Navigation

Seiten der Rubrik "Bücher"


Google Anzeigen

Anzeigen

Bücher

Das vergessene Portal


Statistiken
  • 4200 Aufrufe

Informationen zum Buch
  ISBN
  Autor
  Verlag
  Sprache
  Seiten
  Erscheinungsjahr
  Extras

Rezension von

Frank Drehmel

Das vergessene Portal Die “Demonwright”-Romane und -Anthologien des Wurdack Verlags, die im wesentlichen von sogenannten deutschsprachigen “Nachwuchsautoren” verfasst werden, basieren auf einem von Andre Schönherr entwickelten Pen&Paper-Fantasy-Rollenspiel, welches unter www.demonwright.de interessierten Spielern kostenlos zum Download bereitgestellt wird. Die Weisen von Aronndar entsenden die vier Quad-Geschwister Kyra, Milena, Lando und Severin in die Stadt Gimrochon. Sie sollen einem alten, im Exil lebenden Helden ihres Volkes, Ricourd, eine verschlĂŒsselte Botschaft ĂŒberbringen und einen letzten Dienst einfordern. Obwohl sich Ricourd alles andere als begeistert zeigt, bricht er in Begleitung der vier Aronnd und seines SchĂŒlers Kordan zur Insel Laevi auf, um dort tief unter den Nebelbergen ein uraltes Portal zu versiegeln, durch welches die dĂ€monischen Diener des Demonwright die LĂ€nder Pagans heimsuchen könnten. Die Reise endet in einem Fiasko. Verraten durch den Patriarchen der Stadt Suoma geraten alle bis auf Kordan, der sich im letzten Moment retten kann, in die FĂ€nge grausamer Piraten. Lando, Severin und Ricourd werden in die Erz-Minen geschickt, Lyra ins Harem des AnfĂŒhrers und die Ă€ußerlich gezeichnete Milena wird zu niederen Arbeiten gezwungen. Es gelingt jedoch Kordan, Milena zu befreien. Die Beiden machen sich auf den Weg Richtung Nebelberge und der dort gelegenen Minen. Zwischenzeitlich zetteln Ricourd, Lando und Severin unter den Sklaven einen Aufstand an, in dessen Verlauf sie fliehen können. Auch Kyra entkommt der Knechtschaft. Sie wird durch den unheimlichen Pancor und seine leichenblassen Soldaten, denen gegenĂŒber die Piraten eine unerklĂ€rliche UnterwĂŒrfigkeit an den Tag legen, als Druckmittel gegen Ricourd ausgelöst, denn der dĂŒstere Pancor will sich an dem alten Helden fĂŒr einen vermeintlichen Verrat rĂ€chen und hat zudem eigene unheilige PlĂ€ne bezĂŒglich des Portals. Tief in den Nebelbergen, vor der Pforte des Bösen treffen die Parteien aufeinander und Ricourd soll erfahren, dass der Arm des Demonwright bis in die Reihen der Aronnd reicht. “Das vergessene Portal” ist sowohl Armin RĂ¶ĂŸlers Debut-Roman, als auch meine erste nĂ€here Begegnung mit dem Demonwright-Universum. Keine ideale Konstellation möchte man meinen: ein scheinbar “unerfahrener” Autor trifft auf einen quengeligen, schwer zu ĂŒberzeugenden Leser. Um den ungewissen Ausgang dieses Aufeinandertreffens vorweg zu nehmen: die Demonwright-Serie hat einen weiteren Fan gewonnen. Aber der Reihe nach: Schon der erste Eindruck ist vielversprechend. Ein gelungenes Cover von Uwe Jarling ziert den im Paperback-Format aufgelegten Roman. Eine gute PapierqualitĂ€t und der gestochen scharfe Druck erfreuen die Heyne- und FanPro-TaschenbuchgetrĂŒbten Augen. Inkunabeln leiten als originelles Gestaltungselement jedes der 16 betitelten Kapitel ein. Etwas entĂ€uschend erscheint zunĂ€chst der mit 141 Seiten vermeintlich geringe Umfang des Buchs. Da jedoch eine Seite 43 Zeilen umfasst und die ZeilenlĂ€ngen deutlich ĂŒber die eines normalen Taschenbuchs hinausgehen, relativiert sich dieser Eindruck recht schnell, zumal das “Vergessene Portal” bis zum Rand mit Sword & Sorcery und Abenteuern gefĂŒllt ist und kaum eine seitenschindende, ĂŒberflĂŒssige Passage enthĂ€lt. Womit wir auch schon beim Inhalt wĂ€ren. Sicherlich kann man vom Autor kein Wunder in Bezug auf