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Sacred - Die Chronik von Ancaria: Engelsblut


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Rezension von

Frank Drehmel

Engelsblut Die Vampirin Zara plagt mal wieder der Weltschmerz. Sie sehnt sich nach menschlicher Gesellschaft, was in ihrem Fall nicht unbedingt einen Bürger zum Dessert bedeutet. Eigentlich ist sie im Grunde ihres untoten Wesens eine friedliche Zeitgenossin, die sich einfach nur am Gelächter von Kindern und der geselligen Atmosphäre einer gemütlichen Gaststube erfreuen will. Und so zieht sie nach Burg Hohenmut und die Kapuze ihres Umhangs etwas tiefer ins Gesicht, da sie vor langer Zeit dort mehr als nur die Zeit totgeschlagen hat. In der Schenke “Ascarons Ruf” regt sich ihr mitleidiges Herz, weil ein paar ehrbare Bürger den ertappten Falschspieler Falk eine oder zwei Hände kürzer machen wollen. Sie bricht den braven Leuten ein paar Knochen und flüchtet mit Falk gen Wald, wo sie einige Zeit später einen Wandersmann aus den Fängen von Strauch- und sonstigen Dieben befreien. Der Gerettete namens Jahn war auf den Weg nach Hohenmut, um dort auf Kosten seines Dorfes, Moorbruch, Söldner anzuheuern, denn seit einiger Zeit schlachtet eine Bestie allein gehende junge Jungfrauen ab, reißt ihnen das Herz raus und scheint auch sonst eine ehrliche Freude am Verstümmeln zu empfinden. Wieder siegt Zaras sanfte Seele, sodass sie Jahn ihre Hilfe anbietet, Falk gibt es gratis dazu. In Moorbruch stellt sich allerdings heraus, dass die Dörfler unfreundliche Zeitgenossen sind, die sich vom örtlichen Priester, Salieri, bereitwillig zu Kinderopfern aufstacheln ließen, würde ihnen nicht der eloquente, charmante und lecker aussehende Landgraf Gregor D´Arc Einhalt gebieten. Seiner adligen Meinung nach wäre eine Treibjagd besser geeignet, das Biest zur Strecke zu bringen, als das rituelle Schlachten von Kindern. Einen Tag später macht sich daher das ganze Dorf mit Sack und Pack, Kind und Kegel auf die erfolglose Suche und es bleibt allein Zara und ihrem vampirischen Riechorgan überlassen, der Fährte des Wesens zu folgen. Schnell stellt sich heraus, dass hinter den Angriffen mehr zu steckt als ein wilder Wolf, als da wären: Zauberey, Hexenwerk und ein Verräter inmitten des griesgrämigen Landvolkes. “Engelsblut” ist der lange angekündigte erste Band einer Reihe von Romanen, die sich um das actionorientierte PC-Rollenspiel “Sacred” der deutschen Spieleschmiede Ascaron ranken. Nachdem die Geschichte der “Bestie von Gévaudan” im Jahre 2001 in Christophe Gans´ atmosphärisch dichtem Mystery-Thriller “Le Pacte des loups” zu cineastischen Ehren kam, liefert nun Steve Whitton vier Jahre später eine belletristische Fantasy-Adaption des historischen Originalstoffs. Soweit die nette Umschreibung für eine gnadenlos unoriginelle und abgekupferte Story. Statt etwas Eigenständiges zu erschaffen, verwurstet Steve Whitton Althergebrachtes in einem fantasielosen Story-Eintopf, bedient sich sowohl im Grundaufbau, als auch in einzelnen Szenen schamlos an der filmischen Vorlage, angefangen beim mysteriösen, frauenmordenden und herzherausreißenden Untier, endend bei der geheimnisvollen Gesandtin des Königs, Jael, welche im Film von Monica Belluci verkörpert wird und sich dort Sylvia nennt. Die phantastischen Elemente des Romans erschöpfen sich in der bloßen Erwähnung nicht handlungsrelevanter Dunkelelfen, wenigen Beschwörungen, die irgendwie irgendetwas bewirken oder auch nicht -zumindest nichts explizit Nachvollziehbares- und in der Figur Zaras. Darüber hinaus ist der Autor weit, weit davon entfernt, eine phantastische Welt mit eigener Kultur und Magie zu entwerfen. Stattdessen bastelt er aus Versatzstücken ein real anmutende mittelalterlich-feudalistische Dorfgemeinschaft, wobei er allerlei peinliche literarische Verrenkungen anstellt, um diesen Eindruck zu verwischen. So bezeichnet er Christen nicht als Christen, sondern als Anhänger eines/des neuen Gottes, wobei er jedoch christliche Symbolik und Organisationsformen eins zu eins übernimmt. Dass der Autor Zara zweimal in Morpheus Arme sinken lässt und damit einen unmittelbaren Bezug zur griechischen Mythologie unserer realen Welt herstellt, ist in meinen Augen ein weiteres Indiz für eine laxe, unaufrichtige und auch desinteressierte Auseinandersetzung mit der Fantasy-Materie. Auf Seiten der Protagonisten hat lediglich Zara eine erwähnenswerte Funktion und Tiefe. Sie stellt gleichsam die Verkörperung des Chevaliers de Fronsac und seines kampferprobten Gefährten Mani in einer Person dar, geht also insofern sogar über die Filmvorlage hinaus. Und genau darin besteht die Schwäche dieser Figur. Sie verfügt über eine ganze Reihe von Vorzügen -übermenschliche Schnelligkeit, bessere Sinne, beschleunigte Wundheilung-, ohne an den Nachteilen zu leiden, die dem guten alten Grafen Dracula das Vampirdasein verleideten: Zara spaziert bei Sonnenlicht über das Antlitz der Welt, isst und trinkt mittelalterliches Fastfood (Wein & Brot), hat ungeschützten GV mit dem Grafen und muss nicht einmal Blut saugen. Kurz und gut: sie ist ein -im wahrsten Sinne des Wortes- todlangweiliger Charakter, zumal der Autor nicht Willens oder in der Lage war, ihr eine faszinierende, glaubhafte Vergangenheit zu verleihen, welche über das Allernotwendigste hinaus geht. Dementsprechend banal und aufgesetzt erscheinen ihre Motive und Emotionen, die nicht zu einem tausend Jahre alten, übermenschlichen Wesen passen wollen, sondern dem freundlichen Kriegsversehrten von nebenan besser zu Gesicht stünden. Die übrigen Figuren sind mehr oder weniger bedeutungsloses Fußvolk, was insbesondere für ihren klischeehaft gezeichneten, unsympathischen Sidekick Falk gilt, der einerseits einen humoristischen Moment in die Geschichte einbringen, und andererseits Zara als Spiegel ihre “Unmenschlichkeit” dienen soll, in beiden Fällen jedoch kläglich versagt. Stilistisch betrachtet ist der Roman sicherlich kein Meilenstein des Genres, er ist jedoch locker und flüssig geschrieben. Die anfangs leicht blumige Ausdrucksweise verliert später etwas an Kraft, genügt aber jederzeit den durchschnittlichen Ansprüchen, die man an einen solchen Roman und insbesondere einen Newcomer wie Whitton stellen kann. Fazit: Ob und inwieweit Kenner des PC-Spieles dem Roman etwas abgewinnen können, vermag ich nicht zu beurteilen. Dem unbedarften Leser wird dieses Buch als schwaches, fantasieloses Erstlingswerk eine unbekannten Autors in Erinnerung bleiben. Empfehlenswert nur für Leute, die auf nett gemachte Buchcover stehen.

