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Das Glück von Frau Pfeiffer


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Informationen zum Buch
  ISBN
  Autor
  Verlag
  Sprache
  Seiten
  Erscheinungsjahr
  Extras

Rezension von

Dr. Benjamin Krenberger

Das Glück von Frau Pfeiffer Wenn man am Ende einer Lektüre das Gefühl hat, liebend gerne noch einmal von vorne anzufangen, dann kann man mit Überzeugung von einem richtig guten Buch sprechen - wie hier. Die Autorin knüpft verschiedene Handlungsstränge gekonnt ineinander und führt diese am Ende auch so zusammen, dass man, ohne alle Details serviert zu bekommen, einen zufriedenen Gesamteindruck mitnehmen kann, ohne sich über offene Enden zu ärgern. Zwar bleiben einige Aspekte etwas untergewichtet oder sind im Gegenteil in ihrer Ausführlichkeit nicht so recht erklärbar für das Gesamtkonzept der Geschichte, wobei dies aber nicht den guten Eindruck zu trüben vermag. Kurz zusammengefasst wird ein recht kurzer zeitlicher Abschnitt aus dem Leben von Lee Curtin erzählt, die kurz nach ihrer Scheidung ihren weltenbummelnden Jugendfreund Bruno Hornyak in ihrer Wohnung aufnimmt und mit diesem eine - wie sich im Nachhinein herausstellt bewusst von dieser herbeigeführte - Begegnung mit der fast 100jährigen Frau Pfeiffer und deren langjähriger Haushälterin hat. Frau Pfeiffer hat das Anliegen, die in ihrem Keller liegenden Gebeine ihres vor langem verstorbenen französischen Gatten in Frankreich zu bestatten. Dies nehmen Lee und Bruno in Angriff und zwar auf dem Grundstück von Brunos Ferienhaus nahe Marseille. Dort stirbt auch Frau Pfeiffer und die Protagonisten gehen wieder eigene Wege. In dieser kurzen Zeit gewinnen alle Personen wesentliche Erkenntnisse über sich und über einander, agieren spannenderweise oft wie in einem Kammerspiel: gerade dachte man noch, den anderen einschätzen zu können und über diesen Dinge zu wissen, da stellt sich durch einen geschickten Perspektivwechsel der Autorin heraus, dass die- oder derjenige keineswegs so ist und seinerseits Dinge über die anderen weiß, die wiederum diese in einem neuen Licht für den Leser stehen lassen. Darüber hinaus werden durch externe Ereignisse die einzelnen Handelnden vor innerliche Bewährungsproben gestellt und müssen sich mit sich selbst und ihren Lebens- und Denkgewohnheiten auseinander setzen. Dabei findet die Autorin für alle Haupt- und Nebenfiguren interessante Auswege und Lösungen, die man bisweilen auch erst auf den zweiten Blick als solche erkennt, aber sich dann umso mehr darüber freut. Bedauerlich ist, dass das Schicksal von Frau Pfeiffers Tochter nie aufgeklärt wird, dafür aber (meiner Ansicht nach zu) ausführlich über die Brandverletzung des Neffen von Miles Costello berichtet wird, dessen verzweifelte Mutter noch dazu von Brunos Adoptivvater psychologisch betreut wird, woraus aber z.B. kein weitergehender Handlungsstrang erwächst, obwohl sonst das Erwachsen von neuen Begegnungen aus Zufällen ein großes Thema des Buches ist. Außerdem ist der erste Aufhänger der Geschichte, Lees Interesse für bedrohte Höhlenmalereien in Australien, rückblickend betrachtet etwas abwegig, wenn man nämlich später den (eher banalen) Zusammenhang mit Lees aufgeschnappten und aufgeschrieben Handygesprächsfetzen erfährt. Immerhin ist man an dieser Stelle in die eigentliche Geschichte schon so vertieft, dass man diesen Rekurs kaum noch wahrnimmt, sondern auf die Fortsetzung der Interaktion zwischen den eigentlich wichtigen Personen giert. Ob das Buch wirklich ein Manifest der oder über Freundschaft ist, wie vielerorts geschrieben wurde, mag jeder für sich beurteilen, ich zweifle aber ein wenig daran. Lee und Bruno ergänzen sich sehr gut und brauchen einander in ihren Gegensätzen, sind aber keine klassischen Freunde. Frau Pfeiffer und ihre Haushälterin Emma sind ebenfalls keine Freunde, sondern im Gegenteil blieb Emma im Haushalt wegen des Ehemannes. Lee und Bruno bewundern wiederum jeder auf seine Weise die alte Frau Pfeiffer, aber auch dies ist keine Freundschaft im eigentlichen Sinne. Es treffen Menschen aufeinander, die durch ihr Wesen und ihre Wirkung den anderen zu neuen Erkenntnissen führen, sei es über sich selbst oder über Zusammenhänge des Lebens. Aber Freundschaft ist meiner Ansicht nach nicht das beherrschende Sujet des Buches. Rein formale Vorwürfe kann man an einigen wenigen Stellen erheben. So finden sich Druckfehler trotz deutscher Autorin und deutschem Lektorat und zweiter Auflage, etwa auf S. 135 „ […] wie ihr links Augenlid.“ oder auf S. 203 „ […] ward Ihr immer zu gut, um wahr zu sein.“ Das ist definitiv vermeidbar. Dazu gibt es einzelne Formulierungen, die eher wie eine schlechte englische Übersetzung klingen S. 144 „Meint Herold oder meine noch ungelöste Arbeitsfrage?“ Ansonsten aber bietet das Buch nicht nur eine inhaltlich ansprechende Geschichte, sondern überzeugt den Leser auch in vielerlei Hinsicht: sprachlich und wie oben schon erwähnt erzähltechnisch. Gerade die benutzten Sprachbilder oder die Beschreibungen der einzelnen Protagonisten hallen wunderbar nach und machen Lust auf mehrfaches Lesen. Dass die Geschichte am Ende kein furioses Finale vorhält, aber ein versöhnliches, entspricht ganz dem Duktus der Erzählung und dem Charakter der Figuren. Ein schönes und ein beeindruckendes Buch.