OriginalitĂ€t erwarten, denn dafĂŒr gibt das zugrunde liegende Rollenspiel nicht genug her, schreibt es doch althergebrachte Fantasy-Archetypen und RolePlayingGame-Klischees fort, ohne dabei fundamental Neues zu prĂ€sentieren. Dennoch ist es RĂ¶ĂŸler gelungen, aus dem eher unspektakulĂ€ren Rohmaterial eine fesselnde Geschichte zu entwerfen. Da es offenbar nicht das Anliegen des Autors ist, die Welt Pagan explizit weiter zu entwickeln und einen Demonwright-Kanon neu zu definieren, sondern im Vordergrund die bloße Freude am Fabulieren und das ErzĂ€hlen einer kurzen Episode im Gang jener Fantasy-Welt steht, sucht der Leser opulente Beschreibungen der bereisten Örtlichkeiten und Gegenden Pagans ebenso vergebens, wie die seitenfressende, uninspirierte HackÂŽnÂŽSlay-Action, die zahlreiche Romane des Genres kennzeichnet. Vielmehr ĂŒberzeugt der Roman durch eine zurĂŒckhaltende Skizzierung der Protagonisten sowie seine thematische FĂŒlle. Von Kampf & Magie, Meuchelmördern, Piraten, Zyklopen & Helden, Gut & Böse bis hin zu Liebe, Verrat und Tod bietet er alles, was das Herz eines Fantasy-Fans begehrt. Dabei werden die Themen vom Autor stringent und ohne ĂŒberflĂŒssige Worte aufgegriffen und vorangetrieben, ErklĂ€rungen und Kontext werden gerade soviel geliefert, dass sich auch der Demonwright-unerfahrene Leser nicht alleine gelassen fĂŒhlen muss. Die Protagonisten folgen in ihrem Aufbau erkennbar einem klassen- und attributorientierten System, reprĂ€sentieren ganz bestimmte RPG-Archetypen (KĂ€mpfer, Magier) mit unterschiedlichen -ebenfalls recht typischen- FĂ€higkeiten. Doch auch wenn sich Lando und seine GefĂ€hrten letztendlich auf wenige Charakteristika reduzieren lassen, erscheinen sie dennoch nicht langweilig stereotyp, da sie eben nicht strahlende Helden sind, sondern mit dem Schicksal hadern, SchwĂ€chen zeigen und auf die Ă€ußeren UmstĂ€nde eher reagieren als selbst das Heft in die Hand zu nehmen. Bemerkenswert ist auch, dass keiner der Charaktere die anderen dominiert, sondern der Autor jedem einzelnen die gleiche Aufmerksamkeit widmet. Dieses beraubt den Leser zwar seiner heroischen, ĂŒbergroßen Identifikationsfigur, jedoch wiegt der Gewinn an GlaubwĂŒrdigkeit und AuthentizitĂ€t den Verlust vielfach auf. Insgesamt gelungen ist auch die vorĂŒbergehende Aufteilung des ersten großen Handlungsstranges der Teilung der Gruppe folgend in drei kleinere Bögen, wobei jedoch die Synchronisation der ZeitverlĂ€ufe gerade angesichts der in den ersten Kapiteln mehrmals erwĂ€hnten Zeitknappheit und Dringlichkeit von Ricourds Auftrags insgesamt zu oberflĂ€chlich und damit unplausibel ausfĂ€llt. In stilistischer Hinsicht gibt es an dem Roman kaum etwas zu bemĂ€ngeln. Dialoge und beschreibende Passagen stehen in einem gut ausgewogenen VerhĂ€ltnis, der Stil ist flĂŒssig und leicht verstĂ€ndlich, auch wenn mir Sprache einen Deut zu bieder ist. Die eindringlichsten Abschnitte des Buches stellen die surreal anmutenden Traumsequenzen dar, in welchen sich den Arrond ein dunkles Schicksal zu offenbaren scheint, aber gerade auch die letzten sechs Kapitel des Romanes, die die Geschehnisse unmittelbar um das Portal herum beschreiben, gelingt es RĂ¶ĂŸler, eine dĂŒstere und wahrhaft phantastische Stimmung zu erzeugen. Fazit: Eine solide, gut erzĂ€hlte, unterhaltsame Fantasy-Geschichte, in der zwar nicht das Rad neu erfunden wird, die aber eigenstĂ€ndig genug ist, um den ihren Platz zwischen “Dungeons&Dragons”-, “Das Schwarze Auge”- oder “Warhammer Fantasy”-Romanen zu finden. Bleibt zu hoffen, dass die Demonwright-Reihe fortgesetzt wird und Armin RĂ¶ĂŸler auch in Zukunft den einen oder anderen Roman dazu beitrĂ€gt.

