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Der Keltenfürst


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Rezension von

Frank Drehmel

Der Keltenfürst Mit Sack und Pack in Person von Ehefrau Sabrina, Söhnchen Lukas, Kater Hardy und der Mama macht sich der keltophile Schriftsteller Thomas Staub auf den Weg in die kleine saarländische Ortschaft Wallburgen um das Erbe seines vom Herztod dahingerafften Vaters, ein kleines, schmuckes Häuschen, anzutreten und neue schöpferische Kraft zu sammeln. Die pittoreske Gegend scheint dafür wie geschaffen, doch die Stimmung des Mannes ist - im Gegensatz zu der seiner Frau - von Anfang an getrübt. Alpträume plagen Staub, ein seltsamer, ortsansässiger Antiquar namens Ralf Fontanelli ergeht sich in obskuren Andeutungen und Teile der einheimischen Bevölkerung verhalten sich merkwürdig feindselig. Dieses alles ist Grund genug für den Schriftsteller, in Archiven die Geschichte des Dorfes zu recherchieren. Und siehe da: Wallburgen hat eine blutige Vergangenheit, die bis in die Gegenwart hinein reicht und die sich in sadistischen Gräueltaten augenscheinlich normaler Bürger manifestiert. Zusammen mit Fontanelli und dessem verschrobenen Freund Ciaran macht sich Staub gezwungenermaßen – er und seine Familie sind längst zu Spielbällen mythischer Mächte geworden - daran, das Geheimnis Wallburgens zu enträtseln. Im Zentrum aller Vorkommnisse scheint ein altes Keltengrab sowie eine mysteriöse Sekte von Fenris-Anbetern zu stehen und auch die beiden alten Männer scheinen mehr zu wissen, als sie zunächst zugeben. Als langjähriger Freund keltischer Kultur (bzw. des verklärten – respektive verklärenden - Bildes dieser Kultur, welches durch unzählige Romane, Sachbücher und Zwischennetz-Seiten geistert) und als Fan dekorativer grafischer Muster stand ich selbstredend dem Roman Daniel Staubs nicht nur neutral unvoreingenommen, sondern voller freudiger Erwartung gegenüber. Um es kurz zu machen:der Roman hinterlässt einen ambivalenten Eindruck. Zunächst einmal ist es grundsätzlich erfreulich, deutsches Lokalkolorit und deutsche Ars Vivendi in Gestalt kleinbürgerlicher Spießigkeit und sendungsbewusster Borniertheit in einem Fantasy-Roman wiederzufinden, denn je größer die Nähe des Lesers zu Figuren und Handlung, desto brutaler der Einbruch des Grauens und des Metaphysischen in dessen Gedankenwelt, jedenfalls tendenziell. In Bezug auf deutsche Eigenarten bietet Straubs Geschichte tatsächlich Einiges an Wiedererkennungswert, allein das Grauen oder auch nur ein Gefühl des Phantastischen will sich nur widerwillig einstellen Nach einem atmosphärisch dichten und die deutsche Seele berührenden, gelungenen Einstieg ver(sch)wendet der Autor viel zu viel Zeit darauf, zwei alte Männer – Francelli und Ciaran – ein esoterisch verklärtes, verqueres Weltbild in dozierendem Ton vortragen zu lassen, dem der Hauptprotagonist argumentativ nichts entgegensetzt, obgleich es Einwände zu Hauf gäbe: Wenn die beiden Baumkuscheler – man mag mir meine Ironie nachsehen, aber ich, der ich Märchen und Fantasy liebe, habe ernste Problem mit bekennenden Kreationisten, intelligenten Designern oder Esoterikern, welche mit Bruder Bärlauch, Schwester Sonne und Kollege Kaffeeautomat auf du und du stehen – wissenschaftliche Wahrheit als subjektive Interpretation vor einem bestimmten sozialen und kulturellen Kontext abtun, dann würde ich an Stelle des Helden mit gebührendem Respekt (^^) die Frage stellen, vor welchem Kontext man zu der Erkenntnis gelangt, Sand, Steine, Wasser, Kalk und Würmer (also die fünf Erdteile nach Donald Duck) wären von Geistern beseelt bzw. bewohnt. Und vor allem: woraus lässt sich der Wahrheitsanspruch ausgerechnet dieser These ableiten? Meine intellektuelle