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Der Kuss des Vampirs


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Informationen zum Buch
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Rezension von

Frank Drehmel

Der Kuss des Vampirs Miriam Blaylock ist eine HĂŒterin. Ihr Herde -ihr Vieh- sind Menschen. Sie ist eine JĂ€gerin, die das Blut des Viehs zum Überleben braucht. Mehr als vier tausend Jahre schon. Paul Ward ist CIA-Agent. Seine Profession ist das Jagen. Seine Beute: Vampire. Miriam will in Thailand die asiatische Konklave aufsuchen, eines jener Treffen von HĂŒtern, die einmal im Jahrhundert stattfinden. Obwohl sie unter ihresgleichen als Außenseiterin gilt, treibt sie die Suche nach einen geeigneten Partner, mit welchem zusammen sie einen letzten leiblichen Nachkommen zeugen will. In Asien angekommen muss sie feststellen, dass sĂ€mtliche HĂŒter des Kontinents vernichtet wurden. ÜberstĂŒrzt flieht sie nach Paris, den Urheber des Massakers -Paul Ward- dicht auf ihren Fersen. Dort kann sie ihm zum zweiten Mal knapp entkommen, wĂ€hrend auch die Pariser Vampire vollstĂ€ndig ausgelöscht werden. Als geborene KĂ€mpferin und JĂ€gerin beschließt sie, Paul in ihrem Domizil in Manhatten eine tödliche Falle zu stellen. Doch auch Paul ist mehr als nur ein Mensch.... Schon nach wenigen Zeilen beginnen die Gedanken zu schweifen, trĂ€ge treiben Assoziationsblasen an die OberflĂ€che des Bewusstseins: ich sehe den modern expressiven Vampir-Film “Begierde” vor meinem geistigen Auge, glaube Delibes Oper LacmĂ© zu hören. [wie im Fluge ziehen die ersten 60 Seiten vorĂŒber]; ein braungebrannter Mann mittleren Alters hĂ€mmert zwischen dem Besuch eines Fitness-Studios und einem Psychiatertermin stakkatoartig einen Roman in seinen Laptop [...die nĂ€chsten 100 Seiten]; der Geist fĂ€ngt an, in transzendentalere Gefilde zu entfleuchen, die Bedeutung der Zahl Null im Universum nimmt immer mehr Raum ein [...das Buch ist zu Ende]; auf dass mich das große Nichts umfange [Norman Spinrad] -474 Seiten geballtes Nichts! Die Kritik auf eine sachliche Basis zu stellen -mit Textstellen und Zitaten zu untermauern- bedeutete, den Rahmen dieser Rezension zu sprengen, da fast jede Seite ausreichend Material fĂŒr ein “Traktat ĂŒber schlechte Literatur zu Beginn des 21. Jh” böte. Hat er das Buch tatsĂ€chlich bis zum Happyend ertragen, erkennt der gequĂ€lte Leser, dass es sich keinem gĂ€ngigen Genre zuordnen lĂ€sst. An sich wĂ€re das ja nichts negatives, wenn es aus jedem Bereich moderner Unterhaltung etwas böte. Leider zeichnet sich dieser Roman durch den Mangel an fast allem, was solch ein Buch lesenswert macht: Spannung, Horror, Erotik und die Freude an “schönen” Formulierungen und wohlkonstruierten (Beziehungs-)Geflechten. Dass dem Leser ĂŒber die reine Unterhaltung hinaus neue Erkenntnisse in Form von alternativen “Sichtweisen der Welt und der Dinge” vermittelt werden, konnte man von einem Whitley Strieber ohnehin kaum erhoffen; im Gegenteil: Striebers hurra-patriotische ErgĂŒsse, scheinen die RealitĂ€t negieren zu wollen. Die CIA als eine der bewundernswertesten Organisationen der Welt darzustellen, die sich dem Kampf gegen das Böse -ob Vietkong oder Vampire- verschrieben hat, ist nicht nur blauĂ€ugig, sondern stellt eine gezielte Desinformation dar. Grotesk wird es, wenn er Miriam ĂŒber unterschiedliche “Rassemerkmale” von Menschen schwadronieren lĂ€sst: Germanen sind ordnungsliebend und arbeitswĂŒtig, Levatiner leidenschaftlich, Asiaten sexuell kompetent und Amerikaner wild und voller Überraschungen,.... als hĂ€tten wir es nicht schon immer gewusst. Solcherlei