Wenn man am Ende einer Lektüre das Gefühl hat, liebend gerne noch einmal von vorne anzufangen, dann kann man mit Überzeugung von einem richtig guten Buch sprechen - wie hier. Die Autorin knüpft verschiedene Handlungsstränge gekonnt ineinander und führt diese am Ende auch so zusammen, dass man, ohne alle Details serviert zu bekommen, einen zufriedenen Gesamteindruck mitnehmen kann, ohne sich über offene Enden zu ärgern. Zwar bleiben einige Aspekte etwas untergewichtet oder sind im Gegenteil in ihrer Ausführlichkeit nicht so recht erklärbar für das Gesamtkonzept der Geschichte, wobei dies aber nicht den guten Eindruck zu trüben vermag.

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Kurz zusammengefasst wird ein recht kurzer zeitlicher Abschnitt aus dem Leben von Lee Curtin erzählt, die kurz nach ihrer Scheidung ihren weltenbummelnden Jugendfreund Bruno Hornyak in ihrer Wohnung aufnimmt und mit diesem eine - wie sich im Nachhinein herausstellt bewusst von dieser herbeigeführte - Begegnung mit der fast 100jährigen Frau Pfeiffer und deren langjähriger Haushälterin hat. Frau Pfeiffer hat das Anliegen, die in ihrem Keller liegenden Gebeine ihres vor langem verstorbenen französischen Gatten in Frankreich zu bestatten. Dies nehmen Lee und Bruno in Angriff und zwar auf dem Grundstück von Brunos Ferienhaus nahe Marseille. Dort stirbt auch Frau Pfeiffer und die Protagonisten gehen wieder eigene Wege. In dieser kurzen Zeit gewinnen alle Personen wesentliche Erkenntnisse über sich und über einander, agieren spannenderweise oft wie in einem Kammerspiel: gerade dachte man noch, den anderen einschätzen zu können und über diesen Dinge zu wissen, da stellt sich durch einen geschickten Perspektivwechsel der Autorin heraus, dass die- oder derjenige keineswegs so ist und seinerseits Dinge über die anderen weiß, die wiederum diese in einem neuen Licht für den Leser stehen lassen. Darüber hinaus werden durch externe Ereignisse die einzelnen Handelnden vor innerliche Bewährungsproben gestellt und müssen sich mit sich selbst und ihren Lebens- und Denkgewohnheiten auseinander setzen. Dabei findet die Autorin für alle Haupt- und Nebenfiguren interessante Auswege und Lösungen, die man bisweilen auch erst auf den zweiten Blick als solche erkennt, aber sich dann umso mehr darüber freut.