Die Vampirin Zara plagt mal wieder der Weltschmerz. Sie sehnt sich nach menschlicher Gesellschaft, was in ihrem Fall nicht unbedingt einen Bürger zum Dessert bedeutet. Eigentlich ist sie im Grunde ihres untoten Wesens eine friedliche Zeitgenossin, die sich einfach nur am Gelächter von Kindern und der geselligen Atmosphäre einer gemütlichen Gaststube erfreuen will. Und so zieht sie nach Burg Hohenmut und die Kapuze ihres Umhangs etwas tiefer ins Gesicht, da sie vor langer Zeit dort mehr als nur die Zeit totgeschlagen hat.

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In der Schenke “Ascarons Ruf” regt sich ihr mitleidiges Herz, weil ein paar ehrbare Bürger den ertappten Falschspieler Falk eine oder zwei Hände kürzer machen wollen. Sie bricht den braven Leuten ein paar Knochen und flüchtet mit Falk gen Wald, wo sie einige Zeit später einen Wandersmann aus den Fängen von Strauch- und sonstigen Dieben befreien.

Der Gerettete namens Jahn war auf den Weg nach Hohenmut, um dort auf Kosten seines Dorfes, Moorbruch, Söldner anzuheuern, denn seit einiger Zeit schlachtet eine Bestie allein gehende junge Jungfrauen ab, reißt ihnen das Herz raus und scheint auch sonst eine ehrliche Freude am Verstümmeln zu empfinden. Wieder siegt Zaras sanfte Seele, sodass sie Jahn ihre Hilfe anbietet, Falk gibt es gratis dazu.

In Moorbruch stellt sich allerdings heraus, dass die Dörfler unfreundliche Zeitgenossen sind, die sich vom örtlichen Priester, Salieri, bereitwillig zu Kinderopfern aufstacheln ließen, würde ihnen nicht der eloquente, charmante und lecker aussehende Landgraf Gregor D´Arc Einhalt gebieten. Seiner adligen Meinung nach wäre eine Treibjagd besser geeignet, das Biest zur Strecke zu bringen, als das rituelle Schlachten von Kindern.

Einen Tag später macht sich daher das ganze Dorf mit Sack und Pack, Kind und Kegel auf die erfolglose Suche und es bleibt allein Zara und ihrem vampirischen Riechorgan überlassen, der Fährte des Wesens zu folgen. Schnell stellt sich heraus, dass hinter den Angriffen mehr zu steckt als ein wilder Wolf, als da wären: Zauberey, Hexenwerk und ein Verräter inmitten des griesgrämigen Landvolkes.