tiefergehende Erkenntnisse ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte und stellen die Toleranz des Leser gegenĂŒber der geistigen SimplizitĂ€t des Autors auf eine harte Probe. Die Grenzen zur LĂ€cherlichkeit testen Striebers plumpe Versuche, historische Fakten und Ereignisse auf das Wirken von HĂŒtern zurĂŒckzufĂŒhren beziehungsweise damit zu verknĂŒpfen. Auch diese “HĂŒrde” meistert er “gekonnt” und belohnt den Leser mit grenzenlosem Fabulieren und sei es auch noch so weit hergeholt. Zur Story: auch wenn man von einer solchen “Was-auch-immer”-Geschichte nicht zuviel RealitĂ€tsnĂ€he erwarten kann, so sollte ihr dennoch eine gewisse PlausibilitĂ€t immanent sein. “Der Kuss des Vampirs” ist weit davon entfernt, diesem Grundanliegen Rechnung zu tragen. Indem der Autor nur beschreibt und behauptet, nicht aber ausreichend durchdacht erklĂ€rt, argumentiert oder sogar in Frage stellt, sieht sich der -alleingelassene- Leser einer Vielzahl von logischen BrĂŒchen, WidersprĂŒchlichkeiten und PlausibilitĂ€tsdefiziten gegenĂŒber. Eine einzige absurde Annahme bildet die Basis der Geschichte; ohne diese wĂŒrde das Konstrukt wie ein Kartenhaus zusammenbrechen: die tausende Jahre alten HĂŒter sind als die geborenen JĂ€ger und oberstes Glied in der Nahrungskette trotz ihrer ĂŒberragenden geistigen und körperlichen FĂ€higkeiten völlig unfĂ€hig, sich an Ă€ndernde Umweltgegebenheiten anzupassen. Daher hausen die meisten der uralten Raubtiere, die noch im 19. Jahrhundert in Prunk, Protz und Reichtum gelebt haben, mittlerweile in Höhlen, sind verkommen, bilden Rudel, können wegen vermeintlicher Jagdgefahren kaum noch an Nahrung finden. Dieses Grundannahme entbehrt jeglicher PlausibilitĂ€t. Derjenige, der sich dieses Machwerkes erbarmt, möge versuchen, die weiteren Defizite ohne meine Hilfe und eventuell im Wettstreit mit einem Leidensgenossen zu “evaluieren”, um so den Unterhaltungswert des Buches zu maximieren. Hier möchte ich dieses unerfreuliche Kapitel mit einem -zugegeben- kleinen aber feinen Zitat beenden, das als reprĂ€sentativ fĂŒr das unprĂ€zise Geplapper des Autors angesehen werden kann: “ Sie [die Vampire] waren ihm [Paul Ward] immer einen Schritt voraus. Seine einzigen Waffen waren das Überraschungsmoment und die moderne Technologie”(S. 163); als stĂŒnden sich “Immer einen Schritt voraus sein” und â€œĂŒberrascht werden können” nicht diametral gegenĂŒber. Nun zu den Protagonisten: man kann dem Schreiber nicht vorwerfen, mit Miriam und Paul zwei blasse und unscheinbare Charaktere entworfen zu haben, denn die beiden sind so karrikaturhaft ĂŒberzeichnet, dass sich der Leser ihrer zumindest einige Zeit erinnern wird/muss. Auch werden wegen Striebers scheinbar eingeschrĂ€nkten Erkenntnisshorizonts in Verbindung mit Nicht-Können und mangelnder schriftstellerischer Sorgfalt die Motivationen der Charaktere so trivialpsychologisch abgeleitet (wenigstens dieses versucht Strieber), dass es fast schon wieder amĂŒsant wĂ€re,... wĂŒrden die Figuren nur nicht reden: die Dialoge sind eine einziger Erguss kaum ertrĂ€glicher PlattitĂŒden, belanglosestem Geschwafels und tausendmal gelesener Phrasen. OriginalitĂ€t bleibt fĂŒr den Verfasser ein Mysterium. Fazit: Dieses Buch gehört zu jenen seltenen Werken, bei den man unwillkĂŒrlich das GefĂŒhl hat, das Schreiben könne nicht lĂ€nger gedauert haben als das Lesen. Möge Miriam-Blaylock-”Ich-bin-Teil-der-Gerechtigkeit-auf-Erden” ĂŒber Strieber kommen, damit uns weitere BĂŒcher dieses “erfolgreichen” Autors, der, wenn man den GefĂ€lligkeitskritiken befreundeter Autoren glaubte, “fesselnde” Romane schreiben soll, erspart bleiben.

