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Lost City Radio


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Rezension von

Anna Kneisel

Lost City Radio Mit seinem Debüt-Roman “Lost City Radio” hat Daniel Alarcón die Welt der Literatur Amerikas in Aufruhr gebracht, und das völlig zu Recht. Wir befinden uns in einem fiktiven südamerikanischen Land, das viel Ähnlichkeit mit dem Heimatland des Autors, Peru, aufweist. Die Regierung kontrolliert alles, Orte tragen keine Namen mehr, sondern nur noch Nummern und die Menschen müssen aufpassen, was sie sagen. Zehn Jahre sind seit dem blutigen Bürgerkrieg vergangen, in dem Tausende Menschen verschwunden und nie wieder aufgetaucht sind. Auch Rey, der Mann der Radiomoderatorin Norma, verschwand vor 10 Jahren und Norma wartet immer noch auf seine Rückkehr. Sie verliest unter der Woche Nachrichten und moderiert sonntags die Sendung "Lost City Radio", in der Menschen ihre vermissten Angehörigen suchen können. Ihnen allen gibt Norma mit ihrer wunderbaren Stimme, in die sich ihre Hörer verlieben, die trügerische Hoffnung, dass alles wieder gut werden wird. Da taucht eines Tages Victor, ein kleiner 11-jähriger Junge aus dem Dschungeldorf 1797 auf, mit einem Brief und einer Liste von Vermissten. In der Nähe von Dorf 1797 muss Rey verschwunden sein, sein Name, der nicht mehr in der Öffentlichkeit genannt werden darf, steht sogar auf der Liste. Norma wird mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, Gegenwart und Szenen der Vergangenheit ergeben nach und nach ein Bild, das voller Grausamkeit, Folter, Tod, aber auch Leben, Liebe und Hoffnung ist. Anfangs steht der Leser genauso ahnungslos wie Norma da und setzt nach und nach ein dennoch lückenhaft bleibendes -bleiben müssendes- Mosaik aus Erinnerungsstücken zusammen. Mit „Lost City Radio“ zeichnet Alarcón ein überwältigendes Szenario von Gewalt, politischer Willkür, aber auch der Liebe und der Beziehungen von Menschen untereinander, dem sich der Leser nicht entziehen kann. Das Anonymisieren des Landes, die Auslöschung von Ortsnamen, die vagen Aussagen zur Bewegung der Aufständischen, der IL (Illegale Legion), die immer wieder von Regierung und den Menschen in ihrer Existenz verleugnet wird, all diese Faktoren lassen die Ereignisse nur umso verstörender erscheinen. Assoziationen zu Mario Vargas Llosas Literatur und den geschichtlichen Ereignissen zu der terroristischen Vereinigung Leuchtender Pfad stellen sich ein, sind aber nicht eindeutig belegbar. Ein nachdenklich machendes, zeitloses Buch über die Sinnlosigkeit von Krieg und die Zerbrechlichkeit der Normalität einer Welt, die jeden von uns tagtäglich umgibt. Die hohen Anforderungen, die der Verlag Wagenbach an seine Bücher stellt, sind mit diesem Roman mehr als erfüllt: dieses Buch sollte man unbedingt einmal lesen.

Mit seinem Debüt-Roman “Lost City Radio” hat Daniel Alarcón die Welt der Literatur Amerikas in Aufruhr gebracht, und das völlig zu Recht.

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Wir befinden uns in einem fiktiven südamerikanischen Land, das viel Ähnlichkeit mit dem Heimatland des Autors, Peru, aufweist. Die Regierung kontrolliert alles, Orte tragen keine Namen mehr, sondern nur noch Nummern und die Menschen müssen aufpassen, was sie sagen. Zehn Jahre sind seit dem blutigen Bürgerkrieg vergangen, in dem Tausende Menschen verschwunden und nie wieder aufgetaucht sind. Auch Rey, der Mann der Radiomoderatorin Norma, verschwand vor 10 Jahren und Norma wartet immer noch auf seine Rückkehr. Sie verliest unter der Woche Nachrichten und moderiert sonntags die Sendung "Lost City Radio", in der Menschen ihre vermissten Angehörigen suchen können. Ihnen allen gibt Norma mit ihrer wunderbaren Stimme, in die sich ihre Hörer verlieben, die trügerische Hoffnung, dass alles wieder gut werden wird.

Da taucht eines Tages Victor, ein kleiner 11-jähriger Junge aus dem Dschungeldorf 1797 auf, mit einem Brief und einer Liste von Vermissten. In der Nähe von Dorf 1797 muss Rey verschwunden sein, sein Name, der nicht mehr in der Öffentlichkeit genannt werden darf, steht sogar auf der Liste. Norma wird mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, Gegenwart und Szenen der Vergangenheit ergeben nach und nach ein Bild, das voller Grausamkeit, Folter, Tod, aber auch Leben, Liebe und Hoffnung ist.

Anfangs steht der Leser genauso ahnungslos wie Norma da und setzt nach und nach ein dennoch lückenhaft bleibendes -bleiben müssendes- Mosaik aus Erinnerungsstücken zusammen.

Mit „Lost City Radio“ zeichnet Alarcón ein überwältigendes Szenario von Gewalt, politischer Willkür, aber auch der Liebe und der Beziehungen von Menschen untereinander, dem sich der Leser nicht entziehen kann. Das Anonymisieren des Landes, die Auslöschung von Ortsnamen, die vagen Aussagen zur Bewegung der Aufständischen, der IL (Illegale Legion), die immer wieder von Regierung und den Menschen in ihrer Existenz verleugnet wird, all diese Faktoren lassen die Ereignisse nur umso verstörender erscheinen. Assoziationen zu Mario Vargas Llosas Literatur und den geschichtlichen Ereignissen zu der terroristischen Vereinigung Leuchtender Pfad stellen sich ein, sind aber nicht eindeutig belegbar.

Ein nachdenklich machendes, zeitloses Buch über die Sinnlosigkeit von Krieg und die Zerbrechlichkeit der Normalität einer Welt, die jeden von uns tagtäglich umgibt. Die hohen Anforderungen, die der Verlag Wagenbach an seine Bücher stellt, sind mit diesem Roman mehr als erfüllt: dieses Buch sollte man unbedingt einmal lesen.

geschrieben am 07.10.2008 | 388 Wörter | 2288 Zeichen

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