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Fremde Treue


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Rezension von

Dr. Benjamin Krenberger

Fremde Treue Dieser dritte Laidlaw-Band ist deutlich schwergängiger zu lesen als die beiden Vorgängerbände. Dies liegt daran, dass es diesmal eine überwiegend intrinsische Erzählung ist, während zuvor eher die äußeren Geschehnisse eines zu lösenden Kriminalfalls den Lesefluss bestimmten. Hier aber wird Jack Laidlaw auf sich selbst zurückgeworfen, als er vom Tod seines Bruders erfährt und die Ursachen zu ergründen versucht. Mit kleinteiliger, psychisch belastender Fallarbeit findet er Teil um Teil eines Puzzels, das so vor ihm noch keiner freiwillig zusammenzusetzen versuchte. Aber was er dabei über seinen Bruder, seine Heimat und vor allem sich selbst erfährt, ist alles andere als motivierend. Die Selbsterkenntnisse über das eigene, irgendwie aus den Bahnen geratene Leben, das durch die Polizeiarbeit so unentwirrbar mit dem Bösen der Welt verknüpft ist, sind schmerzhaft, deprimierend, aber teilweise auch sehr zäh zu lesen. Denn Jack Laidlaw war auch deswegen so ein guter Romancharakter, weil er mit gewisser Tiefgründigkeit zu wunderbar zynischen Bemerkungen fähig war, die das Gegenüber entwaffnen, irritieren oder emotional umlenken konnten. Diese Bemerkungen gibt es auch hier, aber wenn der Zynismus sich gegen Laidlaw selbst wendet, weil er und damit auch der Leser die dunklen Stellen des eigenen Lebens erkennt und hinterfragt, dann hat man weniger Spaß an dem Buch als erhofft. So aber präsentiert sich Jack Laidlaw auf seinem kleinen Kreuzzug gegen sich selbst, mit schwachen Finanzen, einer gescheiterten Ehe, einer brüchigen Beziehung, mit einem ihm in weiten Teilen doch unbekannt gebliebenen und auf seine ganz eigene Art ebenso am Leben verzweifelten Bruder, mit skeptischen Kollegen und dennoch nie enden wollenden Verbrechen in Glasgow und anderswo in Schottland, die den Glauben an das Gute, den Jack Laidlaw immer als innere Monstranz hochzuhalten gewillt war, langsam unterminieren. Wie nebenbei werden zwei ineinander verstrickte Todesfälle aufgeklärt, die dann auch noch mit Jacks Bruder Scott zusammenhängen. Bis kurz vor Schluss tappt der Leser ähnlich im Dunkeln wie Laidlaw selbst und als dann am Ende in einem langen klärenden Gespräch mit einem von Scotts Weggefährten der Einblick in Scotts früheres Leben und kürzliches Sterben gelingt, bleibt der Eindruck trotzdem irgendwie schal. Denn die vorherige Geschichte ist mit Namen, Orten und (scheinbaren) Verwicklungen so komplex gefasst, dass man am Ende nicht die Dosis an Durchblick erlangt hat, die man sich gewünscht hätte. Bzw. denkt: das hätte man auch schlanker hinkriegen können. Einzig die Erkenntnis, dass Jack Laidlaw ein armer Hund und am Ende ist, bleibt, aber das hatte man schon während der gesamten Lektüre plastisch vor Augen. Nicht einmal der Romantitel kommt richtig zur Geltung: das Aufblitzen dieses Bildes der fremden Treue, dieses weitreichenden Gedankens, den Laidlaw beim Betrachten des Gewimmels in der der Innenstadt von Glasgow hat, versandet inmitten der sperrigen Geschichte völlig. Dennoch: auch dieser dritte Laidlaw-Band ist an sich gut geschrieben, mit vielen bewunderswerten, sprachlichen Glanzstücken. Aber wenn die beiden Vorgängerbände mich nicht so überzeugt hätten, hätte ich nach diesem Buch sicher kein weiteres über Laidlaw lesen wollen.

