
| ISBN | 390580171X | |
| Autor | Daniel Mezger | |
| Verlag | Salis | |
| Sprache | deutsch | |
| Seiten | 318 | |
| Erscheinungsjahr | 2012 | |
| Extras | - |

Eine Familie, Mutter, Vater, drei Kinder, zieht von der Stadt aufs Land, kauft dort einen heruntergekommenen Bauernhof, richtet ihn nahezu eigenhĂ€ndig wieder her, oft mehr schlecht als recht, aber beginnt ihr neues Leben auf dem Dorf - und nennt das âLand spielenâ. Dabei bleibt offen, wer das so nennt. Denn die ErzĂ€hlperspektive ist ein âwirâ und kann mal die ganze Familie sein, mal mehrere Personen, z.B. alle drei Kinder oder auch einmal nur eine Person, eine höchst spannende Variante, die dem Leser ein Plus an Konzentration abverlangt, aber auch des Ăfteren ein zusĂ€tzliches Schmunzeln auf die Lippen zaubert. Die Perspektive wechselt ab und zu zu einem zweiten Paar, das ins Dorf zugezogen ist, nĂ€mlich zum dann erzĂ€hlenden bzw. denkenden Dorflehrer und dessen Ehefrau.

Nachdem die Dörfler ganz typisch die âNeuenâ links liegen lassen und sich allerhöchstens ĂŒber deren Unkenntnis wundern, kommt es zwangslĂ€ufig, dass Lehrerpaar und Familie zueinander finden. Dabei findet die Lehrersfrau etwas zu sehr zum Familienvater und umgekehrt, wenngleich zunĂ€chst auĂer einem Kuss nichts dabei herauskommt, dies aber dennoch fĂŒr alle eine Kehrtwende einleitet: bei dem Familienvater zunĂ€chst doch hin zum Leben mit der Familie, zum bewussten Leben auf dem Land, bei der Lehrersgattin zunĂ€chst zur VerselbstĂ€ndigung ĂŒber Trennungsgedanken bis hin zum Zusammenbruch. Aber das Positive ist erst einmal nur noch Staffage, denn es geht fĂŒr alle rasant bergab. Die Streiterei in der Familie nimmt zu, die Eltern sprechen von Trennung, die arrogante Egozentrik des Familienvaters kommt deutlich zum Tragen, das Schweigen der Mutter hilft nicht weiter, die kleine Tochter wird BettnĂ€sserin, der Ă€lteste Sohn entdeckt homosexuelle Neigungen und schĂ€mt sich dafĂŒr, dass man anders ist als die anderen im Dorf, der mittlere Sohn neigt zu Gewalt, macht aus Prinzip alles anders und will sich einem ex-jugoslawischen Almhirten anschlieĂen. Lehrerin und Lehrersfrau hingegen trennen sich erst wirklich, sie kommt schlieĂlich in die Psychiatrie und von dort irgendwie gelĂ€utert zurĂŒck, er bleibt ganz der HasenfuĂ, der er immer war und kĂŒndigt nicht einmal den ihm verhassten Job als Dorflehrer. Pikanter Höhepunkt ist dann, dass der Familienvater auf der nĂ€chtlichen Suche nach dem weggelaufenen mittleren Sohn mit der ihn im allradbetriebenen Wagen fahrenden Lehrersgattin doch fast schon entrĂŒckten Verkehr mitten im Wald hat und, siehe da, die zuvor kinderlos Gebliebene wird prompt schwanger und die ohnehin schon hoffnungslos zerfahrene psychische Situation um eine saftige Komponente reicher, wenngleich die fremde Vaterschaft in der verbleibenden ErzĂ€hlung nicht mehr offenbar, nur angedeutet wird. Das Ende ist dann insoweit erstaunlich, dass die Familie doch im Dorf bleibt und die ganzen angesprochenen Konflikte nicht mehr in Zerstörung kulminieren, jedenfalls vorerst.
Neben dem guten und spannenden Handlungsbogen ist vor allem die Sprache ĂŒberzeugend. WohlgewĂ€hlte Formulierungen, stimmige Bilder, sarkastische Momentaufnahmen, schnelle Passagen und die Langsamkeit des Augenblicks dehnende Monologe in Gedanken - Mezger bietet alles, was das Leserherz begehrt. Vieles wĂŒrde man sich gern anstreichen und abschreiben, manches mag man zweimal lesen, um die sprachliche Wucht vollends zu genieĂen. Kurzum: ein sehr empfehlenswertes Buch.
geschrieben am 30.03.2013 | 485 Wörter | 2900 Zeichen
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