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Der Maler des Verborgenen


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Rezension von

Ragan Tanger

Der Maler des Verborgenen Lächeln wie die Mona Lisa Na sowas! Der Autor John Vermeulen, dessen Buch „Der Maler des Verborgenen“ gerade bei Diogenes erschienen ist, war laut Wikipedia belgischer Journalist und – zugleich - niederländischer Schriftsteller. Ob es sich dabei um eine pragmatische Express-Einbürgerungen wie bei ehedem ausländischen Leistungssportlern oder um einen typischen Wikipedia-Fauxpas handelt, kann nicht hinreichend geklärt werden. Fest steht aber: Vermeulen war ein vielschichtiger, multinationaler und eben ganz spezieller Künstler, der im August 2009 starb und eine ganze Reihe interessanter Veröffentlichungen und Manuskripte hinterlassen hat. Der Maler des Verborgenen wurde in seinem Todesjahr erstveröffentlicht, zwei Jahre später ist die deutsche Übersetzung nun im Handel erhältlich. Ein noch größeres und vielschichtigeres Genie als Vermeulen war der italienische Tausendsassa Leonardo da Vinci. Genau jener steht im Mittelpunkt dieses historischen Romans und ist der im Titel zitierte Maler, der weniger im Verborgenen arbeitete als das Verborgene und Unerkannte durch den Glanz seiner Werke aufleuchten ließ. Hieronymus Bosch war der erste Pinselartist, dem Vermeulen ein historisches Romanwerk geschenkt hat; und nun also Leonardo, der so viel mehr war als Maler: der Architekt, Wissenschaftler, Biologe, Schriftsteller, Architekt, Anatom und, ja, auch homosexuell war. All diese Aspekte werden in eine große Lebensgeschichte verwoben, die das Historische in den Vordergrund stellt, aber auch Fiktives subtil in die Kapitel mit einbaut; was ja auch mehr als sinnvoll ist, denn selbst die besten Archivare und Geschichtswissenschaftler können nicht mit Sicherheit behaupten, welches Essen bei da Vinci im Jahre 1489 an einem Juliabend auf dem Tisch stand. Leonardos Kindheit, die von Entbehrungen einerseits und Entdeckungen anderseits geprägt war, eröffnet ordentlich chronologisch den Reigen der prosaischen Revue. Seine Übersiedlung nach Florenz, die Mailänder Jahre, die Entstehung der Mona Lisa, die Arbeiten für den Vatikan, da Vincis Alterssitz in Frankreich und vieles mehr: jede Facette dieses begnadeten Künstlers wird spielerisch in den Roman eingebaut; immer wieder steht die aufgeweckte, tief schürfende, fast schon magische und spirituelle Natur des italienischen Genies im Vordergrund. Vermeulen, der auch Thriller, Kinderbücher und erotische Prosa veröffentlichte, liebt eben die unabdingbare Essenz als Quell des Lebens. Die Schreibe dieses fast sechshundert Seiten dicken Schmökers ist unaufgeregt, manchmal ein wenig bieder; nämlich beschreibend, erklärend und die annähernde Wahrheit gemütlich nachzeichnend. Wäre der spektakuläre Inhalt nicht durch da Vinci bis zur Glückseligkeit gefüllt, verfiele der Text doch in einen belanglos plaudernden und arg nüchternen Stil. Nichts Dramatisches, nur eine kleine stilistische Geschmacksverstärkung hätte dem Roman gut getan. Darüber hinaus fragt sich der studierte Historiker immer wieder, warum Romane, die vor 500 Jahren spielen, Sozialkonstrukte, Mentalitäten und Vorstellungen der Moderne widerspiegeln. Eine typisch ahistorische Rekonstruktion aus der Jetztzeit heraus. Auch nicht dramatisch, und vielleicht auch verständlich, aber jedenfalls nicht durch und durch historisch. Wer nun glaubt aufgrund der oben genannten Kritikpunkte sei dieses Buch nicht zu empfehlen, der täuscht sich gewaltig. Da Vinci ist in seiner Genialität, in seiner Weitsicht, in seinen Erfindungen und in seiner widersprüchlichen Charakteristik (die Vermeulen ganz wunderbar extrapoliert) viel zu interessant, als das man diesen Roman hier links liegen lassen sollte. Ganz im Gegenteil: Die Kombination aus (wenn auch nicht immer plausibler) Geschichte und spannender Biographie sind vielen der historischen Romane, die momentan den Markt überschwemmen, überlegen. Es bleibt ein Lächeln auf den Lippen. Ein großes, undurchdringbares, geheimnisvolles Lächeln.

