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Das Portrait


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Rezension von

André Kesper

Das Portrait ZoĂ« Jenny schildert die Geschichte der jungen, begabten Malerin Helen, die von einem reichen Sammler mit viel Geld geködert wird. Sie soll drei Monate in seinem Haus verbringen und dort sein PortrĂ€t malen. Eine entbehrungsreiche Jugend als Waisenkind und die Aussicht auf ein sorgenfreies Leben machen der jungen Frau die Entscheidung leicht: Sie setzt sich ins Flugzeug und wagt den Schritt ins Ungewisse. „Die nĂ€chsten Monate wĂŒrde sie hier eingesperrt bleiben. Durch diesen Gedanken aufgeschreckt, griff sie panisch nach ihrem Mobiltelefon, ihrem einzigen Kontakt zur Aussenwelt.“ Die KĂŒnstlerin fĂŒhlt sich auf dem protzigen Anwesen einsam, trotz oder gerade wegen des zunehmend Besitz ergreifenden Gastgebers, der sie permanent zu beobachten scheint. „Die Tage verliefen gleichförmig, und die Abende verbrachte Helen immer allein.“ Langsam erwacht in der jungen Frau die Sehnsucht nach Leben, nach GesprĂ€chen und nach ihren Freunden; Fluchtgedanken machen sich breit. ZoĂ« Jenny kann wunderbar erzĂ€hlen. Sie bedient sich einer reduzierten, klaren Sprache, beschreibend, die Geschichte leise und sorgfĂ€ltig entwickelnd; bisweilen an Peter Stamm erinnernd, aber ohne dessen pseudo-psychologischen Unterton. „Der Zoo war voller Überraschungen. Sie blieb so lange bei einem Tier, bis sie mit ihrer Zeichnung zufrieden war, und ging erst dann zum nĂ€chsten.“ ZoĂ« Jenny ist keine laute, extrovertierte Person und schon gar kein Star im volkstĂŒmlichen Stil. Und sie ist weiblich. In einem Land, das vor allem mĂ€nnliche Stars kennt, fördert und verehrt, Topmanager, BundesrĂ€te, ParteiprĂ€sidenten, KĂŒnstler, Sportler, hat sie es doppelt schwer, die verdiente Anerkennung zu erhalten. Pipilotti Rist lĂ€sst grĂŒssen. Nicht von ungefĂ€hr wird ZoĂ« Jenny in London leben und fĂŒr ein deutsches Verlagshaus schreiben. Trotzdem ist sie vielleicht die beste ErzĂ€hlerin, die die Schweiz zurzeit hat. Und sie steht erst am Anfang. Wer eine solche Geschichte schreibt, muss ein hoch sensibler Mensch sein. Feine, differenzierte Antennen, die FĂ€higkeit zur Empathie und zur vielschichtigen Reflexion besitzen.

ZoĂ« Jenny schildert die Geschichte der jungen, begabten Malerin Helen, die von einem reichen Sammler mit viel Geld geködert wird. Sie soll drei Monate in seinem Haus verbringen und dort sein PortrĂ€t malen. Eine entbehrungsreiche Jugend als Waisenkind und die Aussicht auf ein sorgenfreies Leben machen der jungen Frau die Entscheidung leicht: Sie setzt sich ins Flugzeug und wagt den Schritt ins Ungewisse. „Die nĂ€chsten Monate wĂŒrde sie hier eingesperrt bleiben. Durch diesen Gedanken aufgeschreckt, griff sie panisch nach ihrem Mobiltelefon, ihrem einzigen Kontakt zur Aussenwelt.“ Die KĂŒnstlerin fĂŒhlt sich auf dem protzigen Anwesen einsam, trotz oder gerade wegen des zunehmend Besitz ergreifenden Gastgebers, der sie permanent zu beobachten scheint. „Die Tage verliefen gleichförmig, und die Abende verbrachte Helen immer allein.“ Langsam erwacht in der jungen Frau die Sehnsucht nach Leben, nach GesprĂ€chen und nach ihren Freunden; Fluchtgedanken machen sich breit.

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ZoĂ« Jenny kann wunderbar erzĂ€hlen. Sie bedient sich einer reduzierten, klaren Sprache, beschreibend, die Geschichte leise und sorgfĂ€ltig entwickelnd; bisweilen an Peter Stamm erinnernd, aber ohne dessen pseudo-psychologischen Unterton. „Der Zoo war voller Überraschungen. Sie blieb so lange bei einem Tier, bis sie mit ihrer Zeichnung zufrieden war, und ging erst dann zum nĂ€chsten.“ ZoĂ« Jenny ist keine laute, extrovertierte Person und schon gar kein Star im volkstĂŒmlichen Stil. Und sie ist weiblich. In einem Land, das vor allem mĂ€nnliche Stars kennt, fördert und verehrt, Topmanager, BundesrĂ€te, ParteiprĂ€sidenten, KĂŒnstler, Sportler, hat sie es doppelt schwer, die verdiente Anerkennung zu erhalten. Pipilotti Rist lĂ€sst grĂŒssen. Nicht von ungefĂ€hr wird ZoĂ« Jenny in London leben und fĂŒr ein deutsches Verlagshaus schreiben. Trotzdem ist sie vielleicht die beste ErzĂ€hlerin, die die Schweiz zurzeit hat. Und sie steht erst am Anfang.

Wer eine solche Geschichte schreibt, muss ein hoch sensibler Mensch sein. Feine, differenzierte Antennen, die FĂ€higkeit zur Empathie und zur vielschichtigen Reflexion besitzen.

geschrieben am 18.10.2007 | 301 Wörter | 1827 Zeichen

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Kommentare zur Rezension (1)

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23.11.2007 20:53:43 Georg MĂŒller schrieb:
Es ist schön zu beobachten, dass Zoe Jenny genau das schreibt, was sie schreiben möchte. Unverkennbar ist, dass sie in "Das Portrait" endlich wieder aus ihrem inneresten Erleben erzählt und nicht wie in ihrem vorigen Roman eine Auftragsarbeit erledigt, bei der stets spürbar war, welche Teile von ihrem Innersten stammen und welche Teile eben Auftragsarbeit waren. >Das Portrait< ist fast wie ein Befreiungsroman für sie. Interessant sind auch, auf was fast nur geringes Augenmerk in der Kritik geworfen wird, die Retroperspektiven über die Romanheldin in >Das Portrait<. Es sind sehr interessante Einlassungen über das Adoleszenzthema, welches das eigentliche Spezialgebiet von Zoe Jenny ist. Treffender als sie etwa die Szenen bei der Kindertherapeutin beschreibt, geht es einfach nicht. Der Zusammenhalt zwischen ihr und ihrem Bruder hat natürlich auch etwas biografisches. Nicht umsonst ist dieses Buch Zoes Bruder Caspar gewidmet. Bei Zoe Jenny sind immer jene Stellen am besten, die sie tief erfahren hatte. Etwa die Schilderung des Journalisten. Sie spricht Bände über das Verhältnis der Schriftstellerin zur Presse. Den Roman versteht man so richtig gut, wenn man auch die Autorin und ihre Geschichte kennt. Zoe Jenny schreibt Literatur, die das Siegel der Wahrhaftigkeit trägt. Das findet sich nur selten.