Dieser dritte Laidlaw-Band ist deutlich schwergängiger zu lesen als die beiden Vorgängerbände. Dies liegt daran, dass es diesmal eine überwiegend intrinsische Erzählung ist, während zuvor eher die äußeren Geschehnisse eines zu lösenden Kriminalfalls den Lesefluss bestimmten. Hier aber wird Jack Laidlaw auf sich selbst zurückgeworfen, als er vom Tod seines Bruders erfährt und die Ursachen zu ergründen versucht. Mit kleinteiliger, psychisch belastender Fallarbeit findet er Teil um Teil eines Puzzels, das so vor ihm noch keiner freiwillig zusammenzusetzen versuchte. Aber was er dabei über seinen Bruder, seine Heimat und vor allem sich selbst erfährt, ist alles andere als motivierend. Die Selbsterkenntnisse über das eigene, irgendwie aus den Bahnen geratene Leben, das durch die Polizeiarbeit so unentwirrbar mit dem Bösen der Welt verknüpft ist, sind schmerzhaft, deprimierend, aber teilweise auch sehr zäh zu lesen. Denn Jack Laidlaw war auch deswegen so ein guter Romancharakter, weil er mit gewisser Tiefgründigkeit zu wunderbar zynischen Bemerkungen fähig war, die das Gegenüber entwaffnen, irritieren oder emotional umlenken konnten. Diese Bemerkungen gibt es auch hier, aber wenn der Zynismus sich gegen Laidlaw selbst wendet, weil er und damit auch der Leser die dunklen Stellen des eigenen Lebens erkennt und hinterfragt, dann hat man weniger Spaß an dem Buch als erhofft.

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So aber präsentiert sich Jack Laidlaw auf seinem kleinen Kreuzzug gegen sich selbst, mit schwachen Finanzen, einer gescheiterten Ehe, einer brüchigen Beziehung, mit einem ihm in weiten Teilen doch unbekannt gebliebenen und auf seine ganz eigene Art ebenso am Leben verzweifelten Bruder, mit skeptischen Kollegen und dennoch nie enden wollenden Verbrechen in Glasgow und anderswo in Schottland, die den Glauben an das Gute, den Jack Laidlaw immer als innere Monstranz hochzuhalten gewillt war, langsam unterminieren.

Wie nebenbei werden zwei ineinander verstrickte Todesfälle aufgeklärt, die dann auch noch mit Jacks Bruder Scott zusammenhängen. Bis kurz vor Schluss tappt der Leser ähnlich im Dunkeln wie Laidlaw selbst und als dann am Ende in einem langen klärenden Gespräch mit einem von Scotts Weggefährten der Einblick in Scotts früheres Leben und kürzliches Sterben gelingt, bleibt der Eindruck trotzdem irgendwie schal. Denn die vorherige Geschichte ist mit Namen, Orten und (scheinbaren) Verwicklungen so komplex gefasst, dass man am Ende nicht die Dosis an Durchblick erlangt hat, die man sich gewünscht hätte. Bzw. denkt: das hätte man auch schlanker hinkriegen können. Einzig die Erkenntnis, dass Jack Laidlaw ein armer Hund und am Ende ist, bleibt, aber das hatte man schon während der gesamten Lektüre plastisch vor Augen. Nicht einmal der Romantitel kommt richtig zur Geltung: das Aufblitzen dieses Bildes der fremden Treue, dieses weitreichenden Gedankens, den Laidlaw beim Betrachten des Gewimmels in der der Innenstadt von Glasgow hat, versandet inmitten der sperrigen Geschichte völlig.

Dennoch: auch dieser dritte Laidlaw-Band ist an sich gut geschrieben, mit vielen bewunderswerten, sprachlichen Glanzstücken. Aber wenn die beiden Vorgängerbände mich nicht so überzeugt hätten, hätte ich nach diesem Buch sicher kein weiteres über Laidlaw lesen wollen.

geschrieben am 24.01.2016 | 479 Wörter | 2828 Zeichen

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