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Heartland


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Rezension von

Jennifer Küppers

Heartland USA 2008. Nicht nur das Wahljahr, aus dem schließlich Barack Obama als 44. PrĂ€sident der Vereinigten Staaten hervorgeht, sondern auch das Jahr, in dem Joey Goebels neuer Roman Heartland passend am 4. Juli in Amerika erscheint. Denn um Wahlen geht es in diesem Roman. Bashford. Eine kleine fiktive Provinzstadt „irgendwo in Amerika.“ John Mapother, Sohn des grĂ¶ĂŸten Arbeitgebers und Inhaber eines Tabakkonzerns, will in das ReprĂ€sentantenhaus gewĂ€hlt werden. Denn: Die religiöse Familie Mapother hat einen Traum: Die amerikanischen Werte sollen wieder in Amerika Einzug halten. DafĂŒr benötigt er die Stimmen der Ă€rmeren BĂŒrger. Als Sohn einer der reichsten Familien der Stadt, sucht er die UnterstĂŒtzung seines Bruders Blue Gene, eigentlich Eugene Dewitt Mapother, der sich vor vier Jahren von der Familie distanziert hat. Blue Gene lebt in einem Trailer und verkauft auf einem Flohmarkt seine alten Spielsachen zu Spottpreisen. Er hat alles, was zum Klischee des „White Trash“ in den USA gehört, der weißen Unterschicht: Tattoos, fettige Haare, T-Shirts mit abgeschnittenen Ärmel, einen Vokuhila (Vorne kurz hinten lang), er liebt Wrestling und raucht. „Tagein, tagaus umgab ihn eine Wolke der Unzufriedenheit, Ă€hnlich dem GefĂŒhl, das man verspĂŒrt, wenn man aus dem Dunkel eines Kinos in das ernĂŒchternde Tageslicht tritt, wo alles noch genauso ist wie vor dem Kinobesuch. Nur das Blue Gene Mapother dieses GefĂŒhl nie abschĂŒtteln konnte.“ Mit Antidepressiva versucht Blue Gene den Tod seiner LebensgefĂ€hrtin zu vergessen. Er lĂ€sst sich gehen, schlurft in Flip-Flops durch die Gegend und prĂ€sentiert seine Tattoos. „Solange er zurĂŒckdenken konnte, hatte sich Blue Gene Mapother nicht wohl gefĂŒhlt“, heißt es im ersten Satz. „Auf seinem schier endlosen Leidensweg musste er immer wieder an den Rat denken, den ihm das Familienoberhaupt erteilt hatte: ‚Warum tust Du nicht einfach so, als wĂ€rst Du glĂŒcklich?“ Blue Gene möchte sich nicht vereinnahmen lassen, sehnt sich aber dennoch nach FamiliengefĂŒhl und entspricht daher zunĂ€chst den Erwartungen seiner Familie. Er hilft also beim Wahlkampf seines Bruders mit, was ihm auch gefĂ€llt, da er gerne Patriot sein möchte und stĂ€ndig um seine MĂ€nnlichkeit bangt. Basketball zum Beispiel hĂ€lt er fĂŒr unmĂ€nnlich, „weil die Spieler sich dauernd gegenseitig Klapse auf den Hintern geben.“ Als er Jackie Stepchild, die rebellische Fronfrau einer Punkband und Autorin von Wrestling-Storylines, kennen lernt und sich in sie verliebt, beginnt er, die politischen Ziele und Intentionen seines Vaters und Bruders in Frage zu stellen. Hinzu kommt, dass er ein Familiengeheimnis entdeckt, welches ihn aus der Bahn wirft und dafĂŒr sorgt, dass er seinen ganz eigenen Weg geht. Joey Goebel hat ein spannendes Familienepos und eine detailgetreue Milieustudie des Alltags einer Kleinstadt geschrieben. Vieles erinnert an TV-Serien wie Dallas oder Denver Clan. Eine wichtige Rolle spielt wie bereits in dem VorgĂ€ngerroman Vincent die Musik. Sie drĂŒckt ganze Lebenseinstellungen und GefĂŒhle aus. So hört der neurotisch wirkende John stĂ€ndig die Bach-Kantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ und der Leser ist stets ĂŒber die aktuell im Hintergrund laufende Musik informiert. Der Roman liest sich flĂŒssig und ist durch viele witzige Dialoge aufgelockert. Joey Goebel portrĂ€tiert die politischen Eliten der USA, die reichen Familiendynastien entstammen und die Unterschicht ausnutzen, um ihre persönlichen Interessen durchzusetzen. Er kontrastiert die Scheinheiligkeit eines Kongressmannes, der von Wahrheit spricht, wĂ€hrend sein Familienleben auf LebenslĂŒgen aufbaut. Der Skandal der fiktiven Familie Mapother erinnert stark an die Nachrichten rund um die FamilienverhĂ€ltnisse der konservativen VizeprĂ€sidentschaftskandidatin Palin. Der deutsche Titel „Heartland“ ist an eine Wrestling-Association angelehnt. Das Original „Commonwealth“ beschreibt hingegen den weiteren Verlauf des Romans besser. Insgesamt ein gelungener kurzweiliger vielschichtiger Roman!

