem Kapitelbeginn unterstützt. Dabei beschreibt der Autor das Grauen in seiner sehr grausamen Weise. Detailreich werden Todesszenen ausgemalt und die rohe Brutalität, die in der heutigen Zeit herrscht, steht im Widerspruch zu dem blühenden Leben, das einst dort stattgefunden hat. Um dies zu schildern, springt Brom immer wieder in die Vergangenheit zurück und bringt dem Leser so Peter und seine Erlebnisse näher. Der Wahnsinn, der Avalon in seinen Klauen hält, wird in den Gedanken und Erinnerungen der einzelnen Charaktere widergespiegelt. Gleichzeitig sind sie aber auch verwirrend für den Leser, da auch in den eigentlichen Kapiteln des Buches zwischen diesen Rückblenden und anderen Blickwinkeln gewechselt wird. Brom gelingt es auf eine sagenhaft bizarre Weise die Charakterzüge und Handlungen der Figuren verständlich zu machen und so ist die dargestellte rohe Gewalt nicht nur blindem Hass ausgesetzte, sondern ist auch aus Sicht der jeweiligen Figuren nachvollziehbar, was das Geschehen in sich noch grausamer erscheinen lässt. Die Sprache des Autors ist einmalig: Gerade wenn er die verloren Kinder sprechen lässt, wird in deren derber Ausdrucksweise ihre schreckliche Lebenserfahrung und ihre Verzweiflung deutlich. Er zeichnet Peter als eine Figur, die nach Freunden und Anerkennung sucht. Dabei ist er rückhaltlos und schreckt vor nichts zurück. Er ist skrupellos und es dient bei ihm alles dem höheren Ziel, der Dame zu dienen. Er schreckt auch nicht vor den zahlreichen Toten gerade unter den Kindern zurück, auch wenn er über ihren Tod bestützt ist. Brom entwirft ein geradezu düsteres und ambivalentes Bild von Peter Pan, das in ihm beim Leser von John Barries Werk entstanden ist. Am Ende des Buches stellt er auf sieben Seiten dar, wie er zu der Geschichte gekommen ist und welche mythischen Einflüsse er in sein Buch eingearbeitet hat. Dies ist bei diesen gewaltigen Bildern, die er heraufbeschwört, durchaus von Nöten. Das Buch ist definitiv nichts für zarte Gemüter und wenn jemand seine eigene Interpretation von Peter Pan, dem Held der Verlorenen Kinder und Bestreiter von zahlreichen Abenteuern im bunten Nimmerland, behalten will, sollte auch er die Hände von dem Buch lassen. Für jeden Leser, der sich vor dem Grauen jedoch nicht abschrecken lässt und eine andere nicht glorifizierende Version von Peter Pan in erleben möchte, ist mit dem Buch sehr gut bedient. Zudem regt es auch durchaus an, sich die Barries Geschichte „Peter Pan“ noch einmal vor Augen zu führen.

Düster wirkt schon das Cover und düster ist auch die Geschichte die Brom in seinem Werk „Der Kinderdieb“ beschreibt. In seiner dunklen und gleichzeitig phantastischen Welt verliert sich der Leser und bekommt noch einmal eine ganz andere Interpretation von John Barries „Peter Pan“ geliefert: Ein Version die gleichzeitig schockiert und faszinert.

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Peter selbst ist ein Wechselbalg, schon kurze Zeit nach seiner Geburt wird er von seiner Familie verstoßen und von seiner eigenen Mutter ausgesetzt. Er wächst unter zahlreichen Entbehrungen bei dem Moosmann Goll auf. Er wird von ihm gewarnt, dass er sich seinem Menschendorf nicht nähern darf, um mit den Kindern zu spielen. Doch Peter hält sich nicht daran und erfährt, was es heißt anders zu sein und was es bedeutet, wenn Erwachsene allem und jedem mit Hass begegnen, während sich Kinder noch von einfachen Freuden zum Spielen anleiten lassen. Goll wird vor seinen Augen von der Menschenmeute ermordet und muss fliehen. Am Ende seiner Flucht steht die geheimnisvolle Insel Avalon, jenem Reich, wo Magie noch lebendig ist und das Leben voller Freuden. Dort lernt der Modron die Dame kennen und verfällt ihr und ihrem Zauber.