Schmerzgrenze ist spätestens dann erreicht, wenn es heißt, Geschöpfe der Phantasie müssen alleine deshalb existieren, weil wir sie ansonsten nicht hätten erdenken können. GONG! Meine Damen und Herren, und an dieser Stelle grüßt Darth Vader den denobulanischen, Tarantella tanzenden Korkenzieher Klotzsprox! Wir machen weiter mit Marschmusik! GONG! Das Hauptproblem des Romans besteht darin, dass der Autor, anstatt die Handlung dynamisch voranzutreiben und Spannungsbögen konsequent aufzubauen, gerade im Mittelteil des Romans den Leser Seite um Seite mit philosophischen Ergüssen zweier Möchtegern-Schamanen malträtiert, denen das Inhalieren allerlei natürlicher Dinge augenscheinlich ein veritables biochemisches Ungleichgewicht in ihrem cerebralen Cortex beschert haben muss und die eher ein Fall für Dr. House denn für das Leben in freier Wildbahn sein dürften. Daniel Daub versteht nicht oder ignoriert, dass das Funktionieren von Fantasy-, Horror- oder Spukgeschichten und ausschweifende Erklärungen nicht grundsätzlich positiv korreliert sind, es sei denn, es handelt sich um Werke epischen Ausmaßes und Umfangs, die prinzipiell mehr Raum für Exkurse in esoterische Exegesen bieten. Nachdem er mit langatmigen Ausflügen in abstruse Geisteswelten, die mit explizit keltischer Kultur höchstens am Rande zu tun haben, Seite um Seite vertrödelt hat, reißt der Autor den Leser plötzlich mit gleichsam brachialer Gewalt aus dem Zustand geistigen Dahindämmerns und lässt die eigentliche Handlung so rabiat über einen hereinbrechen, dass eine gewisse Desorientierung nach dem Motto, „Hä! Was'n nu los?“, Raum greift. Gleichzeitig vollzieht sich auch eine Art intellektueller Bruch. Waren die Gedankengänge bis dahin zwar fragwürdig, belegten darüber hinaus jedoch einen deutlichen bildungsbürgerlichen Background des Verfassers, so beginnen nun Stereotype und Klischees die Handlung ins Triviale abgleiten zu lassen. Wenn bspw. der Oberschwarzmessler mit seinem „hoch aufgerichtetem Glied“ schändliche Dinge anstellen will, dann kichern nicht nur Schulmädchen. Neben der Abgeschmacktheit macht ein weiterer Aspekt gerade diese lächerlich triviale Szene erwähnenswert: die folgende, vollkommene emotionale Demontage des Hauptprotagonisten. Als seine Frau, das potenzielle Opfer der feuchten Träume des Glied-Mannes schluchzend in des Heldens Armen liegt, nachdem er und die beiden alten Zausel sie im letzten Moment gerettet haben, und aufgelöst feststellt, „Sie wollten mich vergewaltigen“, fällt Staub nichts Besseres ein als, „Ja, ich weiß. Eine typische rituelle Schändung.“. Überzeugt gerade zu Beginn des Romans die Distanz, mit der der Held sich und seine Umwelt betrachtet, so wächst mit dieser zutiefst autistischen Aussage diese Distanziertheit zu etwas Kaltem, Unmenschlichen und macht den letzten Rest der Sympathie, die man nach dem weicheierigen Auftreten gegenüber den beiden manipulativen Alten noch für die Hauptfigur hegte, gänzlich zunichte. Der Ärger über die inhaltlichen Schwächen ist um so größer, als der Roman stilistisch und sprachlich im Großen und Ganzen durchaus zu überzeugen weiß. Ein lebendiger, reichhaltiger Wortschatz, eine alles in allem stimmungsvolle Metaphorik, ein Satzbau, der den - isoliert betrachtet - präzise formulierten Gedankengängen – also nicht dem wirren Ganzen - Rechnung trägt und wenig Stilblüten belegen, dass Daniel Daub in sprachlicher Hinsicht und trotz aller Trivialität durchaus mit Talent gesegnet ist. Fazit: Die Stärke des Romans liegt vor allen in der (deutschen) Normalität des Hauptprotagonisten. Bedauerlicherweise geht dieser interessante Ansatz im Laufe der Geschichte in einer ausschweifenden konfus erzählten, unrhythmischen und klischeehaften Handlung unter.

