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Die Ballade von Marie und dem ewigen Regen


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Rezension von

Daniel Dommer

Die Ballade von Marie und dem ewigen Regen Ein JĂŒngling liebt ein MĂ€dchen. Das hat einen anderen erwĂ€hlt. Eine alte Geschichte, die dennoch immer wieder erzĂ€hlt wird. Zum Beispiel eben in dieser Ballade, ein Liebesdrama, in einer Provinzstadt ansiedelt. Parchim ist eine Kleinstadt in der mecklenburgischen Provinz, in der sich das in der ehemaligen DDR vom Staat umworbene „Proletariat“ sich mittlerweile vom Schicksal abgespeist fĂŒhlt. Die Straßen sind grau, alles ist trist und voller Regen. Als noch die Rote Armee hier stationiert war, gab es auch noch Arbeit. Doch die Sowjets sind verschwunden, mit ihnen die Arbeit, und geblieben sind MĂŒll und Ungeziefer. Dazu noch ein Haufen heruntergekommener Plattenbauten, deren Bewohner schon lĂ€ngst abgestumpft sind und resigniert haben, und einen „Rosengarten“, in dem lĂ€ngst keine Rosen mehr blĂŒhen, aber manchmal der eine oder andere Jugendliche auf einer Parkbank ĂŒbernachtet. Einer von ihnen ist der Ich-ErzĂ€hler Nils, ein Gefangener dieser dĂŒsteren VerhĂ€ltnisse, die durch seinen alkoholsĂŒchtigen Vater nur noch verstĂ€rkt werden, der vor dem Fernseher vergammelt und von seiner toten Frau trĂ€umt. Einziger Lichtblick und letzte Hoffnung des sensiblen Jugendlichen ist Marie, die er schwĂ€rmerisch aus der Ferne verehrt, ohne jemals ein Wort mit ihr zu wechseln. Gleichzeitig wĂŒnscht er sich, mit ihr wegzugehen und ein neues, von der Sonne ewiger Liebe erhelltes Leben zu fĂŒhren, untermalt vom Klang der Querflöte, die sie meisterhaft spielen kann. Doch, wie gesagt, seine Angebetete hat sich fĂŒr einen anderen entschieden. Und Nils ist ĂŒbler dran als jemals zuvor. Nils berichtet davon in einem langen Monolog, der reizvoll die Buchstaben wie in Versform mĂ€andern lĂ€sst. Zwar an die frĂŒheren Balladendichter angelehnt, doch auch die NĂ€he zu einem Theatertext ist unĂŒbersehbar. Sein gewöhnungsbedĂŒrftiges Buch ist ein Prosagedicht, gegliedert durch sprachliche „Leitmotive“, welche dem Leser das EinfĂŒhlen in die chaotische Innenwelt eines unglĂŒcklich Verliebten erleichtern sollen. Nicht geeignet als AbendlektĂŒre, nicht geeignet, um gute Laune zu bekommen. Aber geeignet fĂŒr Stunden im Regen, wenn man sich in seinem Lesesessel vergrĂ€bt und einfach mal Lust hat auf eine traurige Geschichte.

Ein JĂŒngling liebt ein MĂ€dchen. Das hat einen anderen erwĂ€hlt. Eine alte Geschichte, die dennoch immer wieder erzĂ€hlt wird. Zum Beispiel eben in dieser Ballade, ein Liebesdrama, in einer Provinzstadt ansiedelt.

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Parchim ist eine Kleinstadt in der mecklenburgischen Provinz, in der sich das in der ehemaligen DDR vom Staat umworbene „Proletariat“ sich mittlerweile vom Schicksal abgespeist fĂŒhlt. Die Straßen sind grau, alles ist trist und voller Regen. Als noch die Rote Armee hier stationiert war, gab es auch noch Arbeit. Doch die Sowjets sind verschwunden, mit ihnen die Arbeit, und geblieben sind MĂŒll und Ungeziefer. Dazu noch ein Haufen heruntergekommener Plattenbauten, deren Bewohner schon lĂ€ngst abgestumpft sind und resigniert haben, und einen „Rosengarten“, in dem lĂ€ngst keine Rosen mehr blĂŒhen, aber manchmal der eine oder andere Jugendliche auf einer Parkbank ĂŒbernachtet.

Einer von ihnen ist der Ich-ErzĂ€hler Nils, ein Gefangener dieser dĂŒsteren VerhĂ€ltnisse, die durch seinen alkoholsĂŒchtigen Vater nur noch verstĂ€rkt werden, der vor dem Fernseher vergammelt und von seiner toten Frau trĂ€umt. Einziger Lichtblick und letzte Hoffnung des sensiblen Jugendlichen ist Marie, die er schwĂ€rmerisch aus der Ferne verehrt, ohne jemals ein Wort mit ihr zu wechseln. Gleichzeitig wĂŒnscht er sich, mit ihr wegzugehen und ein neues, von der Sonne ewiger Liebe erhelltes Leben zu fĂŒhren, untermalt vom Klang der Querflöte, die sie meisterhaft spielen kann. Doch, wie gesagt, seine Angebetete hat sich fĂŒr einen anderen entschieden. Und Nils ist ĂŒbler dran als jemals zuvor.

Nils berichtet davon in einem langen Monolog, der reizvoll die Buchstaben wie in Versform mĂ€andern lĂ€sst. Zwar an die frĂŒheren Balladendichter angelehnt, doch auch die NĂ€he zu einem Theatertext ist unĂŒbersehbar. Sein gewöhnungsbedĂŒrftiges Buch ist ein Prosagedicht, gegliedert durch sprachliche „Leitmotive“, welche dem Leser das EinfĂŒhlen in die chaotische Innenwelt eines unglĂŒcklich Verliebten erleichtern sollen.

Nicht geeignet als AbendlektĂŒre, nicht geeignet, um gute Laune zu bekommen. Aber geeignet fĂŒr Stunden im Regen, wenn man sich in seinem Lesesessel vergrĂ€bt und einfach mal Lust hat auf eine traurige Geschichte.

geschrieben am 06.10.2007 | 324 Wörter | 1927 Zeichen

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