Lächeln wie die Mona Lisa

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Na sowas! Der Autor John Vermeulen, dessen Buch „Der Maler des Verborgenen“ gerade bei Diogenes erschienen ist, war laut Wikipedia belgischer Journalist und – zugleich - niederländischer Schriftsteller. Ob es sich dabei um eine pragmatische Express-Einbürgerungen wie bei ehedem ausländischen Leistungssportlern oder um einen typischen Wikipedia-Fauxpas handelt, kann nicht hinreichend geklärt werden. Fest steht aber: Vermeulen war ein vielschichtiger, multinationaler und eben ganz spezieller Künstler, der im August 2009 starb und eine ganze Reihe interessanter Veröffentlichungen und Manuskripte hinterlassen hat. Der Maler des Verborgenen wurde in seinem Todesjahr erstveröffentlicht, zwei Jahre später ist die deutsche Übersetzung nun im Handel erhältlich.

Ein noch größeres und vielschichtigeres Genie als Vermeulen war der italienische Tausendsassa Leonardo da Vinci. Genau jener steht im Mittelpunkt dieses historischen Romans und ist der im Titel zitierte Maler, der weniger im Verborgenen arbeitete als das Verborgene und Unerkannte durch den Glanz seiner Werke aufleuchten ließ. Hieronymus Bosch war der erste Pinselartist, dem Vermeulen ein historisches Romanwerk geschenkt hat; und nun also Leonardo, der so viel mehr war als Maler: der Architekt, Wissenschaftler, Biologe, Schriftsteller, Architekt, Anatom und, ja, auch homosexuell war. All diese Aspekte werden in eine große Lebensgeschichte verwoben, die das Historische in den Vordergrund stellt, aber auch Fiktives subtil in die Kapitel mit einbaut; was ja auch mehr als sinnvoll ist, denn selbst die besten Archivare und Geschichtswissenschaftler können nicht mit Sicherheit behaupten, welches Essen bei da Vinci im Jahre 1489 an einem Juliabend auf dem Tisch stand.

Leonardos Kindheit, die von Entbehrungen einerseits und Entdeckungen anderseits geprägt war, eröffnet ordentlich chronologisch den Reigen der prosaischen Revue. Seine Übersiedlung nach Florenz, die Mailänder Jahre, die Entstehung der Mona Lisa, die Arbeiten für den Vatikan, da Vincis Alterssitz in Frankreich und vieles mehr: jede Facette dieses begnadeten Künstlers wird spielerisch in den Roman eingebaut; immer wieder steht die aufgeweckte, tief schürfende, fast schon magische und spirituelle Natur des italienischen Genies im Vordergrund. Vermeulen, der auch Thriller, Kinderbücher und erotische Prosa veröffentlichte, liebt eben die unabdingbare Essenz als Quell des Lebens.

Die Schreibe dieses fast sechshundert Seiten dicken Schmökers ist unaufgeregt, manchmal ein wenig bieder; nämlich beschreibend, erklärend und die annähernde Wahrheit gemütlich nachzeichnend. Wäre der spektakuläre Inhalt nicht durch da Vinci bis zur Glückseligkeit gefüllt, verfiele der Text doch in einen belanglos plaudernden und arg nüchternen Stil. Nichts Dramatisches, nur eine kleine stilistische Geschmacksverstärkung hätte dem Roman gut getan. Darüber hinaus fragt sich der studierte Historiker immer wieder, warum Romane, die vor 500 Jahren spielen, Sozialkonstrukte, Mentalitäten und Vorstellungen der Moderne widerspiegeln. Eine typisch ahistorische Rekonstruktion aus der Jetztzeit heraus. Auch nicht dramatisch, und vielleicht auch verständlich, aber jedenfalls nicht durch und durch historisch.

Wer nun glaubt aufgrund der oben genannten Kritikpunkte sei dieses Buch nicht zu empfehlen, der täuscht sich gewaltig. Da Vinci ist in seiner Genialität, in seiner Weitsicht, in seinen Erfindungen und in seiner widersprüchlichen Charakteristik (die Vermeulen ganz wunderbar extrapoliert) viel zu interessant, als das man diesen Roman hier links liegen lassen sollte. Ganz im Gegenteil: Die Kombination aus (wenn auch nicht immer plausibler) Geschichte und spannender Biographie sind vielen der historischen Romane, die momentan den Markt überschwemmen, überlegen. Es bleibt ein Lächeln auf den Lippen. Ein großes, undurchdringbares, geheimnisvolles Lächeln.

geschrieben am 07.04.2011 | 532 Wörter | 3433 Zeichen

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