
| ISBN | 3895614262 | |
| Autor | David Albahari | |
| Verlag | Schoeffling | |
| Sprache | deutsch | |
| Seiten | 179 | |
| Erscheinungsjahr | 2013 | |
| Extras | - |

David Albahari lebte ursprĂŒnglich in Serbien und mittlerweile in Kanada. Er arbeitet neben der Schriftstellerei auch als Ăbersetzer englischsprachiger Autoren ins Serbische. Selbst in der deutschen Ăbersetzung seines neuen Romans - veröffentlicht hat er bisher neun ErzĂ€hlungsbĂ€nde und elf Romane - ist diese Sprachsicherheit an allen Ecken und Enden zu erkennen. Das nun vorliegende Werk âKontrollpunktâ ist schwer zu greifen, wenngleich nicht schwer zu begreifen, auch das ein bemerkenswerter Verdienst des Autors. Protagonist ist der Kommandant eines kleinen Armeeeinheit, bestehend aus drei ZĂŒgen Soldaten, die in einem nicht nĂ€her bezeichneten Krieg in Europa - der aber dem jugoslawischen BĂŒrgerkrieg der 90er Jahre sehr nahekommt - einen Kontrollpunkt sichern soll. Dieser Kontrollpunkt ist mitten im Nirgendwo, verlĂ€ssliches Kartenmaterial ist nicht, Funkkontakt zur Zentrale nur spĂ€rlich vorhanden und man weiĂ eigentlich gar nicht genau, auf welcher Seite des Kontrollpunktes nun Feindesland liegt und wo das eigene. Mit der Zeit geschehen an diesem Kontrollpunkt nicht nur seltsame Dinge, inmitten der kleinen Truppe und mit dem Kommandanten, sondern auch von auĂen kommen immer neue Probleme auf die Soldaten zu: ein Treck FlĂŒchtlinge, HeckenschĂŒtzen, sogar Kampfpanzer, Granatenbeschuss, offener Feindangriff, sodass keiner mehr so richtig weiĂ, ob und mit wem noch Krieg gefĂŒhrt wird. Nicht nur diese objektiv zunehmende Sinnlosigkeit des Verharrens an einem zweifelhaften Kontrollpunkt, sondern auch die stĂ€rker werdenden inneren Zweifel des Kommandanten und seiner Untergebenen am Sinn dieses Krieges und des Krieges an sich, fĂŒhren den Leser zum eigentlichen Thema des Buches. In vielfacher Weise wird die AbsurditĂ€t des Kriegs prĂ€sentiert, die Grausamkeit, das Verschanzen hinter Formalia, um das Unfassbare zu verarbeiten, die menschlichen Verluste, die menschlichen Tragödien und der Selbstverlust an HumanitĂ€t, wĂ€hrend man sich doch nur danach sehnt, wieder im eigenen Wohnzimmer oder Garten zu sitzen. Die Truppe wird StĂŒck fĂŒr StĂŒck, teilweise barbarisch dezimiert, der Kommandant weiĂ nicht mehr, wer eigentlich zu ihm gehört oder ihn gerade verrĂ€t, tritt den RĂŒckzug auf den dann doch irgendwie bekannten Heimweg an und die Geschichte endet ebenso absurd bzw. surrealistisch wie sie seit dem Beginn erzĂ€hlt wurde. Dieser kafkaesk anmutende ErzĂ€hlduktus ist es auch, der das Buch zu einer schwierigen Kost macht. Der Zweck dahinter, nĂ€mlich die AbsurditĂ€t des Krieges und die Auswirkungen auf die Teilnehmer zu demonstrieren, wird durch diesen Stil zwar voll erfĂŒllt. Er macht die LektĂŒre aber nicht ganz einfach, geschweige denn flĂŒssig und man muss schon sehr konzentriert bei der Sache bleiben, um den Handlungs- und GedankensprĂŒngen zu folgen und mögliche SchlĂŒsse nicht zu verpassen. Insgesamt ein sprachlich und thematisch wirklich beeindruckendes Werk, aber aufgrund des LektĂŒreerlebnisses wĂŒrde ich nicht die Höchstwertung vergeben.
geschrieben am 07.03.2014 | 420 Wörter | 2589 Zeichen
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