Miriam Blaylock ist eine HĂŒterin. Ihr Herde -ihr Vieh- sind Menschen. Sie ist eine JĂ€gerin, die das Blut des Viehs zum Überleben braucht. Mehr als vier tausend Jahre schon.

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Paul Ward ist CIA-Agent. Seine Profession ist das Jagen. Seine Beute: Vampire.

Miriam will in Thailand die asiatische Konklave aufsuchen, eines jener Treffen von HĂŒtern, die einmal im Jahrhundert stattfinden. Obwohl sie unter ihresgleichen als Außenseiterin gilt, treibt sie die Suche nach einen geeigneten Partner, mit welchem zusammen sie einen letzten leiblichen Nachkommen zeugen will. In Asien angekommen muss sie feststellen, dass sĂ€mtliche HĂŒter des Kontinents vernichtet wurden. ÜberstĂŒrzt flieht sie nach Paris, den Urheber des Massakers -Paul Ward- dicht auf ihren Fersen. Dort kann sie ihm zum zweiten Mal knapp entkommen, wĂ€hrend auch die Pariser Vampire vollstĂ€ndig ausgelöscht werden. Als geborene KĂ€mpferin und JĂ€gerin beschließt sie, Paul in ihrem Domizil in Manhatten eine tödliche Falle zu stellen. Doch auch Paul ist mehr als nur ein Mensch....

Schon nach wenigen Zeilen beginnen die Gedanken zu schweifen, trĂ€ge treiben Assoziationsblasen an die OberflĂ€che des Bewusstseins: ich sehe den modern expressiven Vampir-Film “Begierde” vor meinem geistigen Auge, glaube Delibes Oper LacmĂ© zu hören. [wie im Fluge ziehen die ersten 60 Seiten vorĂŒber]; ein braungebrannter Mann mittleren Alters hĂ€mmert zwischen dem Besuch eines Fitness-Studios und einem Psychiatertermin stakkatoartig einen Roman in seinen Laptop [...die nĂ€chsten 100 Seiten]; der Geist fĂ€ngt an, in transzendentalere Gefilde zu entfleuchen, die Bedeutung der Zahl Null im Universum nimmt immer mehr Raum ein [...das Buch ist zu Ende]; auf dass mich das große Nichts umfange [Norman Spinrad] -474 Seiten geballtes Nichts!

Die Kritik auf eine sachliche Basis zu stellen -mit Textstellen und Zitaten zu untermauern- bedeutete, den Rahmen dieser Rezension zu sprengen, da fast jede Seite ausreichend Material fĂŒr ein “Traktat ĂŒber schlechte Literatur zu Beginn des 21. Jh” böte.

Hat er das Buch tatsĂ€chlich bis zum Happyend ertragen, erkennt der gequĂ€lte Leser, dass es sich keinem gĂ€ngigen Genre zuordnen lĂ€sst. An sich wĂ€re das ja nichts negatives, wenn es aus jedem Bereich moderner Unterhaltung etwas böte. Leider zeichnet sich dieser Roman durch den Mangel an fast allem, was solch ein Buch lesenswert macht: Spannung, Horror, Erotik und die Freude an “schönen” Formulierungen und wohlkonstruierten (Beziehungs-)Geflechten.

Dass dem Leser ĂŒber die reine Unterhaltung hinaus neue Erkenntnisse in Form von alternativen “Sichtweisen der Welt und der Dinge” vermittelt werden, konnte man von einem Whitley Strieber ohnehin kaum erhoffen; im Gegenteil: Striebers hurra-patriotische ErgĂŒsse, scheinen die RealitĂ€t negieren zu wollen. Die CIA als eine der bewundernswertesten Organisationen der Welt darzustellen, die sich dem Kampf gegen das Böse -ob Vietkong oder Vampire- verschrieben hat, ist nicht nur blauĂ€ugig, sondern stellt eine gezielte Desinformation dar. Grotesk wird es, wenn er Miriam ĂŒber unterschiedliche “Rassemerkmale” von Menschen schwadronieren lĂ€sst: Germanen sind ordnungsliebend und arbeitswĂŒtig, Levatiner leidenschaftlich, Asiaten sexuell kompetent und Amerikaner wild und voller Überraschungen,.... als hĂ€tten wir es nicht schon immer gewusst. Solcherlei tiefergehende Erkenntnisse ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte und stellen die Toleranz des Leser gegenĂŒber der geistigen SimplizitĂ€t des Autors auf eine harte Probe. Die Grenzen zur LĂ€cherlichkeit testen Striebers plumpe Versuche, historische Fakten und Ereignisse auf das Wirken von HĂŒtern zurĂŒckzufĂŒhren beziehungsweise damit zu verknĂŒpfen. Auch diese “HĂŒrde” meistert er “gekonnt” und belohnt den Leser mit grenzenlosem Fabulieren und sei es auch noch so weit hergeholt.