Die Zeit vergeht und Peter holt immer wieder die verlorenen Kinder auf die Insel. So auch Nick, der von seinem zu Hause geflohen ist. Er führt ihn und die anderen Kinder durch den Nebel und in eine Welt die erschreckender und grausamer nicht sein könnte: Die Geißel, eine verhängnisvolle Krankheit hat die Wälder von Avalon gepackt und verschlingt den Wald, grausame Gestalten tauchen im Wald auf und machen dem „Clan der Teufel“, der Familie von Kindern die Peter gegründet hat, das Leben schwer. Aber ihr schlimmster Gegner sind die Menschenfresser, jene Wesen die für den fortschreitenden Untergang von Avalon verantwortlich gemacht werden.

Die düstere Geschichte, bestehend aus Mord und Totschlag, wird durch die dunklen Bilder an jedem Kapitelbeginn unterstützt. Dabei beschreibt der Autor das Grauen in seiner sehr grausamen Weise. Detailreich werden Todesszenen ausgemalt und die rohe Brutalität, die in der heutigen Zeit herrscht, steht im Widerspruch zu dem blühenden Leben, das einst dort stattgefunden hat. Um dies zu schildern, springt Brom immer wieder in die Vergangenheit zurück und bringt dem Leser so Peter und seine Erlebnisse näher. Der Wahnsinn, der Avalon in seinen Klauen hält, wird in den Gedanken und Erinnerungen der einzelnen Charaktere widergespiegelt. Gleichzeitig sind sie aber auch verwirrend für den Leser, da auch in den eigentlichen Kapiteln des Buches zwischen diesen Rückblenden und anderen Blickwinkeln gewechselt wird.

Brom gelingt es auf eine sagenhaft bizarre Weise die Charakterzüge und Handlungen der Figuren verständlich zu machen und so ist die dargestellte rohe Gewalt nicht nur blindem Hass ausgesetzte, sondern ist auch aus Sicht der jeweiligen Figuren nachvollziehbar, was das Geschehen in sich noch grausamer erscheinen lässt. Die Sprache des Autors ist einmalig: Gerade wenn er die verloren Kinder sprechen lässt, wird in deren derber Ausdrucksweise ihre schreckliche Lebenserfahrung und ihre Verzweiflung deutlich.

Er zeichnet Peter als eine Figur, die nach Freunden und Anerkennung sucht. Dabei ist er rückhaltlos und schreckt vor nichts zurück. Er ist skrupellos und es dient bei ihm alles dem höheren Ziel, der Dame zu dienen. Er schreckt auch nicht vor den zahlreichen Toten gerade unter den Kindern zurück, auch wenn er über ihren Tod bestützt ist.

Brom entwirft ein geradezu düsteres und ambivalentes Bild von Peter Pan, das in ihm beim Leser von John Barries Werk entstanden ist. Am Ende des Buches stellt er auf sieben Seiten dar, wie er zu der Geschichte gekommen ist und welche mythischen Einflüsse er in sein Buch eingearbeitet hat. Dies ist bei diesen gewaltigen Bildern, die er heraufbeschwört, durchaus von Nöten.

Das Buch ist definitiv nichts für zarte Gemüter und wenn jemand seine eigene Interpretation von Peter Pan, dem Held der Verlorenen Kinder und Bestreiter von zahlreichen Abenteuern im bunten Nimmerland, behalten will, sollte auch er die Hände von dem Buch lassen. Für jeden Leser, der sich vor dem Grauen jedoch nicht abschrecken lässt und eine andere nicht glorifizierende Version von Peter Pan in erleben möchte, ist mit dem Buch sehr gut bedient. Zudem regt es auch durchaus an, sich die Barries Geschichte „Peter Pan“ noch einmal vor Augen zu führen.

geschrieben am 28.03.2010 | 785 Wörter | 4310 Zeichen

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