Die “Demonwright”-Romane und -Anthologien des Wurdack Verlags, die im wesentlichen von sogenannten deutschsprachigen “Nachwuchsautoren” verfasst werden, basieren auf einem von Andre Schönherr entwickelten Pen&Paper-Fantasy-Rollenspiel, welches unter www.demonwright.de interessierten Spielern kostenlos zum Download bereitgestellt wird.

weitere Rezensionen von Frank Drehmel

#
rezensiert seit
Buchtitel
1
18.02.2018
4
18.02.2018
5
18.02.2018

Die Weisen von Aronndar entsenden die vier Quad-Geschwister Kyra, Milena, Lando und Severin in die Stadt Gimrochon. Sie sollen einem alten, im Exil lebenden Helden ihres Volkes, Ricourd, eine verschlĂŒsselte Botschaft ĂŒberbringen und einen letzten Dienst einfordern. Obwohl sich Ricourd alles andere als begeistert zeigt, bricht er in Begleitung der vier Aronnd und seines SchĂŒlers Kordan zur Insel Laevi auf, um dort tief unter den Nebelbergen ein uraltes Portal zu versiegeln, durch welches die dĂ€monischen Diener des Demonwright die LĂ€nder Pagans heimsuchen könnten.

Die Reise endet in einem Fiasko. Verraten durch den Patriarchen der Stadt Suoma geraten alle bis auf Kordan, der sich im letzten Moment retten kann, in die FĂ€nge grausamer Piraten. Lando, Severin und Ricourd werden in die Erz-Minen geschickt, Lyra ins Harem des AnfĂŒhrers und die Ă€ußerlich gezeichnete Milena wird zu niederen Arbeiten gezwungen. Es gelingt jedoch Kordan, Milena zu befreien. Die Beiden machen sich auf den Weg Richtung Nebelberge und der dort gelegenen Minen. Zwischenzeitlich zetteln Ricourd, Lando und Severin unter den Sklaven einen Aufstand an, in dessen Verlauf sie fliehen können. Auch Kyra entkommt der Knechtschaft. Sie wird durch den unheimlichen Pancor und seine leichenblassen Soldaten, denen gegenĂŒber die Piraten eine unerklĂ€rliche UnterwĂŒrfigkeit an den Tag legen, als Druckmittel gegen Ricourd ausgelöst, denn der dĂŒstere Pancor will sich an dem alten Helden fĂŒr einen vermeintlichen Verrat rĂ€chen und hat zudem eigene unheilige PlĂ€ne bezĂŒglich des Portals.

Tief in den Nebelbergen, vor der Pforte des Bösen treffen die Parteien aufeinander und Ricourd soll erfahren, dass der Arm des Demonwright bis in die Reihen der Aronnd reicht.

“Das vergessene Portal” ist sowohl Armin RĂ¶ĂŸlers Debut-Roman, als auch meine erste nĂ€here Begegnung mit dem Demonwright-Universum. Keine ideale Konstellation möchte man meinen: ein scheinbar “unerfahrener” Autor trifft auf einen quengeligen, schwer zu ĂŒberzeugenden Leser. Um den ungewissen Ausgang dieses Aufeinandertreffens vorweg zu nehmen: die Demonwright-Serie hat einen weiteren Fan gewonnen.

Aber der Reihe nach: Schon der erste Eindruck ist vielversprechend. Ein gelungenes Cover von Uwe Jarling ziert den im Paperback-Format aufgelegten Roman. Eine gute PapierqualitĂ€t und der gestochen scharfe Druck erfreuen die Heyne- und FanPro-TaschenbuchgetrĂŒbten Augen. Inkunabeln leiten als originelles Gestaltungselement jedes der 16 betitelten Kapitel ein. Etwas entĂ€uschend erscheint zunĂ€chst der mit 141 Seiten vermeintlich geringe Umfang des Buchs. Da jedoch eine Seite 43 Zeilen umfasst und die ZeilenlĂ€ngen deutlich ĂŒber die eines normalen Taschenbuchs hinausgehen, relativiert sich dieser Eindruck recht schnell, zumal das “Vergessene Portal” bis zum Rand mit Sword & Sorcery und Abenteuern gefĂŒllt ist und kaum eine seitenschindende, ĂŒberflĂŒssige Passage enthĂ€lt.

Womit wir auch schon beim Inhalt wĂ€ren. Sicherlich kann man vom Autor kein Wunder in Bezug auf OriginalitĂ€t erwarten, denn dafĂŒr gibt das zugrunde liegende Rollenspiel nicht genug her, schreibt es doch althergebrachte Fantasy-Archetypen und RolePlayingGame-Klischees fort, ohne dabei fundamental Neues zu prĂ€sentieren. Dennoch ist es RĂ¶ĂŸler gelungen, aus dem eher unspektakulĂ€ren Rohmaterial eine fesselnde Geschichte zu entwerfen.