Zur Story: auch wenn man von einer solchen “Was-auch-immer”-Geschichte nicht zuviel RealitĂ€tsnĂ€he erwarten kann, so sollte ihr dennoch eine gewisse PlausibilitĂ€t immanent sein. “Der Kuss des Vampirs” ist weit davon entfernt, diesem Grundanliegen Rechnung zu tragen. Indem der Autor nur beschreibt und behauptet, nicht aber ausreichend durchdacht erklĂ€rt, argumentiert oder sogar in Frage stellt, sieht sich der -alleingelassene- Leser einer Vielzahl von logischen BrĂŒchen, WidersprĂŒchlichkeiten und PlausibilitĂ€tsdefiziten gegenĂŒber.

Eine einzige absurde Annahme bildet die Basis der Geschichte; ohne diese wĂŒrde das Konstrukt wie ein Kartenhaus zusammenbrechen: die tausende Jahre alten HĂŒter sind als die geborenen JĂ€ger und oberstes Glied in der Nahrungskette trotz ihrer ĂŒberragenden geistigen und körperlichen FĂ€higkeiten völlig unfĂ€hig, sich an Ă€ndernde Umweltgegebenheiten anzupassen. Daher hausen die meisten der uralten Raubtiere, die noch im 19. Jahrhundert in Prunk, Protz und Reichtum gelebt haben, mittlerweile in Höhlen, sind verkommen, bilden Rudel, können wegen vermeintlicher Jagdgefahren kaum noch an Nahrung finden. Dieses Grundannahme entbehrt jeglicher PlausibilitĂ€t.

Derjenige, der sich dieses Machwerkes erbarmt, möge versuchen, die weiteren Defizite ohne meine Hilfe und eventuell im Wettstreit mit einem Leidensgenossen zu “evaluieren”, um so den Unterhaltungswert des Buches zu maximieren.

Hier möchte ich dieses unerfreuliche Kapitel mit einem -zugegeben- kleinen aber feinen Zitat beenden, das als reprĂ€sentativ fĂŒr das unprĂ€zise Geplapper des Autors angesehen werden kann: “ Sie [die Vampire] waren ihm [Paul Ward] immer einen Schritt voraus. Seine einzigen Waffen waren das Überraschungsmoment und die moderne Technologie”(S. 163); als stĂŒnden sich “Immer einen Schritt voraus sein” und â€œĂŒberrascht werden können” nicht diametral gegenĂŒber.

Nun zu den Protagonisten: man kann dem Schreiber nicht vorwerfen, mit Miriam und Paul zwei blasse und unscheinbare Charaktere entworfen zu haben, denn die beiden sind so karrikaturhaft ĂŒberzeichnet, dass sich der Leser ihrer zumindest einige Zeit erinnern wird/muss. Auch werden wegen Striebers scheinbar eingeschrĂ€nkten Erkenntnisshorizonts in Verbindung mit Nicht-Können und mangelnder schriftstellerischer Sorgfalt die Motivationen der Charaktere so trivialpsychologisch abgeleitet (wenigstens dieses versucht Strieber), dass es fast schon wieder amĂŒsant wĂ€re,... wĂŒrden die Figuren nur nicht reden: die Dialoge sind eine einziger Erguss kaum ertrĂ€glicher PlattitĂŒden, belanglosestem Geschwafels und tausendmal gelesener Phrasen. OriginalitĂ€t bleibt fĂŒr den Verfasser ein Mysterium.

Fazit: Dieses Buch gehört zu jenen seltenen Werken, bei den man unwillkĂŒrlich das GefĂŒhl hat, das Schreiben könne nicht lĂ€nger gedauert haben als das Lesen. Möge Miriam-Blaylock-”Ich-bin-Teil-der-Gerechtigkeit-auf-Erden” ĂŒber Strieber kommen, damit uns weitere BĂŒcher dieses “erfolgreichen” Autors, der, wenn man den GefĂ€lligkeitskritiken befreundeter Autoren glaubte, “fesselnde” Romane schreiben soll, erspart bleiben.

geschrieben am 08.08.2004 | 952 Wörter | 6113 Zeichen

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