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Lettipark: Erzählungen


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Rezension von

Dr. Benjamin Krenberger

Lettipark: Erzählungen Nachdem Judith Hermann zuletzt ihren ersten Roman veröffentlicht hatte (Aller Liebe Anfang, 2014), folgt nunmehr wieder ein Band mit Erzählungen. Mit diesen wurde Herrmann auch bekannt und berühmt, nachdem 1998 das Werk „Sommerhaus, später“ und dann 2003 der Erzählungsband „Nichts als Gespenster“ erschienen und begeistert aufgenommen waren. Mit der filmischen Umsetzung, die im Jahr 2007 erfolgt war, erhielten die Geschichten noch einmal eine unerwartete zusätzliche Belebung. Nun also der Erzählungsband „Lettipark“, der seinen Titel von einer der insgesamt siebzehn kurzen Geschichten erhalten hat. Ob das so glücklich gewählt wurde, mag jeder Leser selbst beurteilen, aber man hätte hier auch gut einen Metatitel finden können. Denn die zahlreichen Geschichten kreisen alle um ähnliche Themen in natürlich unterschiedlichen Schattierungen: Begegnungen zwischen Menschen und die darin immer auch liegenden Abschiede, mal voneinander, mal von Dingen, mal von Überzeugungen. Prägend ist zudem, auch dies ist schon in früheren Büchern von Herrmann leicht auszumachen, dass die handelnden Personen nicht gerade die Glücklichsten und Überschwänglichsten sind. Nein, es sind stille, oft verzagte Menschen, hinter deren scheinbar einfach zu bestimmender Fassade aber Abgründe und ganze Welten verborgen sind, die zu entdecken nicht jedem vergönnt ist. In ihren Interaktionen, die mitunter auch in emotionale Sprachlosigkeit münden, schaffen die Personen miteinander aber auch ortsbezogen mitunter Momente temporärer Endlosigkeit, die sich dann vor dem Leser wie ein Teppich ausbreitet, um dann mit dem nächsten Federstrich wieder in sich zusammenzufallen. Mitunter wählt Herrmann auch literarische Kniffe, ähnlich dem Buch im Buch, wenn sie die Begegnung mehrerer Menschen davon dominieren lässt, dass einer der Menschen von seinen eigenen Begegnungen schwärmt und die anderen über die Echtheit dieser Erzählungen zweifeln. Zudem ist wieder einmal erstaunlich, wie die Protagonisten der jeweils recht knappen Geschichten auf so engem Raum so viel schweigen, staunen und gewähren lassen können, allesamt Prachtexemplare der typisch Herrmann'schen Passivität der Figuren, die auch zu mehreren wunderbar einsam sein können. Zwischendrin blitzen aber auch nette Referenzen auf, die den Schalk erkennen lassen, den Judith Herrmann für meinen Geschmack gerne auch öfter ausleben könnte, etwa wenn eine kleine Verneigung vor James Krüss und der Möwe Alexandra erfolgt. Es ist natürlich so, dass man den Stil von Judith Herrmann mögen muss, dieses reduzierte, scheinbar gefühlsarme Wirken der Figuren und Szenen. Aber wenn man sich darauf einlassen kann, entwickeln die Geschichten einen unwiderstehlichen Sog, der auch diesen Erzählband zu einem schönen Lektüreerlebnis werden lässt.

Nachdem Judith Hermann zuletzt ihren ersten Roman veröffentlicht hatte (Aller Liebe Anfang, 2014), folgt nunmehr wieder ein Band mit Erzählungen. Mit diesen wurde Herrmann auch bekannt und berühmt, nachdem 1998 das Werk „Sommerhaus, später“ und dann 2003 der Erzählungsband „Nichts als Gespenster“ erschienen und begeistert aufgenommen waren. Mit der filmischen Umsetzung, die im Jahr 2007 erfolgt war, erhielten die Geschichten noch einmal eine unerwartete zusätzliche Belebung. Nun also der Erzählungsband „Lettipark“, der seinen Titel von einer der insgesamt siebzehn kurzen Geschichten erhalten hat. Ob das so glücklich gewählt wurde, mag jeder Leser selbst beurteilen, aber man hätte hier auch gut einen Metatitel finden können. Denn die zahlreichen Geschichten kreisen alle um ähnliche Themen in natürlich unterschiedlichen Schattierungen: Begegnungen zwischen Menschen und die darin immer auch liegenden Abschiede, mal voneinander, mal von Dingen, mal von Überzeugungen. Prägend ist zudem, auch dies ist schon in früheren Büchern von Herrmann leicht auszumachen, dass die handelnden Personen nicht gerade die Glücklichsten und Überschwänglichsten sind. Nein, es sind stille, oft verzagte Menschen, hinter deren scheinbar einfach zu bestimmender Fassade aber Abgründe und ganze Welten verborgen sind, die zu entdecken nicht jedem vergönnt ist. In ihren Interaktionen, die mitunter auch in emotionale Sprachlosigkeit münden, schaffen die Personen miteinander aber auch ortsbezogen mitunter Momente temporärer Endlosigkeit, die sich dann vor dem Leser wie ein Teppich ausbreitet, um dann mit dem nächsten Federstrich wieder in sich zusammenzufallen. Mitunter wählt Herrmann auch literarische Kniffe, ähnlich dem Buch im Buch, wenn sie die Begegnung mehrerer Menschen davon dominieren lässt, dass einer der Menschen von seinen eigenen Begegnungen schwärmt und die anderen über die Echtheit dieser Erzählungen zweifeln. Zudem ist wieder einmal erstaunlich, wie die Protagonisten der jeweils recht knappen Geschichten auf so engem Raum so viel schweigen, staunen und gewähren lassen können, allesamt Prachtexemplare der typisch Herrmann'schen Passivität der Figuren, die auch zu mehreren wunderbar einsam sein können. Zwischendrin blitzen aber auch nette Referenzen auf, die den Schalk erkennen lassen, den Judith Herrmann für meinen Geschmack gerne auch öfter ausleben könnte, etwa wenn eine kleine Verneigung vor James Krüss und der Möwe Alexandra erfolgt. Es ist natürlich so, dass man den Stil von Judith Herrmann mögen muss, dieses reduzierte, scheinbar gefühlsarme Wirken der Figuren und Szenen. Aber wenn man sich darauf einlassen kann, entwickeln die Geschichten einen unwiderstehlichen Sog, der auch diesen Erzählband zu einem schönen Lektüreerlebnis werden lässt.

geschrieben am 03.07.2016 | 389 Wörter | 2386 Zeichen

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