Bedauerlich ist, dass das Schicksal von Frau Pfeiffers Tochter nie aufgeklärt wird, dafür aber (meiner Ansicht nach zu) ausführlich über die Brandverletzung des Neffen von Miles Costello berichtet wird, dessen verzweifelte Mutter noch dazu von Brunos Adoptivvater psychologisch betreut wird, woraus aber z.B. kein weitergehender Handlungsstrang erwächst, obwohl sonst das Erwachsen von neuen Begegnungen aus Zufällen ein großes Thema des Buches ist. Außerdem ist der erste Aufhänger der Geschichte, Lees Interesse für bedrohte Höhlenmalereien in Australien, rückblickend betrachtet etwas abwegig, wenn man nämlich später den (eher banalen) Zusammenhang mit Lees aufgeschnappten und aufgeschrieben Handygesprächsfetzen erfährt. Immerhin ist man an dieser Stelle in die eigentliche Geschichte schon so vertieft, dass man diesen Rekurs kaum noch wahrnimmt, sondern auf die Fortsetzung der Interaktion zwischen den eigentlich wichtigen Personen giert.

Ob das Buch wirklich ein Manifest der oder über Freundschaft ist, wie vielerorts geschrieben wurde, mag jeder für sich beurteilen, ich zweifle aber ein wenig daran. Lee und Bruno ergänzen sich sehr gut und brauchen einander in ihren Gegensätzen, sind aber keine klassischen Freunde. Frau Pfeiffer und ihre Haushälterin Emma sind ebenfalls keine Freunde, sondern im Gegenteil blieb Emma im Haushalt wegen des Ehemannes. Lee und Bruno bewundern wiederum jeder auf seine Weise die alte Frau Pfeiffer, aber auch dies ist keine Freundschaft im eigentlichen Sinne. Es treffen Menschen aufeinander, die durch ihr Wesen und ihre Wirkung den anderen zu neuen Erkenntnissen führen, sei es über sich selbst oder über Zusammenhänge des Lebens. Aber Freundschaft ist meiner Ansicht nach nicht das beherrschende Sujet des Buches.

Rein formale Vorwürfe kann man an einigen wenigen Stellen erheben. So finden sich Druckfehler trotz deutscher Autorin und deutschem Lektorat und zweiter Auflage, etwa auf S. 135 „ […] wie ihr links Augenlid.“ oder auf S. 203 „ […] ward Ihr immer zu gut, um wahr zu sein.“ Das ist definitiv vermeidbar. Dazu gibt es einzelne Formulierungen, die eher wie eine schlechte englische Übersetzung klingen S. 144 „Meint Herold oder meine noch ungelöste Arbeitsfrage?“

Ansonsten aber bietet das Buch nicht nur eine inhaltlich ansprechende Geschichte, sondern überzeugt den Leser auch in vielerlei Hinsicht: sprachlich und wie oben schon erwähnt erzähltechnisch. Gerade die benutzten Sprachbilder oder die Beschreibungen der einzelnen Protagonisten hallen wunderbar nach und machen Lust auf mehrfaches Lesen. Dass die Geschichte am Ende kein furioses Finale vorhält, aber ein versöhnliches, entspricht ganz dem Duktus der Erzählung und dem Charakter der Figuren. Ein schönes und ein beeindruckendes Buch.

geschrieben am 06.06.2012 | 730 Wörter | 4360 Zeichen

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