Da es offenbar nicht das Anliegen des Autors ist, die Welt Pagan explizit weiter zu entwickeln und einen Demonwright-Kanon neu zu definieren, sondern im Vordergrund die bloße Freude am Fabulieren und das ErzĂ€hlen einer kurzen Episode im Gang jener Fantasy-Welt steht, sucht der Leser opulente Beschreibungen der bereisten Örtlichkeiten und Gegenden Pagans ebenso vergebens, wie die seitenfressende, uninspirierte HackÂŽnÂŽSlay-Action, die zahlreiche Romane des Genres kennzeichnet. Vielmehr ĂŒberzeugt der Roman durch eine zurĂŒckhaltende Skizzierung der Protagonisten sowie seine thematische FĂŒlle. Von Kampf & Magie, Meuchelmördern, Piraten, Zyklopen & Helden, Gut & Böse bis hin zu Liebe, Verrat und Tod bietet er alles, was das Herz eines Fantasy-Fans begehrt. Dabei werden die Themen vom Autor stringent und ohne ĂŒberflĂŒssige Worte aufgegriffen und vorangetrieben, ErklĂ€rungen und Kontext werden gerade soviel geliefert, dass sich auch der Demonwright-unerfahrene Leser nicht alleine gelassen fĂŒhlen muss.

Die Protagonisten folgen in ihrem Aufbau erkennbar einem klassen- und attributorientierten System, reprĂ€sentieren ganz bestimmte RPG-Archetypen (KĂ€mpfer, Magier) mit unterschiedlichen -ebenfalls recht typischen- FĂ€higkeiten. Doch auch wenn sich Lando und seine GefĂ€hrten letztendlich auf wenige Charakteristika reduzieren lassen, erscheinen sie dennoch nicht langweilig stereotyp, da sie eben nicht strahlende Helden sind, sondern mit dem Schicksal hadern, SchwĂ€chen zeigen und auf die Ă€ußeren UmstĂ€nde eher reagieren als selbst das Heft in die Hand zu nehmen. Bemerkenswert ist auch, dass keiner der Charaktere die anderen dominiert, sondern der Autor jedem einzelnen die gleiche Aufmerksamkeit widmet. Dieses beraubt den Leser zwar seiner heroischen, ĂŒbergroßen Identifikationsfigur, jedoch wiegt der Gewinn an GlaubwĂŒrdigkeit und AuthentizitĂ€t den Verlust vielfach auf.

Insgesamt gelungen ist auch die vorĂŒbergehende Aufteilung des ersten großen Handlungsstranges der Teilung der Gruppe folgend in drei kleinere Bögen, wobei jedoch die Synchronisation der ZeitverlĂ€ufe gerade angesichts der in den ersten Kapiteln mehrmals erwĂ€hnten Zeitknappheit und Dringlichkeit von Ricourds Auftrags insgesamt zu oberflĂ€chlich und damit unplausibel ausfĂ€llt.

In stilistischer Hinsicht gibt es an dem Roman kaum etwas zu bemĂ€ngeln. Dialoge und beschreibende Passagen stehen in einem gut ausgewogenen VerhĂ€ltnis, der Stil ist flĂŒssig und leicht verstĂ€ndlich, auch wenn mir Sprache einen Deut zu bieder ist.

Die eindringlichsten Abschnitte des Buches stellen die surreal anmutenden Traumsequenzen dar, in welchen sich den Arrond ein dunkles Schicksal zu offenbaren scheint, aber gerade auch die letzten sechs Kapitel des Romanes, die die Geschehnisse unmittelbar um das Portal herum beschreiben, gelingt es RĂ¶ĂŸler, eine dĂŒstere und wahrhaft phantastische Stimmung zu erzeugen.

Fazit: Eine solide, gut erzĂ€hlte, unterhaltsame Fantasy-Geschichte, in der zwar nicht das Rad neu erfunden wird, die aber eigenstĂ€ndig genug ist, um den ihren Platz zwischen “Dungeons&Dragons”-, “Das Schwarze Auge”- oder “Warhammer Fantasy”-Romanen zu finden. Bleibt zu hoffen, dass die Demonwright-Reihe fortgesetzt wird und Armin RĂ¶ĂŸler auch in Zukunft den einen oder anderen Roman dazu beitrĂ€gt.

geschrieben am 01.06.2005 | 950 Wörter | 6114 Zeichen

Kommentare lesen Kommentar schreiben

Kommentare zur Rezension (0)

Platz für Anregungen und Ergänzungen