USA 2008. Nicht nur das Wahljahr, aus dem schließlich Barack Obama als 44. PrĂ€sident der Vereinigten Staaten hervorgeht, sondern auch das Jahr, in dem Joey Goebels neuer Roman Heartland passend am 4. Juli in Amerika erscheint. Denn um Wahlen geht es in diesem Roman.

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Bashford. Eine kleine fiktive Provinzstadt „irgendwo in Amerika.“ John Mapother, Sohn des grĂ¶ĂŸten Arbeitgebers und Inhaber eines Tabakkonzerns, will in das ReprĂ€sentantenhaus gewĂ€hlt werden. Denn: Die religiöse Familie Mapother hat einen Traum: Die amerikanischen Werte sollen wieder in Amerika Einzug halten. DafĂŒr benötigt er die Stimmen der Ă€rmeren BĂŒrger. Als Sohn einer der reichsten Familien der Stadt, sucht er die UnterstĂŒtzung seines Bruders Blue Gene, eigentlich Eugene Dewitt Mapother, der sich vor vier Jahren von der Familie distanziert hat. Blue Gene lebt in einem Trailer und verkauft auf einem Flohmarkt seine alten Spielsachen zu Spottpreisen. Er hat alles, was zum Klischee des „White Trash“ in den USA gehört, der weißen Unterschicht: Tattoos, fettige Haare, T-Shirts mit abgeschnittenen Ärmel, einen Vokuhila (Vorne kurz hinten lang), er liebt Wrestling und raucht. „Tagein, tagaus umgab ihn eine Wolke der Unzufriedenheit, Ă€hnlich dem GefĂŒhl, das man verspĂŒrt, wenn man aus dem Dunkel eines Kinos in das ernĂŒchternde Tageslicht tritt, wo alles noch genauso ist wie vor dem Kinobesuch. Nur das Blue Gene Mapother dieses GefĂŒhl nie abschĂŒtteln konnte.“ Mit Antidepressiva versucht Blue Gene den Tod seiner LebensgefĂ€hrtin zu vergessen. Er lĂ€sst sich gehen, schlurft in Flip-Flops durch die Gegend und prĂ€sentiert seine Tattoos.

„Solange er zurĂŒckdenken konnte, hatte sich Blue Gene Mapother nicht wohl gefĂŒhlt“, heißt es im ersten Satz. „Auf seinem schier endlosen Leidensweg musste er immer wieder an den Rat denken, den ihm das Familienoberhaupt erteilt hatte: ‚Warum tust Du nicht einfach so, als wĂ€rst Du glĂŒcklich?“

Blue Gene möchte sich nicht vereinnahmen lassen, sehnt sich aber dennoch nach FamiliengefĂŒhl und entspricht daher zunĂ€chst den Erwartungen seiner Familie. Er hilft also beim Wahlkampf seines Bruders mit, was ihm auch gefĂ€llt, da er gerne Patriot sein möchte und stĂ€ndig um seine MĂ€nnlichkeit bangt. Basketball zum Beispiel hĂ€lt er fĂŒr unmĂ€nnlich, „weil die Spieler sich dauernd gegenseitig Klapse auf den Hintern geben.“ Als er Jackie Stepchild, die rebellische Fronfrau einer Punkband und Autorin von Wrestling-Storylines, kennen lernt und sich in sie verliebt, beginnt er, die politischen Ziele und Intentionen seines Vaters und Bruders in Frage zu stellen. Hinzu kommt, dass er ein Familiengeheimnis entdeckt, welches ihn aus der Bahn wirft und dafĂŒr sorgt, dass er seinen ganz eigenen Weg geht.

Joey Goebel hat ein spannendes Familienepos und eine detailgetreue Milieustudie des Alltags einer Kleinstadt geschrieben. Vieles erinnert an TV-Serien wie Dallas oder Denver Clan. Eine wichtige Rolle spielt wie bereits in dem VorgĂ€ngerroman Vincent die Musik. Sie drĂŒckt ganze Lebenseinstellungen und GefĂŒhle aus. So hört der neurotisch wirkende John stĂ€ndig die Bach-Kantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ und der Leser ist stets ĂŒber die aktuell im Hintergrund laufende Musik informiert. Der Roman liest sich flĂŒssig und ist durch viele witzige Dialoge aufgelockert. Joey Goebel portrĂ€tiert die politischen Eliten der USA, die reichen Familiendynastien entstammen und die Unterschicht ausnutzen, um ihre persönlichen Interessen durchzusetzen. Er kontrastiert die Scheinheiligkeit eines Kongressmannes, der von Wahrheit spricht, wĂ€hrend sein Familienleben auf LebenslĂŒgen aufbaut. Der Skandal der fiktiven Familie Mapother erinnert stark an die Nachrichten rund um die FamilienverhĂ€ltnisse der konservativen VizeprĂ€sidentschaftskandidatin Palin. Der deutsche Titel „Heartland“ ist an eine Wrestling-Association angelehnt. Das Original „Commonwealth“ beschreibt hingegen den weiteren Verlauf des Romans besser.

Insgesamt ein gelungener kurzweiliger vielschichtiger Roman!

geschrieben am 01.10.2009 | 575 Wörter | 3497 Zeichen

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