“Engelsblut” ist der lange angekündigte erste Band einer Reihe von Romanen, die sich um das actionorientierte PC-Rollenspiel “Sacred” der deutschen Spieleschmiede Ascaron ranken.

Nachdem die Geschichte der “Bestie von Gévaudan” im Jahre 2001 in Christophe Gans´ atmosphärisch dichtem Mystery-Thriller “Le Pacte des loups” zu cineastischen Ehren kam, liefert nun Steve Whitton vier Jahre später eine belletristische Fantasy-Adaption des historischen Originalstoffs.

Soweit die nette Umschreibung für eine gnadenlos unoriginelle und abgekupferte Story. Statt etwas Eigenständiges zu erschaffen, verwurstet Steve Whitton Althergebrachtes in einem fantasielosen Story-Eintopf, bedient sich sowohl im Grundaufbau, als auch in einzelnen Szenen schamlos an der filmischen Vorlage, angefangen beim mysteriösen, frauenmordenden und herzherausreißenden Untier, endend bei der geheimnisvollen Gesandtin des Königs, Jael, welche im Film von Monica Belluci verkörpert wird und sich dort Sylvia nennt.

Die phantastischen Elemente des Romans erschöpfen sich in der bloßen Erwähnung nicht handlungsrelevanter Dunkelelfen, wenigen Beschwörungen, die irgendwie irgendetwas bewirken oder auch nicht -zumindest nichts explizit Nachvollziehbares- und in der Figur Zaras. Darüber hinaus ist der Autor weit, weit davon entfernt, eine phantastische Welt mit eigener Kultur und Magie zu entwerfen. Stattdessen bastelt er aus Versatzstücken ein real anmutende mittelalterlich-feudalistische Dorfgemeinschaft, wobei er allerlei peinliche literarische Verrenkungen anstellt, um diesen Eindruck zu verwischen. So bezeichnet er Christen nicht als Christen, sondern als Anhänger eines/des neuen Gottes, wobei er jedoch christliche Symbolik und Organisationsformen eins zu eins übernimmt. Dass der Autor Zara zweimal in Morpheus Arme sinken lässt und damit einen unmittelbaren Bezug zur griechischen Mythologie unserer realen Welt herstellt, ist in meinen Augen ein weiteres Indiz für eine laxe, unaufrichtige und auch desinteressierte Auseinandersetzung mit der Fantasy-Materie.

Auf Seiten der Protagonisten hat lediglich Zara eine erwähnenswerte Funktion und Tiefe. Sie stellt gleichsam die Verkörperung des Chevaliers de Fronsac und seines kampferprobten Gefährten Mani in einer Person dar, geht also insofern sogar über die Filmvorlage hinaus. Und genau darin besteht die Schwäche dieser Figur. Sie verfügt über eine ganze Reihe von Vorzügen -übermenschliche Schnelligkeit, bessere Sinne, beschleunigte Wundheilung-, ohne an den Nachteilen zu leiden, die dem guten alten Grafen Dracula das Vampirdasein verleideten: Zara spaziert bei Sonnenlicht über das Antlitz der Welt, isst und trinkt mittelalterliches Fastfood (Wein & Brot), hat ungeschützten GV mit dem Grafen und muss nicht einmal Blut saugen. Kurz und gut: sie ist ein -im wahrsten Sinne des Wortes- todlangweiliger Charakter, zumal der Autor nicht Willens oder in der Lage war, ihr eine faszinierende, glaubhafte Vergangenheit zu verleihen, welche über das Allernotwendigste hinaus geht. Dementsprechend banal und aufgesetzt erscheinen ihre Motive und Emotionen, die nicht zu einem tausend Jahre alten, übermenschlichen Wesen passen wollen, sondern dem freundlichen Kriegsversehrten von nebenan besser zu Gesicht stünden.

Die übrigen Figuren sind mehr oder weniger bedeutungsloses Fußvolk, was insbesondere für ihren klischeehaft gezeichneten, unsympathischen Sidekick Falk gilt, der einerseits einen humoristischen Moment in die Geschichte einbringen, und andererseits Zara als Spiegel ihre “Unmenschlichkeit” dienen soll, in beiden Fällen jedoch kläglich versagt.

Stilistisch betrachtet ist der Roman sicherlich kein Meilenstein des Genres, er ist jedoch locker und flüssig geschrieben. Die anfangs leicht blumige Ausdrucksweise verliert später etwas an Kraft, genügt aber jederzeit den durchschnittlichen Ansprüchen, die man an einen solchen Roman und insbesondere einen Newcomer wie Whitton stellen kann.

Fazit: Ob und inwieweit Kenner des PC-Spieles dem Roman etwas abgewinnen können, vermag ich nicht zu beurteilen. Dem unbedarften Leser wird dieses Buch als schwaches, fantasieloses Erstlingswerk eine unbekannten Autors in Erinnerung bleiben. Empfehlenswert nur für Leute, die auf nett gemachte Buchcover stehen.

geschrieben am 02.04.2005 | 888 Wörter | 5461 Zeichen

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