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Stadt aus Trug und Schatten


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Rezension von

Letterschming

Stadt aus Trug und Schatten „Stadt aus Trug und Schatten“ von der deutschen Autorin Mechthild Gläser erschien im Januar 2012 in gebundener Form beim Loewe-Verlag. Flora lebt ein recht gewöhnliches Leben. Gemeinsam mit ihrem Vater und der Haushälterin wohnt sie in Essen. Doch eines Nachts hat Flora einen seltsamen Traum: Sie erwacht auf einer Liege in einer Art Labor. Das Merkwürdigste an dem Traum ist aber, dass er ihr so realistisch erscheint. Flora versucht, nicht mehr daran zu denken, doch in der nächsten Nacht kehrt sie zurück an diesen sonderbaren Ort, der sich Eisenheim nennt. Nach Eisenheim reisen alle Menschen, wenn sie einschlafen. Doch die Einen, die „Schlafenden“ genannt, leben hier in Sklaverei und können sich, wenn sie am nächsten Tag erwachen, an nichts erinnern. Die „Wandernden“ hingegen leben ein Doppelleben, hin und hergerissen zwischen Eisenheim und der normalen Welt. Sie nehmen beide Welten bewusst wahr. Flora erfährt, dass sie „erwacht“ ist. Das bedeutet, sie ist nun selbst eine Wandernde. Offenbar war dies Floras eigener Wunsch, doch Flora kann sich an nichts mehr erinnern, was in ihrer Zeit als Schlafende in Eisenheim geschehen ist. Angeblich hat sie den sogenannten „Weißen Löwen“ gestohlen, einen Stein mit ungeheurer Macht. Doch Floras Erinnerung daran, wo sie den Stein versteckt hat, ist verschwunden. Während Flora noch versucht, die vielen neuen Erkenntnisse zu verarbeiten, bemüht sie sich, ihre Erinnerung zurückzugewinnen. Um den Weißen Löwen aufzuspüren und um endlich herauszufinden, wem sie in dieser neuen und in ihrer alten Welt vertrauen kann. Dem attraktiven Marian, mit dem sie vor ihrem Erwachen wohl ein Verhältnis hatte? Dem geheimnisvollen Kanzler, der in Eisenheim im Hintergrund die Fäden zieht? Dem Großmeister des Ordens, zu dem Flora vor ihrem Erwachen gehörte? Oder ihrem Vater, den sie nach all den Jahren doch eigentlich kennen sollte? Sie alle führen ein Doppelleben und jeder scheint ein ganz eigenes Interesse an dem Weißen Löwen zu haben. „Stadt aus Trug und Schatten“ ist seit einiger Zeit der schönste Fantasy-Roman, den ich gelesen habe. Obwohl die Handlung an sich nicht wirklich neu ist, hat mich die Geschichte sofort verzaubert. Das geht schon mit der Atmosphäre Eisenheims los. Alles in Eisenheim ist schwarz-weiß und die Kleidung der Menschen und die Gebäude lassen sich mit dem Stil in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts in unserer Welt vergleichen. Schön wird hier der Kontrast zwischen Prunkvollem und Verfallenem herausgestellt. Neben den Stadtteilen der Wandernden, in denen es Paläste, Theater und Zeppeline gibt, existiert die Welt der Schlafenden, die Minen und Fabriken, in denen sie arbeiten, und die Baracken, in denen sie leben. Auch die Figuren sind nicht so berechenbar und gewöhnlich, wie in manch anderem Romanen. Einzig die Protagonistin Flora erschien mir an manchen Stellen etwas kindisch und jammerig. Mit der Zeit wird sie jedoch immer abgebrühter und eigenständiger. Sie nähert sich mehr und mehr dem Charakter an, der sie wohl als Schlafende in Eisenheim war, dem Mädchen, das mutig einen wertvollen Stein aus dem Palast stiehlt, um seine Welt zu beschützen. Das Finale meistert Flora dann richtig souverän und man erkennt deutlich die Wandlung, die sie im Laufe der Geschichte durchgemacht hat. Besonders gelungen finde ich aber die Figur des Kanzlers. Bei all seinem freundlichen Gehabe kommt richtig gut die Bedrohung zum Ausdruck, die er ausstrahlt. Auch der Bettler Barnabas, dem Flora in Eisenheim über den Weg läuft, ist einfach genial konzipiert. Die Haushälterin ist ebenfalls eine gute Idee. Sie hätte ruhig noch eine größere Rolle bekommen können. Fazit: „Stadt aus Trug und Schatten“ habe ich wirklich verschlungen. Die beeindruckende Atmosphäre und die überzeugenden Figuren ziehen einen richtig in die Geschichte hinein, die meiner Meinung nach nicht nur für dreizehn bis sechzehn Jahre geeignet ist, wie es der Hersteller empfiehlt. Dieser Roman dürfte alle Fantasy-Liebhaber von zwölf bis zwanzig Jahren in den Bann ziehen und auch erwachsenen Lesern ein paar schöne Stunden bescheren. Im nächsten Band – und ich gehe davon aus, dass es einen geben wird, Frau Gläser – würde ich mir ruhig noch mehr Mut zum Ungewöhnlichen wünschen. Die Einfälle können gar nicht abgehoben genug sein, die Charaktere gar nicht durchtrieben und vielschichtig genug. Auch die Actionszenen können locker noch etwas brisanter werden. Die Welt in diesem Roman ist so fesselnd, dass ich auf jeden Fall noch mehr darüber erfahren möchte.