Mit Sack und Pack in Person von Ehefrau Sabrina, Söhnchen Lukas, Kater Hardy und der Mama macht sich der keltophile Schriftsteller Thomas Staub auf den Weg in die kleine saarländische Ortschaft Wallburgen um das Erbe seines vom Herztod dahingerafften Vaters, ein kleines, schmuckes Häuschen, anzutreten und neue schöpferische Kraft zu sammeln.

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Buchtitel
1
18.02.2018
4
18.02.2018
5
18.02.2018

Die pittoreske Gegend scheint dafür wie geschaffen, doch die Stimmung des Mannes ist - im Gegensatz zu der seiner Frau - von Anfang an getrübt. Alpträume plagen Staub, ein seltsamer, ortsansässiger Antiquar namens Ralf Fontanelli ergeht sich in obskuren Andeutungen und Teile der einheimischen Bevölkerung verhalten sich merkwürdig feindselig.

Dieses alles ist Grund genug für den Schriftsteller, in Archiven die Geschichte des Dorfes zu recherchieren. Und siehe da: Wallburgen hat eine blutige Vergangenheit, die bis in die Gegenwart hinein reicht und die sich in sadistischen Gräueltaten augenscheinlich normaler Bürger manifestiert.

Zusammen mit Fontanelli und dessem verschrobenen Freund Ciaran macht sich Staub gezwungenermaßen – er und seine Familie sind längst zu Spielbällen mythischer Mächte geworden - daran, das Geheimnis Wallburgens zu enträtseln. Im Zentrum aller Vorkommnisse scheint ein altes Keltengrab sowie eine mysteriöse Sekte von Fenris-Anbetern zu stehen und auch die beiden alten Männer scheinen mehr zu wissen, als sie zunächst zugeben.

Als langjähriger Freund keltischer Kultur (bzw. des verklärten – respektive verklärenden - Bildes dieser Kultur, welches durch unzählige Romane, Sachbücher und Zwischennetz-Seiten geistert) und als Fan dekorativer grafischer Muster stand ich selbstredend dem Roman Daniel Staubs nicht nur neutral unvoreingenommen, sondern voller freudiger Erwartung gegenüber.

Um es kurz zu machen:der Roman hinterlässt einen ambivalenten Eindruck. Zunächst einmal ist es grundsätzlich erfreulich, deutsches Lokalkolorit und deutsche Ars Vivendi in Gestalt kleinbürgerlicher Spießigkeit und sendungsbewusster Borniertheit in einem Fantasy-Roman wiederzufinden, denn je größer die Nähe des Lesers zu Figuren und Handlung, desto brutaler der Einbruch des Grauens und des Metaphysischen in dessen Gedankenwelt, jedenfalls tendenziell.

In Bezug auf deutsche Eigenarten bietet Straubs Geschichte tatsächlich Einiges an Wiedererkennungswert, allein das Grauen oder auch nur ein Gefühl des Phantastischen will sich nur widerwillig einstellen

Nach einem atmosphärisch dichten und die deutsche Seele berührenden, gelungenen Einstieg ver(sch)wendet der Autor viel zu viel Zeit darauf, zwei alte Männer – Francelli und Ciaran – ein esoterisch verklärtes, verqueres Weltbild in dozierendem Ton vortragen zu lassen, dem der Hauptprotagonist argumentativ nichts entgegensetzt, obgleich es Einwände zu Hauf gäbe:

Wenn die beiden Baumkuscheler – man mag mir meine Ironie nachsehen, aber ich, der ich Märchen und Fantasy liebe, habe ernste Problem mit bekennenden Kreationisten, intelligenten Designern oder Esoterikern, welche mit Bruder Bärlauch, Schwester Sonne und Kollege Kaffeeautomat auf du und du stehen – wissenschaftliche Wahrheit als subjektive Interpretation vor einem bestimmten sozialen und kulturellen Kontext abtun, dann würde ich an Stelle des Helden mit gebührendem Respekt (^^) die Frage stellen, vor welchem Kontext man zu der Erkenntnis gelangt, Sand, Steine, Wasser, Kalk und Würmer (also die fünf Erdteile nach Donald Duck) wären von Geistern beseelt bzw. bewohnt. Und vor allem: woraus lässt sich der Wahrheitsanspruch ausgerechnet dieser These ableiten?

Meine intellektuelle Schmerzgrenze ist spätestens dann erreicht, wenn es heißt, Geschöpfe der Phantasie müssen alleine deshalb existieren, weil wir sie ansonsten nicht hätten erdenken können. GONG! Meine Damen und Herren, und an dieser Stelle grüßt Darth Vader den denobulanischen, Tarantella tanzenden Korkenzieher Klotzsprox! Wir machen weiter mit Marschmusik! GONG!

Das Hauptproblem des Romans besteht darin, dass der Autor, anstatt die Handlung dynamisch voranzutreiben und Spannungsbögen konsequent aufzubauen, gerade im Mittelteil des Romans den Leser Seite um Seite mit philosophischen Ergüssen zweier Möchtegern-Schamanen malträtiert, denen das Inhalieren allerlei natürlicher Dinge augenscheinlich ein veritables biochemisches Ungleichgewicht in ihrem cerebralen Cortex beschert haben muss und die eher ein Fall für Dr. House denn für das Leben in freier Wildbahn sein dürften.

Daniel Daub versteht nicht oder ignoriert, dass das Funktionieren von Fantasy-, Horror- oder Spukgeschichten und ausschweifende Erklärungen nicht grundsätzlich positiv korreliert sind, es sei denn, es handelt sich um Werke epischen Ausmaßes und Umfangs, die prinzipiell mehr Raum für Exkurse in esoterische Exegesen bieten.

Nachdem er mit langatmigen Ausflügen in abstruse Geisteswelten, die mit explizit keltischer Kultur höchstens am Rande zu tun haben, Seite um Seite vertrödelt hat, reißt der Autor den Leser plötzlich mit gleichsam brachialer Gewalt aus dem Zustand geistigen Dahindämmerns und lässt die eigentliche Handlung so rabiat über einen hereinbrechen, dass eine gewisse Desorientierung nach dem Motto, „Hä! Was'n nu los?“, Raum greift.

Gleichzeitig vollzieht sich auch eine Art intellektueller Bruch. Waren die Gedankengänge bis dahin zwar fragwürdig, belegten darüber hinaus jedoch einen deutlichen bildungsbürgerlichen Background des Verfassers, so beginnen nun Stereotype und Klischees die Handlung ins Triviale abgleiten zu lassen. Wenn bspw. der Oberschwarzmessler mit seinem „hoch aufgerichtetem Glied“ schändliche Dinge anstellen will, dann kichern nicht nur Schulmädchen.

Neben der Abgeschmacktheit macht ein weiterer Aspekt gerade diese lächerlich triviale Szene erwähnenswert: die folgende, vollkommene emotionale Demontage des Hauptprotagonisten. Als seine Frau, das potenzielle Opfer der feuchten Träume des Glied-Mannes schluchzend in des Heldens Armen liegt, nachdem er und die beiden alten Zausel sie im letzten Moment gerettet haben, und aufgelöst feststellt, „Sie wollten mich vergewaltigen“, fällt Staub nichts Besseres ein als, „Ja, ich weiß. Eine typische rituelle Schändung.“. Überzeugt gerade zu Beginn des Romans die Distanz, mit der der Held sich und seine Umwelt betrachtet, so wächst mit dieser zutiefst autistischen Aussage diese Distanziertheit zu etwas Kaltem, Unmenschlichen und macht den letzten Rest der Sympathie, die man nach dem weicheierigen Auftreten gegenüber den beiden manipulativen Alten noch für die Hauptfigur hegte, gänzlich zunichte.

Der Ärger über die inhaltlichen Schwächen ist um so größer, als der Roman stilistisch und sprachlich im Großen und Ganzen durchaus zu überzeugen weiß. Ein lebendiger, reichhaltiger Wortschatz, eine alles in allem stimmungsvolle Metaphorik, ein Satzbau, der den - isoliert betrachtet - präzise formulierten Gedankengängen – also nicht dem wirren Ganzen - Rechnung trägt und wenig Stilblüten belegen, dass Daniel Daub in sprachlicher Hinsicht und trotz aller Trivialität durchaus mit Talent gesegnet ist.

Fazit: Die Stärke des Romans liegt vor allen in der (deutschen) Normalität des Hauptprotagonisten. Bedauerlicherweise geht dieser interessante Ansatz im Laufe der Geschichte in einer ausschweifenden konfus erzählten, unrhythmischen und klischeehaften Handlung unter.

geschrieben am 21.01.2009 | 995 Wörter | 6442 Zeichen

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