„Stadt aus Trug und Schatten“ von der deutschen Autorin Mechthild Gläser erschien im Januar 2012 in gebundener Form beim Loewe-Verlag.

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Buchtitel
2
06.06.2016
4
06.06.2016

Flora lebt ein recht gewöhnliches Leben. Gemeinsam mit ihrem Vater und der Haushälterin wohnt sie in Essen. Doch eines Nachts hat Flora einen seltsamen Traum: Sie erwacht auf einer Liege in einer Art Labor. Das Merkwürdigste an dem Traum ist aber, dass er ihr so realistisch erscheint. Flora versucht, nicht mehr daran zu denken, doch in der nächsten Nacht kehrt sie zurück an diesen sonderbaren Ort, der sich Eisenheim nennt.

Nach Eisenheim reisen alle Menschen, wenn sie einschlafen. Doch die Einen, die „Schlafenden“ genannt, leben hier in Sklaverei und können sich, wenn sie am nächsten Tag erwachen, an nichts erinnern. Die „Wandernden“ hingegen leben ein Doppelleben, hin und hergerissen zwischen Eisenheim und der normalen Welt. Sie nehmen beide Welten bewusst wahr.

Flora erfährt, dass sie „erwacht“ ist. Das bedeutet, sie ist nun selbst eine Wandernde. Offenbar war dies Floras eigener Wunsch, doch Flora kann sich an nichts mehr erinnern, was in ihrer Zeit als Schlafende in Eisenheim geschehen ist. Angeblich hat sie den sogenannten „Weißen Löwen“ gestohlen, einen Stein mit ungeheurer Macht. Doch Floras Erinnerung daran, wo sie den Stein versteckt hat, ist verschwunden.

Während Flora noch versucht, die vielen neuen Erkenntnisse zu verarbeiten, bemüht sie sich, ihre Erinnerung zurückzugewinnen. Um den Weißen Löwen aufzuspüren und um endlich herauszufinden, wem sie in dieser neuen und in ihrer alten Welt vertrauen kann. Dem attraktiven Marian, mit dem sie vor ihrem Erwachen wohl ein Verhältnis hatte? Dem geheimnisvollen Kanzler, der in Eisenheim im Hintergrund die Fäden zieht? Dem Großmeister des Ordens, zu dem Flora vor ihrem Erwachen gehörte? Oder ihrem Vater, den sie nach all den Jahren doch eigentlich kennen sollte? Sie alle führen ein Doppelleben und jeder scheint ein ganz eigenes Interesse an dem Weißen Löwen zu haben.

„Stadt aus Trug und Schatten“ ist seit einiger Zeit der schönste Fantasy-Roman, den ich gelesen habe. Obwohl die Handlung an sich nicht wirklich neu ist, hat mich die Geschichte sofort verzaubert. Das geht schon mit der Atmosphäre Eisenheims los. Alles in Eisenheim ist schwarz-weiß und die Kleidung der Menschen und die Gebäude lassen sich mit dem Stil in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts in unserer Welt vergleichen. Schön wird hier der Kontrast zwischen Prunkvollem und Verfallenem herausgestellt. Neben den Stadtteilen der Wandernden, in denen es Paläste, Theater und Zeppeline gibt, existiert die Welt der Schlafenden, die Minen und Fabriken, in denen sie arbeiten, und die Baracken, in denen sie leben.

Auch die Figuren sind nicht so berechenbar und gewöhnlich, wie in manch anderem Romanen. Einzig die Protagonistin Flora erschien mir an manchen Stellen etwas kindisch und jammerig. Mit der Zeit wird sie jedoch immer abgebrühter und eigenständiger. Sie nähert sich mehr und mehr dem Charakter an, der sie wohl als Schlafende in Eisenheim war, dem Mädchen, das mutig einen wertvollen Stein aus dem Palast stiehlt, um seine Welt zu beschützen. Das Finale meistert Flora dann richtig souverän und man erkennt deutlich die Wandlung, die sie im Laufe der Geschichte durchgemacht hat.

Besonders gelungen finde ich aber die Figur des Kanzlers. Bei all seinem freundlichen Gehabe kommt richtig gut die Bedrohung zum Ausdruck, die er ausstrahlt. Auch der Bettler Barnabas, dem Flora in Eisenheim über den Weg läuft, ist einfach genial konzipiert. Die Haushälterin ist ebenfalls eine gute Idee. Sie hätte ruhig noch eine größere Rolle bekommen können.

Fazit: „Stadt aus Trug und Schatten“ habe ich wirklich verschlungen. Die beeindruckende Atmosphäre und die überzeugenden Figuren ziehen einen richtig in die Geschichte hinein, die meiner Meinung nach nicht nur für dreizehn bis sechzehn Jahre geeignet ist, wie es der Hersteller empfiehlt. Dieser Roman dürfte alle Fantasy-Liebhaber von zwölf bis zwanzig Jahren in den Bann ziehen und auch erwachsenen Lesern ein paar schöne Stunden bescheren. Im nächsten Band – und ich gehe davon aus, dass es einen geben wird, Frau Gläser – würde ich mir ruhig noch mehr Mut zum Ungewöhnlichen wünschen. Die Einfälle können gar nicht abgehoben genug sein, die Charaktere gar nicht durchtrieben und vielschichtig genug. Auch die Actionszenen können locker noch etwas brisanter werden. Die Welt in diesem Roman ist so fesselnd, dass ich auf jeden Fall noch mehr darüber erfahren möchte.

geschrieben am 20.02.2012 | 700 Wörter | 3819 Zeichen

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